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Potential von NFTs: Diese sieben Branchen können wirklich profitieren
20.04.2022 PR-Stunts unterminieren die Glaubwürdigkeit einer Technologie, die, aller Skepsis zum Trotz, viel Potential bietet. Diese Branchen haben die besten Aussichten, von NFTs zu profitieren.
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Vieles ist noch Spekulation. Und die massive Skepsis, die NFTs von Anfang an entgegenschlug, sie wird derzeit nicht gerade kleiner, eher größer. Schuld sind auch Zahlen wie die obigen. Nicht nur, dass sie so groß sind, lassen Zweifel aufkommen. Die Quellen stimmen auch nicht überein. Während der eine Dienstleister, DappRadar , von 25 Milliarden Dollar NFT-Umsatz im vergangenen Jahr spricht, kommt ein anderer, Chainalysis , auf über 44 Milliarden Dollar.
532 Millionen Dollar für ein NFT? Fake!
Aufblähungserscheinung weist auch die folgende Story auf: Für das pixelige Bild eines sogenannten CryptoPunks (gehört zu einer NFT-Kollektion) wurden 532 Millionen Dollar transferiert. Eine halbe Milliarde für ein einzelnes NFT, das wie eine misslungene Minecraft-Konstruktion aussieht! CNET zufolge war der Kauf tatsächlich nicht real, sondern ein Trick, um die Öffentlichkeit auf die NFT-Serie aufmerksam zu machen. Das Geld wanderte schlicht von einer Wallet ins andere und weiter - und von dort wieder zum Ausgangspunkt, also zum ursprünglichen Besitzer. Das Geld war wohl real, wenn auch nur kurzfristig. Soll heißen, es floss zwar mittels eines sogenannten Flash Loans (dezentralisierte Finanzprodukte, bei denen die Leihe durch eine dritte Person abgesichert wird, in diesem Fall durch den Leihenden selbst) tatsächlich, doch innerhalb kürzester Zeit landete es wieder beim Verleiher. De facto haben also genau null Dollar den Besitzer gewechselt. In NFT-Umsatzstatistiken taucht die halbe Milliarde Dollar dennoch auf. Die Frage ist also, wie viele PR-Stunts stecken im NFT-Markt? Und wie viel reales Potential?
Sieben NFT-Märkte mit dem größten Potential
iBusiness.de hat sieben NFT-Märkte mit großer und wachsender Bedeutung identifiziert:1. Sport
Analoge Sammelbildchen gibt es in Deutschland seit Urzeiten, also seit den 70er Jahren. Neu ist ihre Erscheinungsform als NFTs. Als Marktführer kristallisiert sich die französische Firma Forma Sorare heraus, die auch Geld von dem Fußballweltmeister Antoine Griezmann erhalten hat. Zuletzt kamen 680 Millionen US-Dollar über die Series B-Finanzierungsrunde herein. Das Produkt von Sorare ist ein NFT-Fantasy-Fußballspiel, für das Spielerkarten versteigert werden. Sie werden mit unterschiedlichen Werten herausgegeben, abhängig von ihrer Anzahl, und werden limited, rare, super rare und unique genannt. Ein unique-NFT von Kylian Mbappé erzielte zuletzt den Rekordpreis 609.000 Euro. Zuvor galt ein NFT von Cristiano Ronaldo als teuerste digitale Sammelkarte. Auch Joshua Kimmich lief nicht schlecht: 287.599 Euro wurden zuletzt für ein NFT des Bayern-Stars bezahlt. Panini und Topps , die bisher den Sammlermarkt von Klebebildchen dominiert hatten, sehen ihre Felle davonschwimmen und investieren in eigene Blockchains für NFT-Bilder. Den Markt erweitern Videoschnipsel von historischen Spielszenen oder Toren als NFTs. Verwandt sind sogenannte Fan Token, für die KäuferInnen Rechte an exklusiven Vereinsangeboten erwerben. Auch hier ist eine französische Firma führend: Socios hat ebenso wie Sorare Verträge mit den meisten der führenden Sportligen und -vereinen abgeschlossen.
NFTs erschließen einen neuen Sammlermarkt
2. Kunst
Der digitale Kunstmarkt hat NFTs für den Mainstream erschlossen. Die Technik existiert schon seit 2015, den Durchbruch brachte aber erst der Verkauf des digitalen Kunstwerks "Everydays: the First 5000 Days" als NFT im März vergangenen Jahres. Beglaubigt durch das Auktionshaus Christie's, soll der US-Grafikdesigner Mike Winkelmann, in der Kunstwelt als Beeple bekannt, 69,3 Millionen Dollar damit verdient haben. Die Meldung machte weltweit die Runde. Erst seither gelten NFTs als Goldgrube und Spekulationsobjekt. Was die Technologie für den digitalen Kunstmarkt so interessant macht, ist, dass sie hier einen Beruf überhaupt möglich macht. Digitale Künstler und Künstlerinnen konnten bisher keinen Wert für ihre Werke erzielen, weil alles, was sie machten, 1:1 kopiert werden konnte. Warum sollte jemand viel Geld für etwas bezahlen, was jemand anderes in der gleichen Qualität umsonst bekommen könnte? NFTs aber besitzen eingeschriebene Echtheitszertifikate, die den Urheber exakt und unveränderbar ausweisen. Einen Wert besitzt dann nur dieses eine Kunstwerk, alles andere sind Kopien (die sind möglich, das Echtheitszertifikat wird aber nicht mit überschrieben). Für Dirk Jehmlich, Senior Advisor bei der Strategieberatung Diffferent , steht deshalb fest: "Eine große Daseinsberechtigung besitzen NFTs sicher in der digitalen Kunst. Dank des Echtheitszertifikats gibt es jetzt auch hier Originale und Kopien."
3. Film
Die Liechtensteiner Firma Unforgeable Labs handelt mit NFTs von Standbildern aus populären Filmen, hinter denen sich Videosequenzen verbergen. Den ersten Deal handelte Co-Gründer Jan Leitenbauer mit der Münchner Beta Film aus. Szenen aus dem Tom-Tykwer-Klassiker "Lola rennt" werden demnächst auf der Plattform movieshots.io als NFT zu kaufen sein. Was man damit anfangen soll? "Digitale Identitäten werden im Web3 zentral sein", meint Leitenbauer. "Und Filmszenen sind Teil eines kulturellen Codes, der Menschen im kommenden Metaverse etwa in der Form mit Persönlichkeit ausstattet, wie es Kleidung offline tut."Darum geht es: Sammlerstücke wie Film-, Sport- oder Kunst-NFTs sind Puzzleteile, aus denen sich dereinst im Metaverse eine zweite Identität herausbilden soll. Echter Besitz statt überproduzierte Selbstdarstellung wie auf Social Media heute weist Personen in Zukunft viel verlässlicher aus, so der Gedanke hinter dem dezentralisierten Web3. "Bei Netzidentitäten geht es genauso um Vertrauen wie im echten Leben", sagt Leitenbauer. "Und große Erzählungen wie Film, Sport oder Kunst haben die Menschen schon immer verbunden. Das Metaverse kann dafür, wie eine Parallelwelt, eine neue Grundlage schaffen." Leitenbauer plant einen NFT-Katalog aus Filmklassikern und aktuellen Blockbustern, der in einem ersten Schritt den Sammlermarkt unter Kryptowährungsnutzern bedienen soll.
NFTs bieten große Vorteile für Branchen mit Digitalisierungsrückständen
4. Ticketing
Jedes NFT ist einer Besitzerin oder einem Besitzer zugeschrieben. Fälschungen sind, anders als bei der Papierform, technisch ausgeschlossen. Die gesamte Transaktionskette kann außerdem lückenlos verfolgt werden. Denn NFTs sind nicht anonym. Damit eröffnen sich Vereinen und Sportveranstaltern ganz neue Möglichkeiten der Zielgruppenansprache. Anonyme GruppenteilnehmerInnen bei einem größeren Ticketkontingent gibt es nicht, jedes NFT wird einer konkreten Person zugeschrieben - die danach auch angesprochen werden kann. Hinzu kommt eine weitere Besonderheit der NFTs. Sie gilt nicht nur für Tickets, aber auch.5. Wiederverkaufsmarkt
"Vielleicht am spannendsten an NFTs ist, dass der Urheber an jedem Verkauf verdient, auch am zehnten", meint Dirk Jehmlich von der Beratungsagentur Diffferent. "Das gehört zu deren Prinzipien. Programmierer könnten damit an ihren Codes verdienen, auch nachdem sie ihre Programmzeilen einmal verkauft haben. Werden sie später woanders, etwa in einer großen kommerziellen Anwendung, integriert, erhalten sie Geld, auch wenn ihr Code bereits beim vierten Besitzer gelandet ist. Das gleiche gilt für Verbraucherdaten.
Geschäftsmodelle sind denkbar, die auf der freiwilligen Erhebung von Daten beruhen, deren Urheber bezahlt werden, weil sie beispielsweise zur Herstellung neuartiger Navigationssysteme geführt haben."
Werden Tickets weiterverkauft, verdient der ursprüngliche Herausgeber der NFTs mit - jedes Mal. Damit lassen sich erhebliche Zusatzumsätze erschließen, etwa dank Reiseanbietern, die viele Tickets für ihre KundInnen kaufen. Und hat erst einmal einer der großen Vereine NFT-Tickets in seinem Sortiment, dürfte der gesamte Markt nachziehen.6. Immobilien
NFTs können Transaktions- und Besitzerdaten in beliebigem Detailreichtum eingeschrieben werden. Technisch sind sie damit Besitzurkunden gleichgestellt.
Für Antonio Lucà, Consultant der Stuttgarter Strategieberatung Fostec , perfekte Voraussetzungen, um das gesamte bisherige Verkaufsprozedere im Immobilienmarkt neu aufzustellen: "NFTs können die Eigentumsrechte an Immobilien darstellen. Alle nötigen Zusatzinfos wie die Wartungshistorie, Sanierungen, Mieter etc. lassen sich darauf ebenfalls unterbringen. Damit wäre eine Transaktion schnell abzuschließen - ohne Notar- und Beurkundungskosten. Im Moment ist das juristisch zwar noch nicht möglich, aber technisch ist es eben denkbar. Und damit irgendwann wahrscheinlich auch machbar."
7. Lieferketten
Ab nächstem Jahr müssen Unternehmen ihren Sorgfaltspflichten auch in der gesamten Lieferkette nachkommen (Das Lieferkettengesetz kommt: Was Onlineshops jetzt tun müssen). Menschenrechtsverletzungen und Umweltschutzmaßnahmen müssen lückenlos dokumentiert und veröffentlicht werden.
NFTs könnten sich hier als Retter in der Not erweisen, denn sie bieten eine relativ einfache technische Lösung, erklärt Markus Fost, Managing Partner der Strategieberatung Fostec: "Lieferketten können dank NFTs vom Erzeuger bis zum Empfänger lückenlos dokumentiert werden. Jede beliebige Information kann bei jedem Zwischenschritt hinzugefügt werden, so dass der Käufer im Supermarkt auf einen Blick sieht, woher sein Produkt kommt, wie sein Preis zustande kommt und wie viel die eigentlichen Produzenten wirklich davon haben." Informationen, die für die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes dringend nötig sind. Dazu liegt eine weitere Nutzung der Daten zu Imagezwecken natürlich nahe: "In der Textilindustrie, aber auch in der Landwirtschaft könnten Unternehmen damit nachweisen, dass sie wirklich nachhaltig wirtschaften und so ihr Image steigern", so Fost.
Fazit: NFTs stechen mit drei Innovationen hervor
NFTs bieten also drei große Vorteile und Innovationen:- Sie sind ein entscheidender Treiber für das Metaverse, weil sie dabei helfen, authentische Identitäten im Web3 aufzubauen. Film, Kunst, Sport, Gaming-Gadgets - sich mit kulturellen Besitztümern zu schmücken, ist dabei sicher eine Möglichkeit.
- NFTs speichern aber auch Besitzerinformationen fälschungssicher ab und könnten überall dort eingesetzt werden, wo Besitzerwechsel bisher mit einer umfangreichen Bürokratie verbunden ist.
- Und drittens: Sie erlauben es dem Erstbesitzer, an jedem Verkauf zu verdienen, gleich wie oft es diese gibt. Hersteller, die ihre Produkte an NFTs binden, sind also am Wiederverkaufsmarkt beteiligt - was bei hochpreisigen und begehrten Produkten wohl mehr als eine Überlegung wert ist. Aber auch digitalen Künstlern ebenso wie Softwareproduzenten erschließen sich dank NFTs ganz neue Umsatzpotenziale.
