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Versandkosten-Studie: Gratis-Lieferungen nehmen wieder zu
02.03.2021 Der Onlinehandel brummt, die Liefer- und Kurierdienste ächzen - und trotzdem ist in diesem Jahr der Anteil des Gratis-Versands gestiegen. Der Wettbewerbsdruck unter Onlinehändlern steigt.
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Denn auch bei den Online-Shops brummte das Geschäft und zumindest einige Händler haben im Zuge des gestiegenen Bestellvolumens offenbar den Wettbewerbsvorteil der Gratis-Lieferung wiederentdeckt. Nachdem im Vorjahr die Zahl der bedingungslosen Gratislieferungen unter den deutschen Top-100-Shops rückläufig war (siehe iBusiness Exklusiv-Analyse Versandkosten - Gratis-Versand stirbt aus) , ist sie in diesem Jahr von neun auf 13 Prozent gestiegen.
Diesen Effekt mit einbezogen sind die durchschnittlichen Versandkosten über alle Top-100-Händler gegenüber dem Vorjahr gesunken - obwohl die Kosten bei den Händlern, die einen Versandpreis erheben, gestiegen sind. Konkret: Beim Versand gegen eine feste Kostenpauschale auf durchschnittlich 5,08 Euro (Vorjahr 5,01 Euro). Bei Versendern, die erst ab einem Mindestbestellwert kostenlos liefern, von 4,11 auf 4,40 Euro in diesem Jahr.
Wie schon im Vorjahr hat iBusiness für die Studie die Versandkonditionen der Top-100-Händler in Deutschland ermittelt. Grundlage bildete dafür das Top-100-Umsatzranking der größten deutschen Onlineshops des EHI Retail Instituts aus dem Herbst 2020. Zeitpunkt der Kostenermittlung war Ende Februar 2021.
Ausschlaggebend waren immer die in den Service-Bedingungen angegebenen Versandkosten für ein "normales" Paket. Extras, Aktionen, Incentivierungs-, Partnerprogramme oder andere Gimmicks wurden dabei nicht berücksichtigt. Standen mehrere Versandoptionen zur Verfügung, wurde der Standardversand zugrunde gelegt - in der Regel ist das die günstigste Versandart. Sondertarife wie Express-, Same-Day- oder Kurierdienste oder Sperrgut-Zuschläge wurden ebenso außen vorgelassen, wie insgesamt neun Händler, die aus anderen Gründen durchs Raster fielen. Beispielsweise:
- Das Angebot setzt eine Mitgliedschaft voraus (Shopping-Clubs) und die Versandkosten ließen sich ohne Mitgliedschaft nicht ermitteln.
- Die Lieferung erfolgt ausschließlich per Express oder Same Day (frische Lebensmittel).
- Verkauf erfolgt ausschließlich zu besonderen Lieferbedingungen (beispielsweise bei Gold- und Schmuckhändlern).
- Die Shops mussten inzwischen ihre Pforten schließen (Schwab, Comtech).
Retouren bleiben gratis
Insgesamt sind die Versandkostenpauschalen zwar gestiegen, die brummende ECommerce-Konjunktur und der damit verbundene Konkurrenzkampf haben aber auch dazu geführt, dass die Zahl der Shops, die mit Gratislieferung werben, um vier Prozentpunkte gegenüber Vorjahr gewachsen ist. Beinahe stabil ist die Zahl der Händler geblieben, die ab einem Mindestbestellwert die Versandkosten übernehmen.Die Zahl der Händler mit fester Pauschale hat deutlich stärker abgenommen. Diese Händler haben sich auch seltener getraut, die Gebühren anzuheben. Sie liegt beinahe konstant bei durchschnittlich 5,08 Euro (Vorjahr 5,01 Euro). Händler mit Mindestbestellwert waren da selbstbewusster: Bei ihnen stiegen die Pauschalen um beinahe 30 Cent. Viele Verbraucher haben sich also inzwischen daran gewöhnt, den Online-Einkauf als geldwerte Dienstleistung zu betrachten, die bequeme Lieferung nach Hause wird als Mehrwert geschätzt.
Überraschend stark gewachsen ist allerdings die Zahl der Händler, die den Kunden an etwaigen Rücksendekosten beteiligen. Zwar verzichtet eine überwältigende Mehrheit von 85 Prozent noch immer auf eine Kostenbeteiligung, aber die Zahl der Händler, die Gebühren erheben, wie es seit 2014 rechtlich zulässig ist, wächst: 2020 waren es lediglich acht Prozent der Händler, 2021 mit 15 Prozent schon fast doppelt so viele. Auffällig: Häufig ist vor allem, dass diese Information oft erst in den FAQs oder AGB gesucht werden muss. So erwecken manche Händler mit einem Self-Service-Retourenlabel den Anschein einer kostenlosen Rücksendung, ziehen dann aber die Portokosten vom Erstattungsbetrag ab.
Mehr Dienstleister - weniger Kosten
Spuren haben die Preiserhöhungen im Wettbewerb der Dienstleister hinterlassen. Zwar setzen ungefähr genauso viele Händler wie im Vorjahr auf zwei oder mehr Dienstleister, bei diesen Händlern sind die durchschnittlichen Versandkosten aber gegenüber Vorjahr deutlich gesunken.Nach wie vor gilt: Händler, die mehr als einen Dienstleister beauftragen, können deutlich günstigere Versandpauschalen bieten. Konkurrenz belebt das Geschäft.
Am häufigsten wird der Marktführer Deutsche Post DHL gewählt. 66 (Vorjahr 78) der Top-100-Händler verschicken ihre Pakete zumindest teilweise mit ihm. Von 38 (Vorjahr 39) Händlern wird (auch) der Dienstleister Hermes gewählt. UPS, DPD und GLS werden weniger häufig beauftragt, wobei auffällt, dass DPD-Händler besonders niedrige Pauschalen verlangen, während UPS und GLS offenbar bei komplexeren und teureren Szenarien Anwendung finden.
Große Unterschiede bei den Sortimenten
Versandhandel ist nicht gleich Versandhandel. Je nach Sortiment unterscheiden sich die Kundenansprüche teils deutlich. Die umsatzstärkste Produktgattung im E-Commerce ist Bekleidung. Hier ist der Anteil der Händler, die eine Versandpauschale erheben, mit 68 Prozent besonders hoch, gegenüber dem Vorjahr jedoch stark gesunken.Dieser Trend hat auch bei den Generalisten angehalten: Bei ihnen ist der Anteil der Händler, die eine feste Pauschale erheben, in diesem Jahr weiter gesunken. Schon im Vorjahr gab es diesen Trend, in diesem Jahr bieten erstmals 50 Prozent der Anbieter eine kostenlose Lieferung ab einem bestimmten Bestellwert (Vorjahr: 43 Prozent). Dafür sind die Versandkosten überdurchschnittlich hoch - und noch weiter gestiegen. Offenbar überwiegt hier das Interesse, den Warenkorbwert zu heben.
Einig waren sich im vergangenen Jahr noch die Händler im Bereich Drogerie und Gesundheit: Sie lieferten alle erst ab einem bestimmten Bestellwert gratis. In diesem Jahr hat sich das geändert: Der Anteil der bedingungslosen Gratislieferungen ist auf elf Prozent hochgeschnellt. Mögliche Erklärung: Das Drogerie- und Apothekennetz ist in der echten Welt (noch) so dicht, dass sich Versandkosten nur sehr schlecht durchsetzen lassen.
Stark unter Druck geraten ist dagegen die Unterhaltungselektronik-Branche. Im Vorjahr ist der Anteil der Unternehmen, die ausschließlich gegen Versandkostenpauschale liefern, um elf Prozentpunkte gestiegen - in diesem Jahr konnte er auf diesem Niveau verharren. Dafür haben die Gratislieferungen deutlich gewonnen und machen nun 21 Prozent aus.
