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Angst bis Hoffnung: So empfinden Menschen aus der Branche die Corona-Krise
22.05.2020 Manche haben Angst, andere reiben sich zwischen Homeoffice und Homeschooling auf, anderen wächst der Bauch, manche hoffen auf eine bessere Welt: iBusiness hat Interaktive nach ihren Gefühlen in der Krise gefragt.
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So gibt Axel Hoffmann, Marken- und Kommunikationsexperte bei der PR-Agentur Primus inter pares , seine "Verunsicherung" zu, Bernhard Jodeleit, Geschäftsführender Gesellschafter beim Kommunikationsgesellschafter Lots of ways GmbH , schreibt "Angst..."
Und Ulli Meinhardt etwa bemerkt zunehmende "'Budget Freezes', die mir so langsam doch Sorgen bereiten. Und die Covidioten, die die Krankheit kleinreden." Ungewissheit ist - wie könnte es anders sein - eines der größten Themen: Online-Marketingleiterin Fiona-Louise Karasek, A.T.U Auto-Teile-Unger , empfindet "Angst davor, wie es langfristig weitergeht. Ich bewundere, wie die Digitalisierung gerade im KMU-Bereich dadurch Fahrt aufgenommen hat. Aber wo stehen wir heute in einem Jahr? Wen gibt's dann noch? Wann wird die Ausnahmesituation wieder beendet? Wird sie das?"
Vor dem Hintergrund bekommen sonst nicht thematisierte Rahmenbedingungen ein bedeutendes Gewicht: So drückt auch schon mal das Wetter auf die globale Lage-Wahrnehmung und so gibt Hans-Jürgen Ferdinand Schütte auf die Frage nach dem Befinden nur "Heute: Am Tag als der Regen kam". Und wenn dann noch oben draufkommt, was sonst ausgesourct ist, dehnt man Belastungsgrenzen maximal aus: Maja Bott erwähnt hier "Wochenlange Doppelschichten Homeschooling / Homeoffice... irgendwann fall' ich einfach um" und spricht Eltern ebenso aus der Seele wie der freien Texterin Vera Münch , der ihre "Freizeit" fehlt.
Sehr differenziert fällt das Protokoll der Befindlichkeit von Magda Brömstrup aus: "Im Privatleben einen Mix aus Entspannung (zumindest bis vergangene Woche als mein Arbeitgeber wieder öffnen durfte) und Lehrkörper (das Söhnchen muss gehomeschoolt werden). Im Berufsleben gerade Stress pur weil die Leute uns die Bude einrennen. Im virtuellen Leben Müdigkeit weil es mir bis Oberkante Unterlippe steht, das ewige 'Corona, alle sterben an Corona' oder 'die Maßnahmen sind unverhältnismäßig'."
Das Virus namens Dummheit: Ärger über Verschwörungsdeppen und Egoisten
Doch das mit Abstand häufigste Thema ist der Schrecken vor dem Verhalten der Mitmenschen, genau gesagt: der Vergessenheit, die gegenüber den Schutzmaßnahmen an den Tag gelegt wird - die große Einigkeit in der Ursachen-Diagnose dieses Verhaltens ist erstaunlich, besonders für Social-Media, wo man kaum zwei Menschen findet, die in der Farbe eines Kleides übereinstimmen: Künstlerin Katja Hoffmann nennt dementsprechend hier "Die Dummheit anderer." Frauke Artz von der PR- und Marketing-Agentur Artz Consulting ergänzt hier die "Ignoranz von Fahrradfahrern und Fußgängern, (den) überfüllten Englischer Garten an Stellen, wo normalerweise nur Hundebesitzer sind", während auch Harry Henke, Head of E-Commerce & Social Media, AWG Allgemeine Warenvertriebs-GmbH , kurz und knapp "Die Dummheit von sehr vielen Menschen", ähnlich wie Norbert Nordbergh Diedrich, Communication Consultant and Copywriter : "Vibrierende Nerven durch die unfassbaren Reichweiten von Egoismus, Dummheit und Ignoranz in unserer Gesellschaft."
Jessica Burkhardt wundert sich über die Attitüde des "unsäglichen Egoismus, frei nach dem Motto 'nach mir die Sintflut' und 'sollen doch die Alten sterben, damit mein Aktienportfolio nicht noch weiter abkackt'". Und auch Sandra Wolf starrt in "die Abgründe der Menschheit (...) bei vielen in Form von Dummheit, Ignoranz und Egoismus. Das ist das Schlimmste an der Krise was mir Bauchweh bereitet." Dieser Zynismus macht auch Heidrun Flader zu schaffen: "Die unerträglichen Kommentare, a la 'die Alten wären doch eh bald gestorben'. Dass so eine Denke so schnell wieder salonfähig werden könnte, da schaudert es mich."
Und dann sind da noch die immun gegen Mundschutz und Sterilium zirkulierenden Erklärmodelle aus der spinnerten, meist rechts gelegenen Ecke, von denen die Kommentatoren genug haben: "Verschwörungstheorien - die werden immer blöder", schreibt Elle Stapfer. Lilian Gwendolyn Boehme, Projektmanagerin beim auf den strategischen Einkauf Beratungsunternehmen Sourcing on demand empfindet die Zeit etwa als "eine sehr interessante Sozialstudie zu der Verbreitung und Anhängerschaft von Verschwörungstheorien: Virus gibt es nicht, Virus ist harmlos (NYC, Italien, GB ist nur Show), Virus ist Absicht um Menschen zu versklavenden, Pädophile zu schützen..."
Manchmal bleibt aber nur der Humor übrig - den unterstellen wir hier einfach mal, wenn Reinhard Halbgewachs, Partner und HR-Consultant bei der Consulting-Firma Stanton Chase International , über sich verknappende Ressourcen klagt, nämlich "dass der Champagner zur Neige geht; aber Morgen soll neuer kommen." Wohin solch Quarantäne-Lebensstil führt, beklagt der kritisch an sich herabschauende Peter Voortman: "Wampe".
Corona und die Hoffnung: Die Chance auf eine bessere Gesellschaft in der Post-Corona-Ära
Doch auch die Gelegenheit in der Krise wird gesehen und aufgezeigt. Für Klaus Dietrich hat Corona auf bittere Weise Mängel aufgezeigt, die angepackt werden müssen : "Ich spüre vor allem Entsetzen, wie groß der Bildungsnotstand ist." Heike Bauer stellt fest, wie "Webinarangebote zum Verhalten im Homeoffice und der Nutzung von Zoom et cetera von Leuten (kommen), die Mobil- und Remoteworking noch in 2019 vehement abgelehnt haben", auch Su Franke, Kommunikationsberaterin bei der Corporate Dialog GmbH bemerkt "digitale Angebote, die vorher 'unmöglich' waren." Und Tomas Renner, Leiter des Redaktionsbüros für Chrono24 hofft auf eine Änderung der Gesellschaft zum besseren in der Post-Corona-Ära - er spürt aktuell eine "höhere Bereitschaft und Wille(n) aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Konzepte zu hinterfragen (sowie eine) größere Zuversicht, dass sich da in Zukunft etwas ändern lässt."Zwischenmenschliches ist aber ebenso Gegenstand der Kommentare: Carsten Buchholz vom Dienstleister für Software & Services für Bitcoin- und Blockchain BB Kiss spürt hier vor allem: "Kein Tango." Doch nicht immer dominiert hier das Verlustgefühl: Die freie Journalistin und iBusiness-Autorin Andrea Mayer-Halm freut sich: "Andrea Mayer-Halm Ich lerne meine Nachbarn alle besser kennen. Ist sehr schön." Nicola Straub , Managementberatung und IT von Physalia.de notiert "mehr Familienzeit - und glücklicherweise stellt sich raus, dass wir uns sehr sympathisch sind. Auf der anderen Seite komme ich durch die vermehrte Familienzeit zu wenig zum (Erwerbs-)Arbeiten..." Professor Eku Wand (HBK-BS ) spürt eine "Wohltuende Entschleunigung" und Monika E. König, Beraterin Organisation und Datenverarbeitung beim Supply-Chain-Dienstleister Inconso GmbH Inconso Gmbh , nutzt die Zeit positiv: "Luft holen. Downsizing. Kreativ werden."
