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Wenn der Euro crasht: Fünf Szenarien für die Interaktivbranche
18.09.2012 "Euro-Crash", "Krise", "Rezession", "Abschwung". So, nun haben wir die ganzen bösen Wörter geschrieben, die für die deutsche Interaktiv-Branche (nach deren eigener Meinung) so gar keine Bedeutung haben. Dabei lügt sich die Branche allerdings in die Tasche. Zumindest ein ziemliches bisschen. Fünf Szenarien, was passieren kann und was passieren wird.
Doch der Zweckoptimismus wird kontrastiert durch die iBusiness-Untersuchungen der vergangenen Monate. Die Auswertung des Wirtschaftsklimas vom Frühsommer 2012 zeigte eine spürbar abgekühlte Stimmung bei den Interaktiventscheidern: Die allgemeine Wirtschafts- und Branchenstimmung wird von den deutschsprachigen Entscheidern insgesamt gut beurteilt. Die Einschätzung der eigenen Umsätze hingegen, der härteren Währung, lag deutlich unter der Bewertung zur allgemeinen Branche und erreichte den schlechtesten Wert seit zehn Jahren. Auf der Skala zwischen minus fünf und plus fünf liegt dieser Wert zwar noch in einem positiven Bereich mit 0,48. Vergleicht man diesen Indexwert jedoch mit dem Wert im Herbst 2010, der noch bei 1,19 lag, verdeutlicht sich die stark ausgebremste Stimmung. Die Geschäftsführer der Interaktivbranche schätzen damit ihre eigenen Umsätze seit einem Jahr immer niedriger ein. Ein Alarmzeichen.
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Denn wenn beispielsweise der ECommerce-Markt zwei Drittel des gesamten Versandhandelsumsatzes ausmacht, dann gibt es nicht mehr viel zu migrieren. Und wenn jeder zahlungskräftige Mittelständler einen vernünftigen Webauftritt hat, dann kann man schon mal ein bis zwei Jahre aussetzen bis zum Relaunch. Vergleicht man das interaktive Wirtschaftsklima mit dem aktuellen IFO-Geschäftsklimaindex, dann zeigt sich, dass die deutsche Interaktivwirtschaft sich nur zeitweise abkoppeln kann von der Gesamtwirtschaft:
Basierend auf vier möglichen Szenarien, die Wirtschaftsexperten für die Zukunft des Euros entwickelt haben (und wissend, dass auch in Deutschland eine der üblichen zyklischen Wirtschaftsflauten bevorsteht), haben wir die Entwicklungen, die in den jeweiligen Fällen eintreten, auf wahrscheinliche Entwicklungen in der Interaktivindustrie gemappt. Hier kommen wir zu fünf Szenarien, weil manche Wirtschaftsszenarien ähnliche Auswirkungen für die Interaktivindustrie haben, andere je nach Entwicklung hingegen in unterschiedlichen Effekten resultieren.
| Fünf interaktive Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung in der Krise | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Euro-Szenarien | Folgen für die deutsche Wirtschaft | Szenarien für die Interaktivwirtschaft | |||||
| 1. Weiter so Die europäischen Regierungschefs können sich weder auf eine europäische Wirtschaftsregierung noch auf einen klaren Euro-Schnitt einigen. Stattdessen wird von Krise zu Krise weitergehangelt. Investitionsprogramme, wenn auch halbherzig durchgeführt, sorgen dafür, dass die Krisenstaaten am Tropf hängend überleben. | Sparen dämpft das Wirtschaftswachstum und verschärft das Schuldenproblem. Ohne einen breit angesetzten Marshall-Plan ist das nötige Wachstum nicht zu erreichen. Die Krisenstaaten bleiben Krisenherde. Die Rezession greift abgeschwächt auf Deutschland über. Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent |
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| 2. Geld-Flut Länder finanzieren ihre Schulden nicht länger über nationale Schuldenpapiere, sondern im Kollektiv mit anderen Staaten der Euro-Zone - wahlweise direkt über Euro-Bonds oder indirekt über Initiativen der Europäischen Zentralbank. | Die Zinsen in den Schuldenländern sinken. Langfristig verschärfen sich die strukturellen Ungleichgewichte. Ohne zusätzliche disziplinierende Maßnahmen sinkt in Krisenstaaten der Anreiz, Strukturreformen voranzutreiben. Der exportorientierte Teil der deutschen Wirtschaft gerät langfristig unter Druck, weil im Kernmarkt Europa potenzielle Käuferstaaten nicht auf die Füße kommen. Wahrscheinlichkeit: 35 Prozent | ||||||
| 3. Der Euro zerbricht Staaten wie Griechenland werden aus der Euro-Zone gedrängt. Oder es bildet sich eine Nord-Euro-Zone mit den solventeren Staaten, weil in einer Kettenreaktion die Südstaaten den Euro aufgeben müssen. | Schon das Ausscheiden eines einzelnen Staates aus dem Euro hätte nach Ansicht einer Studie von PwC und Hamburger Weltwirtschaftsinstitut katastrophale Folgen. Kredite müssten sofort abgeschrieben werden. Garantien aus den Rettungspaketen würden fällig. Das würde die Haushalte der Geberländer enorm belasten. Die Folge wäre eine europaweite Rezession und Verwerfungen der Weltwirtschaft. Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent | ||||||
| 4. Alles wird gut Die Währungsunion wird zur politischen Union. Staaten geben Macht an eine staatenübergreifende EU-Regierung ab. | Der Euro gewinnt an Wert, die Wirtschaft boomt EU-weit und der 1. FC Köln wird Deutscher Fußballmeister. Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent | ||||||

