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Digitalwirtschaft: Mitarbeiter verzweifelt gesucht
04.08.2016 Noch nie seit Beginn unserer Statistik haben deutschsprachige Internet-Dienstleister mehr Mitarbeiter gesucht als gegenwärtig. Die Dmexco 2016 wird wohl zur großen Abwerbe- und Recruiting-Veranstaltung. Besonders schlimm ist es in einem Berufsfeld geworden.
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Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. Noch dramatischer zeigt sich die Situation, wenn man sie mit unserer Auswertung vom Januar 2015 vergleicht: Damals waren es rund 4.300 offene Stellen gewesen, die unser Jobrobot gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt hat: Ein Zuwachs von 43 Prozent.
Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Es werden immer mehr Experten in allen Gewerken gesucht
Schon in den Jahren 2013 und 2014 lag die Zahl der ausgeschriebenen einzelnen Interaktiv-Positionen stets oberhalb der 4000er-Marke.
Verfolgt man die (orange) Sieben-Monats-Trendlinie, so ist zu beobachten, dass die Zahl der ausgeschriebenen Jobs bis zur Dmexco 2015 kontinuierlich anstieg, um dann bis Ende November wieder leicht abzuflachen. Seit da geht es steil nach oben. Erst in den vergangenen Wochen beruhigte sich der Anstieg ein wenig, bedingt durch die Urlaubszeit. Wie jedes Jahr seit Beginn unserer Analyse schreiben Agenturen und Dienstleister Ende Juli / Anfang August etwas weniger Stellen aus als davor oder danach.
Ein geringer Teil des Anstiegs im März ist auf die Verbesserung des iBusiness-Jobrobots zurückzuführen: Er findet nun Jobs auf Agentur-Webseiten wesentlich besser. Das ist jedoch nur maximal für einen kleinen einstelligen Prozentwert verantwortlich.
Der Spitzenwert seit Beginn unserer Aufzeichnungen von 6.300 gleichzeitig ausgeschriebenen Positionen wurde Anfang Mai erreicht.
Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (747) und Designer (726). Diese Reihenfolge ist seit Anfang 2014 unverändert. Auf den folgenden Plätzen sind es in den Wunschlisten
- Onlinemarketer (535)
- Vertriebsmitarbeiter (501)
- Consultants (480) sowie
- Projektleiter (429)
Die Zahlen belegen die wachsende Nachfrage in allen Interaktiv-Gewerken. Besonders die Zahl der Stellenanzeigen für Onlinemarketer hat in den vergangenen drei Monaten zugelegt - von bereits hoher Basis aus. Die Marketing-Stellenanzeigen überholten erstmals seit langer Zeit wieder die Zahl der Anzeigen für Vertriebsmitarbeiter.
Den Trend in Richtung internetgestützter Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle (Branchensprech: "Digitale Transformation") belegt vor allem das Wachstum bei den ausgeschriebenen Stellen für ECommerce-Experten. In der Vergangenheit war deren Zahl vergleichsweise stabil. Seit einigen Wochen werden von deutschsprachigen Dienstleistern deutlich mehr Commerce-Experten gesucht (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte E-Commerce: Ein Job- und Bildungsdilemma").
Offenbar dient der Onlineshop zunehmend vor allem im Mittelstand als Herzstück eines digitalen Umbaus, weswegen mehr ECommerce-Knowhow in den auf E-Commerce spezialisierten Agenturen und Dienstleistern benötigt wird.
Dies bestätigt sich, wenn man die Zahl der im Januar 2015 von deutschsprachigen Dienstleistern, Agenturen und Unternehmen gesuchten Mitarbeiterarten mit den aktuellen offenen Stellen in diesen Gewerken vergleicht.
Hier stellt man fest, dass sich die Zahl der gesuchten ECommerce-Experten in den vergangenen 18 Monaten mehr als verdoppelt hat. Auch Onlinemarketer und SEO-Experten werden inzwischen wieder verstärkt gesucht: Stellenanzeigen, in denen SEO-Experten gesucht werden, hat der iBusiness-Jobrobot 83 Prozent mehr gefunden. Für Online-Marketer werden mittlerweile 81 Prozent mehr Stellenanzeigen geschaltet als noch im Januar 2015. Auch Konzeptioner und Programmierer werden deutlich mehr gesucht. Stärker allerdings ist die Zahl der Administrations-Stellenanzeigen gewachsen (plus 55 Prozent). Hier zeigt sich offensichtlich, dass Agenturen und Dienstleister mittlerweile so groß geworden sind und über mehr Niederlassungen verfügen als früher, sodass Bürokräfte und Office-Manager verstärkt nachgefragt werden.
Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 170 Tagen (gegenüber 120 Tagen im Herbst 2015). Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor sechs Monaten live gegangen.
Besonders schwer zu finden sind Designer, Programmierer und Konzeptioner: Durchschnittlich acht Monate dauert es, eine Design-Stelle zu besetzen, sieben Monate, einen Konzeptioner oder einen Programmierer zu finden. Am schnellsten (2,8 Monate) findet man SEO- und SEM-Mitarbeiter.
Der schon vor drei Monaten beobachtete doppelte Effekt - einerseits mehr Stellenausschreibungen, andererseits eine längere Standzeit der einzelnen Stellenanzeigen zeigt, dass sich der Fachkräftemangel verschärft. Das liegt zum einen daran, dass der Digitalanteil in den Unternehmen steigt. Weil diese traditionell besser bezahlen als Agenturen, wandern High-Potentials von Dienstleistern in die Industrie ab. Zum anderen gibt es mehr Dienstleistungsunternehmen, mehr Gründer und weniger Berufseinsteiger.
Der Kampf um die Köpfe wird für Agenturen und Dienstleister zu einem immer entscheidenderen Faktor für den Erfolg - und zunehmend auch für das Überleben. Denn die großen Agenturnetzwerke, Consultingfirmen und Systemhäuser - sowie die traditionell besser zahlenden Kundenunternehmen - sitzen für gewöhnlich weiter vorne in der Nahrungskette. Sie alle werben auch bei den größeren Interaktivagenturen die guten Leute ab - nicht nur im E-Commerce und im Onlinemarketing (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte Onlinemarketing: So groß ist die Recruiting-Konkurrenz für Agenturen"). Die großen Agenturen wiederum wildern bei den kleineren Agenturen.
Wer aber nicht ausreichend gute Mitarbeiter auf der Payroll hat, kann im Wettbewerb um lukrative (Bestands-)Kunden langfristig nicht mithalten. Das wiederum treibt die Agentur-Konzentration voran. Agentur-Alleinstellungsmerkmal sowie strategisches Personalmarketing und HR werden zum entscheidenden Faktor für das Agentur-Überleben.
