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Die Mobile-Advertising-Lücke: Warum in Deutschland viel zu wenig Geld in Mobilwerbung fließt

01.08.2014 Niemand zweifelt am Effekt von Onlinewerbung. Doch jahrelang unterschätzten die Marketingentscheider in den Unternehmen ihren Impact. Diesen Fehler machen sie jetzt wieder - mit Mobilwerbung, wie iBusiness-Zahlen belegen. Neun Fakten zum Mobile-Advertising-Markt zeigen, wie Sie in Zukunft mit Werbung auf Smartphone und Tablet Geld verdienen können.

 (Bild: Rootmaker)
Bild: Rootmaker
Bild: Rootmaker unter GNU-FDL
Deutsche Werbeentscheider investieren ihr Onlinemedia-Budget falsch - es existiert eine große Lücke zwischen M-Werbebudgets, M-Traffic und M-Commerce (Bild: Rootmaker)
Bild: Rootmaker
Bild: Rootmaker unter GNU-FDL
Deutsche Werbeentscheider investieren ihr Onlinemedia-Budget falsch - es existiert eine große Lücke zwischen M-Werbebudgets, M-Traffic und M-Commerce

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Erste Mobile Advertising-Kampagnen fahren und als Best Practices aufarbeiten
Deutschland ist weit vorne, was den mobilen Webtraffic angeht. Und im globalen Maßstab auch ziemlich gut dabei, was den M-Commerce angeht. Nur bei der mobilen Werbung hängt Deutschland zurück: Gerade mal fünf Prozent der digitalen Displaywerbung ist für mobile Endgeräte optimiert.

Was wie eine verbesserungswürdige Situation aussieht, ist eigentlich der Jackpot für jeden Werbungtreibenden. Denn die Endgeräte sind da, der Traffic wächst scheinbar unaufhaltsam, aber Werbung wird bisher nur wenig geschaltet. Wer jetzt auf Mobile Advertising setzt, hat die Bühne für sich und kann sich im fast werbefreien Umfeld präsentieren. Ihre Internetagentur macht das sicher gerne für sie. Oder Sie suchen sich hier eine neue, kompetentere.

Das doppelte Lückchen

Eine iBusiness-Auswertung des Mobil-Traffics und der MCommerce-Umsätze im Vergleich zu den Investitionen in Mobile-Advertising zeigt die Mobile-Advertising-Lücke, die in Deutschland gleich doppelt existiert:
  • Als Mobile-Traffic-Lücke: 24,3 Prozent des deutschen Webtraffics erfolgen über mobile Endgeräte. Aber nur 4,9 Prozent aller Display-Werbeausgaben fließen in Mobile. Das bedeutet: Wer Online-Brandingmaßnahmen plant, der sollte sein Onlinewerbebudget auch proportional auf die Kanäle verteilen, die die Zielgruppe auch nutzt. Die Mobile-Traffic-Lücke beträgt 19,4 Prozentpunkte. Knapp jeder fünfte Displaywerbe-Euro fließt in den falschen (Desktop-)Kanal.

  • Als Mobile-Commerce-Lücke: 10,3 Prozent des deutschen ECommerce-Umsatzes werden mobil erwirtschaftet. Wer online Produkte verkaufen will, müsste also durchschnittlich mehr als doppelt so viel Werbebudget in den Mobilkanal schieben. Die Mobile-Commerce-Lücke beträgt immerhin stolze 5,4 Prozentpunkte.
(Grafik: HighText Verlag) Quelle: www.ibusiness.de
Der Vergleich zwischen mobilem Traffic, Commerce-Umsätzen sowie Display-Advertising-Spendings zeigt: In Deutschland wird deutlich weniger in mobile (Display-)Werbung investiert, als es nach Größe des Mobiltraffics und des M-Commerce angeraten scheinen würde. Darin unterscheidet sich der deutsche Markt signifikant vom Weltmarkt. (Daten stammen von: Emarketer, Goldman Sachs, Webtrekk, StatCounter, BVDW)

Auch im internationalen Vergleich sind Deutschlands mobile Werbeumsätze mickrig: Global liegen sie laut Zahlen von Emarketer   bei ganzen 15 Prozent des Displaywerbeaufkommens. Weltweit existiert zwar ebenfalls eine Mobile-Traffic-Lücke, sie ist allerdings mit 6,4 Prozentpunkten deutlich kleiner als in Deutschland. Eine Mobile-Commerce-Lücke existiert weltweit sogar gar nicht.

Die Zahlen zeigen deutlich: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, zu dem Werbungtreibende in den Mobile-Advertising-Markt einsteigen sollten. Und für Interaktivagenturen genauso. Jetzt haben sie in der Noch-Nische Mobile Ads hervorragende Chancen sich zu etablieren und das Wachstum voranzutreiben. Neun Fakten zeigen, was man jetzt über den Mobile-Advertising-Markt wissen sollte, wie man damit in Zukunft Geld verdient und welche mobilen Formate sich durchsetzen werden.

Neun Fakten, die Sie kennen sollten, wenn Sie mit Mobile Ads Geld verdienen wollen.



1. Eine Definition für Mobile Advertising fehlt


Vergleich von Emarketer: Hochrechnungen zu Mobile-Ad-Ausgaben in Deutschland für 2013
Firstpartner (April 2012) Emarketer (August 2013) PwC (Juni 2013) BVDW (April2013)
791 Mio. Dollar 436 Mio. Dollar 169 Mio.Dollar 135 Mio. Dollar
Die Mobile-Advertising-Ausgaben in Deutschland unterscheiden sich durchaus schon mal um das Fünffache, vergleicht man mehrere Studien miteinander. Wie groß die Unterschiede sind, zeigt das Marktforschungsunternehmen Emarketer in einem Vergleich verschiedener Hochrechnungen für 2013. Und liefert die Erklärung gleich mit: Die einen schließen Eigenanzeigen ein, die anderen nicht; die einen zählen SEA dazu, andere nicht; manche beziehen Tablet-Werbung oder sogar Messaging ein - im Gegensatz zu anderen.

OVK Werbestatistik digitale Display-Werbung gesamt 2012 bis 2013 mit Prognose für 2014
OVK Werbestatistik digitale Display-Werbung gesamt 2012 bis 2013 mit Prognose für 2014 (Grafik: BVDW) Quelle: http://www.bvdw.org/presse/news/article/bvdw-internet-mit-neun-prozent-netto-wachstum-bei-display-werbung-in-2013-das-am-staerksten-wachsen.html
Am engsten fasst der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW)   den Begriff. Er weist ausschließlich für den Mobile-Display-Markt, also nur Displaywerbung auf Smartphones, aus. Eine konkrete Liste mit dreizehn mobilen Display-Werbeformen liefert der OVK gleich mit. Da er diesmal zum ersten Mal Netto-Werbeumsätze ausgewiesen hat, sind die Zahlen nun nicht mehr vergleichbar mit denen der Emarketer-Tabelle.

Dass das aber nicht alles sein kann, was Mobile Advertising zu bieten hat, darüber sind sich neben den internationalen Marktforschern von Emarketer oder Firstpartner   ebenfalls deutsche Experten einig: "Mobile Advertising ist spezielle Werbung für mobil optimierte Webseiten und Applikationen - also Werbung für das mobile Internet." So beschreibt Dirk Kraus, Gründer vom Vermarkter mobiler Werbeflächen, Yoc  , die Definition seines Unternehmens. Dazu gehöre Smartphone- genauso wie Tablet-Werbung sowie die mobilen Anzeigen in sozialen Netzwerken - die der OVK ebenfalls nicht ausweist. Die Nutzungssituation, ob der Nutzer im WLAN oder mobil online ist, spielt dabei keine Rolle. Suchmaschinenwerbung und SMS-Werbung schließt er aus.

Wenn es schon an einer allgemeingültigen Definition mangelt, kann man die Rahmenbedingungen für Mobile Advertising zumindest durch folgende Punkte von Onlinewerbung abgrenzen:
  • Die Bildschirmanzeigen für die Werbeformate sind kleiner und haben andere Formate.
  • Das Datenvolumen ist in vielen Situationen wesentlich kleiner als bei Onlinewerbe-Situationen.
  • Der Nutzer betrachtet die mobile Werbung in vielen Fällen außerhalb des eigenen Zuhauses oder des Büros.
  • Die Nutzungsdauer am Stück ist oftmals wesentlich kürzer.

Das bedeutet für Interaktive:
Allgemeingültige Definition hin oder her. Agenturen und Werber müssen die Besonderheiten und Möglichkeiten von mobiler Werbung kennen, um sie gewinnbringend einzusetzen.


2. Der Markt ist größer als seine Zahlen

Oliver von Wersch, Sprecher OVK

Die BVDW-Zahlen sind die, nach denen sich Deutschland richtet. Da die Unit Mobile Advertising (MAC) die mobile Werbung aber so eng wie nur möglich fasst, fällt dabei eine ganze Menge an Umsatz unter den Tisch. Dazu gehören

  • Native Advertising, unter anderem in sozialen Netzen,
  • Video-Ads,
  • andere interaktive Werbeformen und
  • sämtliche mobile Werbung für Tablet-PCs.
Der eigentliche Markt für mobile Werbung in Deutschland dürfte also noch um einiges größer sein. Der OVK ist bemüht, zumindest Tablet-optimierte Werbung demnächst in die Statistik aufzunehmen. Aber erst Ende 2015 soll es soweit sein. Oliver von Wersch, Sprecher des OVK: "Tablet-Nutzung ist im Hinblick auf Endgeräte, insbesondere Displaygrößen, sowie Plattformen sehr komplex. Hier muss man die einzelnen Nutzungssituationen differenzierter betrachten. Zudem werden die entsprechenden Geräte immer kleiner und mit den Phablets kommt eine neue Geräteklasse hinzu. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den bisherigen Kategorien Smartphones, Tablets und Desktop-Geräte immer weiter."

Da sich der Markt sehr schnell entwickelt, wird der OVK vermutlich auch in Zukunft bei der Ausweisung der Umsatzzahlen nicht hinterher kommen - und der Gesamtmarkt wird vorerst immer wieder größer sein als seine Zahlen.

Mobile-Display-
Umsatz
Online-Display-
Umsatz
Anteil Mobile
an Online
2013 65 Mio. Euro 1,32 Mrd. Euro 4,92 Prozent
2014
(Prognose)
107 Mio. Euro 1,43 Mrd. Euro 7,48 Prozent
Das bedeutet für Agenturen:
Die Tendenzen, die sich aus den Hochrechnungen ableiten lassen, sind für Agenturen wohl die interessantesten: Die vom OVK berechneten 65 Millionen Euro Netto-Umsatz mit mobiler Displaywerbung machen rund 4,92 Prozent an dem gesamten vom OVK errechneten Online-Display-Umsatz aus. Der Anteil ist also bisher minimal.

Umso größer ist das Wachstum. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Umsätze um 67 Prozent gestiegen. Bis Ende 2014 sollen sie wieder um rund 65 Prozent wachsen - auf 107 Millionen Euro. Dann hätten sie einen Anteil von 7,48 Prozent am gesamten Online-Display-Umsatz (Prognose für 2014: 1,43 Milliarden Euro). Steigt der Mobile-Display-Werbemarkt entsprechend weiter, könnte er schon 2017 bei rund einem Drittel liegen. Andere mobile Werbeformate dürften sich in der Gesamtheit ähnlich erfolgreich entwickeln.

Vergleich mobile versus stationäre Internetnutzung 2014
Vergleich mobile versus stationäre Internetnutzung 2014 (Grafik: AGOF) Quelle: http://www.agof.de/download/Downloads_Internet_Facts/Downloads_Internet_Facts_2014/Downloads_Internet_Facts_2014-04/04-2014_AGOF%20internet%20facts%202014-04.pdf?02bb27

3. Mobile ist das neue Online

Die äußeren Rahmenbedingungen und die Gewohnheiten der Menschen verschieben sich eindeutig in Richtung mobiler Werbung: 55 Prozent der Deutschen besitzen inzwischen ein Smartphone. Die Absatzzahlen von Desktop-Computern gehen zugunsten von Mobiltelefonen und Tablets zurück. Laut den AGOF Mobile Facts   nutzen pro Monat rund 32 Millionen Deutsche mobile Webseiten oder Apps. Für fast 60 Prozent ergänzt das mobile Surfen zwar die Desktopnutzung. Aber der Rest, also immerhin rund 40 Prozent, nutzt beides gleich viel oder sieht das mobile Gerät als Hauptzugangsweg zum Internet an.

Werbeinvestitionen in Mobile-Werbung nach Wirtschaftsbereichen,
Werbeinvestitionen in Mobile-Werbung nach Wirtschaftsbereichen, (Grafik: Nielsen/BVDW/MAC) Quelle: www.nielsen.de
"Die Desktop-Reichweiten werden zugunsten der mobilen Reichweiten sinken", ist sich Steffen Hopf, Managing Director von Yahoo Deutschland   sicher. "Somit ist es unverzichtbar, dass Werbetreibende Mobile in ihrem Mediaplan berücksichtigen." Schon jetzt zeigt Nielsen Media Research  , dass praktisch alle Branchen mobil werben. In den Top-10-Branchen haben sogar neun von zehn Wirtschaftsbereichen ihre Mobile-Brutto-Spendings für 2013 gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Noch spärlich vertreten ist neben der Energiebranche der Bereich Körperpflege. Dirk Kraus erklärt: "Die Branche der Fast Moving Consumer Goods ist traditionell etwas hinten dran, denn diese Unternehmen werben eher klassisch. Das kennen wir bereits aus der Onlinewerbung. Aber in Zukunft dürften auch sie stärker auf Mobil setzen."

Das bedeutet für Interaktive:
Mobile Werbung und mobiles Marketing wird in Zukunft für alle werbungtreibenden Unternehmen unumgänglich sein, das müssen Agenturen ihren Kunden deutlich machen. Langfristig wird dies auf der einen Seite zu einer Budgetverschiebung von Online zu Mobile führen - der Mobile-Anteil wächst -, gleichzeitig werden die Unternehmen insgesamt mehr in die gesamte digitale Werbung stecken.

4. Trotz enormem Wachstum: Da ist noch viel Luft nach oben

Steffen Hopf, Yahoo (Bild: Yahoo)
Bild: Yahoo
Steffen Hopf, Yahoo

65 Prozent Wachstum bei mobiler Displaywerbung klingt zwar nach einer ganzen Menge. Trotzdem bewegen wir uns beim Anteil an der digitalen Werbung immer noch im einstelligen Bereich. Mobile ist also eine Nische und wird es mittelfristig auch bleiben. Aber nicht nur bei den Budgets ist noch viel Luft nach oben. Auch die Werbeplätze sind noch zum Großteil leer. Wir Im Mobile Advertising beträgt die eine Fillrate nur 15 bis 20 Prozent, schätzen Experten. Es wird also unheimlich viel Traffic gar nicht genutzt. Das liegt unter anderem daran, dass der mobile Traffic so stark gewachsen ist, dass die Advertiser nicht mehr nachkommen, die Werbeplätze auszufüllen.

Hinzu kommt laut Kraus, dass Real-Time-Bidding für mobile Werbung noch kaum ein Thema ist. Weil die Technik für mobile Endgeräte so komplex sei, seien viele Werbeplattformen noch nicht so weit. Er bietet es unter anderem bereits an und mit Sicherheit werden andere nachziehen. Das könnte dem Markt noch mal einen Schub verleihen.

Das bedeutet für Interaktive:
Die Zeit für Mobile Advertising ist jetzt am besten. Die Reichweiten sind durch hohen Traffic bereits groß, aber die Werbeplätze noch kaum ausgefüllt. Das heißt, jede Werbung, die heute geschaltet wird erhält einen besonders exponierten Platz. Von den zugepflasterten Seiten, die wir vom Desktop kennen, ist der Mobilkanal noch weit entfernt.

5. Mobile Advertising ist Branding und Performance

Wie Onlinewerbung eignet sich Mobile ebenfalls für beides, Branding- und Performance-Advertising. Werbungtreibende, die ihre Kunden auf der gesamten Customer Journey erreichen wollen, nutzen auch den mobilen Kanal als Kontaktpunkt zur Emotionalisierung. Sogar in der Phase nach der Kaufentscheidung bietet es sich laut Oliver von Wersch an, etwa für Feedback-Generierung. Dirk Kraus schätzt, dass etwa ein Drittel der mobilen Werbung Branding zum Ziel hat.

Dirk Kraus, Yoc (Bild: Steve Bergmann)
Bild: Steve Bergmann
Dirk Kraus, Yoc

Die restlichen zwei Drittel entfallen auf Performance-Werbung. "Zwar kaufen die Leute nicht überdurchschnittlich viele Möbel über ihr Handy, aber das Performance-Geschäft ist relativ groß." Dabei geht es vor allem um Download-Verkäufe, also um digitale Produkte, die auf dem Mobilgerät konsumiert werden können wie Apps, Musik, Games oder E-Books. Trotzdem ist es kein Nischengeschäft. Denn gerade App-Anbieter haben ein großes Reichweitenproblem. Im App-Store wird die große Mehrheit von ihnen gar nicht gefunden. Die einzige Chance, die sie haben, ist die mobile Performance-Werbung, Cost-per-Install. Unternehmen, die sich mit ihren Apps auf den Handys potenzieller Kunden niederlassen wollen, werden diese Art der Werbung also nutzen müssen.

Typische Affiliate-Abverkaufswerbung für physische Produkte nach dem Motto "Den Schuh gibt es jetzt für nur 49,99 statt vorher 59,99 Euro" steckt im Mobile-Bereich laut Oliver von Wersch heute noch in den Kinderschuhen. "Weil die Nutzungssituation und die Aufmerksamkeitszeitspanne im mobilen Kanal oft nur kurz ist, wird mobil derzeit noch vergleichsweise wenig direkt gekauft." Entsprechend stehen die MCommerce-Umsätze hier noch am Anfang ihrer Entwicklung. Anders sieht es auf Tablets aus. Dank Couch-Commerce steigen die Verkaufszahlen von Amazon über Mobile rasant an und auch andere ECommerce-Händler bemerken steigende Abverkäufe über Mobile. Hier wird sich also das Cost-per-Order-Modell in Zukunft lohnen.

Ein weiteres Performance-Modell beschreibt Florian Resatsch, Geschäftsführer von Ströer Mobile Media  . "Man kann alternativ den Mobile-zu-Offline-Shopping-Pfad einschlagen und Angebote in der Umgebung zeigen sowie Coupons für Shops aussteuern." Hier sei jedoch zu beachten, dass man extrem hohe Reichweiten mitbringen muss, um genau den Kunden zu erreichen, der Lust auf das angebotene Produkt hat und die Zeit mitbringt, aktuell in den Shop zu gehen. Er empfiehlt ein sehr gutes Targeting.

Das bedeutet für Interaktive:
Interaktivagenturen sollten zu jeder mobilen App, die sie gestalten, die passende Mobile-Advertising-Kampagne planen. Das löst die Frage, wie eine neue App ins Bewusstsein und auf die Handys der potenziellen Kunden kommt. Und das ist erst der Anfang von allem. Denn dann kann über die App verkauft, es können Nutzerdaten generiert und Kundenbindungsprogramme gestartet werden. Aber alles beginnt mit der richtigen mobilen Werbung.

6. Fehler aus der Desktop-Werbung vermeiden

Florian Resatsch, Ströer Mobile Media (Bild: Ströer)
Bild: Ströer
Florian Resatsch, Ströer Mobile Media

Zurzeit kommen Publisher und Mobile-Werbeplattformen noch nicht in Versuchung, ihre Seiten und Apps mit Werbung zuzupflastern. Denn es gibt einfach nicht genügend Anzeigen. Die Gefahr für die Zukunft besteht aber. Das wollen die Werbeexperten vermeiden, behaupten sie. "Wir wollen im Mobile-Bereich nicht den gleichen Fehler begehen wie im Desktop-Bereich begehen", sichert Oliver von Wersch zu. "Wir wollen die Seiten nicht mit Werbung überfrachten." Schließlich solle vermieden werden, dass die Nutzer sich Adblocker installieren. Auch Ströer hat sich diesen Anspruch auf die Fahne geschrieben: "Zum Beispiel übertriebene Interstitials nerven den Nutzer. Darauf achten aber die Vermarkter in enger Zusammenarbeit mit den Produktverantwortlichen der Publisher", garantiert Florian Resatsch. Und auch Dirk Kraus bestätigt, dass manche Publisher nicht so viel Werbung auf ihren Seiten haben möchten.

Viel oder wenig Werbung ist natürlich relativ. Was der Publisher als wenig empfindet, kann der Nutzer bereits als überladen ansehen. Und schon ein Interstitial, wenn es das Laden der Seite verlangsamt, oder man das Kreuz zum Schließen im Querformat nicht findet, kann den User nerven. Hier müssen Werbungtreibende, Publisher und Plattformen sich auf ein verträgliches Mittelmaß einigen. Das ist leicht in Zeiten wie diesen, wo das Werbeplatzangebot zehnmal so groß ist wie die Nachfrage. Erst wenn die Nachfrage das Angebot deckt oder übersteigt, wird sich zeigen, ob sie dem winkenden Geld widerstehen und die Anzeigenplätze limitieren.

Das bedeutet für Interaktive:
Auch sie müssen von Anfang an darauf achten, den mobilen Content nicht mit Werbung zu überstrapazieren. Wenn alle Beteiligten von Beginn an ein Auge darauf haben, besteht die Chance, dass sich die Fehler aus der Desktop-Werbung nicht wiederholen.

7. Richtiges Targeting ist der Schlüssel zum Smartphone

Wenn die Menge an Mobile Advertising erst einmal die kritische Masse erreicht hat, wird sich zeigen, ob die Advertiser es schaffen werden, den Nervfaktor beim Nutzer gering zu halten. Entweder die Nutzer installieren sich Adblocker-Apps, um die Anzeigen auszuschalten. Oder sie schmeißen Apps mit zu viel Werbung in den Papierkorb. Das beste Werkzeug dagegen wird effizientes Targeting sein. "Je besser das Targeting, desto weniger ist der User genervt", ist sich Dirk Kraus sicher. Yoc unterscheidet die Zielgruppen dafür nach Verbindungstyp (WLAN oder nicht), nach Endgerät und Hersteller, nach Betriebssystem, nach Mobilfunkanbieter, nach Interessengebieten, nach Regionen und nach hyperlokalen Orten. Aber das reicht dem Unternehmen nicht: "Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an unseren Targetinglösungen, um die Zielgruppenansprache noch präziser zu machen."

Hier werden sich alle mobilen Werbeplattformen professioneller aufstellen müssen. Schließlich verrät das Smartphone mit seinen Apps et cetera viel über seinen Nutzer - zumindest wenn man die Signale zu lesen weiß, ist es vermutlich die wertvollste Datenquelle überhaupt.

Plumpes Retargeting, das einem noch drei Monate lang das T-Shirt anzeigt, das man bereits zu Weihnachten bestellt hat, wird mobil, zumindest auf dem Smartphone, eher kein Thema sein. Schließlich ist auch die "Kauf-du-Sau"-Abverkaufswerbung kein Thema für den kleinen Screen. Stattdessen geht es um das Profil des Nutzers, das anhand seiner Apps, seines Musik- und Lesegeschmacks und seiner Spiele erstellt werden kann.

Das bedeutet für Interaktive:
Personalisierung und individuelle Kundenansprache werden in der mobilen Werbung immer wichtiger. Vielleicht sogar wichtiger als am Desktop. Schließlich ist das eigene Handy etwas ganz Persönliches, fast schon Intimes. Interaktivagenturen sind Experten der persönlichen Werbung und werden diese Kompetenz - je besser das Targeting wird, noch stärker ausspielen können.

8. Native Advertising versus Display: Beides hat Zukunft

Mit der Entwicklung des Mobile-Werbemarktes verschieben sich auch die Werbeformen. "Einfache Banner, Interstitials, Pop-ups und ganzseitige Werbeunterbrechungen sind immer noch die beliebtesten Werbeformen", hat Stefan Gerstmeier, COO von Neofonie Mobile    beobachtet. "In den letzten Monaten haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass mobiles Advertising mit immer mehr Aufwand betrieben wird. Etwa Storytelling und Context-bezogene Werbung nimmt einen wachsenden Stellenwert ein, meist gepaart mit der entsprechenden User Segmentation." Dazu gehört Native Advertising, das unter anderem von Yahoo als die Zukunft in der mobilen Werbung angesehen wird. Steffen Hopf: "Der mobile Werbemarkt wird in jedem Fall von Native Advertising geprägt und dominiert sein." - Dirk Kraus hält dagegen. Er plädiert für eine klare Kommunikation, die den Nutzer nicht für blöd verkauft, indem sie ihm Werbung für Content verkauft.

Stefan Gerstmeier, Neofonie (Bild: Neofonie)
Bild: Neofonie
Stefan Gerstmeier, Neofonie

Die Zukunft liegt vermutlich irgendwo dazwischen: "Wir sehen, dass immer mehr Text-Bild-Anzeigen gebucht werden, die sich harmonischer in das mobile Nutzungserlebnis integrieren", sagt Oliver von Wersch. Ob das nun Native Advertising ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Zumindest zeigt die Diskussion, dass Bewegung im mobilen Werbemarkt ist, dass neue Werbeformate aufpoppen werden und dass Storytelling auch mobil ein wichtigeres Thema wird.

Das bedeutet für Interaktive:
Die Zeit der plumpen Mobilwerbung ist vorbei. Interaktivagenturen sind gefordert, sich kreative Werbung und Kampagnen auszudenken. Die Palette an Werbeformaten ist breit und will genutzt werden. Hier auf dem Laufenden zu bleiben, ist ein Muss. Dennoch nutzt das beste Format nichts ohne richtiges Targeting. Es ist der Schlüssel zum Kunden und das Werbeformat im Zweifel nur zweitrangig.

9. Affiliate wird immer wichtiger

Affiliate-Netze sind auch in der mobilen Werbung ein Thema. Da es sich hier um Performance-Modelle handelt, funktionieren sie ebenfalls am besten für Content, der auch von mobilen Geräten aus genutzt werden kann, zum Beispiel Musik oder E-Books. Ein Beispiel dafür ist Apples iTunes  . Es hat das größte mobile Affiliate-Netz überhaupt. Teilnehmer können ihre Website oder App mit Songs, Apps sowie Büchern und mehr verlinken und so bei Verkäufen eine Provision verdienen. Auch Audible   bietet ein solches Programm an.

Für mobile Onlineshops wird Affiliate dagegen bisher kaum genutzt. Aber je mehr mobil eingekauft wird, desto attraktiver wird Mobile Advertising für Affiliate-Netzwerke. Das Potenzial für den Mobile-Affiliate-Markt ist entsprechend groß. Aber die Gefahr besteht, dass die Anbieter die gleichen Fehler wie im klassischen Affiliate begehen (iBusiness berichtete: Affiliate-Markt in Seenot: Leck geschlagen und auf falschem Kurs) und sich damit ebenfalls in die Krise manövrieren.

Das bedeutet für Interaktive:
Affiliate-Marketing über den mobilen Kanal hat grundsätzlich seine Daseinsberechtigung. Deshalb machen es die großen Anbieter von digitalem Content selbst. Wenn die großen Onlineshops in Zukunft auf den Zug aufspringen wollen, aber aus dem klassischen Affiliate gelernt haben, dann werden auch sie es selbst in die Hand nehmen. Affiliate-Netzwerke werden dem Fraud und dem Streben nach Quantität statt Qualität entsagen müssen, um mobil eine Chance zu haben.
Thema: Die Mobile-Advertising-Lücke: Warum in Deutschland viel zu wenig Geld in Mobilwerbung fließt

Kommentar von Verena Gründel

Ist der Ruf erst ruiniert...

... dann wird es Mobile Advertising auf Dauer schwer haben. Dann verkommt es zur Trash-Werbung. Die Weichen für einen guten Ruf des Marktes müssen jetzt gestellt werden.

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Verena Gründel, iBusiness (Privat)
Bild: Privat
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