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Stellenmarkt 2017: Wenn Unternehmen mangels Mitarbeitern scheitern
10.01.2017 Noch nie seit Beginn unserer Stellenmarkt-Statistik haben deutschsprachige Internet-Dienstleister mehr Mitarbeiter gesucht als zurzeit. Das Jahr 2017 wird zum Verdrängungswettkampf. Gewinnen tut der, der Mitarbeiter interessieren und binden kann.
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Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. Noch dramatischer zeigt sich die Situation, wenn man sie mit unserer Auswertung vom Januar 2015 vergleicht: Damals waren es rund 4.300 offene Stellen gewesen, die unser Jobrobot gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt hat: Ein Zuwachs von knapp der Hälfte (47 Prozent).
Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Jahreswechsel 2016/2017: Stellenanzeigen-Höchststände in mehr als der Hälfte aller Interaktiv-Gewerke
Schon in den Jahren 2013 und 2014 lag die Zahl der ausgeschriebenen einzelnen Interaktiv-Positionen stets oberhalb der 4000er-Marke.
Ein geringer Teil des Anstiegs im März ist auf die Verbesserung des iBusiness-Jobrobots zurückzuführen: Er findet nun Jobs auf Agentur-Webseiten wesentlich besser. Das ist jedoch nur maximal für einen kleinen einstelligen Prozentwert verantwortlich. Doch abgesehen von einer kleinen Delle in der Urlaubszeit reißt die Stellenanzeigen-Menge nicht ab.
Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (737 - zehn Prozent weniger als im Frühjahr) und Designer (mit 761 ein All-Time-High). Dass mittlerweile mehr Designer als Techniker gesucht werden (die Reihenfolge war seit Anfang 2014 unverändert) liegt vermutlich daran, dass immer mehr technische Funktionen entweder in die Cloud wandern - oder von den Kundenunternehmen inhouse erledigt werden.
Auf den folgenden Plätzen sind es in den Wunschlisten
- Vertriebsmitarbeiter (558)
- Onlinemarketer (541)
- Consultants (523) sowie
- Projektleiter (427)
Die Zahlen belegen die wachsende Nachfrage in fast allen Interaktiv-Gewerken. In mehr als der Hälfte aller Gewerke markierte der Dezember-Stand auch gleichzeitig den Höchststand der ausgeschriebenen Positionen in den vergangenen zwei Jahren. Bei den Top-Jobs sind es Vertrieb und Consulting, bei denen neue Nachfrage-Höchststände erreicht sind.
Den Trend in Richtung internetgestützter Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle (Branchensprech: "Digitale Transformation") belegt vor allem das zum Jahreswechsel 2016/2017 wieder anziehende Wachstum bei den ausgeschriebenen Stellen für ECommerce-Experten. Die Entwicklung der ECommerce-Stellenausschreibungen war in den vergangenen Jahren immer relativ zyklisch. Im Sommer - kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs - wurden mehr Positionen ausgeschrieben. Ebenfalls zum Jahreswechsel. Das ist auch aktuell der Fall (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte E-Commerce: Ein Job- und Bildungsdilemma").
Offenbar dient der Onlineshop vor allem im Mittelstand nach wie vor als Herzstück eines digitalen Umbaus, weswegen mehr ECommerce-Knowhow in den auf E-Commerce spezialisierten Agenturen und Dienstleistern benötigt wird. Dass die Jahresendspitze nicht so prominent ausfällt, kann unter anderem daran liegen, dass wir 2016 eine Fülle von Agentur-Fusionen gerade bei ECommerce-Agenturen gesehen haben. Diese Fusionswelle ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass gerade der Agentur-Mittelstand auf andere Art kaum bis gar nicht den steigenden Personalbedarf schnell genug decken kann.
Die Unternehmen werben bei den Agenturen Personal ab, die großen Agentur-Marken gehen mit dem Staubsauger durch den Markt und versprechen geile Projekte - für die anderen, die oben mitspielen wollen, bleiben die Übernahmen als einzige Alternative.
Hier stellt man fest, dass sich die Zahl der gesuchten ECommerce-Experten in den vergangenen 18 Monaten fast verdoppelt hat. Auch Onlinemarketer werden deutlich stärker nachgefragt - ähnlich wie Trainer, doch bei diesen ist die Gesamtzahl der Stellenanzeigen mit aktuell unter 100 relativ überschaubar. Deutlich überproportional ist die Zahl der Redakteurs- und Administrations-Stellenanzeigen gewachsen (plus 72 Prozent). Bei den einen boomt das Thema Content-Marketing. Bei den anderen zeigt sich offensichtlich, dass Agenturen und Dienstleister mittlerweile so groß geworden sind und über mehr Niederlassungen verfügen als früher, dass Bürokräfte und Office-Manager verstärkt nachgefragt werden.
Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 124 Tagen. Das entspricht in etwa dem Wert von vor einem Jahr. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor vier Monaten live gegangen.
Besonders schwer zu finden sind Designer, Onlinemarketer und Konzeptioner: Durchschnittlich acht Monate dauert es, eine Design-Stelle zu besetzen, sechs Monate, einen Onlinemarketer und fünfeinhalb Monate, um einen Konzepter zu finden. Am schnellsten (2,8 Monate) finden die Agenturverantwortlichen gegenwärtig Techniker. Auch Programmierer sind mittlerweile nicht mehr exorbitant schwierig zu finden - wenn man die Standzeit der Programmierer-Stellenanzeigen als Maßstab nimmt. Offensichtlich ist die Wechselwilligkeit hier inzwischen höher geworden.
Der schon vor geraumer Zeit von uns beobachtete doppelte Effekt - einerseits mehr Stellenausschreibungen, andererseits eine gleich lange Standzeit der einzelnen Stellenanzeigen - zeigt, dass sich der Fachkräftemangel zu einem immer drängenderen Problem wird. Das liegt zum einen daran, dass der Digitalanteil in den Unternehmen steigt. Weil diese traditionell besser bezahlen als Agenturen, wandern High-Potentials von Dienstleistern in die Industrie ab. Zum anderen gibt es mehr Dienstleistungsunternehmen, mehr Gründer und weniger Berufseinsteiger.
Der Kampf um die Köpfe wird für Agenturen und Dienstleister 2017 zu einem immer entscheidenderen Faktor für den Erfolg - und zunehmend auch für das Überleben. Denn die großen Agenturnetzwerke, Consultingfirmen und Systemhäuser - sowie die traditionell besser zahlenden Kundenunternehmen - sitzen für gewöhnlich weiter vorne in der Nahrungskette. Sie alle werben auch bei den größeren Interaktivagenturen die guten Leute ab - nicht nur im E-Commerce und im Onlinemarketing (iBusiness: "Stellenmarkt-Landkarte Onlinemarketing: So groß ist die Recruiting-Konkurrenz für Agenturen"). Die großen Agenturen wiederum wildern bei den kleineren Agenturen.
Was 2017 auf uns zukommt
Wir werden darum 2017 zwei Trends verstärkt sehen:- Immer mehr (vor allem kleine) Agenturen schließen sich zu virtuellen Agenturnetzwerken zusammen
- Die Zahl der Übernahmen von kleinen und mittelständischen Interaktiv-Agenturen durch größere Konkurrenten sowie durch Dienstleister außerhalb der klassischen Internet-Umgebung (aka: Werbeagenturen, PR-Netzwerke, Systemhäuser) wird 2017 weiter steigen.
