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Zur Studie "Digitalagenturen im Umbruch"
Physical AI: Diese Branchen profitieren
20.03.2026 Roboter arbeiten sich Stück für Stück in die Gesellschaft vor, verlassen die Ebene der phantastischen Erzählung und werden zu realen Dienstleistern - wenn auch lange nicht so, wie es die Science Fiction-Welt seit so vielen Jahrzehnten vorgeträumt hat. Acht Branchen sind schon jetzt Innovationsführer.
Physical AI in der Praxis
Was Roboter schon jetzt gut können, sind einzelne, eng umrissene Tätigkeiten, für die sie nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit trainiert werden. Acht Bereiche kristallisieren sich derzeit als hoffnungsvollste Einsatzgebiete heraus.1. Pflege
Über putzige Roboterchen im Kindchen-Schema , die mit Spielen für Zeitvertreib im Altersheim sorgen sollen, ist die Forschung hinaus. Angestrebt werden zeitaufwendige Service-Fähigkeiten, die dem Personal Betreuungszeit einbringen. Roboter könnten also vielleicht schon bald Mahlzeiten aufs Zimmer bringen, auf Knopfdruck zur Hand gehen, an Medikamente erinnern und räumliche Begleitung leisten. In Deutschland arbeitet die Technische Hochschule Mannheim dafür mit dem chinesischen Roboterhersteller Unitree zusammen, dessen G1-Modell in einem sogenannten 4D-Labor , also einem, das den Faktor Zeit miteinbezieht, mit allen Äußerungen des menschlichen Körpers konfrontiert wird, um später einmal in realen Umfeldern richtig agieren und reagieren zu können. "Unsere Vision ist es, KI-Wahrnehmungsmodelle für humanoide Roboter zu entwickeln, die menschliche Handlungen verstehen, Absichten vorhersagen und damit als intelligente, sichere Partner in der Interaktion agieren können - sei es in der Pflege, Medizin oder anderen realweltlichen Umgebungen", sagt Markus Vetter , Leiter des Institute for Applied Artificial Intelligence and Robotics (A²IR) an der TH Mannheim. Raus aus dem Labor und rein in Pilotprojekte an Heimen soll es ab 2027 gehen.2. Gastronomie
Mit der vollwertigen Haushaltshilfe aus Silizium wird es auch die nächsten Jahrzehnte nichts, aber Kantinen erhalten heute schon Hilfe durch KI-Roboter. Zwei deutsche Firmen treiben die Entwicklung maßgeblich voran: Circus aus München und Goodbytz aus Hamburg. Beide haben schon erste Pilotprojekte in Supermärkten laufen, Mercedes-Benz will im Werk von Sindelfingen ab Sommer 2026 vollautomatisch kochen und das Militär ist sehr interessiert. Die U.S. Army setzt Kochroboter von Goodbytz in Südkorea ein und in der Ukraine sollen Circus-Küchen in Ausbildungskasernen für warme Mahlzeiten sorgen. Die Technologie der beiden Unternehmen ist ähnlich aufgebaut: In einem abgeschlossenen Schrank mit Sichtfenster greifen zwei Roboterarme nach vorgekochten und bereitgestellten Zutaten in Kisten, legen sie in Töpfe und wärmen das Essen auf Herdplatten. Eine KI füttert die Maschine mit gut einem Dutzend Rezepten der eher einfachen Art - nichts für die Pfanne oder den Backofen also.3. Bau
Contech lautet das Stichwort, mit dem die Automatisierung in der Bauwirtschaft beschrieben wird. Roboter in kleinen Fabrikhallen ziehen in Rekordtempo so gut wie alleine Wände und sogar ganze Häuser hoch. Reframe Systems aus den USA ist hier aktuell der Trendsetter, der seine Produktionsstätten in 3,5 Monaten aufbaut und weitgehend automatisiert Häuser baut. Die australische Firma FBR hat einen Maurerroboter gebaut, der per Lkw transportiert wird und an einem Tag die Ziegelwände für ein Haus baut. In Deutschland ist Kuka an dem Thema modulares Bauen mit Robotiklösungen dran, auch die TU München entwickelt Systeme, die das Bauen beschleunigen und verbilligen sollen. Ein erster Roboter, der Ziegel so in eine Wand einbaut, dass sie optimal zur Sonneneinstrahlung stehen, wurde bereits getestet.4. Industrie
Deutschland ist federführend bei industrieller Robotik. Vor kurzem stellten die Deutsche Telekom und Nvidia die Eröffnung eines riesigen Rechenzentrums im Münchner Tucherpark für Anfang 2026 in Aussicht. Genutzt werden soll es zu großen Teilen für das Trainieren von Robotern, die in Produktionshallen zum Einsatz kommen. Zwei Branchenschwergewichte aus Deutschland stehen als Mieter bereits fest: Agile Robots aus München stellt die Hardware bereit und Wandelbots aus Dresden die Software für deren Trainingssitzungen. Agile hat kürzlich die Automatisierungssparte von Thyssen Krupp übernommen, um sich in dessen Fabriken zu beweisen. Außerdem soll dort auch bald schon der humanoide Roboter Agile One zum Einsatz kommen, dessen Hände zu den fähigsten der Branche zählen sollen.Die industrielle Automatisierung befindet sich in einem fundamentalen Wandel: weg von Robotern mit eng begrenzten Tätigkeitsfeldern in abgeschlossenen Bereichen, hin zu Robotersystemen, die mit Menschen zusammenarbeiten. Trainiert werden sie an Institutionen wie der KI-Fabrik der TU München , die derzeit 35 stationären, zweiarmigen Robotern und mehrere mobilen Robotern menschliche Basisfertigkeiten beibringt. "Im 'Roboter-Kindergarten' können grundsätzliche Fähigkeiten, zum Beispiel wie ein Schlüssel in ein Schlüsselloch gesteckt wird, gelernt werden, wobei ein allen Robotern gemeinsames Modell trainiert wird", erklärt Achim Lilienthal , Leiter der KI-Fabrik und Inhaber des Lehrstuhls "Perception for Intelligent Systems" an der TU München. In einer zweiten Stufe erfolgt die Verfeinerung der Techniken. "Menschen demonstrieren, wie bestimmte Tätigkeiten ausgeführt werden, Roboter nehmen dies zum Beispiel mit einer Kamera wahr und lernen." Denn nichts können Roboter, weil eine Software ihnen dies befiehlt. Jede Bewegung muss erst mühsam antrainiert werden. Industrielle Umgebungen mit ihren klar definierten Aufgaben sollen deshalb der erste Schritt hin zur vollumfänglichen Mensch-Roboter-Zusammenarbeit sein.
In den USA wird nach diesem Prinzip bereits im ganz großen Stil investiert. 6,2 Milliarden Dollar stehen dem im November gegründeten KI-Startup Prometheus von Amazon-Gründer Jeff Bezos zur Verfügung. Die Idee: Mittels Trial and Error sollen Roboter, humanoide wie nicht-humanoide, soweit gebracht werden, dass sie die Produktion in Hightech-Branchen wie der Luft- und Raumfahrt, der Automobilindustrie oder der Computerbranche beschleunigen und verbilligen.
5. Forschung und Wissenschaft
Large Language-Modelle werden intensiv genutzt, bekommen jedoch auch sehr viel Kritik ab. "Unkreativ", "fehleranfällig" und "begriffsstutzig" lauten einige der häufigsten Vorwürfe. Top-KI-Forscher wie Yann LeCun und Fei Fei Li glauben, dass LLM's aber nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen und haben mit AMI Labs und World Labs darauf aufbauende Firmen gegründet. Ihr Ansatz: KI-Systeme, die Bild, Video, Text und Audio verarbeiten können und damit die physische Welt verstehen lernen, nicht bloß deren schriftliche Äußerungen. 3D-Animationen sind die erste Anwendung dieser sogenannten Weltmodelle, das beschleunigte Antrainieren von Robotern könnte die nächste sein. Ein anderes Startup, Periodic Labs , will auf diese Weise Fortschritte in Forschung und Entwicklung erzielen. Roboter sollen reale Produkte testen und zur Serienreife bringen, die zuvor von einer KI entwickelt wurden.6. Neurochirurgie
US-amerikanische Firmen wie Neuralink von Elon Musk , Echo Neurotechnologies , Blackrock Neurotech , Paradromics oder Science Corporation , aber auch deutsche wie Cortec in Freiburg arbeiten daran, Menschen mithilfe von Chips zu helfen, körperliche Einschränkungen in der Motorik oder der Sinneswahrnehmung zu minimieren, wenn nicht zu beheben. Mikrochips auf der Retina kombiniert mit Kameras in Brillen verbessern die Sehfähigkeit, Chips im Gehirn werden an LLM-Modelle gekoppelt, die es sprech- und bewegungsunfähigen Menschen erlauben soll, einen Computer mithilfe ihrer Gedanken zu steuern. Die Zukunftsvision: Brain-Computer-Interfaces (BCI) , zu deutsch Hirnimplantate, verbessern mit Hilfe von KI die menschliche Leistungsfähigkeit - schneller denken, schneller handeln. Alle Macht den Cyborgs? Dem World Economic Forum zufolge gibt es weltweit bereits 680 Firmen, die mit BCI-Technologien experimentieren.Ingenieure nutzen Robotertechnik aber auch auf andere Weise, um Menschen zu helfen. Während Exoskelette als Geh- und Traghilfe schon seit über 15 Jahren von Industrie und Militär genutzt werden - der Rüstungskonzern Lockheed Martin entwickelte den HULC im Jahr 2009, um Soldaten mit schwerem Gepäck zu unterstützen - , sind weiche Exosuits eine neuere Entwicklung, die vor allem älteren Menschen behilflich sein soll, aber auch in der Rehabilitation eingesetzt werden kann. Starre Aufbauten wie die von Ottobock werden im Beruf eingesetzt und unterstützen etwa Hebe- oder Über-Kopf-Arbeiten. Exosuits dagegen passen sich dem Körper an und werden optisch von Manschetten und Gürteln geprägt. Am MIRMI der TU München entwickeln junge WissenschaftlerInnen Modelle , die Älteren bei der klassischen Stadtmenschen-Bewegungsabfolge Sitzen-Aufstehen-Gehen-Hinsetzen helfen sollen, aber auch beim Wandern und Bergsteigen. Menschen, die sich durch Alter oder Krankheit nur noch schwer bewegen können, werden durch die elektronische Gehhilfe wieder mobiler, Patienten erholen sich nach Verletzungen der Muskulatur schneller, auch der Bewegungsminderung bei neuronalen Krankheiten kann entgegengewirkt werden.
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