Unsichtbare Marktpotenziale mit Kaufkraftdaten erschließen Jetzt zum Webinar anmelden
Eigene Daten zeigen oft nur einen Teil des Bildes. Erfahren Sie, wie Kaufkraft-, Markt- und Regionaldaten zusätzliche Perspektiven auf Kunden, Regionen und Standorte eröffnen. Anhand konkreter Praxisbeispiele lernen Sie, wie sich bislang verborgene Marktpotenziale erkennen und gezielter nutzen lassen.
Jetzt zum Webinar anmelden
Expert-Talk: GEO-PR: "Es geht um Relevanz in KI-Systemen" Video-Podcast ansehen
Wer in ChatGPT, Gemini oder Perplexity sichtbar sein will, darf sich nicht auf die eigene Website verlassen. Denn KI-Systeme prüfen, was andere über eine Marke sagen - auf Fachportalen, Bewertungsplattformen, Vergleichsseiten, Reddit oder YouTube. Hier setzt GEO-PR an. Video-Podcast ansehen

November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk

35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.

Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.

Alle Inhalte im November kostenlos
Heute frei lesen. Morgen nichts verpassen.

Registrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.

Das Newsletter-Abo erhalten Sie im Rahmen der kostenlosen Registrierung.

Abruf exklusiv für Premium-Mitglieder

Staumauern im Marketingkanal: Wie sich Ebay verändert

von sb

08.07.2011 Das ehemalige Online-Auktionsportal Ebay hat sich zur Universal-Shopping-Plattform gemausert und baut weiter um. Der Händler-Fokus hat sich längst von kleineren Anbietern auf größere gewerbliche Händler verschoben. Für Onlinehändler, die Ebay bislang als zusätzlichen Vertriebskanal nutzten, wird das anvisierte Closed-Gate-Modell allerdings den Stellenwert von Ebay als Kanal grundsätzlich ändern.

 (Bild: Rabe/Wikimedia)
Bild: Rabe/Wikimedia
Bild: Rabe/Wikimedia unter GNU-FDL
 (Bild: Rabe/Wikimedia)
Bild: Rabe/Wikimedia
Wer könnte sie vergessen: Die Aufregung, die Spannung, die Hektik. Egal, ob man sich gerade in der Kneipe mit Freunden, in der Badewanne oder im Fitnessstudio aufhielt: Wenn die eingestellte Ebay-Auktion auslief, ließ man sofort alles stehen und liegen und suchte die nächstgelegene Internet-Quelle auf. Zur Not mussten Freunde herhalten und das Ergebnis stellvertretend nachsehen und kundtun. Mancher Schlingel stiftete auch Freunde dazu an mitzubieten, um Auktionspreise in die Höhe zu treiben.

Doch die Zeiten des Auktions-Enthusiasmus sind vorbei. Weil das Konzernwachstum ausblieb, veränderte sich die Plattform selbst: Der Slogan 3...2...1...meins!   musste vor kurzem dem neuen Werbeauftritt weichen. "Mein Ein für Alles" heißt nun der neue Claim, der auch die geänderte Strategie vermitteln soll. Ebay ist nicht mehr in erster Linie der Platz für zeitkonsumierende Online-Auktionen, sondern das integrative Shoppingportal für alle Arten von hochwertigen Waren.


Doch wachstumsgetriebene Modelle sind gierig. Die Metamorphose von Ebay beschränkt sich nicht auf Markenauftritt und Endverbraucher-Ausrichtung. Auch hinter den Kulissen wird umgebaut. Das könnte die Eignung von Ebay schmälern als (zwar teuren, aber durchaus akzeptablen) Marketing- und Abverkaufskanal. Schon sprechen Händler und Experten von einer versuchten Amazonisierung Ebays: Der alleinigen Herrschaft eines alles kontrollierenden Verkaufsportals und dem totalen Kontakt-Verlust zwischen Ebay-Verkäufern und Ebay-Kunden.

Wachstum ja, aber auf wessen Kosten?

Ebay verzeichnete innerhalb der letzten Jahre einen großen Zuwachs im Bekleidungshandel und dem Technik- und Elektronik-Segment. Ebenfalls hohe Wachstumsraten haben die Bereiche Heim und Garten sowie der Autoteilemarkt.

Hohe Investitionen bringen beim Ebay-SEO deutlich weniger als auf Google: Weil die interne Suchwortoptimierung   bei Ebay nicht so ausgefeilt und auch transparenter ist als das Google-SEO, lohnt es sich nicht, eine teure SEO-Agentur zu beschäftigen. Damit haben nicht nur finanzkräftige Händler gute Karten, auf Ebay Geld zu verdienen. Ebay sieht gute Chancen gerade auch für kleinere Händler mit neuen oder Nischenprodukten: "Entscheidend für Ihren Erfolg ist ja zunächst, wie gut Sie mit Ihren Produkten in den Suchergebnissen vertreten sind", argumentiert Wolfgang Huber , verantwortlich für die Händlerkommunikation bei Ebay Deutschland. Hier unterscheide die Suche auch nicht zwischen Händlern mit vielen Verkäufen und kleineren mit weniger Verkäufen und damit niedrigerem Ebay-Scoring.

Die Suche ist vielleicht noch das Letzte auf Ebay, das nicht nicht zwischen großen und kleinen Anbietern unterscheidet. Die Berechnung der Fixkosten zum Beispiel schon. Bei dieser ist mittlerweile die Größe des Ebay-Shops durchaus eine wichtige Variable. Denn je größer der Shop, desto weniger fallen Kosten wie Einstellgebühr oder Verkaufsprovision ins Gewicht. "Früher wurden alle Verkäufer gleich behandelt, nun ist es in dieser Hinsicht für kleinere und mittlere Händler deutlich schwieriger", bemängelt Ebay-Experte Axel Gronen , Betreiber des Ebay-Expertendienstes Wortfilter  .

Muss ein Händler also nach dem Platin-Powerseller-Status streben, um die Fixkosten so gering wie möglich zu halten? Denn bei dem teuersten Shop-Abo fallen auch die geringsten Angebotsgebühren pro Artikel an. Dies sogar bis hin zur Flatrate im Falle eines Premium-Shops. Allerdings eben nur für dementsprechend gute Verkäufer beziehungsweise große Händler. "Größe ist nie schlecht, aber nicht wirklich entscheidend", relativiert Huber diese Tatsache. Deshalb gebe es ja schließlich drei unterschiedlich teure Shop-Abos.

Ebays Wandlung: Vom Auktionsportal zur Universal-Shopping-Plattform

 (Bild: Deutsches Statistisches Bundesamt; Grafik: HighText Verlag)
Bild: Deutsches Statistisches Bundesamt; Grafik: HighText Verlag

Andreas Karafotias , Consultant für Multichannel-Retailing, steht den Ebay-Entwicklungen sowohl auf Käufer- als auch auf Händlerseite insgesamt sehr kritisch gegenüber: "Ebay hat seinen Fokus verloren und versucht krampfhaft Wachstum zu generieren und das auf Kosten derjenigen, die Ebay groß gemacht haben", kritisiert er das Portal. Seiner Meinung nach war Ebay spannend und ist dabei austauschbar zu werden. "Warum soll ich bei einem schlechteren Amazon einkaufen, wenn ich das auch beim Original kann?", so seine rhetorische Frage.

Das mag schlecht sein für die Kleinen, für den professionellen Onlinehandel scheint die Rechnung aufzugehen. Der Retourenverkauf durch große Einzelhändler, sowie der Direktverkauf von Restbeständen durch Händler und Hersteller gewinnen immer mehr an Gewicht. Zudem werden immer mehr Artikel mit Festpreisen verkauft.



Das macht sich an der gestiegenen Zahl der gewerblichen Verkäufer fest. Ihre Zahl stieg innerhalb des letzten Jahres von 105.500 auf aktuell 160.000 - ein Plus von einem Drittel. Noch schneller wuchs die Zahl der großen Ebay-Verkäufer: Die Anzahl der Powerseller insgesamt konnte sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppeln: 21.470 waren es 2010, inzwischen gibt es 48.504. Auch wenn das Wachstum bei den Platin-Powersellern mit unter zehn Prozent nicht so hoch ist: Klar ist, dass es vor allem die größeren Händler sind, die zulegen. Aktuell gibt es auf der Plattform:

  • 310 Platin-Powerseller:
    Erwirtschafteter Umsatz von 450.000 Euro,
    verteilt auf mindestens 12 Transaktionen innerhalb der letzten drei Monate oder Verkauf von 15.000 Artikeln
  • 2.760 Gold-Powerseller:
    Erwirtschafteter Umsatz von 75.000 Euro,
    verteilt auf mindestens 12 Transaktionen innerhalb der letzten drei Monate oder Verkauf von 7.500 Artikeln
  • 5.346 Silber-Powerseller:
    Erwirtschafteter Umsatz von 30.000 Euro,
    verteilt auf mindestens 12 Transaktionen innerhalb der letzten drei Monate oder Verkauf von 3.000 Artikeln
  • 40.086 Bronze-Powerseller
    Erwirtschafteter Umsatz von 2.500 Euro,
    verteilt auf mindestens 100 Transaktionen innerhalb der letzten zwölf Monate

Die Marketing-Enteignung der Ebay-Händler

Der Übergang zu dem "Die Bank gewinnt immer"-Modell kommt schleichend. Schritt für Schritt. Seit Mitte Mai diesen Jahres hat Ebay die Herrschaft über den EMail-Kundenkontakt übernommen. Händler können die versandten E-Mails nun noch bedingt individualisieren oder steuern. Alles nur im Interesse des Kunden, sagt Ebay. Diese sollen nicht mit zu vielen verschiedenen E-Mails bombardiert, belästigt und verwirrt werden.

Und dies ist nicht die einzige Neuerung im Sinne der Kunden. Auch "Brüche und Verwirrung beim Abschluss einer Transaktion" sollen den Kunden künftig erspart bleiben. Dies will Ebay mit der angekündigten und seit 30. Juni umgesetzten Vereinheitlichung der Kaufabwicklung erreichen. Diese beinhaltet, dass Ebay die Abwicklung der Zahlungs- und Versandprozesse durch Drittanbieter nicht mehr zulässt, sondern selbst steuert. "Der Schritt war einfach alternativlos. Die Kaufabwicklung durch Drittanbieter war zunehmend verwirrend für den Kunden, weil er aus dem vertrauten Ebay-Kontext gerissen wurde und es dabei auch noch mit verschiedenen Varianten - je nach Drittanbieter - zu tun bekam", begründet Wolfgang Huber den Schritt. Auch wären im mobilen Bereich damit häufig Probleme aufgetreten, da etwa bei Einkäufen via Smartphone die Kaufabwicklung durch Drittanbieter nicht durchgehend nutzbar war.

Die Verwirrung der Kunden kann Monika Zehmisch gut nachempfinden: "Ich habe das die letzten acht Jahre in denen ich mich intensiv mit Ebay beschäftige, als unglaublich chaotisch empfunden". Mittlerweile erscheine ihr die Plattform sehr viel sicherer und einfacher in der Handhabung. Doch wie überall geht ein Mehr an Sicherheit mit einem Weniger an Freiheit einher: Die Vielfalt bei der Berechnung von Versandkosten mit Zuschlägen und Abschlägen und die große Anzahl von Zahlarten gehe verloren. "Möglicherweise ist dann eine Überarbeitung der eigenen Versandkosten und Zahlungsbedingungen notwendig", überlegt Zehmisch.

Kleinere Händler bekommen schlechteren Support

Axel Gronen fällt zu veränderten Händlerbedingungen und daraus resultierenden Problemen zu allererst die massiv zurückgeschraubte Händlerbetreuung ein: "Desto kleiner der Shop ist, desto schlechter ist die Betreuung. Kleinere Händler werden immer nur an die Hotline weitergereicht", prangert er an. Wer nicht zu den 310 Platin-Powersellern gehöre, habe im Hinblick auf Bewertungsprobleme Pech gehabt.

Ebay selbst bestreitet, bei der Betreuung der kleineren Onlinehändler in Deutschland den Rotstift angesetzt zu haben. Es hätte lediglich einen "Umbau" gegeben. So existiere seit zwei Jahren ein abgestuftes Modell im Händlerservice. Jedem Händler stehen die allgemeinen Servicekanäle E-Mail und Telefon offen. Indirekt bestätigt Wolfgang Huber aber das Zwei-Klassensystem: "Für die Händler, die regelmäßig bei Ebay aktiv sind, gibt es ein eigenes umfangreiches Team. Die 2.000 größten deutschen Händler schließlich werden persönlich im Account Management betreut, sodass sie stets den gleichen Ansprechpartner haben, der mit dem Geschäft und den individuellen Frage- und Problemstellungen vertraut ist", Gronen sieht Probleme vor allem bei den Kleinen: "Wenn kleinere oder mittlere Händler beispielsweise ungerechtfertigt schlecht bewertet werden, können sie sich nur an die Hotline wenden", klagt er. Der Knackpunkt hierbei sei, dass die Hotline-Mitarbeiter über keinerlei Berechtigungen verfügen würden, diese ungerechtfertigten schlechten Bewertungen zu löschen. "Sie dürfen zwar jemandem ihr Leid klagen, aber gelöst werden kann das Problem nicht. Damit ist den Händlern natürlich wenig geholfen." Alles was Hotline-Mitarbeiter tun könnten, sei es, die Kunden auf ihre ungerechtfertigte Bewertung hin zu kontaktieren und anzusprechen.

Im Gegensatz dazu funktioniere die Problemlösung für die großen Händler hervorragend, wie der Fall Okluge   belegt habe: Ein Fehler in der Kalkulationssoftware des drittgrößten deutschen Ebay-Verkäufers Oliver Kluge hatte dessen Preise bei Amazon  , Ebay und im eigenen Onlineshop im Dezember 2010 viel zu niedrig angesetzt. So waren Plasma-TV-Geräte mitten im Weihnachtsgeschäft für unter 10 Euro inklusive Versand angeboten worden. Kluge entschuldigte sich daraufhin bei den Schnäppchenjägern und focht alle Verkäufe nach BGB § 119   unverzüglich an. Wären die dadurch hervorgerufenen negativen Kundenbewertungen nicht gelöscht worden und permanent in die Shop-Bewertung eingeflossen, so könnte Kluge heute wohl nicht auf seiner Homepage mit "über 609043 positive Ebay-Bewertungen" für sich werben.

Einzelkämpfer sortiert das Ebay-System aus

Wolfgang Huber sind private Verkäufer auf Ebay willkommen, "soalnge sie in der Lage sind, die Kunden zufriedenzustellen". Doch auf dem Großportal Ebay werden von den Kunden alle Händler über einen Kamm geschert. Axel Gronen ist sich sicher: "Wer seinen Ebay-Shop als One-Man-Show betreibt, scheitert hier". Dies hänge mit ganz simplen Abläufen zusammen, wie Krankheit oder logistischen Problemstellungen: "Früher war es in Ordnung, zweimal pro Woche Ebay-Verkäufe zu versenden. Heute zieht eine längere Versandzeit gleich schlechte Kundenbewertungen nach sich, wodurch der Händler eine Sperrung seines Ebay-Shops befürchten muss", verdeutlicht Gronen.

Auch hohe Versandkosten sind für kleinere Händler eine hohe finanzielle Belastung. Sie können mangels einer hohen Versandmenge meist auf keine gesonderten Verträge mit günstigen Versandkonditionen bei Logistik-Unternehmen zurückgreifen, sondern zahlen den vollen Preis für jedes Paket.

 (Bild: Xing)
Bild: Xing

"Ebay als Handelsplattformn wird für Kleinunternehmer zunehmend uninteressant", , findet auch Arthur Cichos-Clark , Geschäftsführer bei der CMNS Consult GmbH & Co.KG  . "Die Ebay-Zukunft gehört größeren Händlern, die ihre Ware entlang einer Fixpreis-, sowie entlang einer kundenorientierten Service-Strategie über das Onlineportal anbieten können."
"Durch unsere Maßnahmen haben sich die gewerblichen Käufer erhöht", bestätigt Huber die Verschiebung in Richtung größerer Händler. Speziell das neue Geschäftsmodell "Profiflatrate" , durch welches Onlinehändler nun risiko- und gebührenfrei auf Ebay verkaufen können, habe dazu beigetragen. "Sie zahlen nun erst, wenn Umsatz gemacht wird", bringt Huber das Modell auf den Punkt. Dies habe ebenfalls zu einer enormen Erhöhung des gesamten Angebots geführt.

Die zunehmende Professionalisierung sieht Wolfgang Huber von Ebay auch weiterhin als zukünftigen Trend für die Entwicklungen auf der Plattform. Das sei für jeden Händler ein Muss, denn die Konkurrenz sei wegen der gewachsenen Kundenerwartungen wesentlich herausfordernder geworden. "Dass Kunden sich entscheiden, online günstig zu kaufen und dafür Abstriche beim Service machen, ist passé. Alles wird durch diese gestiegenen Erwartungen der Verbraucher vorangetrieben", rechtfertigt er die Entwicklungen.

Auch Axel Gronen hält die Profiflatrate prinzipiell für gut. Ihre aktuelle Anwendung allerdings weniger. Sie muss nämlich jeweils halbjährlich von Ebay verlängert werden und sollte nun eigentlich zum 30. Juni hin auslaufen. Erst am ersten Juli erklärte Ebay die Verlängerung des Modells. "Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte etwa ein Buchhändler mit 150.000 Artikeln im Sortiment einen exorbitanten Fixkosten-Anstieg gehabt", veranschaulicht Gronen. "Ebay lässt den Onlinehändlern mit solchen Aktionen einfach keinerlei Planungssicherheit."

Ebays Zukunft als Marketingkanal ist trübe

Ob sich Ebay für Onlinehändler lohnt, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab - vom Produkt genauso wie von der Marge und den zur Verfügung stehenden Verkaufskanälen. Wer seinen eigenen Onlineshop betreibt, muss Onlinemarketing in Eigenregie betreiben. Da fallen (beim SEA) Kosten pro Klick an, beim Affiliate-Marketing Provisionen pro Sale, bei der Bannerschaltung Kosten pro Einschaltung. Ebay bietet im Gegenzug (laut IVW März 2011) 328,8 Millionen Besucher pro Monat. Und ein bisschen SEO: Die Neuerung, dass doppelte Angebote nun durch Ebay abgeschaltet werden, geschah laut Huber jedoch nicht hauptsächlich aus SEO-Gründen. "Dass man nun Angebote mit Varianten einstellen kann, verbessert schlichtweg die Suche und die Übersichtlichkeit innerhalb Ebays. Das kommt vorwiegend den Kunden zu Gute, nicht den Suchmaschinen." Dem Wohlwollen der Suchmaschinen schadet das allerdings bestimmt nicht.



Händler Ernst A. Steffens von der Shelter Workwear GmbH   sieht Ebay darum auch als "die effektivste Werbeplattform". Speziell die bekannte Internetadresse tue ihre Wirkung. "Die Kosten sind im Vergleich zu Google-Adwords gering, wenn man den Werbeerfolg als Kriterium und Maßstab nimmt", schwärmt er. Als reine Verkaufsplattform sei Ebay jedoch sehr unwirtschaftlich. Kunden werden bei Ebay auf Waren der Shelter Workwear GmbH aufmerksam und bestellen dort zunächst Einzelstücke als Muster. Größere Posten ordern die Kunden dann anschließend direkt im Onlineshop.

Auch der Wiener Kleinstunternehmen-Berater Ralf Siebert , Geschäftsführer von Smart E-Business  , hält Plattformen wie Ebay oder Amazon für wichtig, weil Kunden darüber zuerst suchen, bevor sie sich an eine Suchmaschine wagen. Heiko Schubert hingegen kann mittlerweile nur noch wenige Ebay-Vorzüge erkennen. Seiner Meinung nach habe sich der Ruf von Ebay deutlich verschlechtert, sodass viele Kunden lieber gleich im Shop als bei Ebay einkaufen. "Das bedeutet: Hat der Verkäufer keinen eigenen Shop, hat er deutlich schlechtere Karten. Das war vor einem Jahr definitiv noch nicht so", beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter der Lamp Solutions GmbH   die Entwicklung.

Ebay-Expertin Zehmisch rät jedem eBay-Händler auch einen eigenen Onlineshop neben Ebay zu betreiben, um seine wirtschaftliche Existenz auf zwei Beine zu stellen. Nach ihren Erfahrungen kann bei Ebay eine Kundenbindung nur schwierig gepflegt werden. Als Marketinginstrument und zur Gewinnung von Neu- und Gelegenheitskunden gebe es jedoch wegen der großen Reichweite nach wie vor kaum eine funktionierende Alternative zu Ebay für die Händler. "Ebay ohne externen Onlineshop: Geht gar nicht. Externer Onlineshop ohne Ebay: Machbar, aber kann einen marketingmäßigen Nachteil bedeuten."

Die Kalkulation: Ebay vs. eigener Onlineshop

Die iBusiness-Beispielrechnung vergleicht die anfallenden Kosten für den Ebay-Shop mit denen des eigenen Onlineshops. Die Werbung für zwei beispielhafte Produkte - ein iPad2 und eine iPad2-Tasche - wird im Falle des Ebay-Shops durch die Plattform betrieben. Bei dem eigenen Onlineshop wirbt der Händler per Google Adwords. Angenommen wird eine durchschnittliche Marke und eine Konversionsrate, wie sie aus der Konversionsratenstudie von iBusiness hervorgeht. Nach Abzug der Einstellungs- und sonstiger anfallender Kosten von der Gewinnmarge, ist der verbleibende Reingewinn für den Händler bei der Verwendung von Adwords in beiden Fällen deutlich höher.

Die Rechnung verändert sich, wenn statt einer Premium-Platzierung des Ipad statt dessen nur eine Bilderstrecke auf Ebay gebucht wird. In diesem Fall ist der Ebay-kanal lukrativer. Dies allerdings nur, wenn man Zweitverkäufe durch größere Warenkörbe und die Direktbestellungen eines etablierten Kunden nicht berechnet. Weil auf Ebay für jedes einzelne Produkt Verkaufsprovisionen anfallen, bei Google allerdings nicht, belegt unsere Rechnung, dass Ebay der in jedem Fall teurere Kanal ist - je größer der durchschnittliche Warenkorb, je mehr verkaufte Produkte pro Kunde, um so teurer:
Vergleichsrechnung: Verkaufserlös auf Ebay und via SEA im eigenen Shop
GoogleEbay
1. Produkt: iPad
Verkaufspreis:
500,00 €500,00 €
Marge 33%165,00 €165,00 €
Silver-Powerseller
1000 Artikel/Monat0,30 €
Einstellgebühr0,02 €
Verkaufsprovision21,50 €
Automatisierung0,30 €
Premium-Platzierung59,95 €
CpS bei Klickpreis 0,71 € und
Konversionsrate 0,47%
67,66 €
Kosten67,66 €82,07 €
Verkaufserlös97,34 €82,93 €

2. Produkt: iPad-Tasche
Verkaufspreis:

50,00 €50,00 €
Marge 50%25,00 €25,00 €
Silver-Powerseller
1000 Artikel/Monat0,30 €
Einstellgebühr0,02 €
Verkaufsprovision3,75 €
Bilder3,45 €
Automatisierung0,30 €
Untertitel1,50 €
CpS bei Klickpreis 0,07€ und
Konversionsrate 0,47%
6,67 €
Kosten6,67 €9,32 €
Verkaufserlös18,33 €15,68 €

Ebays Weg zum Kundenverlies

Tatsächlich ist die Kundenbindung das zentrale Problem, das Händler mit Ebay zukünftig bekommen. Ebays Interesse ist es, dass alle Kommunikations- und vor allem: alle Vertriebsaktivitäten auf der Ebay-Plattform stattfinden. Für den Onlinehändler ist es umgekehrt günstiger, die Provisionen nur einmal zahlen zu müssen. Das Folgegeschäft mit hoher Rendite soll bequem und Ressourcen schonend per eigenem CRM ablaufen.

Doch Ebay wird sich nicht auf die Rolle als zusätzlicher Verkaufskanal reduzieren lassen. Den Zwang, den Ebay bei Logistik und Payment ausübt, ausschließlich hauseigene Tools zu verwenden, weckt Misstrauen bei den Experten: Konsequent wäre, wenn im nächsten Schritt den Händlern der direkte Kunden-Kontakt auf Ebay versagt werden würde. Etwa, indem die EMail-Adresse des Käufers nicht mehr an die Händler weitergegeben würde.

Damit könnte Ebay verhindern, dass der Händler an Ebay vorbei kommunizieren und verkaufen könnte - beispielsweise per Newsletter. Wolfgang Huber dementiert entsprechende Pläne: "Es ist nicht so, dass wir dem Verkäufer die Kontaktmöglichkeiten vorenthalten." Händler bekämen immer noch automatisch die postalische sowie die EMail-Adresse des Kunden von Ebay mitgeteilt. Ob das allerdings auch in Zukunft so bleiben wird? Dazu schweigt er beredt: "Eine längerfristige Prognose dazu abzugeben ist schwierig. Da es schließlich immer noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Die einzige Konstante im E-Commerce ist der Wandel."

Axel Gronen wiederum ist sich hier um einiges sicherer. Er rechnet fest damit, dass der EMail-Kontakt zwischen dem Händler und dem Ebay-Kunden bis Ende des Jahres völlig von dem Portal unterbunden werden wird: "Ich würde sogar eine Wette darauf abschließen, dass bald kein Händler mehr an die EMail-Adressen seiner Ebay-Kunden kommt." Auch nach seiner Meinung wäre dies nach der Heimholung der Kaufabwicklung ins Ebay-Reich für Ebay der nächste konsequente Schritt.

Wie schützt man sich vor dem Closed-Gate-Modell?

Um sich zu schützen rät Monika Zehmisch, Kunden auch auf Ebay an sich zu binden. Dies fange bei der richtigen Wahl des Ebay-Namens an: Der gleiche Name wie der der Onlineshop-Domain und EMail-Adresse sind hier zu wählen. Über die werbliche Nutzung der meinEbay-Seite können Händler beispielsweise Support mit Bereitstellung einer Telefonnummer des Unternehmens anbieten. "Nach dem Kauf kann der Onlinehändler Lieferschein und Rechnung für werbliche Zwecke nutzen, sowie dem Paket einen Flyer beilegen mit Hinweis auf den eigenen externen Onlineshop und die Facebook-Seite des Unternehmens", empfiehlt sie. Gutscheine für einen ersten Kauf über den Onlineshop, ein Geschenk für eine Weiterempfehlung oder Gewinnspiele seien erfolgreiche Tools.

"Wir können und wollen niemanden davon abhalten, Stammkunden aufzubauen und diese dann etwa mit externen E-Mails im Rahmen des Multichannel-Marketings zu pflegen und zu aktivieren", wiegelt Wolfgang Huber ab. "Hindern können sie zwar niemanden daran, aber Ebay kann es den Händlern durchaus so schwer machen, dass sich der damit verbundene Aufwand einfach nicht mehr für die Händler lohnt", kontert Gronen. Er vermutet als Beweggrund hinter den aktuellen Änderungen Ebays durchaus die Absicht der Errichtung eines geschlossenen Geschäftsmodells. Für kleinere und mittlere Händler würde das dann seiner Meinung nach zu teuer werden. "Ich fände diesen Schritt Ebays durchaus nachvollziehbar. Bloß müssen die Händler sich dann eben ausrechnen, ob sich das Geschäft auf Ebay noch für sie lohnt."

Thema: Staumauern im Marketingkanal: Wie sich Ebay verändert

Kommentar von sb

Kundengefängnis Ebay

Die Veränderungen, die Ebay in den kommenden Monaten durchleben wird, werden auch das Verhältnis zwischen Ebay und den Onlinehändlern verändern. Die allein selig machende Plattform wird Ebay nicht mehr sein.

Weiterlesen
 (Robert Bradish)
Bild: Robert Bradish
Neuer Kommentar  Kommentare:
Schreiben Sie Ihre Meinung, Erfahrungen, Anregungen mit oder zu diesem Thema. Ihr Beitrag erscheint an dieser Stelle.
alle Veranstaltungen Webcasts zu diesem Thema:
 (Michael Sahlender)
Bild: Michael Sahlender
Michael Sahlender
(Mirakl)

Best Practices: Selbst Marktplatz werden - Von Douglas, Home24, Conrad Electronic lernen

Wie der Sprung zum eigenen Marktplatz gelingt und welche Schritte Sie für den Launch eines eigenen Marktplatzes berücksichtigen müssen, zeigt Ihnen dieses Webinar anhand von Best Practices erfahrener Unternehmen.

Dienstleister-Verzeichnis Agenturen/Dienstleister zu diesem Thema: