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Das Jobroulette dreht sich wieder schneller
16.02.2022 Wir haben 650.000 Stellenanzeigen von Deutschlands Interaktiven aus den vergangenen zwei Jahren ausgewertet. Das Ergebnis ist ein tiefer Einblick in den deutschen digitalen Jobmarkt. Er zeigt, wonach sich Agenturvorstände besonders die Finger lecken - und welche Professionen an Bedeutung gewinnen.
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Wie deutlich sich der Stellenmarkt der Corona-Jahre 2020 und 2021 unterschieden hat von den Vorjahren, zeigt sich, wenn man die Ergebnisse mit unserer Auswertung beispielsweise vom Oktober 2017 vergleicht: Damals hat unser Jobrobot 7.200 Stellenangebote gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt - der bisherige Highscore. Exakt diesen Wert haben wir zum ersten Mal seit Jahren wieder Ende November/Anfang Dezember 2021 gemessen. Die coronabedingte Zurückhaltung bei den Stellenausschreibungen ist offenbar vorbei. Schließlich ist der Angebotsrückgang im Januar schon seit vielen Jahren zu beobachten.
Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Das Corona-Loch bei den Interaktiv-Stellenanzeigen
Deutlich zu sehen ist das Corona-Loch bei den Interaktiv-Stellenanzeigen. Der Einbruch bei den geschalteten Stellenanzeigen beginnt Anfang April 2020 und endet im Juli 2021, als die Zahl der auf den Websites der Digitalagenturen geschalteten Stellenanzeigen die 6.500er-Marke zum ersten Mal seit Jahren wieder dauerhaft überschritten hat.Allerdings: Die Zahl der geschalteten Stellenanzeigen blieb auch während der Pandemie-Hochphase hoch: Lediglich zwischen Mitte September und Anfang November 2020 sank die Zahl der von unserem Jobrobot gefundenen Interaktiv-Jobanzeigen unter die Marke von 5.000 - wenn auch nur ganz leicht. Das bedeutet: Der Rückgang bei den Stellenanzeigen war auch in den höchsten Lockdown-Zeiten nie größer als zwanzig Prozent. Die Zahl der zu besetzenden Stellen in Deutschlands Digitalagenturen war zwar durchschnittlich kleiner als zu normalen Zeiten - aber branchenweit eben nie wirklich klein. Inzwischen ist die Personalnot deutlich gewachsen, die Zahl der ausgeschriebenen Stellen liegt so hoch wie seit Jahren nicht mehr.
Seit April 2021 ist nun wieder ein stabiles Plateau mit rund 6.000, seit Juli 2021 sogar mit 6.500 gleichzeitig veröffentlichten deutschsprachigen Stellenanzeigen sichtbar. Gleichzeitig verharrt die durchschnittliche Standzeit der Stellenzeigen bei im Schnitt vier Monaten (schwarze Linie: Neun-Monats-Durchschnitt), steigt aber im neuen Jahr wieder an.
Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen aus den vergangenen vier Wochen bei durchschnittlich 145 Tagen. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die Personalverantwortliche der Internetwirtschaft heute abschalten lassen, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor mehr als fünf Monaten live gegangen. Dieser Wert entspricht in etwa dem, den wir vor der Pandemie gemessen haben: In den Jahren vor 2020 lag er stabil bei rund 150 Tagen.
Dass der gleitende Durchschnitt der Standzeit aller Stellenanzeigen aktuell bei "lediglich" vier Monaten liegt, kann an der gestiegenen Wechselwilligkeit der Interaktiv-MitarbeiterInnen liegen: Bis April 2021 existierten eine Menge Gründe, beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben. Inzwischen ist bei den Beschäftigten wohl wieder mehr Optimismus und Zukunftsorientierung zurückgekehrt. Das (und vielleicht der Wunsch nach Veränderung) hat wohl zur Folge, dass Mann und Frau sich vermehrt bei (tatsächlich oder vermeintlich) attraktiveren Arbeitgebern bewerben. Der Personalmarkt scheint sich also wieder schneller zu drehen.
Der Unterschied bei der Nachfrage nach einzelnen Berufsgruppen wächst
Wir werten die Zahl der geschalteten Stellenanzeigen nach den einzelnen Berufen aus. Traditionell werden besonders viele ProgrammiererInnen gesucht: Aktuell laufen 1.437 Programmier-Stellenanzeigen, aber nur etwas mehr als 200 Stellenanzeigen für Mitarbeitende in Redaktion oder E-Commerce.
Wir haben die Entwicklung von sämtlichen von unserem Jobrobot erkannten digitalen Berufsgruppen separat ausgewertet. Dazu haben wir die Zahl der aktiven Stellenanzeigen, die in den 13 unterschiedlichen Gewerken im Januar 2020 geschaltet waren, als 100 Prozent genommen und die Abweichungen ausgewertet.
Es zeigt sich, dass Projektleitungen in der ersten Phase von Corona deutlich seltener nachgefragt wurden - und erst seit Sommer wieder öfter gesucht werden, während die Nachfrage nach ProgrammiererInnen sich parallel zu den anderen Gewerken entwickelt hatte - nur erst in den vergangenen Wochen nachgelassen hat. Wie unterschiedlich sich die einzelnen Berufsfelder in den vergangenen zwei Jahren entwickelt haben, sieht man besonders deutlich im Chart "Spreizung". Dort haben wir die jeweils höchste positive und negative Abweichung in der jeweiligen Kalenderwoche aufgetragen (oberes und unteres Ende der grauen Balken). Die farbige Linie zeigt die jeweiligen Mittelwerte.
Weniger Projekte, diese jedoch komplexer
Am meisten gesucht werden Programmierende. 1.437 Stellenanzeigen haben wir hier gezählt. Diese sind zudem auch besonders schwer zu finden. Rund ein halbes Jahr dauert es zwischen dem Erscheinen einer Stellenanzeige und dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags: Stellenanzeigen laufen auf den Dienstleister-Websites im Schnitt 183 Tage, bevor sie runtergenommen werden. Auch Design-Mitarbeitende werden zahlreich gesucht (aktuell 778 Ausschreibungen) und sind mit 123 Tagen durchschnittliche Anzeigen-Standzeit auch schwieriger zu finden. SEOs, ECommerce-Experten und Projektleitungen gehören ebenfalls zu den Berufsgruppen, die schwierig zu finden sind. Hier gibt es allerdings nicht so viele Jobangebote.Stark nachgefragt sind in Noch-nicht-ganz-Nachcorona-Zeiten auch Menschen mit Technik-Know-how (928 Anzeigen), Onlinemarketer (629 Anzeigen) und Consultants (621 Anzeigen). Technik, Design, Onlinemarketing und Consulting sind also die größten Jobmärkte für Agentur-Mitarbeitende. ProgrammiererInnen, E-Commercler und SEOs werden am längsten gesucht - hier scheint es so zu sein, dass die entsprechenden Stellenanzeigen von vielen Agenturleitungen standardmäßig ohne Unterbrechung geschaltet sind: Man braucht solche Leute ja sowieso immer. Vor allem, wenn das Jobroulette sich inzwischen wieder deutlich schneller dreht als noch vor 18 Monaten.
