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Online-Reichweite: Page Impressions haben als Messgröße ausgedient

von sr

10.07.2007 Verweildauer statt Page Impressions: In den USA hat jetzt das erste Marktforschungsinstitut angekündigt, die Reichweiten von Online-Angebotnen künftig nicht mehr nach der Zahl der Seitenaufrufe zu bewerten. Statt dessen wird gemessen, wie viel Zeit einzelne Nutzer auf Websites verbringen. Auch in Deutschland beginnen die ersten Marktforscher, ihre traditionelle Messmethodik zu überdenken.

 (Bild: photocase.com/LasseSiegmund)
Bild: photocase.com/LasseSiegmund
Das US-amerikanische Marktforschungsinstitut Nielsen Netratings   geht künftig neue Wege, was die Messung der Reichweiten von Online-Angeboten betrifft. Wie das Unternehmen in einer aktuellen Pressemeldung   erklärt, werden sich die Marktforscher künftig nicht mehr ausschließlich Seitenaufrufe (Page Views) von Online-Angeboten messen. Stattdessen ermittelt Nielsen künftig, wie viel Zeit Internetnutzer auf Online-Angeboten verbringen.

Die neue Mess-Methode soll aussagekräftigere Daten über die Online-Nutzung liefern und ist eine Folge des Web 2.0. "Streaming-Formate etwa werden von Internetnutzern immer öfter genutzt", erklärt Scott Ross vom Produktmarketing bei Nielsen Netratings. "Die traditonelle Messemethode über Page Views wird dieser Art der Internetnutzung aber immer weniger gerecht."
So zählt bei der herkömmlichen Reichweitenmessung über Page Views bislang jeder Seitenaufruf gleich viel: egal ob ein Nutzer nur kurz eine Suchanfrage über Google   ausgeführt oder sich ein zweiminütiges Online-Video auf einem Content-Portal angesehen hat. Auch der vermehrte Einsatz von AJAX führt laut Nielsen dazu, dass das traditionelle Zählen einzelner Seitenaufrufe für die Reichweite nur noch bedingt aussagekräftig ist. Bei Websites auf AJAX-Basis etwa können Nutzer verschiedene Inhalte abrufen, ohne dass die Seite neu geladen werden muss. Früher dagegen haben Nutzer auf einem Content-Angebot weitere Inhalte abgerufen und in der Regel wurde die Seite dafür auch neu geladen. Jetzt ist das oft nicht mehr nötig, was laut Nielsen die Aussagekraft der Messgröße 'Page Impression' verschleiert.







Die zehn führenden Online-Marken im Mai 2007*
PlatzMarkeNutzungsdauer
1AOL25,0 Milliarden Minuten
2Yahoo  19,6 Milliarden Minuten
3MSN  10,6 Milliarden Minuten
4Fox Interactive  7,8 Milliarden Minuten
5Google  7,4 Milliarden Minuten
6Ebay  6,1 Milliarden Minuten
7Microsoft  3,7 Milliarden Minuten
8EA  3,5 Milliarden Minuten
9Apple  2,8 Milliarden Minuten
10Youtube  2,1 Milliarden Minuten

Quelle: Nielsen Netratings; *=gemessen nach der Zeit, die Internetnutzer im Mai 2007 auf diesen Angeboten verbracht haben.


Nach einem Bericht von Forbes   will Nielsen sogar künftig ausschließlich auf die neue Messgröße 'Zeit' setzen. Demnach wird das Marktforschungsinstitut zwar weiter Page Views zählen, diese Daten aber nicht mehr in Rankings publizieren.

Auch bei der deutschen Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung   (AGOF), die bislang die reichweitenstärksten Online-Medien nach Zahl der Unique Visitor rankt, stößt der Nielsen-Ansatz auf offene Ohren. "Wir arbeiten bereits seit längerem an Lösungsansätzen für den wachsenden Einsatz von Online-Videos und dynamischen Webtechniken wie AJAX", erklärt AGOF-Sprecherin Nadja Elias gegenüber iBusiness.

Wenn die Web-2.0-Entwicklungen eine "für alle Marktplaner relevante Größenordnung einnehmen und für die Online-Mediaplanung eine maßgebliche Rolle spielen", will auch die AGOF neue Messgrößen zur Verfügung stellen. Die technischen Voraussetzungen dafür hat die AGOF nach eigenen Angaben bereits geschaffen.

Erst Ende Mai hatte Mark Pohlmann , Web-2.0-Experte vom Hamburger Internet-Dienstleister SinnerSchrader   , kein gutes Haar an der AGOF gelassen: "Wir brauchen dringend eine funktionierende Reichweitenmessung", klagte er. "Und keine Werbebroschüre, die nicht mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten kann", kritisierte er die Methodik der AGOF (iBusiness berichtete).

Pohlmann warf der AGOF vor, dass nur die Reichweiten von Seiten gemessen werden, die auch von Vermarktern betreut werden. Er forderte aber "eine Totalerhebung" aller von deutschen Haushalten genutzten Internetseiten: "Google, Web 2.0, Social Networks: Netzwerke, auf denen keine Werbung der großen Vermarkternetzwerke geschaltet werden kann, existieren bei der Reichweitenmessung der AGOF nicht."

Thema: Online-Reichweite: Page Impressions haben als Messgröße ausgedient

Kommentar von sr

Nachvollziehbare Kurskorrektur

Künftig wollen Marktforscher die Reichweiten von Online-Angeboten in erster Linie dadurch messen, indem untersucht wird, wie lange Nutzer sich auf den betreffenden Angeboten aufhalten. Eine Entscheidung, die nicht nur nachvollziehbar ist, sondern auch längst überfällig war.

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 (Boris Giesl)
Bild: Boris Giesl
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Von:
Am: 11.07.2007

Zu: Online-Reichweite: Page Impressions haben als Messgröße ausgedient

absolut Richtig. PIs sagen halt gar nichts über das wirkliche Nutzerverhalten aus.

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