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Vier Technologien im Hype-Check: Nur eine ist ein Gamechanger
16.03.2022 Das Metaverse, die ewigen Nachwuchstalente Bitcoins, die hochgehandelten NFTs und das Fälschungstool Deepfakes: iBusiness prüft, welche Technologien wirklich den Markt verändern werden. Mit einer überraschenden Erkenntnis.
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- Non Fungible Tokens (bei Lesebedarf, hier die iBusiness-Analyse zu NFTs)
- Bitcoins (iBusinessAnalyse hier)
- Deepfakes (iBusinessAnalyse hier)
- und das (Metaverse)
- Mehrwert: Wie viel besser ist ein neues Produkt als bestehende Lösungen? Gibt es einen Anlass, überhaupt die neue Technologie zu adaptieren? Beispiel Mobile Payment: EC-Karten und Bargeld sind für die meisten Menschen okay. Der Mehrwert von Wallets ist gering, ergo kommt das Produkt in Deutschland nicht vom Fleck.
- Netzfaktor: Wie vernetzt ist eine Erfindung? Wie groß ist die kritische Masse an NutzerInnen? Erreicht man mit der Anwendung beispielsweise alle relevanten Kontakte? Beispiel: Alle sind bei Whatsapp. Deswegen haben es alle anderen OTT-Dienste schwer - sie kommen gegen den Vernetzungsgrad nicht an.
- Marktdruck: Erzeugt der Markt Druck, der VerbraucherInnen und EntwicklerInnen animiert, auf den Zug aufzuspringen? Existiert eine große Marketingkampagne? Gibt es attraktive Anwendungen? Wenn alle über die tolle neue Amazon-Video/Netflix-Serie reden, komme ich irgendwann nicht mehr drum herum, diese Dienste auch zu abonnieren.
- Usability: Kurz gefragt: "Funktioniert das Ding?" Eine miese Usability kann eine schlechte Bedienbarkeit bei ansonsten einwandfreier Funktion sein - oder etwas, das zwar einfach zu bedienen ist, aber schlicht nicht klappt: Die automatisch generierten Untertitel bei Youtube etwa sind konzeptionell eine tolle Idee, nur generiert die Spracherkennung des Portals leider dauernd Hokuspokus.
- Coolnessfaktor: Ist es cool, das Produkt zu verwenden? Manchmal befindet man sich hier in einem Spannungsfeld, bei dem die Energie der Pole ganz schnell kippen kann: Handys waren anfangs verpönt, wer damit herumlief, irgendwie schmierig-großspurig; doch die latent neidische Bewunderung kippte alsbald und schuf einen Megatrend.
- Sicherheit: Ist die Technologie sicher gegen Missbrauch oder Hacker? Ist Kapital, das ich hier einbringe, sicher angelegt? Kann ich mich darauf verlassen, dass sie eine Zukunft hat - kurz: Der Faktor, der VerbraucherInnen, InvestorInnen und Markt das Vertrauen einflößt, das die Technik zum Erfolg braucht.
- Wechselkomfort: Was kostet es den Nutzer oder die Nutzerin, von seiner oder ihrer bestehenden Lösung umzusatteln auf ein neues Produkt? Mit Kosten müssen nicht materielle Kosten gemeint sein, oft genügt zu viel Mühe, um Erfolg im Keim zu ersticken. Kein Wunder, dass Apple für Smartphone-Konvertiten eine eigene 'Move from Android'-App programmiert hat: Das ist Software-gewordener Wechselkomfort.
Disruptionsanalyse für das Metaversum
Was ändert sich wirklich? Der verstärkte Bedarf nach virtuellen Substituten für reale Treffen ist ein Pandemie-Phänomen, bislang wurde er ausreichend von sozialen Medien und Videocall-Lösungen aufgefangen. Das Metaversum leistet hier kaum Neues. Interessant wird es vielleicht in Nischen wie B2B-Einkauf und dem Learning, wenn Wissensdatenbanken, Zulieferer und Simulationen miteinander verschmelzen: Ich schaue in einer virtuellen Repräsentation meines Flugzeuges nach, welches Teil kaputt ist, konsultiere Avionik-Fachliteratur in einer angeschlossenen Bibliothek, hole mir dann das Ersatzteil beim Fachhändler und schaue virtuell nach, ob es die Maschine wieder zum Laufen bringt.
Der wirkliche Disruptionsfaktor: Das Metaverse ist ein Nischenprodukt. In der fantastischen und SciFi-Literatur werden Metaversen meist von bösen Monopol-Konzernen errichtet und unterhalten: So einen Monolithen bräuchte es aber auch. Solange der Markt frei ist, wird es verschiedene virtuelle Räume geben, manche davon vernetzt, andere abgegrenzt. Disruptionspotenzial: Langfristig eher gering.
Disruptionsanalyse für Bitcoins
Was ändert sich wirklich? Der Goldgräberrausch der Anfangstage ist längst der Erkenntnis gewichen, dass der Bitcoin genau so wenig wie das echte Geld auf der Straße liegt. Wert und Kursentwicklungen sind hochgradig anfällig für die Stimmungen des Marktes und rein abgeleitet, ohne echten Wert.
Der wirkliche Disruptionsfaktor:Spannend ist und bleibt die Blockchain, der Bitcoin ist der ehrenhafte, aber inzwischen korrumpierte Versuch einer neuen Währung. Andere werden folgen und es eventuell besser machen - und energieeffizienter, denn der Bitcoin ist eine Umweltsau. Disruptionspotenzial: Nischig, damit global eher.
Disruptionsanalyse für Non-Fungible-Tokens
Heilsversprechen: Die Mona Lisa? Die Blaue Mauritius? Das Original Kleine Schwarze von Channel? All das sollte es dank NFTs virtuell geben. Unverwechselbare einzigartige Objekte: So wie ich die Uhr am Handgelenk trage, die mein Großvater mir schenkte, trägt mein Avatar im Metaversum die Uhr, die ich ihm gekauft habe - ein virtuelles Unikat.
Was ändert sich wirklich? Weniger ändert sich, als viele glauben mögen. Denn NFTs sind schlicht und einfach nur virtuelle, zwar sicherheitstechnisch nahezu wasserdichte, aber dennoch nur schlichte Eigentumsdokumente. Man kann virtuelle Dokumente, an denen ein NFT klebt, weiterhin kopieren und auch das Urheberrecht bleibt beim Urheber.
Der wirkliche Disruptionsfaktor: Virtuelle Eigentumsnachweise können in gewissen Zusammenhängen - eventuell im Digitalen Rechtemanagement oder bei der Nachverfolgung von Logistikgütern - praktisch sein, aber dieses Problem lässt sich mittels Blockchain und ohne NFTs lösen. Disruptionspotenzial: Gering, alles Spannende gibt es bereits in der Blockchain.
Disruptionsanalyse für Deepfakes
Was ändert sich wirklich? Stellte sich früher noch die Frage, ob ein statisches Bild authentisch oder gefälscht war, blieb das Bewegtbild solcher Skepsis enthoben: Bewegte, dynamische Aufzeichnungen, rein akustisch oder mit Video, waren ein sicherer Nachweis, dass etwas wirklich stattgefunden hatte. Das endet nun. Deep Fakes lassen sich zwar enttarnen und nicht alle sind gut gemacht, doch eine gekonnte Fälschung bedarf genau so intelligenter KI-Lösungen zur Enttarnung wie zur Herstellung. Die Zeit und die Mittel, diese Prüfungen vorzunehmen, stehen sicherlich nur den wenigsten Redaktionen zur Verfügung, geschweige denn den NutzerInnen sozialer Medien, die in der Regel als unkritische Multiplikatoren fungieren werden: "Ich habe es gesehen, also ist es echt!" Der Aufbau eigener Nachrichtenressourcen, der Korrespondent, die vertraute Quelle erhalten eine neue Wichtigkeit im Publishing.
Der wirkliche Disruptionsfaktor: Von Porno bis Tatsachen-Fälschung und noch ein paar harmlose Spaß-Videos bei Youtube: Die Anwendungsfelder für Deepfakes sind zu einem Drittel banal, zu einem Drittel schmierig und im letzten Drittel hochgefährlich für die Kommunikation von Fakten. Leider aber betreiben sie besonders letzteres hocheffektiv und dürften den Diskurs zunehmend zum Negativen prägen. Disruptionspotenzial: Hoch.
