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Homeoffice-Analyse: Was Corona wirklich verändert hat

06.07.2020 Homeoffice als das 'Neue Normal' ist in etwa so realistisch wie Homeschooling als das neue Normal. Dem stehen Defizite in der Infrastruktur und die Grenzen der Belastbarkeit im Weg. Exklusive iBusiness-Zahlen legen nahe, dass wieder das Büro das Normal der Post-Corona-Ära sein wird.

Die Auswertung von iBusiness zeigt, dass die Corona-Krise für manche Berufsgruppen ein regelrechter Homeoffice-Turbo gewesen ist. (Bild: Free-Photos / Pixabay)
Bild: Free-Photos / Pixabay
Die Auswertung von iBusiness zeigt, dass die Corona-Krise für manche Berufsgruppen ein regelrechter Homeoffice-Turbo gewesen ist.

HANDLUNGSRELEVANZ

 
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Manche Berufsgruppen haben wegen Corona erst das Tor zur Homeoffice-Nutzung aufgestoßen - außerdem gibt es ein Ost-/West-Gefälle.
iBusiness hat in einer exklusiven Umfrage untersucht, wie sich die Corona-Pandemie und der einhergehende Lockdown auf die Homeoffice-Nutzung in Deutschland ausgewirkt haben. Teilgenommen haben in der letzten Juni-Woche 2020 dabei 1.039 Menschen, die 2020 schon im Homeoffice gewesen sind. Gefragt haben wir mit Hilfe des Online-Portals von Appinio  , die Ergebnisse sind bevölkerungsrepräsentativ.

Die aktuelle Lage zeigt, dass die meisten Leute aus der Diaspora eines Vollzeit-Homeoffices zurückgekehrt sind: Etwa sechs von zehn arbeiten einige Stunden oder Tage im Homeoffice, die strenge Variante eines dauerhaften/dauerhaften Homeoffices mit Präsenztagen nutzt nur noch ein Drittel der Menschen. Dabei sind die Unterschiede zwischen dem vermeintlich strengen Bayern und dem Corona-Restriktionen eher locker handhabenden NRW kaum in den Daten sichtbar - man hat sich hier im Bundesländervergleich aneinander angeglichen. Primus bei der dauerhaften Homeoffice-Nutzung ist Hamburg, hier sitzt ein Drittel der Befragten im Dauer-Heimbüro, Schlusslicht beim dauerhaften Homeoffice ist Sachsen-Anhalt.

Die Option des Homeoffices wird aktuell auf einer weiten Bandbreite unterschiedlicher Intensität genutzt.
Die Option des Homeoffices wird aktuell auf einer weiten Bandbreite unterschiedlicher Intensität genutzt. (Grafik: HighText Verlag)

Es gibt eine grundsätzliche Lücke zwischen alten und neuen Bundesländern, wenn es darum geht, wie viele Menschen vor Corona noch nie im Homeoffice gewesen sind. Hier zeigt sich, dass Corona besonders vielen Abstimmenden aus dem Osten Deutschlands erstmals die Option von Homeoffice gebracht hat: In den alten Bundesländern haben vier von zehn (39 Prozent) Menschen vor Corona noch nie daheim gearbeitet, in den neuen Bundesländern mit fünf von zehn (47 Prozent) fast die Hälfte. Die Qualität des Internets ist indes zwischen Ost- und Westdeutschland kein sonderlich ausgeprägter Unterschied: Im Osten stimmen 41 Prozent der Aussage voll oder eher zu, die Verbindung sei ein Frustfaktor, im Westen sind es 38 Prozent, die sich über die Konnektivität ärgern.

Deutlich ausgeprägte Unterschiede zeigt die Sortierung nach Berufsgruppen: Während die Corona-Krise in manchen Jobs nur wenige Menschen erstmals ins Homeoffice geführt hat, sind in anderen Sparten die Hälfte der Abstimmenden Homeoffice-Novizen der Post-Corona-Ausbruch-Ära: Auf Seiten der Kreativen sind nur etwa zwei von zehn Abstimmenden ganz neu im Homeoffice, was daran liegen dürfte, dass wir es hier mit einem sehr hohen Freelancer-Anteil zu tun haben. Zum Vergleich zeigt sich beim klassischen Bürojob des Verwaltungsangestellten oder Sachbearbeiters eine hohe Neulingsquote bei den Heimarbeitern - jeder zweite Befragte hier saß erst nach dem Corona-Ausbruch erstmals im Homeoffice.

Spitzenreiter bei den Neuzugängen im Homeoffice sind die Verwaltungs-/Sachbearbeiter: 50 Prozent der Berufsgruppen-Zugehörigen, die aktuell im Homeoffice sitzen, tun dies erstmals.
Spitzenreiter bei den Neuzugängen im Homeoffice sind die Verwaltungs-/Sachbearbeiter: 50 Prozent der Berufsgruppen-Zugehörigen, die aktuell im Homeoffice sitzen, tun dies erstmals. (Grafik: HighText Verlag)

Schaut man sich an, welche Berufsgruppen vor Corona regelmäßig bis dauerhaft im Homeoffice gearbeitet haben und vergleicht das mit den entsprechenden Werten nach dem Ausbruch der Pandemie, so zeigt sich:
  • In Marketing, Beratung und Sachbearbeitung/Verwaltung hat Corona den Anteil der Heimarbeiter gesteigert.
  • In der IT hat sich kaum etwas geändert.
  • In einigen Berufsgruppen ist der Homeoffice-Anteil deutlich zurückgegangen: Neben Kreation (minus zwölf Prozent) sind dies Vertrieb (minus 8 Prozent) und vor allem Management (minus 22 Prozent). Bei den letzten beiden Berufsgruppen legt dies nahe, dass Manager und Vertrieb nun offenbar das vor Corona regelmäßig genutzte Homeoffice verlassen und den Arbeitsdruck mittels Präsenz und Außenterminen erhöhen. Vielleicht mit dem Ziel, Verluste aus der Lockdown-Zeit auszugleichen.

Vertrieb und Management sowie Kreation haben vor Corona höhere Homeoffice-Anteile gehabt, als aktuell. Diese Berufsgruppen scheinen nun stärker als vor Corona auf die Präsenzarbeit zu setzen, eventuell um Defizite aus der Krise auszugleichen.
Vertrieb und Management sowie Kreation haben vor Corona höhere Homeoffice-Anteile gehabt, als aktuell. Diese Berufsgruppen scheinen nun stärker als vor Corona auf die Präsenzarbeit zu setzen, eventuell um Defizite aus der Krise auszugleichen. (Grafik: HighText Verlag)

Verschiedene Formen von Problemen haben zahlreiche Menschen im Homeoffice - der am häufigsten genannte Stressgrund hier ist die Ablenkung: Ein Homeoffice ist in vielen Fällen kein isolierter und der Arbeit vorbehaltener Raum, so dass viele Faktoren ein Viertel der Befragten ablenken. Jeder Fünfte gibt sogar offen psychologische Probleme bei der Arbeit im Homeoffice zu.

Nervfaktor Nummer eins im Homeoffice ist die Ablenkung - 26 Prozent aller Abstimmenden sagen, dies trifft auf ihre Lage  zu oder sogar sehr zu.
Nervfaktor Nummer eins im Homeoffice ist die Ablenkung - 26 Prozent aller Abstimmenden sagen, dies trifft auf ihre Lage zu oder sogar sehr zu. (Grafik: HighText Verlag)

Corona hat also
  • besonders die typischen Büro-Jobs mit hohem Anteil Festangestellter ins Homeoffice gebracht, während die freelancer-reichen Kreativen dort schon häufig vor Corona daheim gewesen sind.
  • Auffällig ist die gesunkene Quote regelmäßiger Heimarbeiter bei den Managern und Vertrieblern, die nun eventuell auf verstärkte Präsenz setzen, um die Defizite aus der Zeit des Lockdowns auszugleichen.
  • Mit zunehmenden Lockerungen zeigt sich das Homeoffice eher als unregelmäßig-sporadisches Phänomen, das tageweise oder stundenweise genutzt wird, weniger jedoch als der neue Dauerzustand.
Und für viele, viele Arbeitnehmer ist es nicht eine gleichwertige Alternative zum Büro, sondern gestaltet sich als eine nervliche, logistische und technische Herausforderung.
Thema: Homeoffice-Analyse: Was Corona wirklich verändert hat

Kommentar von Sebastian Halm

Homo Officium statt Homeoffice

Homeoffice ist für viele Arbeitnehmer eher das Corona-Normal als das normale Normal.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
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