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Exklusiv-Studie: Darum sind Marktplätze wichtiges Standbein für Händler
01.12.2020 Während im stationären Handel vielerorts ums Überleben gekämpft wird, floriert der E-Commerce. Vor allem steigt dort der Umsatzanteil, der auf Marktplätze entfällt. Wie wichtig das Marktplatzgeschäft ist, zeigt eine repräsentative Studie von iBusiness.
Neben den Vorreitern Amazon und Ebay sind mittlerweile auch große Marken wie Otto , Zalando , Intersport , Douglas ,H&M oder Mediamarkt auf den Plattform-Zug aufgesprungen und haben ihre Shops für externe Händler geöffnet. Zuletzt hatte die ECommerce-Beratung Ecom Consulting errechnet, dass sich zum Jahresanfang 2020 die Zahl der Online-Marktplätze im DACH-Raum auf 177 beläuft. Kein Wunder, denn die Bedeutung der Marktplätze im E-Commerce wird wichtiger und das Marktplatzgeschäft nimmt tendenziell zu, denn Marktplätze wie auch kleine, mittlere und größere Händler sowie Marken stellen sich breiter auf. Gerade im Corona-Jahr dürfte es weitere Marktverschiebungen im E-Commerce, insbesondere Richtung Marktplätze, geben. Viele große Plattformbetreiber haben Initiativen aufgelegt, um vor allem den vielen kleinen Stationärhändlern den Einstieg in den Onlinehandel zu ermöglichen. Denn bisher sind die wenigsten der oft inhabergeführten Geschäfte im Internet ordentlich vertreten. Für diese Unternehmen sind Marktplätze besonders attraktiv. Sie bieten ECommerce-Treibenden die finanziellen, personellen und technischen Ressourcen, um den steigenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, ohne in technische Infrastruktur, Hosting und Design investieren zu müssen. Deshalb sind Marktplätze für immer mehr Unternehmen eine willkommene Lösung für Corona und das daraus resultierende Handelsdilemma.
Die Auswertung über die Vertriebswege, die die Deutschen nutzen, um Waren im Internet zu verkaufen, zeigt deutlich, wie wichtig Marktplätze sind. Gerade bei Produkten, die selbst hergestellt werden, und beim Vertrieb von Handelswaren sind Marktplätze wie Ebay, Amazon und Spezialplattformen mittlerweile zum dominierenden Online-Verkaufskanal geworden. Insgesamt steht hier der Onlineshop sogar dahinter an. (Zu beachten bei diesen Zahlen ist, dass in der Studie Personen, die regelmäßig Waren im Internet verkaufen, befragt wurden. Bei ihnen wurde zum einen abgefragt, was/wo sie selber online verkaufen und zum anderen, welchen Vertriebsweg ihr Unternehmen, in dem sie arbeiten, nutzt. In diesen Zahlen sind also nicht nur die Unternehmen enthalten, sondern beispielsweise auch der kleine Ebay-Verkäufer, der einen Warenwert von 50 Euro online umsetzt.)
Und dieser Trend wird vorerst anhalten: Ralf Priemer , CEO und Mitgründer des ECommerce-SaaS-Anbieters Channel Pilot Solutions , beobachtet beispielsweise durch die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im angebrochenen Weihnachtsgeschäft eine noch stärkere Verschiebung zum Onlinehandel, als ohnehin schon in 2020. Sein Unternehmen habe Kunden, die aktuell auf mehreren hundert Vertriebskanälen präsent sind. "Neben den größten Kanälen, wie Google Shopping, Amazon, Idealo, Facebook, Instagram oder Ebay gibt es noch ganz viele für bestimmte Branchen, auf denen es sich lohnt, präsent zu sein. Gerade in diesem Weihnachtsgeschäft sollte das jeder Händler nutzen, der schon einen Online-Shop hat, um den Umsatz-Rückgang im stationären Bereich auszugleichen", rät er Shopbetreibern und Händlern. Dass der Abverkauf über Plattformen stark zunimmt, erklärt auch Franz Jordan , CEO von Sellics , zumindest was den Branchenprimus Amazon angeht. So gebe es in Deutschland seit Beginn der Krise im März deutlich mehr Umsätze und Besucher auf Amazon. "Im Vergleich zu 2019 gab es zwischen März und Juli zum Beispiel etwa 120 Prozent mehr Werbeklicks auf Amazon.de für Advertiser bei Sellics", argumentiert Jordan. "Der Einzelhandel ist zwar nicht von den neuen Lockdown-Maßnahmen betroffen, aber die Schließung von vielen anderen Einrichtungen und die generelle Unsicherheit werden dazu führen, dass sich der Konsum insgesamt und speziell die Weihnachtseinkäufe noch weiter in den Online-Bereich verschieben."
Nach der Umsatzentwicklung gefragt, zeigen sich die deutschen Onlinehändler insgesamt recht positiv gestimmt. Bei allen Umsatzgrößen sagt die Mehrheit, dass ihre Umsätze gestiegen beziehungsweise gleich geblieben sind. Ein detaillierterer Blick zeigt, dass je höher der Unternehmensumsatz ist, desto höher die Einschätzungen der Umsätze ausfallen. Bei den Unternehmen, die mehr als eine Million Umsatz jährlich generieren, sagt mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent), dass ihr Umsatz entweder deutlich gestiegen (37 Prozent) beziehungsweise gestiegen (16 Prozent) ist. In dieser Clustergruppe ist allerdings auch der Anteil der Unternehmen, deren Umsatz 2020 stark zurückgegangenen ist (21 Prozent), am höchsten.
Bei der Umsatzauswertung zu den Umsätzen nach Vertriebskanal zeigt sich vor allem, dass die Umsätze über den Onlineshop 2020 sich besonders gut entwickelt haben. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Umsatz über den Shop gewachsen (21 Prozent) beziehungsweise stark gewachsen ist (24 Prozent). Über das Marktplatzgeschäft von Amazon und Ebay verzeichneten im Vergleich die wenigsten ECommerce-Treibenden Umsatzsprünge. Nichtsdestotrotz bleibt das Marktplatzgeschäft der beiden ECommerce-Boliden ein wichtiges Umsatz-Standbein: Immerhin haben für 53 Prozent der Befragten die Umsätze das Vorjahresniveau erreicht. Im Vergleich dazu haben sich die Umsätze über Spezialplattformen wie Etsy oder auch Second-Hand-Börsen (Kleiderkreisel) stärker entwickelt.
Auch bei der Frage nach dem gewinnträchtigsten Kanal zeigt sich ein klares Bild. Egal wie hoch der Unternehmens-Umsatz ist, den größten Gewinn wirft der eigene Onlineshop ab. Was die Marktplätze betrifft, kann man aus den vorliegenden Daten schlussfolgern, dass mit abnehmendem Unternehmens-Umsatz Marktplätze als margenstärkster Kanal gewertet werden. Nicht zu verachten bei sämtlichen Unternehmensgrößen ist der Einzelhandel, der nach wie vor gute Gewinne für Händler abwirft.
Für die überwältigende Mehrheit der befragten Händler, die über mehrere Plattformen im Web Waren/Dienstleistungen verkaufen, ist Ebay der lukrativste Marktplatz (63 Prozent). Mit nur 16 Prozent der Stimmenanteile liegt die Attraktivität von Amazon deutlich hinter der von Ebay. Ebenfalls deutlich hinter der Lukrativität von Ebay abgeschlagen sind lokale Marktplätze, die für zehn Prozent der Händler interessant sind. Die restlichen elf Prozent entfallen auf andere Marktplätze wie Rakuten, Hood, Real, Aliexpress oder Etsy.
Gefragt danach, für welches Produkt welcher Marktplatz am lukrativsten ist, hat ebenfalls in sämtlichen Produktkategorien mehrheitlich Ebay die Nase vorn, gefolgt von Amazon. Ein ganz ähnliches Bild zeigt bei der Attraktivität nach Umsatz: Ebay ist Spitzenreiter vor Amazon.
Lukrativster Marktplatz nach eigenem Umsatz
Lukrativster Marktplatz nach Unternehmens-Umsatz
