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Stellenmarkt 2017: Der Wettlauf der Agenturen um die technische Kompetenz
28.07.2017 Ob Qualitätssicherung, Systemadministratoren, Berater oder Systemingenieure: Deutschlands digitale Unternehmen suchen neben Programmierern auch immer mehr Techniker, wie eine aktuelle iBusiness-Auswertung zeigt. Technische Mitarbeiterkompetenz wird zum Überlebensfaktor für Agenturen und Dienstleister.
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Anfang März 2017 übersprang die Zahl der ausgeschriebenen Positionen der Interaktivbranche auf iBusiness.de/jobs erstmals die Marke von 6.700. Das ist ein Zehntel mehr als zum Jahreswechsel. Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. Noch dramatischer zeigt sich die Situation, wenn man sie mit unserer Auswertung vom Januar 2015 vergleicht: Damals waren es rund 4.300 offene Stellen gewesen, die unser Jobrobot gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt hat: Ein Zuwachs von über der Hälfte (56 Prozent).
Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Sommer 2017: Stellenanzeigen-Höchststände in mehr als der Hälfte aller Interaktiv-Gewerke
Die Entwicklung bei den ausgeschriebenen Stellen folgt seit Jahren dem Bild einer schrägen Treppe: Über das Jahr hinweg steigt die Zahl der aktiven Stellenanzeigen eher langsam an, bevor sie kurz vor oder kurz nach dem jeweiligen Jahreswechsel einen deutlichen Sprung nach oben macht.Das ist auf dem Chart deutlich zu sehen: zu Beginn des Jahres 2015, noch deutlicher im Jahr 2016. Und auch 2017 geht es im Februar und März deutlich nach oben und verbleibt seitdem stabil auf dem hohen Niveau. Nun ist ein Plateau jenseits der 6.500 Jobangebote erreicht, die zu jeder analysierten Kalenderwoche gleichzeitig online ausgeschrieben sind. Ende Juli 2016 zählte unser Job-Crawler 6.734 laufende Positionen in weit über 5.300 laufenden Stellenanzeigen.
Analysiert man die 13 Jobrubriken einzeln, so fällt auf, dass die Alltime-Highs in elf davon im Jahr 2017 liegen. Vier davon (Design, Onlinemarketing, Vertrieb und Administration/Office) im März und weitere vier (Programmierung, SEM/SEO, Redaktion/Info-Broking sowie Training/Coaching) sogar in der aktuellen Woche. Bei ECommerce-Mitarbeitern liegt der Scheitelpunkt im vergangenen Sommer, bei Projektleitern im vergangenen Herbst.
Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (866 - 16 Prozent mehr als zu Jahreswechsel 2016/2017) und Designer (803). Schaut man in die ausgeschriebenen Funktionen, dann sieht man, dass vor allem Mitarbeiter in der (Software-)Qualitätssicherung gesucht werden sowie Systemadministratoren, technische Berater und Systemingenieure zur Konzeption komplexer Architekturen.
Auf den folgenden Plätzen sind es in den Wunschlisten
- Onlinemarketer (618)
- Vertriebsmitarbeiter (609)
- Consultants (584) sowie
- Projektleiter (453)
Dieser Trend in Richtung internetgestützter Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle (Branchensprech: "Digitale Transformation") zeigt, dass sich die Projekte in den vergangenen 24 Monaten deutlich verändert haben. Nur eine Website oder nur ein Onlineshop - das wird von Kunden weniger nachgefragt. Infolgedessen ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für ECommerce-Experten zwar konstant, liegt aber deutlich unter der Zahl des Vorjahrs. Das mag aber auch daran liegen, dass die Entwicklung der ECommerce-Stellenausschreibungen in den vergangenen Jahren immer relativ zyklisch gewesen ist. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs im September steigt in den vergangenen Jahren die Zahl der ausgeschriebenen ECommerce-Positionen traditionell genauso wie zum Jahreswechsel. Man wird im September sehen, ob das auch dieses Jahr der Fall ist, oder ob die ECommerce-Kompetenz mittel und langfristig bei Agenturen und Dienstleistern weniger stark nachgefragt wird.
Bislang dient der (B2B-)Onlineshop vor allem im Mittelstand nach wie vor als Herzstück eines digitalen Umbaus. Allerdings ist ECommerce-Prozess-Knowhow etwas, das zunehmend direkt in den Unternehmen selber angesiedelt wird. Die Folge ist, dass die Unternehmen selber ECommerce-Personal suchen, indem sie mit dem Staubsauger durch den Markt gehen. Stellenanzeigen von Onlineshops oder Unternehmen selbst werden von unserem Jobrobot allerdings nicht erfasst, sodass beispielsweise operative ECommerce-Stellenausschreibungen in unserer Statistik durch den Rost fallen. Tatsächlich sind ein Großteil der bei Agenturen erfassten ECommerce-Stellenanzeigen spezielle Entwicklerpositionen, Projektleiter oder vertriebsnahe Positionen.
Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 146 Tagen. Das ist fast ein Monat länger als noch zum Jahreswechsel 2016/2017 - und 25 Tage länger als vor einem Jahr. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor fünf Monaten live gegangen.
Besonders schwer zu finden sind Designer, Konzeptioner, SEO-Experten und Berater: Durchschnittlich sieben Monate dauert es, einen SEO-Experten zu finden, sechseinhalb Monate für einen Designer oder Konzeptioner, und fünf Monate, um einen Berater einzustellen. Am schnellsten (3,1 Monate) finden die Agenturverantwortlichen gegenwärtig Content-Experten. Auch Programmierer (knapp vier Monate) sind mittlerweile nicht mehr exorbitant schwierig zu finden - wenn man die Standzeit der Programmierer-Stellenanzeigen als Maßstab nimmt. Offensichtlich ist die Wechselwilligkeit hier inzwischen höher geworden.
Der schon vor geraumer Zeit von uns beobachtete doppelte Effekt - einerseits mehr Stellenausschreibungen, andererseits eine gleich lange Standzeit der einzelnen Stellenanzeigen - zeigt, dass der Fachkräftemangel gerade bei der Dienstleistungsbranche zu einem immer drängenderen Problem wird. Das liegt zum einen daran, dass der Digitalanteil in den Unternehmen steigt. Weil diese traditionell besser bezahlen als Agenturen, wandern diese High-Potentials von Dienstleistern in die Industrie ab. Zum anderen gibt es mehr Dienstleistungsunternehmen, mehr Gründer und weniger Berufseinsteiger, die diese Lücke füllen können.
Die wachsende Nachfrage nach technisch hochkompetenten Mitarbeitern - Technikern wie Programmierern - zeigt, wie knapp diese Ressource geworden ist. Der Kampf um die Köpfe wird für Agenturen und Dienstleister zu einem immer entscheidenderen Faktor für den Erfolg - und zunehmend auch für das Überleben. Immer öfter werden Agenturfusionen und -übernahmen damit begründet, die knapper werdende Ressource 'Personal' einzukaufen - während es in der Vergangenheit oft um Kundenbeziehungen oder um spezifisches Knowhow ging (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte Onlinemarketing: So groß ist die Recruiting-Konkurrenz für Agenturen").
