Jetzt zum Webinar anmelden
Agenturwert berechnen
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Die zehn gefährlichsten Abzocker des Internets
20.03.2015 Sie wollen nur Ihr Bestes: Ihr Geld. Sie arbeiten als Affiliate, Programmierer, SEO oder Anwalt - und wenn man ihnen die Hand schüttelt, zählt man besser Finger nach. iBusiness stellt die zehn ehrenwertesten Geschäftsleute des Webs vor.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
Gibt man im iBusiness Relation Browser den Begriff 'Betrug' ein, so generiert unsere semantische Datenbanksuche eine Tagcloud aller artverwandten Begriffe zum Thema, basierend auf iBusiness-Berichten. Das Ergebnis ist eine erste Orientierung darüber, wo im Web die meisten Tretminen vergraben liegen: Die Begriffe 'E-Commerce' und 'SEA' erscheinen besonders groß, was besonders vielen Erwähnungen im Betrugsumfeld entspricht. Aber kein Begriff erscheint so groß wie "Affiliate". Wie brisant das Thema Betrug in diesem Segment ist, hat iBusiness in seiner Analyse Affiliate in Deutschland: Schwächelnder Markt mit Betrugs-Problem dargelegt - und sich in der Branche nur begrenzt beliebt gemacht. Doch linke Dinger im Internet sind kein Privileg der Affiliates.
Auch im SEO wimmelt es vor Geschäftsleuten, die Marken nicht gut tun: Man muss nicht so weit gehen, um sich in die niederen Gefilde des sogenannten Negativ-SEOs zu begeben (der in dieser Analyse ausführlich vorgestellt wird). Es reicht vollkommen, an die falschen zu geraten: Technik-Optimierer, deren Tellerrand beim Zusammensammeln von minderwertigen Backlinks endet, die sie dann kostenpflichtig wieder abbauen, wenn sie auf's Ranking drücken.
Hier sind zehn besonders gefährliche Exemplare von Abzockern, die im Web jagen:
1. Der Abmahnvampir
Seine Jagdgründe sind das Web - wahrscheinlich finden Sie einen, wenn Sie ein beliebiges Impressum eines Onlineshops öffnen: Oft kauert er dort, labt sich an einer fehlenden Telefonnummer oder einem Zahlendreher in der Handelsregisternummer. Der Abmahnvampir ist immun gegen Knoblauch oder Sonnenlicht: Die einzige Sprache, die er versteht ist Gesetzestext - und die spricht er meist besser als seine Opfer. Und statt Blut saugt er Euros. Wahllos in seiner Lust auf dieses Lebenselixier stürzt er sich auf arglose Jugendliche, die urheberrechtlich geschützte Fotos posten ebenso wie auf Elektronik-Shops, die in den Produktdaten die Energie-Effizienzklasse unterschlagen.
Was man gegen ihn tun kann: Hilfreich ist einzig und allein, schlauer zu sein als er. Etwa durch vorbeugende Immunisierung der eigenen Webseite gegen seine Fänge - eine Abwehr-Anleitung gibt es auf iBusiness in der Analyse Zwölf ECommerce-Rechtsfallen: Die neuen Jagdgründe der Abmahnanwälte 2015. Im E-Commerce bietet eine Reihe von Diensten vollautomatisch rechtssichere AGB, Impressum und andere Systemteile an.
2. Der ad-tzende Türsteher
Von der Dorfdisko bis zum großstädtischen Edeltanzschuppen sind sie die Hürde, die jeder Gast nehmen muss: die Türsteher. Sie sind die Herren darüber, wer rein darf und wer nicht - und eine gehörige Prise Willkür dabei, wen sie durchlassen und wen nicht, ist das Salz in ihrer Lebenssuppe.
Auch im Web gibt es eine Spielart ihrer Spezies: Die ad-tzenden Türsteher. Sie werden gerne mit den redlichen und bei Nutzern beliebten Adblockern verwechselt, deren Aufgabe es ist, keine Werbung in den Browser hineinzulassen. Der ad-tzende Türsteher macht es etwas anders: Er hält klammheimlich die Hand auf und lässt für einen Obolus jeden rein. Whitelisting nennt sich diese Praxis. Statt seinen Job richtig zu machen und wirklich die Werbung draußen zu halten, ist der ad-tzende Türsteher nichts weiter als eine Schranke, die sich hebt, wenn man Geld reinwirft. Bezahlt wird er also von Marken dafür, dass er Werbung durchlässt, die sie schon gebucht haben - und dafür, dass er den einzigen Job nicht erledigt, weswegen ihn die Nutzer eingestellt haben: Werbung draußen zu halten.
Was man gegen ihn tun kann: Benutze keine käuflichen Adblocker.
3. Der Adressverzeichnis-Betreiber
Er verspricht Ihnen, dafür zu sorgen, dass Sie jeder findet. Bei diesem Google . Für einen nicht allzu kleinen, aber auch nicht so großen Geldbetrag, dass er schmerzen würde, trägt er Sie dann in sein magisches Adressverzeichnis ein. Das hat - glaubt man ihm - die Kraft, immer ganz oben aufzutauchen, wenn jemand nach Ihnen oder Ihrer Dienstleistung sucht - was ganz viele Kunden bringt. Tatsächlich verstaut er das Adressverzeichnis jedoch wieder ganz weit hinten in seiner schlecht sortierten Bibliothek und malt stattdessen lieber Nackedei-Bilder von Pornoseiten ab (siehe Foto), die er mit ihrem Geld abonniert.
Weil sich rumgesprochen hat, dass seine Leistung nichts taugt und man bestenfalls auf Google im zweistelligen Ergebnisseiten-Bereich landet, verschickt der Adressverzeichnis-Betreiber auch gerne mal als Rechnungen getarnte Bestellungen und wartet dann auf Arglose, die bezahlen - während er schweinische Bilder von Youporn abmalt. Immerhin macht ihm die deutsche Rechtsprechung das Leben inzwischen schwer (iBusiness berichtete).
Was man gegen ihn tun kann: In den Papierkorb mit vermeintlichen Rechnungen und Aufforderungen, sich in nie gesehene Verzeichnisse einzutragen. Vor allem bei Messeverzeichnissen, die nicht vom Messeveranstalter stammen, ist Schnellentsorgung angesagt.
4. Der SEO-Cleaner
Jeder, der fleißig Mafia-Filme guckt, weiß: Der Killer killt Leute. Und der Cleaner räumt hinter ihm auf (=lässt die Leichen verschwinden). Der SEO-Cleaner lässt Webseiten verschwinden - die von der Konkurrenz. Wenn man ihm ganz viel Geld gibt. Behauptet er zumindest. Dummerweise stimmt das überhaupt nicht. Gibt man dem Negativ-SEO ganz viel Geld, dann baut er für die Seiten der Mitbewerber miese Links auf und macht anderen Stuss, den Google nicht mag. So lange bis die Seite aus den SERPs rutscht. Allerdings gibt es keinen nachgewiesenen Fall, in denen Negativ-SEO substanziellen Schaden angerichtet hätte. Geschieht den Typen ganz recht, die diese Dienstleistung aus der Kloake des Internet-Marketings buchen.
Was man gegen ihn tun kann: Glaub' ihm kein Wort.
5. Der Geiselnehmer
Er ist mal SEO, mal SEA-Experte, macht in Real Time Bidding oder einer anderen Marketingdisziplin. Er kommt zunächst ganz nett und hilfreich rüber, er will Geld, klar - aber: er macht seinen Job. Als SEO beispielsweise bringt er die Seite in der Suche nach oben. Und dazu gehört halt auch, dass er Backlinks aufbaut. Oder er macht SEA/RTB und baut tolle Kampagnen. Soweit so wenig bedrohlich. Doch wehe man sagt dem Link-Geiselnehmer, man wolle ihm untreu werden - sprich: mal einen anderen Anbieter testen, andere SEOs sehen, die Agentur wechseln. Dann setzt er einem die Knarre an die Birne und sagt: "Kündige die Zusammenarbeit mit mir und ich baue alle Links ab, die ich aufgebaut habe / und deine Konten bleiben bei mir / ich behalte alle gesammelten Kundendaten".
Was man gegen ihn tun kann: Man sollte ihm trotzdem den Laufpass geben. Er droht zwar, scharf zu schießen, aber selbst wenn er ernst macht, erholt man sich doch wieder von der Verletzung. Besser als eine auf Einschüchterung aufgebaute Beziehung fortzuführen.
6. Der Vertipper-URL-Host
Er ist wahlweise ein Affiliate-Ganove oder einfach nur ein Ganove. Man findet ihn im Web unter fast-seriösen, fast-richtig-geschriebenen Webadressen, bei denen halt nur ein Buchstabe gedreht, weggelassen oder verdoppelt wurde - in der Hoffnung Traffic von Menschen abzugreifen, deren Hände und Gehirne beim Tippen asynchron arbeiten - was auf etwa 98 Prozent der Menschheit zutrifft. Auf den Zielseiten lauern oft Gewinnspiele mit Abofallen oder als Marken-Shops getarnte Affiliate-Seiten, die auf arglose Nutzer warten, die glauben, sie kommunizierten mit der seriösen Marke statt mit einem Vertipper-URL-Host.
Was man gegen ihn tun kann: Klicke auf nichts, was auf seinen Seiten liegt. Melde Vertipper-Domains an den Besitzer der Originaldomain. Laut BGH sind die Vertipper-Domains nämlich rechtswidrig .
7. Der Virologe
Der Virologe bietet Software an, gerne kostenfrei als Open Source - das wäre echt nett von ihm, wären in seinen Produkten nicht Viren, Trojaner, andere Malware oder schlicht irgendwelcher Advertising-Schrott eingebaut, der sich richtig tief in den Innereien des Systems verbeißt und nur noch schwierig zu entfernen ist. Gerne handelt es sich bei der Seuche, die einem der Virologe auf den Rechner holt, um Toolbars, die den Nutzer zu Abofallen oder Gutscheinportalen lenken sollen. Oder aber er ist richtig schön dreist und lenkt den Nutzer zu Seiten, auf denen kostenpflichtige Anti-Virussoftware angeboten wird; mit der kann er dann angeblich all die ekligen Popups, Toolbars oder manipulierten Browserstartseiten wieder entfernen, die ihm der Virologe selbst eingebrockt hat. Quasi ein wenig so, als würde die Feuerwehr selbst Feuer legen.
Was man gegen ihn tun kann: Vor jedem Herunterladen tut eine Google-Recherche zu Produkt und Anbieter Not. Dort findet man in der Regel sehr prominent Beschwerden. Auch ein Blick in die Bewertungen von Download-Portalen hilft manchmal.
8. Der Gebraucht-PR-Händler
Er handelt mit kaltem Kaffee, den er so geschickt darbietet, dass keinem mehr auffällt, dass das Getränk ja gar nicht dampft: Der Gebraucht-PR-Händler hat keine Neuigkeiten im Angebot, deswegen versucht er sich etwas mediale Aufmerksamkeit zu ergaunern, indem er seine Meldungen getarnt unter dem Radar der Relevanzprüfung durchschleust. Er verschickt beispielsweise alte Pressemeldungen einfach noch ein zweites Mal. Oder er formuliert Mitteilungen so vortrefflich zweideutig bis sie eindeutig neu aussehen.
Da wird etwa ein Unternehmen als Vorreiter einer Technik geschildert ("ABC ist erster deutscher Anbieter von ....). Ist nicht gelogen: ABC war vor drei Jahren der erste, auch wenn es inzwischen zwanzig andere Anbieter gibt. Aber hey - was kann die PR-Agentur dafür, wenn die Redakteure den Anschein haben müssen, ABC sei aktuell der erste und damit auch der einzige seiner Art. Nur weil die Neuigkeit beim Rest der Welt ganz oben steht, muss das ja beim Gebraucht-PR-Händler nicht so sein.
Was man gegen ihn tun kann: Als (Online-)Redakteur und Blogger prinzipiell nichts glauben, was in einer Pressemitteilung steht - immer nachrecherchieren und Plausibilität prüfen.
9. Der Brand-Bidder und Ad-Hijacker
Noch einer aus den schlecht beleuchteten Gebieten des Affiliate-Territoriums. Der Brandbidder und Ad-Hijacker baut die SEA-Anzeigen bekannter Marken nach und bietet dann in Adwords auf die Markennamen. So schleust er Nutzer, die glauben, es mit einer Ad der gesuchten Marke zu tun zu haben, aus den Google-Ergebnisseiten zu sich - und zwar zu einer nur Sekundenbruchteile aufblitzenden Zwischenseite. Deren einziger Zweck ist es, dem Nutzer einen Affiliate-Cookie unterzujubeln. Voilà - er kassiert beim Verkauf des angezeigten Produktes eine Affiliate-Provision. Die Marke bezahlt statt ihres CpC-Gebotes die deutlich höhere Affiliate-Provision. Da Marken sowas nicht richtig gut finden, agiert der Brandbidder meistens zu nachtschlafenden Uhrzeiten, wenn kein Marketingverantwortlicher, dem auffallen könnte wie der Such-Traffic wegbricht, mehr wach ist.
Was man gegen ihn tun kann: SEA-Analytics-Anbieter prüfen in Echtzeit, ob ein Ad-Hijacker bei Ihrer Marke unterwegs ist.
10. Der Referenzkunden-Fänger
Wer in Google nach "Referenzkundenmasche" sucht, findet der Beratungs-Websites gleich dutzendfach, so verbreitet ist das Phänomen. Der Referenzkunden-Fänger klingelt gerne zweimal. Einmal am Telefon und dann an der Haustür. Im Telefonat stellt er sich beispielsweise als Anbieter von Webdienstleistungen vor (zum Beispiel Homepage-Programmierung) und bietet konkurrenzlos günstige Leistungen an, denn er brauche noch ein paar Referenzkunden, um damit zu werben. Er könne also eine ganz, ganz günstige Homepage bauen, solange er nur mit dem Namen des Kunden werben dürfe, weil man ihn gerne als Referenzkunden für eine Branche oder eine Region verwenden möchte.
Das zweite Mal kommt der Referenzkunden-Fänger dann gerne persönlich vorbei und quatscht dem Referenz-Kunden mit Überredung und Druck einen Vertrag an die Backe, in dem die Leistungen festgelegt werden. Der hat dann aber nur wenig mit dem günstigen Schnäppchen gemein, das in Aussicht gestellt wurde; stattdessen weist er regelmäßige, überraschend hohe Kosten auf. Aber, so die Versicherung, wenn man ganz ganz schnell unterschreibe, bekomme man die Referenzkundenvergünstigungen - die allerdings aus technisch-formalen Gründen leider, leider nicht in den Vertrag geschrieben werden dürften - man solle dem Verkäufer und seinen blauen Augen nur trauen.
Was man gegen ihn tun kann: Nur glauben, was im schriftlichen Vertrag steht. Über jeden Vertrag mindestens eine Nacht schlafen. Passus streichen, die man nicht versteht.
(Danke für Inspirationen an Klaus Kuenen und Ömer Atiker von Click Effect ).
