Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
1:1-Marketing: Warum Whatsapp die Zukunft der Kundenkommunikation ist
20.08.2015 Während Facebook an Beliebtheit verliert, suchen Marketer nach neuen Kanälen für die noch persönlichere Kundenansprache. Und sie sind fündig geworden: Messenger-Apps - Whatsapp, der Facebook Messenger oder Snapchat - haben das Potenzial, die individuelle Kundenkommunikation auf eine neue Ebene zu heben. Warum die Apps so interessant für Mobile-Marketing sind, welche Strategien funktionieren und wie man das Messenger-Marketing im schlimmsten Fall versaut, zeigt die iBusiness-Analyse.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
Außerdem nutzen immer mehr Nachrichtenmagazine wie Ntv oder das Satireportal Postillon die Apps als Newsletterersatz und bieten darüber Nachrichtenabos an.
All diese Early Adopter folgen mit ihrer Kommunikation den Vorlieben der Nutzern. "Chat-Apps sind die Zukunft der Kommunikation", ist sich Chris Moore, Vizepräsident Chat-API vom Anbieter von Cloud-Kommunikationslösungen Nexmo sicher. "Während die Beliebtheit von Netzwerken wie Facebook eher abnimmt, werden die Messenger immer beliebter", argumentiert er.
Gleichzeitig rüsten sich die Messengerdienste für die B2C-Nutzung, um Unternehmen bei ihrer Kundenkommunikation mit neuen Funktionen zu unterstützen. Nebenbei hegen sie den Wunsch, ihre Apps auf diese Art langfristig zu monetarisieren, was aktuell noch nicht funktioniert: Whatsapp verdient bisher keinen Cent an Outfittery oder Daimler.
Das bieten die Messenger und so werden sie genutzt
Whatsapp:Whatsapp soll in Zukunft offiziell zum Kanal für Kundenkommunikation werden. Das kündigte Facebooks Finanzchef David Wehner im Mai auf einer Technologie-Konferenz an. "Wir glauben, dass B2C-Messaging enormes Potenzial für uns hat", sagte er. Die Antwort auf die Frage, wie genau die B2C-Strategie aussehen soll, bleibt er schuldig. Die Anpassungen seien eher langfristig geplant. Macht nichts, denken sich scheinbar viele Unternehmen und nutzen Whatsapp trotzdem. Einfacher wird es für sie, seit es eine Desktop-Variante gibt.
Facebook Messenger:
Weiter ist Facebook mit seinem Messenger. Zum einen lässt sich die Chat- und Nachrichten-App künftig ohne einen Account bei Facebook nutzen. Zum andern plant Facebook einen eigenen App-Store für den Messenger. Nutzer sollen dort Zusatzfunktionen wie Sticker oder animierte Gifs für den Chat kaufen können, den Versandstatus verfolgen oder einen Tisch im Restaurant reservieren können. Mit einem neuen Software-Development-Kit (SDK) steht die Plattform nun auch Entwicklern offen. Hinzu kommt das neue Feature Businesses on Messenger , das aktuell von einigen US-Unternehmen getestet wird. Es soll zur Kundenkommunikation, Beratung, Service und voraussichtlich auch zum Onlineshopping dienen. Auch neu bei Facebook in den USA: ein Peer-to-Peer-Bezahldienst über den Messenger.
Wechat und Line: Vorbild für die beiden in der westlichen Welt populärsten Messenger sind die im asiatischen Raum verbreiteten Kommunikations-Apps Wechat und Line . Denn sie sind in Sachen Marketing und E-Commerce wesentlich weiter als ihre amerikanischen Pendants und haben ihre Plattformen schon seit Längerem für Marketing-Aktionen geöffnet. Wechat zum Beispiel hat knapp 500 Millionen Nutzer und verdient sein Geld unter anderem mit dem Verkauf von Stickern, Games, Werbung und gebrandeten Accounts. Es gibt Features für die Kundenkommunikation und es werden Kauf- sowie Bezahlfunktionen angeboten. Wechat ist gerade dabei, sich außerhalb der wichtigsten Länder China und Indien Marktanteile zu sichern und hat die App in 20 Sprachen übersetzt, darunter Deutsch. Dennoch ist sie in Europa kaum verbreitet.
Snapchat:
Noch sind im Marketing hierzulande nur Whatsapp und der Facebook Messenger relevant. Darüber hinaus sollten Marketer für die Zukunft den Nachrichten-Selbstzerstörungsdienst Snapchat im Auge behalten. Er wird als visuell basierter Messenger laut Bastian Scherbeck, Geschäftsführer der Social-Media-Agentur We Are Social , in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen, "insbesondere weil er auch Video ermöglicht". Aktuell wird Snapchat vor allem als Plattform für Onlinestars und Künstler genutzt, denen die Fans folgen können. Aber in Zukunft werden auch immer mehr Unternehmen auf das Tool setzen, um vor allem die junge Zielgruppe mit ihren zeitlich begrenzten Fotos zu erreichen.
Tinder:
Vom Newsletter weg und hin zum 1:1-Marketing
Denn Messenger-Marketing sollte vor allem persönlich und individuell sein - und garantiert nicht nerven. "Es sollte immer um Themen gehen, die eine hohe persönliche Relevanz für den Kunden haben", sagt Simon Loebel, COO der Digitalagentur UDG . "Ich glaube, dass sich die Messenger-Kommunikation vor allem dann durchsetzt, wenn es um eine 1:1-Kommunikation mit dem Kunden geht." Bastian Scherbeck fügt hinzu: "Damit eignet sie sich außerordentlich gut für die Service-Kommunikation, kann aber ebenfalls im Sinne einer persönlichen Beratung den Verkaufskanal unterstützen oder sogar selbst zum Verkaufskanal werden."
Da sie eine ganz private Kommunikationssituation mit Kunden simulieren kann, könnte sie auch für Produkte interessant werden, die sich in der digitalen Kommunikation bisher eher schwer tun, da man über sie öffentlich nicht sprechen möchte. Dazu gehört zum Teil auch Recruiting: "Unter den ersten Unternehmens-Themen bei Pylba sind Personalwesen, also die Kommunikation mit Bewerbern, und der Kunden-Service", berichtet Franz Buchenberger. Der kalifornische Anbieter von Nachrichten-Services für Apps hat neuerdings auch ein Tool für die Whatsapp-Kommunikation im Portfolio.
Aktuell wird es vor allem als Broadcasting-Instrument genutzt, über das Nachrichten von einem Absender an viele Empfänger geschickt werden. Viele Nachrichtenmagazine kann man auf diese Weise mittlerweile abonnieren. Es ist quasi das Mobile-only-Pendant zum relativ unspezifischen Newsletter, bei dem keine oder nur selten Interaktionen erwünscht sind. Aktuell akzeptiert der Nutzer diese Marketing-Form - vielleicht aber vor allem, weil sie ganz neu ist. Denn langfristig ist seine Aufmerksamkeit im Messenger begrenzt. "Diese Art der Anwendung wird sich meiner Ansicht nach nicht durchsetzen, weil am Ende niemand in seinem persönlichen Kommunikationsstream solche sehr unspezifischen Informationen haben will", ist sich Simon Loebel sicher. Und wenn der dreimal täglich erscheinende Whatsapp-Newsletter von der Tageszeitung langsam nervt, wird er wieder aus dem Stream geworfen. Immer mehr Unternehmen setzen auf Messenger-Marketing und etablieren zum Teil mehr und zum Teil weniger erfolgreiche Strategien. Prinzipiell werden Whatsapp & Co für die kommenden Jahre zum immer wichtigeren Marketingkanal. Zumindest bis die nächste Kategorie an Kommunikationsdiensten auf den Markt kommt, die die Messenger als beliebteste Kommunikationmittel unter den Nutzern ablöst - so wie es Whatsapp zuvor mit Facebook gemacht hat. So wird Messaging ein kleiner Kanal unter vielen und die Vielfalt an Marketingkanälen immer größer. Die Unternehmen merken schnell, dass Messenger-Marketing einen enormen Aufwand bedeutet. Entweder sie stellen Ressourcen bereit, um auf jede noch so blöde Nachricht professionell zu antworten, oder die Kunden verlieren das Interesse. Es gibt zwar einige Leuchtturmprojekte, aber in der breiten Masse setzt es sich aufgrund des enormen Aufwands nicht durch. Die Messaging-Anbieter bringen immer mehr Funktionen auf den Markt, um Unternehmen die Kommunikation darüber zu erleichtern. Dadurch wird dieser Marketingkanal immer beliebter. Vor allem im Kundenservice etabliert sich das Tool. Der Kunde liebt es, weil er da besonders schnelle Antworten der Unternehmen erwarten kann. In anderen Marketing-Disziplinen wird es weit weniger häufig genutzt. Sowohl Unternehmen als auch Kunden scheuen sich, ihre Kommunikation zu den aus Datenschutzsicht bedenklichen Themen über die Messenger-Dienste abzuwickeln. Daher erreichen sie nie eine kritische Masse und bleiben in der Nische stecken.
Messenger-Marketing ist viel Arbeit, darüber müssen sich die Unternehmen im Voraus im Klaren sein. Schließlich sollte es hier um echtes 1:1-Marketing gehen. "Wenn ich als Unternehmen persönlich und relevanter werden will, dann muss ich näher an den einzelnen Kunden ran. Und das bedeutet nun mal in vielen Fällen Handarbeit", weiß Simon Loebel. Unternehmen sollten den Kanal nur nutzen, wenn sie bereit sind, den Aufwand zu betreiben, um die persönliche Relevanz langfristig herzustellen. Das bedeutet, dass man die Ressourcen und Informationen bereitstellen muss, damit die zuständigen Personen auch die detailliertesten Fragen, die vom Nutzer zurückkommen, beantworten können. Auch Guidelines und Strukturen, um mit Spam und unschönen Nachrichten und anderen Problemen umzugehen, müssten geschaffen werden.
Pflicht: Jeden Tag aufs Neue nützlich sein
Wie bei Facebook, das seine Vorteile ebenfalls besonders in der nachhaltigen Kommunikation ausspielt, sind auch zeitlich begrenzte Kampagnen denkbar, die den Nutzer zur Interaktion animieren. Ein Beispiel dafür lieferte Absolut Vodka in Argentinien. Der Spirituosen-Hersteller animierte Kunden dazu, einen virtuellen Türsteher per Whatsapp zu überzeugen, sie auf die Gästeliste einer exklusiven Party zu setzen. Dagegen ist plumpe Werbung in den privaten Chats absolut undenkbar und bringt die Nutzer in der Regel dazu, die Plattform nicht mehr zur Kommunikation zu nutzen" ist sich Bastian Scherbeck sicher.
Während man noch vor wenigen Jahren sagte, Whatsapp sei vor allem etwas für die Jüngeren, kann man damit heute schon fast jede Zielgruppe erreichen. Gleiches gilt für Facebook und seinen Messenger. Daher bietet sich die Messenger-Kommunikation prinzipiell für jedes B2C-Unternehmen und für immer mehr Zielgruppen an. Vorausgesetzt man kann über Themen kommunizieren, die die nötige Relevanz für den Kunden besitzen. "Das ist bei persönlichen Produkten oder Dienstleistungen sicher einfacher als zum Beispiel im Bereich der schnelldrehenden Konsumgüter, wo das einzelne Produkt eine weniger hohe Relevanz besitzt", erläutert Simon Loebel. "Und vorher muss ich mir natürlich genau überlegen, mit welcher Zielgruppe ich sprechen will und welche Messenger-Dienste ich dafür nutzen sollte.""
B2B-Kommunikation: Praktisch nicht existent
Während die Messenger-Kommunikation im B2C immerhin schon in den Kinderschuhen steckt, ist sie im B2B-Bereich noch gar nicht verbreitet. Weder in Deutschland - "Mir ist aktuell kein B2B-Case bekannt", sagt Social-Media-Experte Bastian Scherbeck - noch in den USA, wie der Amerikaner Chris Moore bestätigt: "Da es sich hierbei vor allem um Endkunden-Apps handelt, haben wir bisher kaum Unternehmen gesehen, die den Kanal nutzen."
Sicher werden die Unternehmen auch die B2B-Kommuniktion über Whatsapp und Co. austesten. Aber solche Anwendungen werden eher in der Nische bleiben, da viele Unternehmen Datenschutzbedenken hinsichtlich der Anbieter haben.
Abgesehen davon könnte Messenger-Marketing angesichts der aktuellen Nutzerzahlen schon bald zur Pflicht für Unternehmen werden, die relevanten Messenger in ihre Kundenkommunikation einzubinden. Bastian Scherbeck beschreibt es besonders plakativ: "Messenger sind schon jetzt das neue Facebook", sagt er und erläutert: "Sichtbar wird dies auch an der Investitionsstruktur von Facebook als Unternehmen: Es hat in der letzten Zeit mehrheitlich in die Weiterentwicklung des Messengers investiert." Zurzeit bremst in der Tat die fehlende Technik für die Kundenkommunikation über die Dienste die Entwicklung noch aus. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Anbieter nachziehen. Schließlich ist es für sie die beste Variante, ihre Messenger nach Jahren des Betriebs endlich zu monetarisieren.
Vier Szenarien zur Zukunft des Messenger-Marketings
Marketing-Pluralität
Im Keim erstickt
Service-Kanal
Am Datenschutz gescheitert


