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Nazi-Propaganda: StudiVZ hat mit braunen Gruppen zu kämpfen

von sr

30.11.2007 Das von Holtzbrinck für eine Millionen-Summe übernommene Web-2.0-Portal StudiVZ kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Macher des Studi-Netzwerks erst kürzlich selbst mit ekelerregenden Viral-Videos für Schlagzeilen sorgten, sind nun wieder die Mitglieder der Community an der Reihe: Weswegen die Portal-Betreiber derzeit gegen braune Gruppen und Postings ankämpfen müssen.

 (Bild: StudiVZ.de)
Bild: StudiVZ.de
"Es ist traurig, wie einseitig die Medien in Deutschland berichten und somit eine ganze Region verurteilen": Mit diesen Worten beschreibt ein Mitglied von StudiVZ   seine Gruppe Mügeln - Was wirklich geschah  . Im sächsischen Mügeln hatten rund 50 Deutsche im August acht Inder bei einem Volksfest angegriffen und durch die Stadt gehetzt. Laut der StudiVZ-Gruppe eine einzige Lüge: "Die Wahrheit sieht anders aus", ist dort zu lesen. "Aber für die Medien ist es klar, dass natürlich die Inder die Guten sind und die Deutschen die Bösen!"

Die Mügeln-Gruppe ist nur eines der zahlreichen Sammelbecken für Rechtsradikale auf dem Studenten-Netzwerk. Wie Blogger Michael Brächer in seinem Weblog zusammenfasst, gibt es auf StudiVZ aktuell über 30 braune Gruppen. Eine iBusiness-Recherche zeigt: Auf der nach unten offenen Skala für schlechten Geschmack sind dabei keine Grenzen gesetzt.

 (Bild: StudiVZ)
Bild: StudiVZ
Zum Beispiel die Gruppe: Mein Großvater war an der Ostfront - und ich bin stolz darauf  . In der Selbstbeschreibung der Gruppe ist etwa zu lesen, dass die Mitglieder "die guten alten Werte vertreten" und sich nicht für die durchaus glorreiche deutsche Vergangenheit schämen". Schlimmer wird es sogar noch in der Gruppe Deutsche Soldaten sind Helden, keine Mörder  , die das "militärische und tugendhafte deutsche Erbe in Ehren halten will."

Auf Nachfrage von iBusiness gibt Sprecher Dirk Hensen zu, dass StudiVZ ein braunes Problem hat. "Wir scannen mit 40 Mitarbeitern ständig alle Gruppen und Beiträge, um rechtes Gedankengut von StudiVZ zu entfernen", erklärt er. Allerdings sei es aufgrund der "Masse an neuen Veröffentlichungen" nicht möglich, sämtliche Beiträge vorab zu prüfen. Zwar gebe es ein Blacklist-Verfahren, dass neue Beiträge nach bestimmten Wörtern scannt und automatisch sperrt. "Die Nutzer in diesen Gruppen sind aber sehr kreativ und versuchen, ihre wahren Absichten zu verbergen", ärgert sich Hensen.

In der Tat: StudiVZ-Gruppen wie die 'Deutschen Soldaten' versuchen bereits in der Gruppenbezeichnung durch Anmerkungen wie "ausgenommen sind faschistische und antisemitische Lehren" sich von der Nazi-Kultur zu distanzieren. Leider aber sprechen dann Bilder und weitere Textpassagen eine andere Sprache.

In diesem Jahr war StudiVZ bereits für einige Schlagzeilen gut. Vor allem die Verantwortlichen des Portals standen dabei in der Kritik. So hatte unter anderem Sven Schmidt , Geschäftsführer der Online-Community Verwandt.de  , im August den StudiVZ-Betreibern vorgeworfen, Daten seiner auf StudiVZ gebuchten Banner-Kampagne ohne sein Wissen oder Einverständnis an Dritte weitergegeben zu haben (iBusiness berichtete).

Noch schlimmer für die Außendarstellung des von Holtzbrinck   für kolportierte 100 Millionen Euro übernommenen Studentenportals waren aber die Ekel-Videos, mit denen StudiVZ im vergangenen Sommer neue Mitglieder gewinnen wollte. Mit Titeln wie "Geile Frauen scheißen nicht" sorgten die Viral-Clips noch vor Veröffentlichung für ein PR-Desaster: Auch wenn StudiVZ-Sprecher Hensen damals noch gegenüber iBusiness argumentierte, dass man "über Geschmack doch immer streiten" könne. Pikant: StudiVZ-Investor Holtzbrinck hatte bereits auf Nachfrage von iBusiness die vielen negativen Schlagzeilen rund um StudiVZ als "subjektive Wahrnehmung" der Medien abgetan.

Immerhin: Was den Befall durch Nazi-Propaganda betrifft, steht StudiVZ nicht allein auf weiter Flur im deutschen Web 2.0. Eine iBusiness-Analyse zeigt, dass auch die deutschen Videohoster ein beliebter Spielball der Rechten sind. Denn um den Upload von rechtsradikalen Videoclips zu verhindern, fehlen auch Anbietern wie Clipfish   und MyVideo   die Mittel.

Thema: Nazi-Propaganda: StudiVZ hat mit braunen Gruppen zu kämpfen

Kommentar von sr

Fortsetzung folgt

Finger weg von StudiVZ: Mit diesen Worten hatte ich vor knapp drei Monaten Werbekunden vor dem Studenten-Portal gewarnt, als angeblich Kampagnendaten ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben worden waren. Zum Besseren gewendet hat sich seitdem nicht viel. Nach wie vor gilt: Bevor ein Unternehmen Werbung auf dem reichweitenstärksten Online-Portal Deutschlands schaltet, sollten sich die Werber der möglichen Konsequenzen bewusst sein.

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 (Boris Giesl)
Bild: Boris Giesl
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