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Wie das Metaversum Messen, Kongresse und Events umkrempeln will
19.04.2022 Erst Zoom-Meeting, jetzt Metaversum - immer mehr Veranstalter setzen auf virtuelle Welten, um ihren Konferenzen mehr Leben einzuhauchen. Aber haben Konferenzen im Metaversum tatsächlich einen Mehrwert?
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Dasselbe gilt für Konferenzen und Messen. Auch hier wurden zahlreiche Veranstaltungen durch virtuelle Events ersetzt, nachdem im März 2020 nahezu alle Präsenzveranstaltungen unmöglich wurden. Und auch hier gilt: Ganz zurückdrehen wird sich dieses Rad wohl nicht mehr. Zwar sehnen sich nicht wenige nach einem "richtigen" Live-Event mit anschließender Party-Sause. Aber neben dem kontakthungrigen Partyvolk gibt es auch ein Publikum, das sich mit einer digitalen Veranstaltung durchaus anfreunden konnte. Auch bei Veranstaltungen gilt: Der Aufwand für einen zweitägigen Kongressbesuch übersteigt nicht selten den Nutzen, die relevanten Informationen ließen sich genauso gut auch digital beziehen.
Digitale Formate: Frontal und wenig interaktiv
Die wenigsten Veranstalter von Kongressen, Seminaren und Schulungen gehen daher davon aus, dass sie in Zukunft ohne einen digitalen Teil planen können. Hybride Veranstaltungen, die zugleich digital und real stattfinden, sind derzeit das favorisierte Format - schon alleine, weil unsicher ist, welche Regeln und Verordnungen in sechs Monaten gelten. Eine feste Planung als reines Live-Event wäre äußerst fahrlässig. Denn selbst wenn alle Regeln gelockert wären und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Vor-Ort-Termin vorziehen würden, blieben es immer noch einige, die aus Vorsichtsgründen verzichten würden.Kurzum: Es sprechen immer noch eine Menge Gründe für virtuelle Planungen - und damit für eine Weiterentwicklung der digitalen Formate. Denn Online-Events sind bislang vor allem eines geblieben: Ziemlich frontale Veranstaltungen. Motto: Einer spricht, der Rest lauscht. Vielleicht nimmt ein Moderator noch ein paar Fragen aus dem Publikums-Chat entgegen oder ein Voting fordert zur Stimmabgabe auf. Mehr ist zumeist technisch gar nicht möglich.
Mehr Spontanität im Metaverse
Was jedoch völlig fehlt, ist ein Interaktionselement für das Publikum untereinander. Smalltalk und Networking zur Begrüßung, in der Kaffeepause oder beim Buffet gibt es gar nicht - beides sind aber oft ganz wesentliche Besuchsgründe für Konferenzen. Der Konferenz-Chat ist, selbst wenn er privat bleibt, keine sehr dankbare Alternative, um Kontakte zu pflegen oder gar zu knüpfen.
Verbessern wollen dies nun Anbieter von 3D-Umgebungen. Bei diesem Konzept trifft man sich in einem Metaversum-Conference-Center. Jeder Teilnehmer bzw. jede Teilnehmerin erhält einen Avatar und bewegt sich je nach Vorliebe und technischer Ausrüstung mit Maus und Tastatur oder VR-Headset durch die Räume. Auf den ersten Blick mag dies wie eine alberne Spielerei anmuten, doch daraus entstehen neue Interaktionsmöglichkeiten.
- Präsentationen, Konferenzen, KongresseEin beliebtes Format sind virtuelle Konferenzen. Durch die VR-Umgebung erhält der Veranstalter zunächst neue Möglichkeiten zur Inszenierung. Schon atmosphärisch lassen sich durch die Gestaltung der Metaverse-Location Akzente setzen. Die Größe des Publikums und damit der Veranstaltung ist für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer intuitiv erfassbar. Virtuelle Räume machen neugierig und laden zur Erkundung ein. Veranstalter können so ihre Highlights in Szene setzen und eindrucksvoll und unterhaltsam präsentieren. Einzelne Gäste können gezielt und unkompliziert vom Veranstalter angesprochen werden, sofern sie sich nicht gerade selbst im Gespräch mit anderen TeilnehmerInnen befinden - was sich anhand der Avatare leicht erkennen lässt. Im Unterschied zu einer Video-Konferenz haben alle TeilnehmerInnen gleichberechtigtes Rederecht, da - wie in einer echten Gesprächssituation - immer nur die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in unmittelbarer Umgebung zu hören sind. Auch bei großen Events können sich so Gruppen bilden und individuelle Gespräche führen.
Die eigentlichen Präsentationen finden dagegen eher im gewohnten Format statt. Sprich: Die TeilnehmerInnen lenken ihren Avatar in den gewünschten Raum. Der Vortrag wird dort auf einer virtuellen Leinwand übertragen - in der Regel ganz herkömmlich in einem Live-Stream mit seinem realen Videobild und seiner Präsentation. Auch das Publikum kann in eine herkömmliche Fullscreen-Ansicht wechseln und die virtuelle Umgebung für die Vortragsdauer verlassen.
Um den Vortrag zu verlassen, wechselt die Teilnehmerin oder der Teilnehmer wieder in die Metaverse-Ansicht und bewegt ihren oder seinen Avatar über die Lobby - wo natürlich auch das Konferenzprogramm aushängt - in einen anderen Raum oder nimmt an einer der dort gebotenen Attraktionen (Wettbewerbe, Gewinnspiel, Produktausstellung) teil. Die Kongresszentrum-Metapher erlaubt es, auch mehrgleisige Veranstaltungen sehr übersichtlich zu organisieren.
- Gala, Preisverleihung, FeiernAm schwierigsten sind auf digitale Art wohl Feierlichkeiten zu organisieren. Zoom-Partys, mit denen in den ersten Corona-Monaten vom ausgefallenen Hochzeitsjubiläum bis zur betrieblichen Weihnachtsfeier ein wenig Spaß verbreitet werden sollte, haben sich schnell als schwieriges Format erwiesen. Das Problem: Sie sind lediglich für One-to-Many-Situationen geeignet. Bestenfalls können einige Personen abwechselnd sprechen, der große Rest lauscht. Auf diese Art lassen moderierte Shows sich realisieren, aber kaum Interaktionen mit dem Publikum.
In virtuellen Formaten stehen hier schon mehr Möglichkeiten zur Verfügung. So kann das Publikum miteinander sprechen, während auf der Bühne die Präsentation stattfindet. Zudem kann eine Ausstellungsfläche eingerichtet werden, in der die ausgezeichneten Objekte präsentiert werden. Preisträger, MitarbeiterInnen und Veranstalter können dort ansprechbar sein. Zuletzt kann das Publikum auch einbezogen werden, indem Wettbewerbe und Spiele veranstaltet werden.
Allerdings: Auch wenn das Metaverse mehr Interaktionsmöglichkeiten für das Publikum bietet, sollte bei virtuellen Veranstaltungen nicht vergessen werden, dass es schon ein Programm braucht, um das Publikum zu unterhalten. Einfach nur für etwas Essen, reichlich Getränke und gute Musik zu sorgen - wie es bei vielen Betriebsfesten üblich ist - reicht kaum aus, um etwas Stimmung aufkommen zu lassen.
- Workshops, Learning, SeminareGerade in praxisorientierten Veranstaltungen gibt es häufig Workshops oder Masterclasses, die über reine Vorträge hinausgehen. Die TeilnehmerInnen dürfen dann selbst ein bestimmtes Produkt oder Programm ausprobieren, eine bestimmte Technik erlernen oder einen Themenkomplex intensivieren. Oft sind diese Formate in Breakout-Sessions organisiert. So können die TeilnehmerInnen beispielsweise nach einem Vortrag im Rahmen des regulären Kongressprogramms zu einem Deep-Dive in kleinerer und interessierterer Runde abtauchen.
Metaverse-Formate haben den Vorteil, dass sich solche Abzweigungen und Verästelungen des Konferenzprogramms sehr intuitiv abbilden lassen. Zugleich durchmischt sich das Publikum bei diesen Gelegenheiten und begegnet sich an verschieden Orten immer wieder. Das erleichtert die Kontaktaufnahme und unterstützt das Networking auf sehr natürlich Weise.
Zuletzt lässt sich mittels kollaborativer Tools im Metaversum eine effektive Lernumgebung schaffen. So kann der Dozent nicht nur seinen eigenen Bildschirm auf einer Präsentationsfläche teilen. Auch die Teilnehmenden stellen ihren geteilten Schirm in dem virtuellen Schulungsraum auf den Schreibtisch. So erhält der Dozent einen sehr guten Überblick und ist jederzeit über den Lernfortschritt der TeilnehmerInnen im Bilde und kann bei Schwierigkeiten eingreifen.
- Workspaces, Kollaboration, Modelling
Zur Zusammenarbeit bieten sich 3D-Umgebungen vor allem dann an, wenn mehr als zwei Personen zugleich an einem Projekt arbeiten oder wenn es sich gar um dreidimensionale oder reale Objekte handelt. Allerdings sind in diesen Fällen schnell die Grenzen einfacher Tools erreicht. Professionelle Werkzeuge wie die von PTC erlauben es aber, auf Industrieniveau fotoreale Renderings einzublenden, dreidimensional die Abläufe und Wegstrecken in Fabriken oder Labors in Echtzeit darzustellen oder sich zu Reparaturarbeiten in dreidimensionale Abbildungen einzuklinken.
- Ausstellung, Virtual Fair, KongressmesseAlle Elemente lassen sich leicht zu einer Art virtuellen (Kongress-)Messe zusammenfassen. Übertriebene Erwartungen sollte man daran aber nicht knüpfen. Die Erfahrung zeigt, dass Ausstellungen alleine nur eine geringe Anziehungskraft entwickeln. Schließlich verfügt jedes Unternehmen mit seiner eigenen Homepage ohnehin über eine permanente Ausstellung im Internet, über die sich in der Regel auch ein guter Kontakt herstellen lässt. Die Anziehungskraft einer virtuellen Messe ist daher deutlich geringer als in der realen Welt - und in der Regel zu gering, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu garantieren. Dies ist der Grund, weshalb virtuelle 1:1-Abbilder sehr häufig enttäuschen - selbst wenn das reale Messe-Vorbild äußerst erfolgreich ist.
Was virtuelle 3D-Welten leisten können
Neue Technologien wie das Metaverse sind immer faszinierend. Trotzdem sollten virtuelle Welten keinesfalls überschätzt werden. Die technologischen Einstiegshürden sind inzwischen zwar erfreulich niedrig (in der Regel genügt ein einfacher Browser zur Teilnahme). In der Summe sorgt aber jede zusätzliche Hürde - und sei sie noch so niedrig - für zusätzliche Abbrüche. Je nach angepeilter Zielgruppe dürfte zudem auch mancher Teilnehmer oder manche Teilnehmerin mit dem ungewohnten Format fremdeln. Vor allem aber sollte die Wirkmechanik solcher Formate nicht überschätzt werden: Ohne Animationsprogramm, durchdachtes Konzept und wohlinszenierte Highlights fühlen sich die TeilnehmerInnen leicht alleine gelassen. Ein fähiger DJ, reichlich Getränke und eine nette Location können im echten Leben für eine gute Party reichen - aber eben nicht in der virtuellen Welt.Deswegen haben Metaverse-Veranstaltungen nicht das Potential, jemals an reale heranzukommen. Oder kennen Sie jemanden, der noch Wochen nach einer virtuellen Konferenz von der Veranstaltung geschwärmt hat und den Event schon jetzt fest im Kalender für nächstes Jahr vorgemerkt hat? Diesen "Da-musst-du-hin!"-Effekt nachzubilden, ist in der virtuellen Welt wohl noch niemandem gelungen.
Zugleich sollten VR-Elemente im Veranstaltungssektor aber auch keineswegs unterschätzt werden. Schon alleine, weil inzwischen eine Generation heranwächst, die sich in virtuellen Welten prima auskennt und zu bewegen weiß. Vor allem aber, weil die soziale Komponente, die VR hinzufügen kann, durchaus sehr wertvoll ist. Aus Networking- und aus Entertainment-Gründen. VR-Welten tragen eine Veranstaltung nicht alleine, aber sie bereichern bestehende Veranstaltungen.
Auch Hybrid-Veranstaltungen können von diesen Formaten profitieren. Dort prallen zwei Anforderungen aufeinander: Während in der realen Welt die Pausen ein essentieller Bestandteil der Veranstaltung sind, sind sie beim virtuellen Counterpart als gefährliche Show-Stopper gefürchtet. Eine VR-Umgebung erlaubt es dagegen leicht, für die digital anwesenden Gäste eine eigene Entertainment-Ebene einzuziehen.
Unter Strich führen VR-Events zu einer Professionalisierung der Branche: Auf der einen Seite steigen die Ansprüche an die Präsentationen vor Ort, die für das digitale Publikum mit Einspielern und zusätzlichen Live-Elementen angereichert werden. Davon profitiert auch die Real-World-Veranstaltung. Auf der anderen Seite erwartet das VR-Publikum eine ansprechend gestaltete VR-Umgebung mit eigenem Programm und eigenständiger Attraktivität, die zusätzlich betreut werden muss, was zusätzliche Aufwand erfordert. Insofern erleichtert VR vielleicht vor allem Besucherinnen und Besuchern das Leben - aber nicht unbedingt den Veranstaltern.
