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Krieg im Mobilmarkt: Wo die Schlachtreihen stehen
18.02.2010 Auf dem gestern zu Ende gegangenen Mobile World Congress in Barcelona haben ganz andere als die Branchengrößen wie Provider und Gerätehersteller den Ton angegeben. Tatsächlich hat die weltgrößte Mobilfunkmesse gezeigt: Auf dem Mobile-Markt wird die entscheidende Schlacht vorbereitet. Geschossen wird dabei fast einvernehmlich gegen ein Unternehmen.
Kein Wunder, betrachtet man die Prognosen für den Milliardenmarkt. Bereits am Montag erklärte Sony Ericsson -Chef Hans Vestberg , dass er damit rechne, dass es in den kommenden fünf Jahren rund drei Milliarden neue mobile Breitbandnutzer geben wird. Außerdem geht er davon aus, dass im Jahr 2020 rund 50 Milliarden Geräte mobil verbunden sind. Die Zahl der Nutzer mobiler PCs werde sich zudem bereits bis 2015 versechsfachen und der von ihnen produzierte Datenverkehr im Vergleich zu 2009 um das 50fache anwachsen, so Vestbergs Prognose.
Die Schlachtreihen der Zukunft
Gekämpft wird, das hat Barcelona gezeigt, an mehreren Fronten:- Die Handyhersteller kämpfen darum, den Kundenkontakt zu behalten oder zu bekommen. Und die digitale Deutungshoheit zu behalten
- Die Publisher müssen ihre Geschäftsmodelle ins mobile Zeitalter retten und haben Angst, überflüssig zu werden.
- Die Netzbetreiber wollen verhindern, als "dumb pipes" nur noch die Leitung zur Verfügung zu stellen. Sie müssen einen größeren Anteil an der Wertschöpfungskette bewahren.
- Die UE- und Computerhersteller arbeiten daran, bei den Endgeräten nicht abgehängt zu werden. Wenn alles mobil wird, dann müssen auch sie sich einklinken.
Allianzen: Jetzt geht es darum, die Ausgangsbasis zu schaffen, um den Markt zu dominieren
Eines wird damit deutlich: Der mobile Markt ist für die Branche so lukrativ wie kein anderer. Telefonieren und SMS versenden allein ist es längst nicht mehr. Es geht darum, einen neuen Markt zu erschließen, sich jetzt zu positionieren und Anteile in diesem Segment zu sichern, und zwar nicht nur unter den Mobilfunkkonzernen und Geräteherstellern, sondern auch unter Internetgiganten, Software- und Content-Anbietern.Platzhirsch Apple beispielsweise wird es künftig im Mobilmarkt mit seinen überaus beliebten Applikationen nicht mehr so einfach haben. Denn überraschend haben 24 weltweit agierende Betreiber von Mobilfunknetzen ihre Kooperation bekannt gegeben, um Apple kräftig den Marsch zu blasen und einen eigenen App-Store für Smartphones (Wholesale Applications Community ) aufzusetzen. Schätzungen zufolge hat Apple im vergangenen Jahr mit seinen Apps etwa 4,2 Milliarden Dollar umgesetzt.
Hier wollen selbstverständlich auch andere Marktteilnehmer ein Stück vom Kuchen abhaben. Milliarden von Telefonkunden und damit potenzielle App-Nutzer könnten die Mobilfunkanbieter mit ihrer Allianz erreichen. Ziel der Allianz ist es, die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Vermarktung bis zur Bezahlung auf einheitlichen Standards aufzubauen, damit eine Handy-Anwendung auf verschiedenen Geräten bei unterschiedlichen Netzbetreibern laufen kann.
Technik: Auf welcher Technik werden die Mobilanwendungen der Zukunft laufen?
Auch die Softwareschmiede Adobe bläst zum Angriff. Das Unternehmen hat seine plattformunabhängige Laufzeitumgebung AIR für Android-Geräte vorgestellt. Außerdem soll in absehbarer Zeit der Flash-Player 10.1 weltweit verfügbar sein. Neben mobilen Android-Geräten werden Blackberry, Symbian, Palm und Windows Mobile-Geräte unterstützt. "Indem wir die Flash-Plattform auch auf immer mehr mobile Geräte bringen, wird es Anbietern erleichtert, ihre Inhalte auf wirklich jedem Bildschirm darzustellen. Zudem haben Kunden so über alle Geräte und Plattformen hinweg freien Zugang zu ihren bevorzugten Medien, interaktiven Anwendungen, Spielen und Videos" freut sich David Wadhwani , General Manager und Vice President für den Bereich Platform Business bei Adobe.
Außen vor bleibt Apple. Ginge es jedoch nach Adobe, würde Flash 10.1 auch für Apples iPhone erscheinen. Technisch gebe es keine Schwierigkeiten. Allerdings verhindere Apples Lizenzpolitik für das iPhone, dass Adobe Flash für das iPhone anbieten und verbreiten darf, beschwert sich Adrian Ludwig , Flash Group Manager Adobe, im Interview .
Auch Microsoft hat für Gesprächsstoff auf dem MWC gesorgt. Der Softwaregigant hat endlich sein komplett runderneuertes Betriebssystem Windows Phone 7 vorgestellt. Die Redmonder wollen mit dem neuen Betriebssystem Erzrivalen Google und Apple die Stirn im lukrativen Markt für Smartphones bieten. In Geräten mit der neuen Software sind unter anderem eigene Dienste wie der Mediaplayer Zune oder das Xbox-Live-Netz integriert, aber auch Web-2.0-Plattformen wie Facebook. Die Smartphones sollen zudem als mobile Spielekonsole dienen. Erste Geräte mit Windows Phone 7 werden in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen, kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf der Mobilfunkmesse an. Partner, die Smartphones mit Windows Phone 7 ausliefern, sind HTC , LG , Samsung , Toshiba und Garmin-Asus .
Google und Facebook: Die Zukunft ist mobil
Suchmaschinengigant Google hat dem Mobilthema oberste Priorität eingeräumt. Google will künftig immer häufiger zuerst für Mobilfunkgeräte und dann erst für PCs entwickeln. CEO Eric Schmidt begründete diese Strategie mit dem großen Volumen des Mobilfunkmarktes und der deutlichen Zunahme der mobilen Suchanfragen. Zudem würden täglich 60.000 Smartphones mit dem Betriebssystem Android verkauft.Smith sieht die Branche an einem fundamentalen Wandel. So liefern die mobilen Geräte mittlerweile genug Rechenleistung, das schnelle Netz erlaube dauerhafte Konnektivität und die Anwendungen in der Cloud. "Die Spielregeln werden neu geschrieben", so Schmidt. Entgegen aufkommender Spekulationen versicherte Google jedoch, dass der Suchmaschinenbetreiber keine Ambitionen hegt, eigene Netze zu bauen.
Die Betreiber des sozialen Netzwerks Facebook bereiten sich ebenfalls auf die mobile Zukunft vor. Zwar gibt es schon eine angepasste Version für mobile Browser, aber auf Grund der großen Datenmengen hatte der Seitenaufbau in der Regel zu wünschen übrig gelassen. Um diese Datenmengen zu verkleinern, hat Facebook auf dem Mobile World Congress die neue Lösung Facebook Zero vorgestellt. In den kommenden Wochen will Facebook einen genauen Termin für die Veröffentlichung der Zero-Version bekannt geben.
Handybauer Nokia und Chiphersteller Intel machen künftig ebenfalls gemeinsame Sache: Ihre mobilen Linux-Betriebssysteme Maemo und Moblin verschmelzen zur Plattform MeeGo. Die neue Plattform wird Multitasking unterstützen, eine deutlich höhere Abspiel-Geschwindigkeit bei Multimedia-Inhalten umsetzen und soll zudem die mobile Internetnutzung vereinfachen. Zum Einsatz kommt MeeGo künftig auf Handys, Netbooks oder Tablet.
Nokias Tochterunternehmen Symbian hat außerdem sein neues Betriebssystem Symbian 3 vorgestellt. Noch vor knapp zwei Jahren war Symbian S60 Marktführer bei den Betriebssystemen von Smartphones. Doch ähnlich wie Nokia verschlief Symbian den Trend mit den Touchscreens und musste Marktanteile abgeben - an Apple. Das soll sich jetzt jedoch ändern. Symbian 3 soll Ende März allen Entwicklern zur Verfügung stehen und Verbesserungen in der Nutzbarkeit, Geschwindigkeit sowie der Darstellung von 2D- und 3D-Grafiken bieten. Erste Geräte erscheinen voraussichtlich im dritten Quartal 2010.
