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Stellenmarkt 2017: Der Wettlauf der Agenturen um die technische Kompetenz

28.07.2017 Ob Qualitätssicherung, Systemadministratoren, Berater oder Systemingenieure: Deutschlands digitale Unternehmen suchen neben Programmierern auch immer mehr Techniker, wie eine aktuelle iBusiness-Auswertung zeigt. Technische Mitarbeiterkompetenz wird zum Überlebensfaktor für Agenturen und Dienstleister.

 (Bild: geralt/ Pixabay)
Bild: geralt/ Pixabay

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Die Zahl der von Chefs deutscher Interaktiv-Dienstleister und Agenturen gesuchten Mitarbeiter steigt auch im Jahr 2017. In elf der 13 von uns untersuchten Gewerke stieg die Zahl der gesuchten Mitarbeiter auf neue All-Time-Höchststände. Lediglich ECommerce-Mitarbeiter und Projektleiter wurden 2017 weniger oft gesucht als im vergangenen Jahr 2016. Bei der Hälfte der Gewerke stammen die Höchststände sogar aus den vergangenen vier Wochen.

Anfang März 2017 übersprang die Zahl der ausgeschriebenen Positionen der Interaktivbranche auf iBusiness.de/jobs   erstmals die Marke von 6.700. Das ist ein Zehntel mehr als zum Jahreswechsel. Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. Noch dramatischer zeigt sich die Situation, wenn man sie mit unserer Auswertung vom Januar 2015 vergleicht: Damals waren es rund 4.300 offene Stellen gewesen, die unser Jobrobot gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt hat: Ein Zuwachs von über der Hälfte (56 Prozent).

Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.

	Laufende Interaktiv-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs
Laufende Interaktiv-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs (Grafik: iBusiness.de/jobs)

Sommer 2017: Stellenanzeigen-Höchststände in mehr als der Hälfte aller Interaktiv-Gewerke

Die Entwicklung bei den ausgeschriebenen Stellen folgt seit Jahren dem Bild einer schrägen Treppe: Über das Jahr hinweg steigt die Zahl der aktiven Stellenanzeigen eher langsam an, bevor sie kurz vor oder kurz nach dem jeweiligen Jahreswechsel einen deutlichen Sprung nach oben macht.

Ausgeschriebene Interaktiv-Stellenanzeigen in Deutschland nach Gewerken
Ausgeschriebene Interaktiv-Stellenanzeigen in Deutschland nach Gewerken (Grafik: iBusiness.de/jobs)
Das ist auf dem Chart deutlich zu sehen: zu Beginn des Jahres 2015, noch deutlicher im Jahr 2016. Und auch 2017 geht es im Februar und März deutlich nach oben und verbleibt seitdem stabil auf dem hohen Niveau. Nun ist ein Plateau jenseits der 6.500 Jobangebote erreicht, die zu jeder analysierten Kalenderwoche gleichzeitig online ausgeschrieben sind. Ende Juli 2016 zählte unser Job-Crawler 6.734 laufende Positionen in weit über 5.300 laufenden Stellenanzeigen.

Analysiert man die 13 Jobrubriken einzeln, so fällt auf, dass die Alltime-Highs in elf davon im Jahr 2017 liegen. Vier davon (Design, Onlinemarketing, Vertrieb und Administration/Office) im März und weitere vier (Programmierung, SEM/SEO, Redaktion/Info-Broking sowie Training/Coaching) sogar in der aktuellen Woche. Bei ECommerce-Mitarbeitern liegt der Scheitelpunkt im vergangenen Sommer, bei Projektleitern im vergangenen Herbst.

Laufende Programmierer-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs
Laufende Programmierer-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs (Grafik: iBusiness.de/jobs)
Im Sommer 2017 sind es - wie auch schon in den vergangenen Jahren - immer noch vor allem die Programmierer (1.732), die von den Agenturen gesucht werden. Doch der Anstieg ist hier besonders dramatisch: Denn das sind 70 Prozent mehr ausgeschriebene Stellen als noch vor zwei Jahren, als republikweit knapp über tausend Programmiererstellen ausgeschrieben waren. Inzwischen suchen Interaktiv-Dienstleister und Agenturen in mehr als jeder vierten Stellenanzeige einen Programmierer.

Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (866 - 16 Prozent mehr als zu Jahreswechsel 2016/2017) und Designer (803). Schaut man in die ausgeschriebenen Funktionen, dann sieht man, dass vor allem Mitarbeiter in der (Software-)Qualitätssicherung gesucht werden sowie Systemadministratoren, technische Berater und Systemingenieure zur Konzeption komplexer Architekturen.

Auf den folgenden Plätzen sind es in den Wunschlisten
  • Onlinemarketer (618)
  • Vertriebsmitarbeiter (609)
  • Consultants (584) sowie
  • Projektleiter (453)
die vor allem von den Dienstleistern, Agenturen und Internetunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell besonders dringend gesucht werden.

Laufende Techniker-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs
Laufende Techniker-Stellenanzeigen KW 1/2015 bis KW 29/2017 auf iBusiness.de/jobs (Grafik: iBusiness.de/jobs)
Diese Reihung der nachgefragtesten Mitarbeiter zeigt, dass es den meisten Geschäftsführern aktuell mal wieder verstärkt um Neukundengeschäft geht. Der unaufhaltsam wachsende Bedarf an Consultants zeigt, dass die zu akquirierenden neuen Projekte wohl vor allem margenstarke Beratung rund um digitale Transformation enthalten sollen.

Dieser Trend in Richtung internetgestützter Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle (Branchensprech: "Digitale Transformation") zeigt, dass sich die Projekte in den vergangenen 24 Monaten deutlich verändert haben. Nur eine Website oder nur ein Onlineshop - das wird von Kunden weniger nachgefragt. Infolgedessen ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für ECommerce-Experten zwar konstant, liegt aber deutlich unter der Zahl des Vorjahrs. Das mag aber auch daran liegen, dass die Entwicklung der ECommerce-Stellenausschreibungen in den vergangenen Jahren immer relativ zyklisch gewesen ist. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs im September steigt in den vergangenen Jahren die Zahl der ausgeschriebenen ECommerce-Positionen traditionell genauso wie zum Jahreswechsel. Man wird im September sehen, ob das auch dieses Jahr der Fall ist, oder ob die ECommerce-Kompetenz mittel und langfristig bei Agenturen und Dienstleistern weniger stark nachgefragt wird.

Bislang dient der (B2B-)Onlineshop vor allem im Mittelstand nach wie vor als Herzstück eines digitalen Umbaus. Allerdings ist ECommerce-Prozess-Knowhow etwas, das zunehmend direkt in den Unternehmen selber angesiedelt wird. Die Folge ist, dass die Unternehmen selber ECommerce-Personal suchen, indem sie mit dem Staubsauger durch den Markt gehen. Stellenanzeigen von Onlineshops oder Unternehmen selbst werden von unserem Jobrobot allerdings nicht erfasst, sodass beispielsweise operative ECommerce-Stellenausschreibungen in unserer Statistik durch den Rost fallen. Tatsächlich sind ein Großteil der bei Agenturen erfassten ECommerce-Stellenanzeigen spezielle Entwicklerpositionen, Projektleiter oder vertriebsnahe Positionen.

Entwicklung der Berufsgattungen in der Interaktiv-Branche nach Index Januar 2017 bis Juli 2017
Entwicklung der Berufsgattungen in der Interaktiv-Branche nach Index Januar 2017 bis Juli 2017 (Grafik: iBusiness.de)
Wenn man die Zahl der im Januar 2017 von deutschsprachigen Dienstleistern, Agenturen und Unternehmen gesuchten Mitarbeiterarten mit den aktuellen offenen Stellen in diesen Gewerken vergleicht, dann zeigt sich, dass seit Jahresanfang vor allem Techniker und Berater stärker nachgefragt werden. Jeweils knapp ein Fünftel mehr Stellenanzeigen werden hier geschaltet. Ebenfalls stärker nachgefragt werden Trainer - dies allerdings von einem sehr niedrigen Niveau. Ebenfalls mehr nachgefragt werden Programmierer (plus zehn Prozent) und Redakteure (plus neun Prozent). Das zeigt, dass das Thema Content-Marketing nach wie vor bei Agenturen einen hohen Stellenwert hat - einen, der aktuell sogar noch steigt.

Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder

Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.

Durchschnittliche Standzeit ausgelaufener Interaktiv-Stellenanzeigen KW1/2014 bis KW29/2017
Durchschnittliche Standzeit ausgelaufener Interaktiv-Stellenanzeigen KW1/2014 bis KW29/2017 (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 146 Tagen. Das ist fast ein Monat länger als noch zum Jahreswechsel 2016/2017 - und 25 Tage länger als vor einem Jahr. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor fünf Monaten live gegangen.

Besonders schwer zu finden sind Designer, Konzeptioner, SEO-Experten und Berater: Durchschnittlich sieben Monate dauert es, einen SEO-Experten zu finden, sechseinhalb Monate für einen Designer oder Konzeptioner, und fünf Monate, um einen Berater einzustellen. Am schnellsten (3,1 Monate) finden die Agenturverantwortlichen gegenwärtig Content-Experten. Auch Programmierer (knapp vier Monate) sind mittlerweile nicht mehr exorbitant schwierig zu finden - wenn man die Standzeit der Programmierer-Stellenanzeigen als Maßstab nimmt. Offensichtlich ist die Wechselwilligkeit hier inzwischen höher geworden.

Der schon vor geraumer Zeit von uns beobachtete doppelte Effekt - einerseits mehr Stellenausschreibungen, andererseits eine gleich lange Standzeit der einzelnen Stellenanzeigen - zeigt, dass der Fachkräftemangel gerade bei der Dienstleistungsbranche zu einem immer drängenderen Problem wird. Das liegt zum einen daran, dass der Digitalanteil in den Unternehmen steigt. Weil diese traditionell besser bezahlen als Agenturen, wandern diese High-Potentials von Dienstleistern in die Industrie ab. Zum anderen gibt es mehr Dienstleistungsunternehmen, mehr Gründer und weniger Berufseinsteiger, die diese Lücke füllen können.

Die wachsende Nachfrage nach technisch hochkompetenten Mitarbeitern - Technikern wie Programmierern - zeigt, wie knapp diese Ressource geworden ist. Der Kampf um die Köpfe wird für Agenturen und Dienstleister zu einem immer entscheidenderen Faktor für den Erfolg - und zunehmend auch für das Überleben. Immer öfter werden Agenturfusionen und -übernahmen damit begründet, die knapper werdende Ressource 'Personal' einzukaufen - während es in der Vergangenheit oft um Kundenbeziehungen oder um spezifisches Knowhow ging (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte Onlinemarketing: So groß ist die Recruiting-Konkurrenz für Agenturen").

Was bis 2018 auf uns zukommt

Agenturen und Systemhäuser buhlen zusammen mit Werbeagenturen und Unternehmen immer stärker um dieselben Mitarbeiter; denn die Arbeitsteilung zwischen Frontend und Backend, zwischen Marketing, Brand und Prozess verschwimmt in Zeiten von sich stärker digitalisierenden Unternehmen. Immer mehr (vor allem kleine) Agenturen werden sich zu virtuellen Agenturnetzwerken zusammenschließen - zunehmend auch mit stark technisch orientierten Dienstleistern, damit sie bei Themen wie Sicherheit, BI, CRM oder Automatisierung nicht ausgeschlossen werden. Die Zahl der Übernahmen von kleinen und mittelständischen Interaktiv-Agenturen durch größere Konkurrenten sowie durch Dienstleister außerhalb der klassischen Internet-Umgebung wird wohl in Zukunft ebenso anhalten wie die Zahl der Unternehmen, die sich einfach ihre Agentur zukaufen, um ihren Bedarf an kompetentem Personal schnell zu decken.
Thema: Stellenmarkt 2017: Der Wettlauf der Agenturen um die technische Kompetenz

Kommentar von Joachim Graf

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