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Neuer Trend: Porno 2.0
14.08.2007 Schätzungsweise 260 Porno-Websites gehen jeden Tag neu online. Und in den letzten Monaten mit dem Youtube-Klon PornoTube und der VR-Welt 'Redlight Center' immer mehr Sites, die mit Web-2.0-Funktionen arbeiten. Das Milliardengeschäft mit Online-Sex beginnt außerdem, seine Kinder zu schlucken. Denn gegen den Exhibitionismus der Internet-Nutzer ist kein Geschäftsmodell gefeit. Nicht einmal ein erotisches.
Fast jedes Web-2.0-Geschäftsmodell lässt sich inzwischen auch im Rotlichtmilieu des Webs finden. Besonders beliebt sind dabei die Youtube-Klone. Mit Webcams oder auch professioneller Ausrüstung filmen sich tausende von Pärchen beim Sex. Was bei Aufnahmen ohne Stativ zwar erregungsbedingte Bildunruhen hervorruft - für die Zielgruppe scheint dies aber eher eine Pluspunkt für die Authentizität zu sein. Pornotube , Xporntube , Yuvutu , Shufuni und Megarotic sind die jüngsten und professionellsten Vertreter dieser Art. Der eine oder andere von ihnen lässt sogar, was die Technikqualität angeht, seine unerotischen Vorbilder hinter sich.
Ebenfalls beliebt - weil einfach zu realisieren - sind Digg-Klons wie Nipplebyte , Porn-a-licious und Social Porn , wo Nutzer Sex-Sites melden und bewerten und - per RSS - auch abonnieren können. Allerdings outen sich Porno-Liebhaber offenbar sehr viel weniger gern als normale Surfer. Während die Top-Plätze auf Digg nur mit vierstelligen Bewertungszahlen in die Rankings kommen, genügen bei ihren Sex-Klonen schon zweistellige Zahlen, damit die entsprechenden Angebote auf die gehobeneren Ränge der Listings gelangen.
Auch im dreidimensionalen Umfeld ist die Erotik seit Jahren zu Hause. In letzter Zeit vermehrt mit expliziten Angeboten. Als expliziter Second-Life-Klon agiert Redlight Center , der die 3D-Chat-Umgebungen auf das reduziert, was sie für viele Nutzer hauptsächlich sind: Flirt- und Erotik-Angebote, wie der deutsche Second-Life-Klon Secret City der Düsseldorfer Coolspot AG belegt. Ebenso wie Social-Bookmarking-Dienste werden auch im 3D-Umfeld die Originale bereits für das Spiel mit Cybersex genutzt.
Dies gilt auch für Tauschbörsen. Sexbildchen und -Videos werden seit Jahren in Yahoo-Groups und über P2P-Dienste sowie auf expliziten Download-Plattformen wie Rapidshare weitergegeben. Da haben es Spezialisten schwer. Der Flickr-Klon Eroshare zum Beispiel ist gar zur Zeit abgeschaltet (will aber wieder kommen), Fantasti.cc aber ist noch online.
Für Vodafone hat die Kölner Bellboxx GmbH den Community-Dienst 'My Sexlife' entwickelt. Registrierte Nutzer des Vodafone-Live-Portals können bei Vodafone Life eigene Bilder hochladen und zu anderen Bilder Tags und Bewertungen abgeben.
Aus der Abteilung Empfehlungs-Websites stammt Emergency Porn und die AJAX-Fraktion unter den sexuell orientierten Partnerbörsen vertritt beispielsweise Playful BENT .
Sex-Blogs wie das Fetish-Blog gibt es inzwischen zu tausenden. Über 25.000 Blogs mit dem Themenbereich "Sex" listet Technorati . Deutlich mehr, als zum Thema Politik (23.000 Blöogs). Zum Allerweltsbegriff 'News' gibt es nur knapp viermal mehr Blogs in Technorati.
So ist es kein Wunder, dass auch die Deutschen erotisch nachrüsten: Die Hamburger FunDorado GmbH - Joint-Venture von Freenet und Orion - startete jetzt ihr Community-Portal Nowyoo.com . Das erotischen Web-2.0- Portal ist die Kombination aus nutzergenierierten Inhalten mit Dating- und Kontaktfunktionen.
| Der weltweite Markt für Pornographie im Imternet | |
|---|---|
| Der Pornomarkt ist milliardenschwer, wie dieses informative Video mit viel nackter Haut* beweist: | *Wer die Zahlen lieber als Text haben will:
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Doch was passiert, wenn die nutzergenerierten Inhalte den Platz einnehmen, den momentan die per Altersverifikationssysteme und andere Abomodelle abgesicherten kommerziellen Produktionen inne haben? Wenn die auf Anonymität und Nullkosten erpichte Kundenklientel ins Erotik-Web 2.0 zieht?
Bislang, da ist sich sogar die produzierende Branche einig, sind Sexvideos schnell und billig herunter gedreht. Die immer wieder auf der Agenda der Erotikindustrie auftauchenden Qualitätsoffensiven (bessere Videos, mal doch ein Drehbuch mit Inhalt und Handlung) verschwinden genau so schnell wieder, wie sie in die Diskussion gebracht werden. Doch die tausenden von Amateurvideos könnten dem Billig-Segment, der im Internet den Löwenanteil des gesamten Video-Clontents ausmacht, sehr leicht den Hahn abdrehen. Denn sie haben gegenüber den kommerziell produzierten Sexvideos zwei Vorteile:
- sie sind authentisch und
- sie sind kostenlos
Aber vielleicht bewegt sich die Sexindustrie doch noch - sie war schließlich stets flinker, was den Umgang mit dem Medium Internet angeht als die klassische (Bewegtbild-) Medienindustrie. So ist es kein Wunder, dass auf der Leitveranstaltung der Branche in Deutschland - der vom 18. bis 21. Oktober in Berlin stattfindenden Venus - die 'Web-Area' das tragende Ausstellungsteil ist.
Selbst wenn sich dann das Web zu einem Widget-Web wandelt, und der Browser das Web-2.0-Betriebssystem wird: Die Pornoindustrie wird versuchen, sich auch da zu etablieren. Denn selbst dafür gibt es bereits die ersten Aktivisten: Heatseek beispielsweise bietet einen viren- und popup-sicheren 'Adult-Browser', in dem man bevorzugte Videoszenen markieren, speichern - und vor der Ehefrau verschlüsseln - kann.
