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Digitalprojekte: Agenturkunden blicken nach vorn
07.04.2022 Eine gute Nachricht für Agenturen: Trotz drohender Wirtschaftskrise halten die auftraggebenden Unternehmen für Agenturen und Internet-Dienstleister an Digitalprojekten fest. Das geht aus einer iBusiness-Umfrage hervor.
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Interessant ist die Veränderung gegenüber dem Vorjahr: Während die Anzahl derjenigen EntscheiderInnen fast konstant geblieben ist, die Zukunftsprojekte beauftragen, von der eigenen zieht aktuell der Anteil der Unternehmen stark an, die von der Agentur Projekte zur Umsatzsteigerung umgesetzt habe möchte. Umgekehrt ist das Rationalisierungsinteresse deutlich rückläufig. Zieht man ins Kalkül, dass die Entscheidungsphasen in Unternehmen - auch bei Digitalprojekten - zwischen sechs und neun Monaten liegen, dann hat offenbar zum Jahreswechsel 2021/2022 ein gedanklicher Umschwung bei Etats und Einkauf stattgefunden.
Umdenken bereits 2021 spürbar
Bereits bei der Erhebung zum Internetagentur-Ranking 2021 zeichnete sich diese Entwicklung ab. Was den Branchenumsatz betrifft, herrschte, nach einer Corona bedingten Delle, schon im Frühjahr 2021 wieder Optimismus bei Deutschlands größten Internet-Fullserviceagenturen (Interaktivagenturen: Wo der Umsatz in den kommenden Monaten herkommen soll).Die befragten Dienstleistungsunternehmen zeigten sich bei der Einschätzung zur Entwicklung ihrer Umsätze sehr optimistisch. Knapp drei Viertel (71,7 Prozent) der befragten Agenturen waren der Überzeugung, dass ihr Jahresumsatz im Vergleich zum Vorjahr steigen werde. Jede achte kalkuliert mit gleichbleibenden Umsätzen wie im vorangegangenen Jahr, während die Zahl der Agenturen, die mit weniger Umsatz rechnen, gerade mal bei 2,8 Prozent liegt.
Ein ähnliches Bild ergibt sich aus dem aktuellen interaktiven Wirtschaftsklima zum Frühjahr 2022. Tenor dort: Die Digitalbranche befindet sich im Aufwind, die Geschäftsführenden der Interaktivbranche schätzen ihre eigene und die allgemeine Geschäftslage hervorragend ein. Von der eingetretenen vierten Corona-Welle und dem Krieg in der Ukraine scheint die Digitalbranche bisher nicht unmittelbar betroffen. Im Gegenteil, die Grundstimmung ist sehr optimistisch.
Gerade was die Stimmung bezüglich der Geschäftslage allgemein für die Digitalagenturen betrifft, zeigen sich die Geschäftsführenden der deutschsprachigen Interaktiv-Dienstleister weiterhin außerordentlich zuversichtlich. Die Erwartungen sind so hoch, dass sie nahezu euphorisch sind. Heißt wohl, die Branche hofft weiterhin auf den Nachholeffekt von den gravierenden Versäumnissen vieler Unternehmer bei der Digitalisierung, der für gute Umsätze und volle Auftragsbücher sorgen soll. Außerdem herrscht bei Digitalagenturen allgemein die Hoffnung, dass die neue Bundesregierung die Digitalisierung tatsächlich nach vorne bringen wird, damit Deutschland als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig bleibt. Was wiederum positive Auswirkungen auf Digitalagenturen hat (siehe Analyse: Was die Digitalbranche von der neuen Bundesregierung erwartet ).
Folgen durch Ukraine-Krieg noch nicht abschätzbar
Allerdings birgt der unsägliche Angriffskrieg in der Ukraine Risiken für die deutsche Konjunktur. Die Auswirkungen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beziffern. So hat es seit Beginn der militärischen Invasion extreme Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen gegeben. Auch Handelsströme und Lieferkettenbeziehungen sind stark beeinträchtigt. Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt hoch. Und so hat sich unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine und seiner wirtschaftlichen Folgen das Geschäftsklima in der Digitalbranche eingetrübt. Im März gab der Bitkom-ifo-Digitalindex für die aktuelle Geschäftslage um 2,8 auf 39,8 Punkte nach. Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate gingen zurück. Trotz der eingetrübten Stimmungslage wollen die Unternehmen zusätzliche Jobs schaffen. Das bedeutet, dass die weit überwiegende Mehrheit der Unternehmen in den kommenden drei Monaten zusätzliche Arbeitskräfte einstellen will.Als Stabilitätsanker erweise sich die Digitalbranche nicht nur im Arbeitsmarkt, sondern auch mit Blick auf die beschleunigte Inflation. Trotz der allgemeinen Teuerung von aktuell mehr als sieben Prozent werden für digitale Güter und Dienstleistungen nur moderat steigende Preise erwartet.
In der Gesamtwirtschaft hat sich die Stimmung seit Beginn des Ukraine-Krieges massiv verschlechtert. Das ifo-Geschäftsklima ging um 16,8 Punkte zurück und drehte bei -1,4 Punkten ins Minus. Die Geschäftslage ging um 3,7 auf 21,1 Punkte zurück. Die Erwartungen gingen kräftig um 28,0 Punkte zurück und lagen mit -21,7 Punkten deutlich im negativen Bereich. "Der verbrecherische russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die bislang vorherrschende Zuversicht für einen wirtschaftlichen Aufschwung umgekehrt. Trotz einer weiterhin exzellenten aktuellen Geschäftslage sind die Erwartungen an die kommenden sechs Monate verhalten", sagt Bitkom -Präsident Achim Berg. "Da ist wenig tröstlich, dass das Geschäftsklima in der Digitalbranche weiterhin sehr viel besser ist als in der Gesamtwirtschaft. Dieser Krieg führt uns vor Augen, wie wichtig digitale Souveränität und Resilienz sind. Digitale Technologien sind unverzichtbar, um die Sicherheit und Handlungsfähigkeit von Demokratien gerade in Krisen wie der Pandemie und bei militärischen Bedrohungen zu festigen."
Diese Entwicklung lässt dennoch hoffen, dass sich die Digitalwirtschaft erneut vergleichsweise "erfolgreich" von der Gesamtwirtschaft abkoppeln kann. Bewiesen hat es die Digitalbranche bereits bei den vergangenen Krisen 2003 und 2007. Zu dieser Entwicklung dürften verschiedene Faktoren führen:
- Der Nachholeffekt: Digitale Transformation, interaktive Geschäftsmodelle und Internet-basierte Geschäftsmodelle übernehmen Funktionen, die bislang in anderen Segmenten der Wirtschaft angesiedelt waren. Dieser starke Nachholeffekt ist es, der die Internetwirtschaft bisher weitgehend von Krisen verschont hat.
- Investitions- und Expansionsgut zugleich: In Boomzeiten investieren Unternehmen in Systeme, um ihren Marktanteil zu steigern. In Krisenzeiten geht es um Rationalisierung und Kostensenkung. Weil digitale Systeme für beides einsetzbar sind, können Digitaldienstleister je nach Wirtschaftslage von der einen zur anderen Blume hüpfen.
- Kurze Innovationszyklen: Wenn Teilmärkte der interaktiven Wirtschaft reif und damit krisenanfällig werden, fällt es für viele MarktteilnehmerInnen leicht, sich auf ein neueres Feld zu flüchten, in dem es noch kontinuierlich aufwärts geht: ISPs wurden zu Web-Entwicklern, aus Website- und ECommerce-Agenturen wurden Berater für Digitale Transformation. Während bisher etablierte Multimedia-Märkte wie E-Learning, Intranet, Webdesign oder Onlinemarketing zunehmend analog mit den Zyklen der Gesamtwirtschaft schwangen, steigt nun auch hier der Bedarf, weil der Bedarf an Digitalisierung bzw. digitalen Lösungen in sämtlichen Bereichen mit einem Schlag unumgänglich ist.
