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Totschlag-Argument (10): "Mit 3D-Druckern wird sich bald jeder eine Waffe ausdrucken können"

14.02.2014 3D-Druck dient den Terroristen.

Ein 3D-Drucker in Aktion - hier zu friedlichen Zwecken genutzt. (Bild: Keepitsurreal Flickr)
Bild: Keepitsurreal Flickr
Bild: Keepitsurreal Flickr unter Creative Commons Lizenz by-sa
Ein 3D-Drucker in Aktion - hier zu friedlichen Zwecken genutzt.
Das Argument:
"3D-Drucker versetzen jeden Menschen in die Lage, sich eine Waffe auszudrucken."

Was die Totschläger wirklich meinen:
"Die Selbstauslöschung der Menschheit ist nur eine Frage der Zeit - spätestens wenn es bei Mediamarkt   den ersten 3D-Drucker-Sale gibt, sind wir erledigt."

Wahr am Argument ist:
3D-Drucker sind in der Lage Waffen herzustellen, darunter auch präzise schießende Modelle aus Metall und Kunststoff. Letztere wären rein theoretisch für Metalldetektoren am Flughafen unsichtbar. Auch die entsprechenden Pläne zum Ausdruck - die Software gewissermaßen - kursieren online. Zudem sinken die Preise für 3D-Drucker rapide, die Hardware wird daher mit hoher Wahrscheinlichkeit bald Mainstream sein.

Falsch daran ist:
Nichts. Theoretisch kann bald jeder sich eine Waffe ausdrucken und Mitmenschen abknallen. Und wer nicht das Geld für einen 3D-Drucker hat, dem leiht es bestimmt eine ahnungslose Bank oder Freunde.

Der Punkt ist: Fast niemand will sich eine Waffe ausdrucken und Mitmenschen erschießen. Und die gewalttätige Minderheit verschafft sich die dafür benötigten Utensilien schon seit langen Jahren auch ohne die Existenz von 3D-Druckern. Diese Minderheit geht dazu entweder in ein Waffengeschäft und erwirbt sie legal (zum Beispiel in den USA), beschafft sie sich auf illegalen Wegen oder nutzt freiverkäufliche Substitute für Schusswaffen für ihr mörderisches Handwerk (Äxte, Messer, Knüppel, Abflussreiniger).

Bei einem Streifzug durch Super- und Baumarkt lassen sich sämtliche für einen Sprengsatz nötigen Inhaltsstoffe freiverkäuflich erwerben - das wird ihnen ein Chemiker versichern. Und auch die dafür nötigen Anleitungen werden sie entweder online oder vom Bekannten eines Bekannten eines Bekannten erhalten.

Auch die Terroristen, die die Flugzeuge als zweckentfremdete Sprengsätze ins World Trade Center steuerten, hatten das Fliegen nicht online gelernt. Das taten sie im Real Life auf Flugschulen. Auch besitzen viele Menschen mit Keramikmessern für Metalldetektoren unsichtbare Waffen, die es zwar auch, aber nicht nur online gibt. Übrigens: Laut der Studie des Bundeskriminalamts   werden die meisten Menschen in Deutschland mit Waffen getötet, die ganz legal gekauft worden sind. Offline. Im Ladengeschäft. Ganz ohne 3D-Druck.

Substanz:
10%
Thema:

Zehn Totschlag-Argumente gegen das Internet - und wieso sie Quatsch sind

Auch außerhalb von Neuland gibt es sie: Die populistischen Totschlag-Argumente, warum das Internet böse, Digitalisierung von Übel und Interaktivität etwas ist, was man am besten wegverbieten sollte. Argumentationshilfen gegen die zehn gängigsten Populisten-Behauptungen.

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'Nimm das, Internet!' - disruptive Technologien und Märkte haben viele Feinde; doch es gibt gute Argumente um die Attacken zu parieren (Bild: WikiImages / pixabay/ public domain)
Bild: WikiImages / Pixabay/ public domain
'Nimm das, Internet!' - disruptive Technologien und Märkte haben viele Feinde; doch es gibt gute Argumente um die Attacken zu parieren
1. Teil: Totschlag-Argument (1): "Das Internet macht mich zum gläsernen Konsumenten" 2. Teil: Totschlag-Argument (2): "Das Internet vernichtet Arbeitsplätze" 3. Teil: Totschlag-Argument (3): "Bei Streetview können Einbrecher mein Haus ausspionieren!" 4. Teil: Totschlag-Argument (4): "Das Internet muss kontrolliert werden, weil sich dort Pädophile und Terroristen tummeln" 5. Teil: Totschlag-Argument (5): "Wer mit Trinkfotos auf Facebook ist, findet keinen Job" 6. Teil: Totschlag-Argument (6): "Das Internet zerstört das Urheberrecht, dann verhungern alle Künstler" 7. Teil: Totschlag-Argument (7): "E-Books sind der Untergang der abendländischen Kultur" 8. Teil: Totschlag-Argument (8): "Social Media und Smartphones sind der Tod der Kommunikation" 9. Teil: Totschlag-Argument (9): "Das Internet tötet den Einzelhandel" 10. Teil: Totschlag-Argument (10): "Mit 3D-Druckern wird sich bald jeder eine Waffe ausdrucken können"

Kommentar von Sebastian Halm

Wenn das Telefonbuch ein Google-Produkt wäre

Früher gab es so dicke, gelbe Bücher. Darin fand man nahezu alle Menschen, die in einer Stadt lebten: Name, Adresse, Telefonnummer. Was wäre, hätte es dieses Produkt nie gegeben und es käme jetzt als Innovation von Google?

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Sebastian Halm, iBusiness (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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