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Zwölf Branchen: Wo sich 3D-Druck wirklich durchsetzt

21.08.2014 Die technische Entwicklung im 3D-Druck ist rasant - gleichzeitig fehlt es an relevanten Anwendungen, die Mass Customization zum Endkunden bringen. Der Markt droht sich totzulaufen, bevor er richtig gestartet ist. Die iBusiness-Analyse zeigt sechs 3D-Druck-Trends in zwölf einzelnen Branchen und wie sich der 3D-Druck im einzelnen entwickeln wird.

 (Bild: 3DSystems)
Bild: 3DSystems
Schuhe aus dem 3D-Drucker sind ein Nischenprodukt (Bild: 3DSystems)
Bild: 3DSystems
Schuhe aus dem 3D-Drucker sind ein Nischenprodukt

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Fast alles scheint möglich zu sein, glaubt man aktuellen Berichten zum 3D-Druck. Denn die Technik entwickelt sich rasend schnell und immer neue Anwendungsbeispiele überschwemmen den Markt. Ein zweitausend Jahre alter Kriegshelm   der westgermanische Bataver, den Archäologen nur mit einem 3D-Scanner und einem entsprechenden -Drucker von Artec restaurieren konnten, personalisierte Wackelkopf-Figuren auf dem 3D-Druck-Shop von Amazon   und das 3D-gedruckte Saxophon   vom neuseeländischen Entwickler Olaf Diegel sind nur einige der Anwendungen, die im Internet kursieren.

Sie zeigen: 3D-Druck ist mehr als eine Idee für übermorgen. Vielmehr ist die Basistechnik bereits in der Nische etabliert, sie wird verfeinert, weiterentwickelt, verbessert. Ingenieure, Designer und Start-ups loten zurzeit ihre Anwendungsfelder aus, die sie ganz groß herausbringen sollen.

Doch für die breite Masse der Nutzer sind - jenseits von futuristischen Handyschalen, Plastikohrringen, sowie Minecraft- und World-of-Warcraft-Gartenzwergen   - kaum brauchbare Anwendungen dabei. Noch immer dümpelt der 3D-Druck-Markt für Endanwender in der nerdigen Early-Adopter-Nische vor sich hin. Er droht wieder in der Versenkung zu verschwinden. Wenn die Lösungen nicht bald alltagstauglich und für die breite Masse interessant werden. Sechs 3D-Druck-Trends zeigen, wie sich der Markt aus der Nerd-Nische und der Kunststoffdeko-Produktion heraus entwickeln wird und in welchen Branchen er in Zukunft einen bedeutenden Teil der Wertschöpfung ausmachen wird.

3D-Druck stellt den E-Commerce in den Schatten

Laut Marktdaten boomt der 3D-Druck-Markt. Erst im Mai 2014 veröffentlichte der 3D-Druck-Experte Wohlers Associates   den aktuellen Marktreport, der sogar Wachstumsbranchen wie den deutschen E-Commerce mit Bekleidung in den Schatten stellt. Laut den US-amerikanischen Analysten war der 3D-Druck-Markt im vergangenen Jahr 3,07 Milliarden Dollar schwer. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs er um 35 Prozent - der stärkste Zuwachs der vergangenen 17 Jahre. Dabei ist das Wachstum konstant sehr hoch: Im letzten Vierteljahrhundert lag es durchschnittlich pro Jahr bei 27 Prozent.

Wohlers Associates ist zuversichtlich, dass der Markt auch in den nächsten paar Jahren weiter stark wächst. "Es wird vor allem durch den Verkauf von 3D-Druckern unter 5.000 Dollar sowie durch die verstärkte Nutzung der Technologie für die Herstellung von Metallteilen für Endprodukte angeheizt", sagt ein Sprecher des Beratungsunternehmens.

Gartner Hype Cycle 3D-Druck
Gartner Hype Cycle 3D-Druck (Grafik: Gartner) Quelle: http://www.gartner.com/newsroom/id/2825417
Auf der anderen Seite analysiert das Marktforschungsunternehmen Gartner   in einer aktuellen Studie, dass es bei vielen 3D-Drucktechniken noch etliche Jahre dauern wird, bis sie im Mainstream ankommen. Wie der Gartner Hype Cycle zeigt, wird der Endkonsumentenmarkt von Business- und Medizin-Anwendungen überholt, da hier die Anwendungen konkreter und lukrativer sind.

Im 3D-Printing-Markt muss man zwischen zwei unterschiedlichen Bereichen, die in die Markthochrechnungen einfließen, unterscheiden:

  1. 3D-Druck für den (indirekten) Endverbrauchermarkt:
    Dabei geht es um die Drucker für den Endkundenmarkt, mit denen man zum Beispiel Handyschalen, Lampen oder Eierbecher herstellen kann. Fokus dieser Maschinen ist nicht nur der Endkunde, sondern vor allem auch Universitäten, Ingenieurbüros und Start-up-Unternehmen, die damit individuelle Gegenstände für ihre Kunden herstellen. Sie arbeiten mit Kunststoffen oder Harzen, die erhitzt und aus dem Druckkopf gepresst werden. Fused Deposition Modeling (FDM) nennt sich dieses Verfahren, bei dem die Werkstücke schichtweise aufgetragen werden. Es gibt sowohl Drucker für den Do-it-Yourself-Markt, die sich theoretisch jeder Hobbydrucker für einige hundert bis wenige tausend Euro kaufen kann, als auch solche für professionelle Anwendungen.

    "Der Consumer-3D-Druck-Markt ist noch fünf bis zehn Jahre von seinem Durchbruch am Mainstreammarkt entfernt", glaubt Pete Basiliere, Research Vice President von Gartner. "Heute verkaufen rund 40 Unternehmen 3D-Drucker für Business-Anwendungen und es gibt weitere 200 Start-ups weltweit, die 3D-Drucker für mehrere hundert Euro für den Endverbrauchermarkt entwickeln und verkaufen. Doch sogar dies ist für die breite Masse heute noch zu teuer." Teil dieses Marktes ist die Maker-Bewegung   - die Do-it-Yourself-Graswurzelbewegung, die sich vor allem rund um den 3D-Druck gebildet hat, wächst zwar, ist allerdings stark technisch geprägt. Und eher vergleichbar mit den Hobby-Computerbauern der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts als mit der Computerszene von heute. Sie organisiert sich mit starkem Open-Source-Bezug rund um spezielle Veranstaltungen  .

  2. Industrieller 3D-Druck beziehungsweise additive Fertigung:
    Diese Maschinen liegen vom Preis her eher im Bereich einiger Zigtausend, Hunderttausend oder Millionen Euro. Ihre Zielgruppe sind Industrieunternehmen, die damit zum Beispiel Teile für Flugzeuge, medizinische Implantate oder Einsätze für Spritzgieß-Implantate herstellen. Diese Anlagen können Kunststoffe oder Metalle verarbeiten und sind daher bei der Materialauswahl wesentlich flexibler. Wichtige Verfahren sind bei diesen Druckern die Stereolithografie (SLA), bei der ein Beschichtungsharz im Flüssigkeitsbad durch gezielte UV-Strahlen in der gewünschten Form ausgehärtet wird. Beim Selektiven Lasersinter-Verfahren (SLS) wird eine Pulverschicht durch die gezielte Hitze eines Lasers verschweißt.

    In den kommenden zwei bis fünf Jahren wird die Akzeptanz von 3D-Druck in Unternehmen stark steigen, sagt Gartner. Getrieben wird der Durchbruch durch Gestaltungssoftware, 3D-Scanner und 3D-Druck-Servicebüros. "Dann wird der medizinische 3D-Druck spannende Vorteile bieten und weltweit wird man Prothesen und Implantate vorwiegend mit dieser Technologie herstellen"", ist Pete Basiliere sicher.

Sechs Trends, die die 3D-Druck-Branche bestimmen werden


Trend 1: 3D-Druck wird größer, schneller, besser, bunter, feiner

Rudolf Gleixner, Crdrei

Die Entwicklung der 3D-Drucktechnik ist enorm. Die einfacheren Drucker für den Hausgebrauch werden nicht nur immer günstiger. Sie können auch immer mehr Materialien verarbeiten. Zum Beispiel das Fused-Deposition-Modeling-Verfahren (FDM) beschränkt sich zwar eigentlich auf Kunststoffe wie ABS, PLA oder HIPS. "Aber indem Metallpulver oder Gips unter die Kunststoffe gemischt werden, kann man damit auch Gegenstände drucken, die wie Metall oder Gestein wirken", erläutert Rudolf Gleixner, Geschäftsführer des 3D-Druck- und IT-Büros Crdrei   in Dachau.

Er selbst tüftelt gerade an einem FDM-Drucker, der noch feiner druckt als die am Markt verfügbaren - damit man die Objekte nachher weniger nachbearbeiten muss. Die Düsen sollen kleiner werden und gleichzeitig will er den Druckbereich bei gleichbleibender Qualität auf jeweils rund einen halben Meter in alle drei Richtungen vergrößern. Dafür müsse nicht nur die Maschine größer gebaut werden. Sondern die eigentliche Herausforderung sei es, die Druckgeschwindigkeit zu erhöhen. Die einzelnen Kunststoffschichten verbinden sich nämlich nur in einem sehr kurzen Zeitfenster, wenn sie noch nicht ausgehärtet sind.

Diese Brillen wurden mit einem Stratasys-3D-Drucker in einem Arbeitsschritt gefertigt. Ein Zusammenbauen war nicht nötig. (Bild: Stratasys)
Bild: Stratasys
Diese Brillen wurden mit einem Stratasys-3D-Drucker in einem Arbeitsschritt gefertigt. Ein Zusammenbauen war nicht nötig.

Für größere Modelle gibt es bereits gröbere Drucker wie den Kamermaker  , der Möbel und andere architektonische Elemente mit einem Durchmesser von zwei und einer Höhe von dreieinhalb Metern erzeugen kann. Der Hersteller Stratasys   kündigte Anfang 2014 den nach eigenen Angaben ersten 3D-Drucker an, der mehrere Farben und Materialien gleichzeitig drucken kann. Während des Druckens vermischt der Objet500 Connex3 Tröpfchen von drei Modellmaterialien miteinander, wodurch viele Materialeigenschaften wie fest, flexibel und transparent sowie farbige Materialien in einem Druckvorgang kombinierbar sind.

Auch im industriellen 3D-Druck tut sich einiges: Als Ersatz für Spritzgießfertigung hat der Spritzgießmaschinenhersteller Arburg   einen 3D-Drucker mit FDM-Verfahren vorgestellt, der mit handelsüblichem Kunststoffgranulat statt teurem Pulver im Lasersinter-Verfahren oder Spezial-Kunststoffsträngen arbeitet. Der Freeformer soll außerdem ohne Stützstrukturen auskommen - was zusätzliches Material spart.

Die Beispiele zeigen, wie innovativ die 3D-Druck-Branche ist und wie schnell neue, bessere Technologien auf den Markt drängen. "Die aktuelle Entwicklung wird sich vermutlich sogar noch beschleunigen", ist sich Rudolf Gleixner sicher. Zum Beispiel wird es immer mehr spezialisierte Drucker für außergewöhnliche Anwendungen geben.

Trend 2: Vor allem im B2B-Bereich wächst der 3D-Druck-Anteil stark

Im Bereich der Do-it-Yourself-3D-Drucker wie auch bei den Geräten für den semiprofessionellen Einsatz ist die Branche noch sehr von Early Adoptern und Mikronischen geprägt. Da bisher die Anwendungen fehlen, die Durchbruch-Potenzial haben, wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahren damit noch wenig Geld mit der breiten Masse verdienen lasen. Umso lukrativer ist auf der anderen Seite die additive Fertigung in der Industrie. Wie die folgende Tabelle zeigt, ist das Potenzial vor allem in B2B-Bereichen groß: unter anderem in der Entwicklung, bei Ersatzteilen, im Maschinenbau, in Luftfahrt und Fahrzeugbau sowie in der Medizintechnik.


Branche Potenzial Warum ist das so?
Anlagen- und Maschinenbau

Mit Lasersinter-Technik ist das Herstellen von Maschinenteilen aus Metall kein Problem. Nur harte Materialien wie Stahl sind laut Rudolf Gleixner noch nicht verarbeitbar, weil die Laser deren Schmelzpunkte noch nicht erreichen. Aber das sei nur eine Frage der Zeit. Dann kann man nicht nur kompliziertere Maschinenteile in Kleinserie wirtschaftlich im 3D-Druck fertigen. Dann werden auch Ersatzteile problemlos und zügig additiv hergestellt. Das lohnt sich vor allem für Ersatzteile, die, wenn sie fehlen, enorme Folgekosten nach sich ziehen und deshalb möglichst schnell ausgetauscht werden müssen.
Energieeffizienz

3D-Druck spielt seine Vorteile vor allem bei Objekten aus, die so feingliedrig und verschachtelt sind, dass man sie mit einer Spritzgussmaschine oder einer Fräse nicht herstellen kann - zum Beispiel Teile, die feine Hohlräume besitzen sollen, damit sie besonders gut isolieren.
Entwicklung/
Produktion

Für die Prototypenfertigung ist 3D-Druck jetzt schon der Renner. Immer mehr fertigende Unternehmen, Ingenieur-Büros, Architekten, Künstler und mehr schaffen sich dafür einen eigenen 3D-Drucker an oder lassen die Prototypen bei Dienstleistern wie Crdrei aus Dachau fertigen, bei dem Anschauungsobjekte rund 60 Prozent der Aufträge ausmachen. In Zukunft werden Prototypen kaum mehr anders gefertigt und keine Präsentation mehr ohne 3D-Modell ablaufen.
Ersatzteile

Der Ersatz für den kaputten Schrankgriff oder die zerbrochene Abdeckung der Kaffeemaschine kommt in Zukunft immer häufiger aus dem Drucker. Es werden Datenbanken entstehen, wo man sich die CAD-Daten der Einzelteile kostenlos oder kostenpflichtig herunterladen und beim Copyshop um die Ecke ausdrucken lassen kann. Doch hier sind Grenzen gesetzt: Zum einen ist das - zumindest legal - nur bei Teilen möglich, die keinem Gebrauchsmusterschutz unterliegen. Und sicherheitsrelevante Teile wird man sich ebenfalls nicht selbst ausdrucken. Anders sieht das im B2B-Bereich aus: In Zukunft wird es möglich sein, dass ein zertifizierter Kfz-Mechaniker das kaputte Fahrzeugteil DIN-gerecht ausdruckt und montiert. "Die Zeit der digitalen Ersatzteillager, in der sich jede Werkstatt die nötigen Ersatzteile in Lizenz ausdruckt, wird kommen", ist sich Frédéric Thiesse, Professor für Wirtschaftsinformatik und Systementwicklung an der Universität Würzburg  , sicher. "Autohersteller setzen sich bereits heute damit auseinander, aber die Umsetzung wird noch etliche Jahre dauern."
Kleidung/ Schuhe/ Accessoires

Zwar gibt es einige Beispiele für Kleidung aus dem 3D-Drucker. Etwa der Bikini von Continuum  , den man bei Shapeways   bestellen kann. Aber feine Textilien zu drucken, die für den Durchschnittsverbraucher tragbar sind, ist zu aufwändig und auch in Zukunft nicht wirtschaftlich. Anders sieht es bei einzelnen Komponenten von Kleidungsstücken aus. Zum Beispiel Sohlen von Sportschuhen lassen sich im 3D-Druck - zu erschwinglichen Preisen - an jeden Fuß anpassen. Oder Brillengestelle an die Gesichtsform: Zum Beispiel das Berliner Unternehmen Mykita   stellt individuelle Brillen im selektiven Lasersinter-Verfahren her.
Lebensmittel

Barilla   arbeitet an einem Drucker für Pasta, Oreo   lässt Kekse in 3D drucken und die NASA backt für ihre Astronauten per Drucker Pizza. Noch in diesem Jahr will der spanische Anbieter Natural Machines   mit Foodini einen Lebensmitteldrucker in Serie auf den Markt bringen. Zwar ist das Kickstarter-Projekt   für Foodini gescheitert, aber auch andere Unternehmen sehen in diesem Markt Potenzial: Zum Beispiel 3D Systems   hat mit dem Chefjet   einen Drucker für filigrane Zuckerfiguren in petto und arbeitet gleichzeitig mit dem Schokoladenhersteller Hershey's   an einem Schoko-3D-Drucker  
Luftfahrt/ Fahrzeugbau

Mit additiver Fertigung kann man besonders gut Hohlräume und filigrane Hohlstrukturen herstellen, die das Gewicht bei gleicher Festigkeit reduzieren. Daher ist die Methode prädestiniert für Bauteile von Flugzeugen, Drohnen oder Rennwagen. Gerade große Passagierflugzeuge können durch eine leichtere Bauweise Unmengen an Sprit sparen oder ihre Reichweite erhöhen. Daher wird sich der 3D-Druck im Leichtbau sogar in der Massenproduktion etablieren. Denn hier geht Funktion vor Preis.
Medizintechnik

Zahnkronen, Hörgeräte, Prothesen und Ähnliches werden schon längst in Masse im 3D-Druck hergestellt. Hier ist die Individualisierung maximal und daher ist die additive Fertigung die kostengünstigste Variante. Hinzukommen werden in Zukunft ganze Organe oder zumindest Teile davon. Mit solchen Bioprintern haben Forscher laut Welt   bereits Herzklappen und Adern gedruckt, die sich in Versuchen an Nagetieren als funktionsfähig erwiesen hätten. In Zukunft sollen sogar die einzelnen Teile des Herzens gedruckt werden können, die anschließend wie ein Puzzle zum ganzen Organ zusammengesetzt werden. Aus dem Drucker kommen hierfür keine Kunststoffpellets, sondern körpereigene Zellen des Patienten.
Möbel/ Dekoration/ Geschenkartikel

Zwar macht der Bereich Möbel, Dekoration und Geschenkartikel einen der größten im B2C-3D-Druck aus. Doch im Massenmarkt ist er noch nicht angekommen. Interessante Anwendungen für die breite Masse fehlen. Ob dieser Markt in Zukunft weiter in der Liebhaber- und Nerd-Ecke dümpelt oder ob er auf eine ernstzunehmende Größe anwächst, hängt vor allem von den Anwendungsbeispielen, den verfügbaren Modellen und der Usability der Gestaltungssoftware ab.
Schmuck

Bereits heute ist Schmuck einer der wichtigsten Bereiche im 3D-Druck für den Endverbrauchermarkt. Je günstiger die Maschinen für den Druck mit Metall werden, desto bedeutender wird das Verfahren in der Schmuckherstellung, das sich bisher vor allem auf Kunststoffschmuck beschränkt. Frédéric Thiesse hält es sogar für realistisch, dass der 3D-Drucker in Zukunft einen großen Teil der klassischen Goldschmiede ersetzt - zumindest im niedrigen bis mittleren Preissegment.
Spielwaren

Das Standardspielzeug wird zwar sicherlich weiterhin aus der Fabrik kommen. Aber Sondereditionen, besondere Accessoires sowie Ersatzteile - da ist Potenzial für den 3D-Druck. Zum Beispiel Rudolf Gleixner hat sich mit der Firma Crdrei auf den Druck von besonderen Accessoires für Barbie-Puppen und Actionfiguren spezialisiert. Rund 40 Prozent seines Auftragsvolumens machen die Spielzeuge für eingefleischte Sammler(innen) aus. Und auch für Lego  , Duplo   und sonstige Sammelfiguren bietet der 3D-Druck großes Potenzial.
Consumer Electronics

"Man kann theoretisch zwar einfache elektrische Schaltungen drucken", sagt Frédéric Thiesse. "Aber ein ganzes iPhone zu drucken, wird auch in weiterer Zukunft nicht möglich sein." Die Schaltkreise seien zu komplex, um sie zu drucken. Deshalb wird es auch in Zukunft Satire bleiben, dass ein 3D-Drucker einen 3D-Drucker druckt  . Nur einzelne Komponenten, wie die Gehäuse oder eben Ersatzteile, könnten aus dem Drucker stammen.


Trend 3: Noch fehlen Anwendungen: Unternehmen und Start-ups sind gefragt

Bunte Zucker-Skulpturen aus dem 3D-Drucker (Bild: 3DSystems)
Bild: 3DSystems
Bunte Zucker-Skulpturen aus dem 3D-Drucker

"Anwendungen finden sich heute besonders im B2B-Bereich - hier sind die Potentiale erkannt und werden genutzt", weiß Eric Klemp , Commercial Director des Direct Manufacturing Research Center   (DMRC) der Universität Paderborn. Das Geschäft der Dienstleister und Nutzer besteht hauptsächlich aus Prototypen, Vorserienprodukten aber auch in kundenspezifischen Kleinserien. "Im Bereich der Endverbraucher gibt es schon vereinzelte Anwendungen, aber dort ist das Business noch nicht angekommen", kritisiert er. Kein Wunder, dass B2C-3D-Druck bisher vor allem was für Nerds ist.

Die individuellen Brillengestelle von Mykita   oder Schokoladendrucker  , der Konditoren das Leben erleichtert, sind Ausnahmen. Die Technik ist zwar da und erlaubt vieles. Allerdings "ist die große unternehmerische Herausforderung, jetzt herauszufinden, welche individuellen Produkte sich die Menschen wünschen", sagt Frédéric Thiesse. Und das sind längst nicht alle: "Aus Erfahrung wissen wir zum Beispiel, dass bei Sportschuhen Individualisierung sehr gefragt ist, bei Luxusuhren dagegen gar nicht."

Hier werden Mass-Customization-Start-ups und ECommerce-Anbieter wie auch alteingesessene Unternehmen neue Anwendungen am Markt testen. Wahrscheinlich werden auch 3D-Druckdienstleister mit eigenen Produktkollektionen auf den Markt kommen. Sie sind schließlich diejenigen, die bereits heute wissen, welche 3D-gedruckten, individualisierten Produkte bei den Kunden am beliebtesten sind.

Trend 4: Komplementärtechnik wird der wichtigste Faktor im B2C-Bereich

Frédéric Thiesse, Uni Würzburg (Bild: Frédéric Thiesse)
Bild: Frédéric Thiesse
Frédéric Thiesse, Uni Würzburg

Die 3D-Drucker von heute können schon eine ganze Menge an Materialien verarbeiten. Wo es noch Lücken im Portfolio gibt, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es eine Maschine gibt, die auch dieses Material verarbeiten kann. Sogar 3D-Druck mit mehreren Materialien und verschiedenen Farben gleichzeitig ist inzwischen realisierbar. Die Technik selbst ist es also nicht, die den 3D-Druck im B2C-Bereich ausbremst. Statt dessen sind es die äußeren Umstände:

  • Zum einen halten viele Hersteller immer noch Patente, durch die sie ein Monopol auf Materialien oder Techniken haben und somit den Preis oben halten.
  • Hinzu kommt, dass viele Hersteller ihre Drucker mit einer Materialbindung verkaufen. Die Kunden können also ausschließlich Materialien der Originalhersteller nutzen. Das läßt wenig Innovation zu und schottet den Markt vor potenziellen innovativen Neueinsteigern ab. Wir erinnern uns: Der PC-Markt begann erst dann abzuheben, als statt dutzender verschiedener PC-Architekturen sich mit der "PC-Kompatibilität" ein offener Standard durchzusetzen begann.
  • Außerdem fehlt es an günstiger und leicht zu bedienender Gestaltungssoftware sowie an guten 3D-Modellen.
Für die kommenden Jahre wird es Aufgabe der Branche sein, diese Probleme - abgesehen von der technischen Entwicklung - in den Griff zu bekommen, um dem 3D-Druck für den Endkundenmarkt zum Durchbruch zu verhelfen. Hier sind vor allem innovative Start-up-Unternehmen gefordert: Vor allem im Lasersinter-Bereich würden in naher Zukunft einige Schlüsselpatente auslaufen, sagt Frédéric Thiesse. Er hofft, dass, wie es schon beim FDM-Verfahren war, etliche Start-ups auf den Markt kommen werden, die die Technik dadurch günstiger anbieten können. Zu erwarten ist außerdem, dass neue Unternehmen am Markt Lösungen für die Materialbindung anbieten.

Der dritte Punkt sind Software und 3D-Scanner. Wer heute bei einem Druckdienstleiser ein individuelles Produkt ausdrucken will, braucht Kenntnisse in 3D-Gestaltung und am besten noch eine entsprechende Software. Damit wird der Großteil der potenziellen Kunden automatisch ausgeschlossen. Wirklich intuitiv wird das Gestalten von 3D-Modellen erst, wenn man zum Beispiel mit dem Smartphone ein Objekt abfotografieren kann. Eine App würde das Foto in CAD-Daten umwandeln und man könnte sie mit einfachen Klicks nach den eigenen Vorstellungen anpassen. In diesem Gebiet bietet sich für Softwareentwickler viel Potenzial.


Trend 5: Ersatzteile gibt es fast nur noch digital

Riesige Marktchancen bietet der 3D-Druck für den Ersatzteilemarkt. Dabei geht es zum einen um Ersatzteile, deren Dateien auf Open-Source-Basis im Internet zu finden sind. Dies ist für Teile, die keinem Patent oder keinem Gebrauchsmusterschutz unterliegen, relevant. Es werden sich Portale entwickeln, auf denen Kunden die CAD-Dateien für alle möglichen Teile hoch- und herunterladen können. Vielleicht bieten auch die Druckdienstleister solche Datenbanken selbst an. Nicht nur sie: "Gerade Hersteller von Elektrogeräten mit Longlife-Garantie sollten ihre Ersatzteile als 3D-Modelle bereitstellen", fordert Rudolf Gleixner. Er hält den Ersatzteilemarkt für einen der wichtigsten im 3D-Druck.

Ersatzteile werden in Zukunft ebenfalls aus dem 3D-Drucker kommen (Bild: 3DSystems)
Bild: 3DSystems
Ersatzteile werden in Zukunft ebenfalls aus dem 3D-Drucker kommen

Ersatzteile, die rechtlich oder sicherheitstechnisch kritisch sind, könnten von lizenzierten Dienstleistern ausgedruckt werden. Besonders lohnen könnte sich dieses Modell im Automobilmarkt. Autohersteller müssten Ersatzteile von älteren Modellen nicht mehr jahrelang auf Lager halten. Durch die Einsparung der Lagerkosten rentiert es sich ab einem bestimmten Zeitpunkt, die Ersatzteile ausschließlich im 3D-Druck nachzuproduzieren.

Und sogar Maschinenersatzteile in der Industrie werden in Zukunft mit additiver Fertigung hergestellt. Die Wartezeit für ein neues Bauteil aus China kann durch den Produktionsstillstand unter Umständen sehr teuer werden - da lohnt sich auch der teurere 3D-Druck allemal. Um Logistikkosten zu sparen, würde sich das 3D-Druckverfahren in dem Fall dagegen nicht rentieren, sagt Frédéric Thiesse. "Logistik kostet heutzutage nicht viel."

Trend 6: 3D-Druck wird eine Frage des Gesetzes

Einige rechtliche Probleme werden in den nächsten Jahren noch auf den 3D-Druckmarkt zukommen, die zum einen der Gesetzgeber, zum anderen die Hersteller und Markenartikler selbst auf dem Schirm haben müssen:
  1. Raubkopien von Druckdateien:

    Eric Klemp, Uni Paderborn

    Da sich Druckdateien einfach kopieren und vervielfältigen lassen, ist ein Schwarzmarkt für Ersatzteile zu befürchten, wie es ihn auch für Musik und Filme gibt. Dabei geht es nicht nur um die Dateien an sich, sondern außerdem um die Muster von Ersatzteilen, die jeder, der sich mit 3D-Software auskennt, ins Netz stellen kann. "Bisher gibt es hinsichtlich Kopierschutz und Schutz gegen Produktpiraterie noch keine vollständigen technischen Lösungen und auch verbindliche rechtliche Grundlagen für den 3D-Druck fehlen noch", warnt Eric Klemp. Hier habe die Branche dringenden Nachholbedarf. Auf der einen Seite sind internationale gesetzliche Grundlagen gefragt. Gleichzeitig brauchen die Hersteller, Dateidatenbanken und Druckdienstleister möglichst effektiven Raubkopierschutz für ihre Dateien - wofür wiederum Sicherheitsexperten gefragt sind.

  2. Sicherheit von Ersatzteilen:
    Wenn sich in Zukunft jeder theoretisch seinen Bremsschlauch oder die Reifen fürs Auto selbst ausdrucken kann, zieht das enorme sicherheitstechnische Risiken mit sich. Selbst eine 3D-Druckdatei vom Originalhersteller schützt nicht davor, dass beim Druck die Qualitätsstandards missachtet werden. Deshalb sind auch bei solchen kritischen Ersatzteilen Sicherheitsstandards für die Druckdateien gefragt. Die Industrie muss sicherstellen, dass nur Spezialisten mit den richtigen Druckmaschinen, den Originalmaterialien und entsprechendem Knowhow Zugang zu den Dateien haben.

  3. Plagiate von Markenprodukten:
    3D-Scan-Software, die auf der einen Seite den 3D-Druck voranbringen wird, begünstigt auf der anderen Seite die Produktion von gefälschten Markenprodukten, die verkauft oder nur für den Eigenbedarf hergestellt werden. "Diese neuen Möglichkeiten werden eine große Herausforderung für Markenartikler sein, den Markt zu überwachen und sicherzustellen, dass die Marke nicht verfällt."

Aus diesen Trends ergeben sich vier Szenarien für die Zukunft des 3D-Drucks für den Endkonsumentenmarkt:

Vier Szenarien zum 3D-Druck

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
25%
Best-Case-Szenario

Eine neue Startup-Branche formiert sich

Innovative Ideen zu 3D-Druck-Anwendungen kommen vor allem von Start-up-Unternehmen. Ob Schuhe, Autotuning oder Metallschmuck - es formieren sich zahlreiche neue Mass-Customization-Onlineshops, die die Produkte individualisiert anbieten. Sie wecken das Interesse von Markenherstellern und viele von ihnen werden aufgekauft.

Aktiv
20%
Worst-Case-Szenario

3D-Druck beschränkt sich auf Ersatzteile

Bis auf wenige individualisierte Produkte kommt der Mass-Customization-Markt nicht so richtig in Schwung. Der Kunde nimmt das Angebot nicht an. Die einzige Branche, aus der der 3D-Druck nicht mehr wegzudenken ist, ist der Ersatzteilemarkt. Großer Nachteil: Hier kämpfen die Hersteller und Anbieter mit Plagiaten. Raubkopierer und Industrie liefern sich ein Wettrennen. Wer daran verdient, sind internationale Druckdienstleister, die den nationalen Gesetzen nicht unterliegen.

Passiv
45 %
Best-Case-Szenario

Einzelne erfolgreiche Anwendungen

3D-Druck etabliert sich im höheren Preissegment. Einige Produkte, die Start-ups und Markenartikler für den breiten Markt anbieten, werden erfolgreich. Und auch der Ersatzteilmarkt boomt. Aber die meisten Produkte für den täglichen Bedarf stammen weiterhin aus der Massenfertigung. Darüber hinaus etablieren sich einige Druckdienstleister, die die Produkte von Designfans und Heimwerkern ausdrucken. Ihnen hilft, dass 3D-Scanner und Gestaltungssoftware günstig und intuitiv werden.

Passiv
10%
Worst-Case-Szenario

Der Markt versauert in der Nische

Der E-Commerce wird immer preissensibler, weshalb sich individuelle Produkte in Onlineshops - aufgrund der höheren Preise - nicht durchsetzen. Weiterhin lassen nur Ingenieure, Konstrukteure und Designer ihre Modelle in 3D realisieren. Der Ersatzteilmarkt wird durch die Wegwerfmentalität gebremst.

Thema: Zwölf Branchen: Wo sich 3D-Druck wirklich durchsetzt

Kommentar von Verena Gründel

Jetzt muss nur noch der Kunde mitmachen

Die beste Technologie bringt nichts, wenn der Kunde nicht vom Endprodukt überzeugt ist.

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Verena Gründel, iBusiness (Privat)
Bild: Privat
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