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Läutet Microsofts Rekordeinkauf den Kampf um das Metaversum ein?

07.02.2022 Metaversum ist das Schlagwort der Stunde. Microsofts monumentale Übernahme eines Gaming-Spezialisten wird daher unter diesem Vorzeichen gedeutet. Was aber bedeutet die Übernahme genau - für die Branche und die Dämmerung des Metaversums?

 (Bild: Pixabay/Surprising_Shots)
Bild: Pixabay/Surprising_Shots

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TL;DR
Nach wie vor gilt: Das Metaversum kommt erst in Jahren und dann eher als etwas breitere Nische. Microsofts Akquisition ist eher ein Content- und Gaming-Schachzug.
Die Firma, deren Bug-lastige Produkte immer gut für einen abfälligen Witz sind, setzt nun auf alternative Welten: Microsoft hat den Spieleentwickler Activision Blizzard   gekauft - für eine Summe von 69 Milliarden Dollar. Die Firma genoss zuletzt einen hundsmiserablen Ruf wegen Sexismus-Vorwürfen, die von sexuellen Übergriffen bis zu systematischer Frauenfeindlichkeit reichten - konsequenterweise wird der bisherige CEO, dem man Kenntnisse der Anschuldigungen nachsagt, also einfach im Amt bleiben, wie das ZDF   aufzeigt.

Doch davon abgesehen wird die Akquisition des Spieleherstellers nicht nur als Versuch Microsofts gesehen, sich auf dem Gaming-Markt wieder breiter aufzustellen. Viele sehen den Kauf als Vorstoß in Richtung Metaversum, so etwa die Süddeutsche  , die meint, die "größte Akquisition in der Firmengeschichte Microsofts ist auch eine Wette auf das sogenannte Metaverse." Sollte das der Fall sein, ergeben sich verschiedene Fragen: Gelingt nun das Vorhaben, an dem Second Life scheiterte und das Metaversum erobert den Mainstream? Was würde das verändern und wer wären die neuen Herrscher dieser überspannenden virtuellen Realität? Oder ist alles nur ein neuer Hype, der auf einer Einbahnstraße in die Gaming-Nische enden wird? All diese Fragen standen im Zentrum de iBusiness-Analyse Die Ära des Metaversums vom November 2021.

Mark Steier (Bild: Mark Steier)
Bild: Mark Steier
Mark Steier

Damals allerdings wurde vor allem der Vorstoß Facebooks analysiert, sich in Meta umzubenennen und nun mit Volldampf Kurs auf das namensgebende Metaversum zu setzen. Damit stellt sich nun vielmehr die Frage: Ändert Microsofts Akquise etwas für die Entwicklung des Metaversums? Was bedeutet es für das bislang eigentlich nur in weiter Ferne erkennbare Metaversum, wenn ein weiterer Web-Gigant hier massiv tätig wird? Wir haben Branchenkenner dazu befragt.

Mark Steier , Blogger, Wortfilter.de  : "Sehr sehr smart. MS haben die Geräte und nun platzieren sie sich unter anderem mit dieser Übernahme sehr gut. Ich denke Metaverse wird das Internet & besonders den E-Commerce noch einmal ganz neu denken. Spannend wird es für alle KMU, denn sie werden auf Partner angewiesen sein. Diese müssen aber die Speed mitgehen können."

Nils Sautter (Bild: Nils Sautter)
Bild: Nils Sautter
Nils Sautter

Nils Sautter , Freiberufler: "Das wird ein Prozess und ich tippe, dass die kollektiven Anstrengungen der großen Player nicht in dem gewünschten Maß angenommen werden. Aus meiner Sicht fehlen zahlreiche Zwischenschritte. Die Masse hat sich eher zurück besonnen auf das, was wir wirklich zum Leben brauchen und einen gewissen Minimalismus etabliert - oder steckt in handfesten Krisen. Natürlich wird sich in irgendwelchen Elfenbeintürmen auch die Entwicklung ungebremst zeigen, aber die Konzerne sind auch nicht mehr die Verheißung von einst, als wir glaubten, dass das Internet uns alle zusammen bringen könnte statt zu regelrechten Gegnern ohne Verantwortung / Haftung / Steuergerechtigkeit zu machen.

Timo Bierbaum (Bild: Timo Bierbaum Photography)
Bild: Timo Bierbaum Photography
Timo Bierbaum

Hier geht es darum, dass Menschen eingeladen werden, in eine Welt einzutauchen - das hat eine andere (tiefenpsychologische) Dimension, was Vertrauen angeht als ein aufgebohrtes Forum für Studenten. Das funktioniert mal als Insellösung und Computerspiel - eben schrittweise. Facebook ist nicht aufgrund seiner Technologie groß geworden - sondern mit der ersten wirklichen Vernetzung aller Menschen.

Der Punkt ist: Das alles kommt sicher. Aber wir wissen mittlerweile, dass es bei fast allen Innovationen Vorreiter gab - entscheidend ist aber meist der richtige Zeitpunkt und Zeitgeist. Und aus meiner Sicht heben die Techkonzerne in eine Hybris ab, in der sie sich längst vom User und Menschen gelöst haben. Der Draht zu den Menschen ist verloren gegangen, eine Distanz ist entstanden.

Prof. Dr. Jens Junge (Bild: Prof. Dr. Jens Junge)
Bild: Prof. Dr. Jens Junge
Prof. Dr. Jens Junge

Das Metaversum hat sowohl bei Facebook   wie anderen das Potenzial, zu früh zu sein und auf Ablehnung zu treffen. Sowas muss wachsen und wird nicht übers Knie gebrochen werden können. Betrachten wir einfach mal die Möglichkeiten, wie man sich semantisch durch Wissenswelten navigieren könnte - mit Mindmaps oder Clustern und so weiter. Und dann schauen wir uns an, wie google   Suchergebnisse darstellt: simple, linear, Text oder wie hübsch und angenehm Shops sein könnten, und dann die Software von ebay   und Amazon  , wo ich die Produktdetails irgendwo weit unten beim Kleingedruckten suchen kann, damit ich durch weitere Angebote scrolle. Das werden mal virtuelle Showrooms, sicher.

Aber von heute auf morgen wird keiner oder wenige damit klar kommen. Es gäbe genug Probleme zu lösen in dieser Welt und flüchten kann ich auch in Netflix  , Tinder   & Co."


Nedim Sabic (Bild:  Nedim Sabic)
Bild: Nedim Sabic
Nedim Sabic

Timo Bierbaum , Fotograf und Designer, Timo Bierbaum Photography   : "Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich das Universum für meine Verhältnisse schon recht komplex finde ... was soll ich jetzt mit einem Metaversum? Sprachlich gesehen wird damit auf eine komplexere Ebene (zum Universum) angespielt. Nun wissen wir alle, dass für Microsft selbst das vergleichsweise mickrige "MS Windows"-Universum seit 30 Jahren eine unbeherrschbare Dimension und nicht erfassbare Komplexität darstellt. So darf man getrost auf eine paranoid, schizophrene Allmachtsphantasie eines Unternehmens schauen, welches die urkindlich. nächtliche Angst vor einem Bluescreen bis heute nicht abgelegt hat ..."

Tibor Bauer (Bild: Tibor Bauer)
Bild: Tibor Bauer
Tibor Bauer

Prof. Dr. Jens Junge , Direktor Institut für Ludologie, SRH Berlin University of Applied Sciences  : "Sie haben doch schon Minecraft... braucht's mehr? Aber, der Spruch ist nicht ganz ernst gemeint - die werden noch mehr einkaufen."

Nedim Sabic , Selbstständig: "Beschäftige mich damit täglich und kann nur sagen - man sehe sich das Wachstum von VR an. Wie viele Menschen haben eine taugliche VR-Brille? Metaversen werden so erfolgreich sein, wie die tägliche Nutzung von VR-Brillen steigt."

Jürgen Walleneit (Bild: Jürgen Walleneit)
Bild: Jürgen Walleneit
Jürgen Walleneit

Tibor Bauer , Affiliate Consultant bei affiliatemanager24.de  : "Dass Microsoft das Game-Universum für sich neu entdeckt zu haben scheint, finde ich gut. Hab mich gefragt wann Google damit anfängt. Es braucht viel Kohle, um wirklich ins nächste Gamer-Level zu kommen, Stichwort VR und Augmented Reality. Es ist eine Chance, technisch schneller ein paar Stufen zu erklimmen."

Jürgen Walleneit , Geschäftsführender Gesellschafter, Kaufkraft  : " Nichts. Second Life war schon. 3D auch."

Wolf Lang (Bild: Supercrowd)
Bild: Supercrowd
Wolf Lang

Wolf Lang, CEO beim Spezialisten für Digitale Events Supercrowd  : "Bei Microsofts Übernahme geht es weniger um das Metaversum als viel mehr um einen Schachzug im Konsolen- und Contentkrieg. Die drei großen Player Sony, Nintendo und Microsft haben ihre eigenen Speilsysteme, wobei Nintendo sein eigenes Ding macht, während Microsoft und Sony offener sind.
Microsoft will genau wie Netflix so viel Content wie möglich bekommen, diesen via PC verfügbar machen und Sony contenttechnisch den Hahn abdrehen - daher der Kauf von Activision Blizzard.

Ralf Scharnhorst (Bild: Ralf Scharnhorst)
Bild: Ralf Scharnhorst
Ralf Scharnhorst

Sie wollen eher die Nummer eins im Gaming-Universum sein - weniger im Metaversum. Sie haben auch keine konkreten Pläne angekündigt. Ich denke eher in zehn Jahren werden Anwendungen mit Lens, zum virtuellen Arbeiten und Gaming zusammengeführt und die Accounts konsolidiert. Aber wohl eher als viele kleine Bubbles, die da entstehen."

Ralf Scharnhorst , geschäftsführender Gesellschafter, m42m GmbH  : "Vor allem hat Microsoft   schon Erfahrungen mit der Brille."

Birte Hasselbusch (Bild: Birte Hasselbusch)
Bild: Birte Hasselbusch
Birte Hasselbusch

Birte Hasselbusch , Online Marketing Manager, ScriptRunner  : "Ich werde die Mischung aus AltspaceVR und Teams testen. Ein erster Versuch (ohne Brille) war positiv und abgefahren. Ich fand es so schon beeindruckend. Und wenn die Sessions dann noch in Räumen innerhalb Altspace möglich werden, wird es richtig super. Die Übertragung der "Main Stage" fand ich schon klasse. Fazit: Das hat Zukunft."

Der Konsens aus diesen verschiedenen Einschätzungen zum Metaversum und Microsofts Einfluss darauf lässt sich am besten in verschiedenen Szenarien darstellen - vier Entwicklungen sind denkbar, besonders wahrscheinlich sind jedoch vor allem zwei davon.

Vier Szenarien für die weitere Entwicklung des Metaversums

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
10%
Best-Case-Szenario

Megatrend Metaversum

Das Metaversum schlägt voll ein - von Social Media über Gaming und Konferenzen bis zum Alltag verlagern sich immer mehr Bereiche des Daseins in die vernetzten Virtuellen Welten. Treiber sind neben der Pandemie vor allem GAFA- und andere Großkonzerne.

Aktiv
30%
Worst-Case-Szenario

Enge Nische

Im Gaming funktioniert es mit dem Metaversum, aber ehrlich: Das zeichnete sich auch schon vor Facebook und Microsoft ab, die hier zwar beschleunigend wirken, aber es nicht schaffen, das Konzept aus der Gaming-Nische in den Mainstream zu führen.

Passiv
40%
Best-Case-Szenario

Erweiterte Nische

Es klappt mit dem Metaversum im Gaming, Learning und vielleicht einigen anderen Branchen - jenseits davon gibt es aber wenig breites Interesse an den vernetzten virtuellen Universen.

Passiv
20%
Worst-Case-Szenario

Meta-Flop

Es wird dauerhaft nichts mit dem Metaversum, sein Erfolg bleibt reines Gedankenspiel in Fiktionen wie in den Romanen 'Snow Crash' oder 'Ready Player One'. Selbst im Gaming entsteht kein übergreifendes Bindegewebe zwischen existierenden Virtuellen Realitäten.

Thema: Läutet Microsofts Rekordeinkauf den Kampf um das Metaversum ein?

Kommentar von Sebastian Halm

Wie wahrscheinlich ein Microsoft-Metaversum ist

Ein Metaversum, in dem Microsoft den Ton angibt - ist das denkbar?

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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