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Neue Lernwelten: Die ELearning-Trends für das Post-Covid-Zeitalter

06.05.2021 Der erste Lockdown wirkte als Turbo, doch nun, nach einem Jahr Corona, werden die Grenzen des E-Learnings sichtbar. Im neuen Normal entscheiden acht Trends, wer Sieger und wer Verlierer der Pandemie sein wird.

Eine Rückkehr zum alten Normal ist weniger wahrscheinlich als ein 'Neues Normal' - inklusive neuer Konkurrenzen. (Bild: thumprchgo / Pixabay)
Bild: thumprchgo / Pixabay
Eine Rückkehr zum alten Normal ist weniger wahrscheinlich als ein 'Neues Normal' - inklusive neuer Konkurrenzen.

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TL;DR
Die Pandemie war Motor und Diagnostiker der deutschen ELearning-Landschaft; Konsolidierung und neue Konkurrenzen stehen ins Haus.
"Die Pandemie hat das digitale Lernen regelrecht befeuert - nicht bloß angeschoben, das war es schon vorher", sagt Thea Payome , Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning  : Das Thema sei nun in die Breite gegangen und nun auch in den KMUs angekommen: "Da hat man gemerkt, dass sich Themen wie Hygiene-Vorschriften, Arbeitsschutz oder DSGVO sehr gut digital abhandeln lassen - und auch die Universitäten haben einen Riesensprung gemacht". Das sei aber nur die eine Seite der Medaille.

Ebenso habe die Pandemie mit ihrem extremen Primat des E-Learnings die Grenzen desselben aufgezeigt: "Es zeigt sich, dass man schwierige Zeiten digital überbrücken kann, doch die Technik ersetzt nicht das persönliche Treffen." Die Corona-Pandemie habe das E-Learning nicht alleine beschleunigt - mit dem Lockdown sei der digitalen Bundesrepublik vor allem eine Diagnose gestellt worden: "Es hat sich gezeigt wo und wie sehr das System krankt", sagt Payome. "Eine Rückkehr zum Vor-Corona-Status wird es daher oftmals nicht geben." Das sieht auch Hansjörg Zimmermann so, Medienmanagement-Professor sowie Founder und Managing Director des ELearning-Unternehmens Whatzlife  : "Manche glauben noch an eine Rückkehr zum alten Normal, doch die wird es nicht geben: Man hat zu deutlich das Einspar-Potenzial gesehen - etwa bei Reisekosten und dadurch, dass man den Wegfall der Arbeitskraft von Mitarbeitern auf Weiterbildungen nicht ersetzen muss." Auch zeitlich und inhaltlich helfe Digitalität, die zu schulternden Workloads deutlich einzudampfen.

Von daher schwächeln die etablierten Bildungsanbieter mit großem Präsenzanteil in den Lernveranstaltungen aktuell deutlich, sagt Dr. Lutz Goertz, Leiter der Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH  : "Wir werden da in kommenden Jahren wohl eine Konsolidierung sehen." Das bedeute nicht, dass diese Anbieter nun bald reihenweise dichtmachen, aber "sie werden sich umstellen, werden online genau so fit sein müssen wie im Präsenzgeschäft und werden auch nicht zum reinen Präsenzunterricht zurückkehren. Blended Learning und Hybridmodellen werden neuer Standard sein."

Was unterdessen verschwunden sei, ist die Sonderangebotsschwemme: Im ersten Lockdown stellten zahlreiche ELearning-Anbieter ihre Anwendungen gratis in die Appstores ein - das sein nun wieder verschwunden, sagte Payome, die hier "die Rückkehr zum normalen Business" beobachtet.

Wie die Branche sich darüberhinaus in 2021 und 2022 entwickelt, das geben einige aktuelle Trends vor.

Neue Anbieter drängen auf den ELearning-Sektor

Neue Publisher von ELearning-Anbietern werden sich die ELearning-Branche ansehen. Diese neuen Konkurrenten können aus weiter entfernten Sektoren kommen, wie etwa der Finanzbranche oder sie stammen aus relativ nahen, benachbarten Branchen wie Verlagswesen: Große Medienunternehmen wie die Burdas oder Bertelsmanns dieser Welt dürften bald ihr Engagement im digitalen Learning-Sektor vergrößern. Damit wird es enger auf dem Markt und viele, bislang eher breit aufgestellte Dienstleister werden sich fokussieren müssen - auf eine Nische oder eine genauer adressierbare, spezielle Zielgruppe.

Abo-Modelle

Nutzer werden zunehmend entscheiden können, ob sie Lerninhalte werbefinanziert erhalten oder selbst dafür bezahlen, um werbefreie Inhalte zu erhalten. Dabei wird das von Audio- oder Video-Streaming-Services bekannte Abo-Modell eine wichtige Rolle spielen. Content erhält damit einen gewissen Wert zurück und die Anbieter erhalten zum einen Dauerschuldverhältnisse in Form von Abos und können daraus zum anderen wertvolle Daten gewinnen, die personalisierte Inhalte erlauben.

Künstliche Intelligenz

KI wird eine anleitende und unterstützende Rolle beim Vorschlag von Lerninhalten einnehmen und die Lernpläne von ihrer linearen Form entkoppeln: Je nachdem, als welcher Lerntyp ein Nutzer identifiziert wird, schlägt ihm die Künstliche Intelligenz eine andere Progression/Reihenfolge des Lernstoffes vor. Die Lernenden können dabei dann auch zunehmend selbst entscheiden, wann sie Fortgeschrittenen-Lektionen absolvieren oder Prüfungen ablegen. "Entsprechende Versuche an einer amerikanischen Universität haben gezeigt, dass solche Springer sogar schneller fertig werden", sagt Hansjörg Zimmermann. In der freien Wirtschaft dagegen können intelligente Systeme Fehler oder Hidden Agendas der HR-Abteilungen ausgleichen: Eine KI entdeckt dann vorhandene und versteckte Potenziale, die der HRler oder Vorgesetzte übersieht oder sogar bewusst gedeckelt sehen möchte, um sich keine interne Konkurrenz zu schaffen. Ein Konflikt zwischen intelligentem System und Führungskraft ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.

Softskill-Learning

Die früher als digital nicht abbildbar eingestuften Softskills erobernd das E-Learning. In den Learning-Umfragen des MMB-Instituts etwa sind Softskills wie "Critical Thinking/Communication und Collaboration" erstmals abgefragt und von Experten als zunehmend bedeutungsvoll eingestuft worden: "Das Thema findet beispielsweise in virtuellen Realitäten statt - und kann dort sogar authentischer nachgestellt werden als in Präsenzseminaren: Man baut etwa Umgebungen nach, in denen Service-Mitarbeiter schwierige Kundengespräche führen müssen und schult sie dort." Sobald neue, kabellose VR-Brillen sich dann auch noch verstärkt durchsetzen, werde das Thema einen weiteren Schub bekommen.

Internationalisierung

Bildungsanbieter werden ihre Inhalte und Leistungen immer häufiger über die nationalen Grenzen hinaus anbieten - Internationalisierungstrategien werden im E-Learning bedeutsam. In ihrem Rahmen müssen sich Anbieter dann etwa mit national extrem unterschiedlichen Ansprüchen auseinandersetzen. "Internationale Anbieter, die Marktführer sind, wundern sich oft, warum die deutschen Unternehmen sie nicht automatisch buchen, wenn man doch der Marktführer ist. Sie verstehen nicht, dass auch inhaltliche oder didaktische Argumente eine Rolle spielen.", sagt Lutz Goertz.

Masterclasses

Masterclasses sind ein jüngst häufiger zu beobachtendes Produkt, bei dem Lerninhalte von hochrangigen, oftmals prominenten Referenten vermittelt werden. "Das ist quasi die konsequente Fortentwicklung dessen, was es schon auf Kongressmessen gab: Des Hands-On-Workshops. Die Masterclass ist vor allem Marketingstrategie und Verkaufsargument", sagt Thea Payome. Fraglich indes sei, ob alles, was unter dem Titel Masterclass firmiert, selbigen auch verdient habe.

Schatten auf dem Nachmittagsmarkt

Kurioserweise hat Corona ausgerechnet ein Angebot in Schräglage gebracht, dem man in Zeiten des Distanzunterrichts eigentlich besondere Konjunktur zu unterstellen geneigt wäre: Dem Nachmittagsmarkt und den Nachhilfeangeboten: "Der Wegfall des schulischen Präsenzunterrichtes und die Allgegenwart der Videoschalten im Schulunterricht hat dazu geführt, dass digitale Nachhilfe kaum noch gewünscht und gefragt wird", sagt Thea Payome. Salopp gesagt, haben die Schüler schlicht und ergreifend die Schnauze voll vom Digitalen Lernen und treffen sich lieber - realiter oder virtuell - zum Austausch mit Mitschülern.

Virtuelles Socialising

Zunehmend bauen Webinare und virtuelle Kongresse und Konferenzen auch die bisher rein real-life-exklusiven Aspekte nach: Gespräche am nun virtuellen Messestand oder der Kaffee in einer virtuellen Lobby fallen hierunter. "In naher Zukunft könnte es so aussehen, dass man VR-Brillen nutzt, die Avatare der Gesprächspartner erkennen oder man die Gespräche einer Gruppe lauter oder leiser hören kann, je nachdem ob man in einer virtuellen Loby näher oder weiter weg von ihnen steht", sagt Lutz Goertz.
Thema: Neue Lernwelten: Die ELearning-Trends für das Post-Covid-Zeitalter

Kommentar von Sebastian Halm

Zwischen Triumph, Wettbewerb und Schadensbericht

E-Learning hat seine acht Trends und seine Grenzen gezeigt - jetzt wird es mehr Gedränge auf dem Markt geben.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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