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Onlinemarktplätze: Warum sich Ebay-Alternativen für Onlinehändler lohnen
07.12.2011 Im deutschen Onlinehandel gewinnen künftig kleinere und neue Marktplatz-Plattformen an Bedeutung. Denn diese kennen ihre Vorteile gegenüber den Big Playern der Onlinemarktplätze genau und fördern diese gezielt. Eine Alternative zu Ebay und Amazon stellen die neuen Plattformen bisher noch nicht dar - nicht zuletzt weil es als Start-up nicht leicht ist in vergleichbare Umsatz-Dimensionen vorzustoßen. Ein zusätzlicher lukrativer Absatzkanal für Onlinehändler sind die neuen Plattformen hingegen jetzt schon.
Axel Gronen stellt hierfür das nötige Zahlenmaterial bereit. Zudem bewertet er die Marktchancen der jeweiligen ECommerce-Plattformen. Gronen beschäftigt sich seit Jahren auf Wortfilter.de mit dem Ebay-Geschäft und anderen Onlinemarktplätzen. Er gilt als ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet. Die Basis für seine Einschätzung ergibt sich aus der Gegenüberstellung des gesammelten Zahlenmaterials. "Welchen Umsatz solche Plattformen erwirtschaften - damit trennt sich die Spreu vom Weizen", statuiert Gronen.
Laut Gronen führt Ebay die Rangliste der umsatzstärksten Onlinemarktplätze an. Der Umsatz Ebays betrug im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro. Amazon steht mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro in Deutschland an zweiter Stelle. Die restlichen Vertreter der aktuellen Top 5 der Onlinemarktplatz-Rangliste sind die Marktplätze Yatego, Tradoria und Hood.
| Die Top 5 der umsatzstärksten Onlinemarktplätze in Deutschland | |||
|---|---|---|---|
| Rang | Plattform | Umsatz | jährliche Wachstumsrate |
| 1 | Ebay | Fünf Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2010 (Umsatz der insgesamt auf der Plattform in Deutschland erwirtschaftet wurde, inklusive aller Privatverkäufe.) Ist damit mit großem Abstand die Nummer eins. | Sechs Prozent (im Jahr 2010) |
| 2 | Amazon | Etwa 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr in Deutschland. (Verkäufe der Händler und von Amazon selbst) Die Besonderheit bei Amazon ist, dass der Marktplatz selbst der größte Konkurrent für alle dort verkaufenden Händler ist. | 40 Prozent (Verkäufe weltweit) |
| 3 | Yatego | Umsatz liegt knapp unter 100 Millionen Euro | 25 Prozent |
| 4 | Tradoria | Handelsvolumen von 28 Millionen Euro | 40 Prozent (eigene Schätzung der Pattform für das nächste Jahr) |
| 5 | Hood.de | Handelsvolumen von 25 Millionen Umsatz | 25 Prozent |
Amazon hat die größten Wachstumsraten. 40 Prozent stiegen die Verkäufe hier weltweit. Ebays Wachstumsrate stagnierte: 2010 konnte Ebay lediglich sechs Prozent Wachstum vorweisen. Die aufstrebenden Plattformen Yatego und Hood.de hingegen verzeichneten hohe Wachstumsraten von 25 Prozent. Ebays Wachstumsraten konnten somit nicht im geringsten mit den Wachstumsraten des ECommerce-Marktes insgesamt mithalten.
Laut Gronen sind alle Onlinemarktplätze die nach Rang fünf folgen würden zu umsatzschwach und damit zu klein, um eine ernsthafte Ebay-Alternative darstellen zu können. Interessante Versuche von Neueinsteigern und Emporkömmlingen gibt es jedoch durchaus. "Als Händler lohnt es sich, sich umzuschauen auf welcher Plattform man noch Geld verdienen kann", empfiehlt Gronen. Denn neue, rentable Plattformen für den Onlinevertriebsweg zu erschließen, wirkt sich garantiert positiv auf die Umsatzzahlen der Händler aus. Diese sollten dabei allerdings vorab einige wichtige Punkte beachten. Zum Beispiel die Fixkosten, welche die Eröffnung eines zusätzlichen Onlineshops auf einer anderen Plattform mit sich bringen würden. Die meisten Plattformen bieten Händlern mittlerweile ein absatzbasiertes Gebührenmodell an: Erst wenn der Händler verkauft, muss er Provisionen an die Plattform abführen. Händler können damit das finanzielle Risiko minimieren und getrost neue Plattformen testen.
Für große ECommerce-Händler ist die Öffnung ihrer eigenen Plattform für andere Händler ein lohnender Schritt, meint Gronen. Betreibt man eh schon eine eigene größere Onlinehandelsplattform, ist es ein relativ überschaubarer Aufwand, einen Onlinemarktplatz anzuhängen", begründet er den Mehrwert auf der Betreiberseite.
Der Faktor Aufwand ist auch ein entscheidendes Kriterium für die Plattformauswahl. Denn wie aufwändig es für den Händler ist, seine Ware auf dem Onlinemarktplatz anzubieten, entscheidet darüber ob er diesen bestückt. Ist der Ablauf beispielsweise nicht automatisierbar und müsste alles von Hand eingestellt werden, loht sich der Aufwand für den Händler meist nicht mehr.
Übersicht: Welche Plattformen als zusätzlicher Absatzkanal interessant werden und warum
Eine Zerstückelung des Marktes der Onlinemarktplätze ist auf jeden Fall zu erkennen, sagt Gronen. Früher gab es nur Ebay und somit habe jeder Händler nur auf diesen Marktplatz geachtet. Heute existiert eine Vielzahl von Marktplätzen. Und für Händler seien prinzipiell alle interessant, findet Gronen. Einige Neueinsteiger im Onlinemarktplatz-Geschäft punkten durch Vorteile wie etwa gute Logistik-Anbindungen, erfolgreiche Eigenvermarktung und Etablierung als Marke oder gelungenem Suchmaschinenmarketing. Aufgrund dieser Vorzüge könnten diese Plattformen künftig durchaus für Onlinehändler sehr interessant werden. Die iBusiness-Übersicht beleuchtet die Vor- und Nachteile einiger solcher Plattformen.Vor- und Nachteile der Ebay-Alternativen | |||
|---|---|---|---|
| Plattform | Beschreibung | Vorteil | Nachteil |
| Meinpaket | Die Plattform könnte künftig noch sehr interessant werden, denn deren Betreiber ist niemand geringerer als Logistikmogul DHL . Würde Meinpaket den aus dieser Verbinding resultierenden Logistik-Vorteil ausnutzen, wäre das sicher mehr als nur ein spannender Gedanke, argumentiert Gronen. Allerdings überwiegen für ihn momentan noch die Nachteile der Plattform. "Bisher ist die Plattform durch erhebliche Startschwierigkeiten eher ein Negativbeispiel." Diese Startschwierigkeiten äußerten sich etwa bei dem Versuch, 2010 mit Gutscheinen zu starten: Die hohe Nachfrage überlastete die Seite. "Da fehlte wohl einfach das technische Knowhow und dies schreckt viele potenzielle Kunden vorerst eher ab", folgert Gronen. Zudem habe die Plattform im Bereich Payment einen hohen Nachholbedarf. Die Zahlungsoption Vorauskasse etwa sei bis vor kurzem nicht angeboten gewesen. Und Kunden, die per Lastschriftverfahren hätten zahlen wollen, wären aufgrund eines fehlgeschlagenen Bonitäts-Checks auf die Zahlungsoption Kreditkarte verwiesen worden. | Hervorragendes Logistik-Netzwerk durch DHL als Betreiber | Viele Startschwierigkeiten in der technischen Umsetzung und dem Payment-Bereich |
| Zalando | Schuhhändler Zalando hat sich für andere Händler geöffnet. Gronen sieht Potenzial in dieser Entwicklung, "weil die Besucher ja bereits erfolgreich dort hingelockt wurden." Diese Öffnung stelle eine Win-win-Situation für Plattform und Besucher dar: Besucher möchten möglichst viel angeboten bekommen und die Plattform möchte möglichst viele Besucher. Bisher ist Zalando nur für Modehändler geöffnet, lockt jedoch mit sehr hohen Besucherzahlen. | Sehr hohe Besucherzahlen | Bisher nur für Modehändler geöffnet |
| Yatego | Laut Gronen hat der Marktplatz Yatego viel Geld und Arbeit in das Suchmaschinenmarketing investiert. "Aber den Marktplatz als Marke zu etablieren - das haben sie noch nicht erreicht", bedauert er. | Gute SEM-Infrastruktur | Bisher eher unbekannt |
| Quelle.de | In der wiederauferstandenen ECommerce-Plattform von Betreiber Otto steckt laut Gronen nicht besonders viel Potenzial - und vor allem weniger Geld als in den anderen Marktplätzen. | Bekannte deutsche Marke | Durch die Pleite negativ behaftetes Markenimage |
| Tradoria | Die Plattform rechnet nach eigenen Angaben mit einem Wachstum von einem Handelsvolumen von 28 Millionen Euro auf 75 Millionen Umsatz. | Sehr hohe Wachstumsrate | Durch Änderung des Namens auf den von Mutter Rakuten . Probleme mit der Markenbekanntheit |
Zwei Punkte sind bei der Erschließung neuer Marktplätze als zusätzliche Absatzkanäle vorab unbedingt zu bedenken:
- Die Fixkosten in Form von Provisionen für die Plattformen
- und die vorhandene Infrastruktur an Schnittstellen der Plattformen
Fixkosten für Händler: Provision für die Marktplatz-Plattform
Die Provisionen für Händler sind bei allen Marktplätzen relativ gleich: Provisionen von bis zu 15 Prozent werden von den Betreibern der Marktplätze erhoben. Da die Kosten der Onlineshops auf Plattformen für Händler meist abhängig von deren Umsatz sind, würde Axel Gronen die Kosten nicht überbewerten. "Viele Kunden ansprechen ist wichtiger!", denkt Gronen. Denn ein umsatzbasiertes Kostenmodell bedeutet: Wenn nichts passiert, kostet es den Händler auch nichts. Zudem sei dieses umsatzbezogene Modell für Händler besser kalkulierbar.
Infrastruktur und Zeitaufwand für Händler: Schnittstellen-Kosten
Händler müssen vor allem auf die vorhandenen Schnittstellen (4sellers , Afterbuy , Hoh.de ) der Marktplätze und deren Kosten achten. Wenn es keine Schnittstellen für den Marktplatz gibt, ist es meist zu aufwändig diesen Marktplatz zu bestücken.
Warum Ebay alternativlos bleiben wird und dennoch Probleme hat
Ebay und Amazon sind und bleiben die wichtigsten Onlinemarktplätze. Nicht zuletzt deswegen, weil sie den Händlern das komplette Marketing abnehmen. Viele jetzt große Onlinehändler sind deswegen zuerst auf Ebay gestartet. Doch auch die anderen Marktplätze haben ihre Vorzüge - besonders dann, wenn der Händler schon auf Ebay und Amazon vertreten ist. Auf einer kleineren Plattform sein ECommerce-Debut zu geben, davon rät Gronen potenziellen Onlinehändlern allerdings dringend ab. "Für den Einstieg in den E-Commerce ist definitiv Ebay oder Amazon zu wählen", urteilt Gronen. "Wer Erfolg im E-Commerce haben will, sollte es als erstes auf Ebay versuchen. Wenn es da nicht klappt, klappt es nirgends", lautet Gronens Devise.Allerdings hat auch der Marktplatzriese mit einigen Zipperlein zu kämpfen. Abgesehen von einer stagnierenden Wachstumsrate handelt es sich dabei um eine extrem hohe Händler-Fluktuation. Und diese beträgt laut Axel Gronen auf Ebay rund 30 Prozent. Die Zahl der gewerblichen Ebay-Verkäufer (105.000) ist innerhalb des vergangenen Jahres stabil geblieben. Jedoch sind im Zeitraum von November 2010 bis November 2011 34.000 Verkäufer neu auf der Plattform gestartet. Die Ursache für diese hohe Fluktuationsrate vermutet Gronen in der Unwissenheit und Naivität vieler Händler. Seiner Meinung nach treffe man auf Ebay viele Leute, die nicht in der Lage wären Umsatz von Gewinn zu unterscheiden oder nicht wüssten, dass Händler gesetzlich dazu verpflichtet sind, Umsatzsteuer abzuführen. "Einer der Gründe bei Ebay, der es auch Idioten sehr leicht macht mit einem Shop zu starten, ist die Option der Vorauskasse", schimpft Gronen. Mit einem Schlag erhalte der Händler so viele liquide Mittel, was wiederum die Banken vom Erfolg des Shops überzeugen würde. Klopfe dann jedoch das Finanzamt an die Tür, sehe die Sache plötzlich ganz anders aus. "Ein Start bei Ebay birgt eben auch seine Risiken.", warnt er. Bei Amazon werde da schon genauer hingeschaut, meint Gronen. Das Geld geht hier zuerst an Amazon und dann erst an den Verkäufer.
