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Ultralokale Netzwerke: Der Fanblock wird sozialer Markt
15.11.2010 Temporär und lokal begrenzte Netzwerke existieren bislang nur in der Fantasie von Konferenz-Speakern. Das wird sich in Zukunft ändern, denn ultralokale Netzwerke sind die ultimative Granularisierung von Social Media. Sie sind Zukunftsmärkte. Aber nicht für jeden.
Das Wachstum der Smartphone-Installationen und der gesellschaftliche Lernprozess bei der Benutzung von Social Networks bringen diese alten ultralokalen Netzwerke auf eine neue Ebene: auf eine digitale, eine interaktive.
Eine denkbare Anwendung für ein digitales ultralokales Netzwerk wäre zum Beispiel ein Konzert: Die Menschen auf den besten Plätzen an der Bühne schicken in Echtzeit Bilder der Band an die Menschen weiter hinten, Menschen mit gleichen Hobbys können sich über ihre Profile identifizieren und verabreden. Oder aber man bestellt ein Bier und eine Currywurst direkt an den Sitzplatz.
Auch bei Fußballspielen ist eine Fan-Community denkbar, die sich durch ein ULN verknüpft. Rund um das Spiel entsteht ein virtueller Fanblock, in dem Abseits-Entscheidungen diskutiert werden, Verabredungen getroffen oder überschüssige Tickets auf dem kurzen Wege weitergegeben werden.
Erste Anwendungen machen tobende Fanblocks zu ultralokalen Netzwerken
Nach diesem Prinzip etwa organisiert der US-amerikanische Anbieter Mobiteris Fan-Gruppen mit seinem Webdienst Crowdzone . Er verbindet Fans zu einem sozialen Netzwerk, das solange bestehen bleibt, wie das (Sport-)Ereignis andauert. Danach zerfällt es, bis es sich bei der nächsten Partie wieder formiert.
Die Nutzer laden sich eine iPhone-App herunter und können dann miteinander interagieren. Bislang wird Crowdzone ausschließlich im amerikanischen Profisport eingesetzt. Mobiteris finanziert sich dabei über Sponsoring.
In China formierte sich im Juni sogar ein soziales Netz von Protestlern um den Platz des Himmlischen Friedens - nach dem ULN-Prinzip. Die beteiligten Menschen hatten sich über ihre Smartphones via Foursquare vernetzt. Der in den USA weit verbreitete Dienst wird in der westlichen Hemisphäre dazu verwendet, um Badges zu sammeln und als oft-einloggender 'Mayor' Gratis-Kaffees bei beteiligten Kaffeehaus-Ketten einzufordern. In China hatten die Oppositionellen den Dienst umfunktioniert und statt einem stylischen Cafe den Platz des Himmlischen Friedens als Ortsmarke angelegt, um sich dort einzuloggen: So entstand eine lokale Community, die mit Hilfe der Foursquare-Software untereinander regimekritische Nachrichten und Kommentare austauschte. Die chinesischen Behörden sahen das als ausreichende Bedrohung für die "Internet-Gesundheit" an, um Foursquare bis auf weiteres zu sperren.
Nicht jeder, der von ultralokalen Netzwerken schwärmt, meint dasselbe
Unter dem Begriff ultralokales Netzwerk werden in der Branchen-Diskussion zurzeit noch unterschiedliche Dinge verstanden. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die meisten ULN-Aspekte bislang ausschließlich in den Köpfen einiger Vordenker stecken. Tatsächlich gebrauchen selbst Branchenkenner den Begriff höchst unterschiedlich. Für den einen ist es ein ultralokales Netz, wenn sich die Besucher einer Eckkneipe bei Foursquare vernetzen, der andere begreift darunter ausschließlich in Echtzeit funktionierende Bluetooth-Netze wie sie Standbetreiber auf Messen nutzen, um den vorbei Laufenden Werbung auf das Handy zu schicken.Was ultralokale Netzwerke in Zukunft vor allem ausmachen wird, sind drei Dinge:
- die zeitliche Beschränkung
- die örtliche Beschränkung
- der Echtzeit-Aspekt
Hier stellt sich das Problem der Netzverbindung: Wer auf der diesjährigen Dmexco versucht hat, mobil im Web zu surfen, hatte schlechte Karten: Bei der enormen Smartphone-Dichte der Onlinewerbe-Fachmesse in Köln waren die Mobilleitungen in der Regel dicht. Bei einem Konzert oder Fußballspiel mit 40.000 oder mehr Smartphones wird auf absehbare Zeit nicht soviel Bandbreite zur Verfügung stehen, dass webbasierte Lösungen, auf die Facebook & Co. aufsetzen, funktionieren. Deswegen ist die direkte Vernetzung in absehbarer Zukunft unvermeidbar, sei es per Peer-to-Peer-Netzwerk, etwa bei zwei via Bluetooth vernetzten Handys, per WLAN oder über Near Field Communication (NFC). Langfristig verlagert sich die technische Lösung auf die Server der webbasierten sozialen Netzwerke.
In der Zwischenzeit führt an einer Installation von WLANs kein Weg vorbei. Obwohl man seine Daten erst vom mobilen Gerät (z.B. dem Smartphone) über einen Server jagt, der es dann an den Kontakt weiter sendet, sind die Verzögerungen minimal. "Heute sind ja Verbindungspreise und Datenraten nicht mehr das Problem", sagt etwa Uwe Sandner , technischer Leiter beim Mobile-Dienstleister Servtag . Besonders interessant sind Orte ohne Netzempfang, da dort noch nicht einmal das schwachbrüstige UMTS hinreicht. Solche Orte könnten U-Bahnen oder in dick betonierten Veranstaltungszentren beheimatete Messehallen sein.
