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NFC-Allianz: Warum jetzt Mobile Payment wirklich kommt

31.08.2011 Die drei größten deutschen Mobilfunkanbieter haben sich zu einer Mobile-Payment-Allianz zusammengeschlossen, um das Projekt NFC voranzutreiben. Sieben Argumente, warum es - anders als bei früheren Versuchen, virtuelles Geld zu etablieren - dieses Mal funktionieren wird.

 (Bild: Aka / PIXELIO)
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Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten neue Vorstöße, die das Thema 'Near Field Communication' (NFC) wieder auf die Agenda setzten und neue Hoffnung weckten, dass das Bezahlen per Handy doch bald Einzug in die reale Welt halten würde. Meistens verpuffte der Elan der Initiativen und NFC verschwand von der Tagesordnung ebenso rasch wie es aufgetaucht war. Doch ganz in Vergessenheit geriet es nie. Wie auch, denn die Zahlen klingen nach überwältigendem Potenzial:

Zum Jahresende 2011 werden weltweit ganze 141,1 Millionen Menschen mobile bezahlt haben. Dies prognostiziert Marktforscher Gartner zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser in seinen aktuellen Erhebungen vom Juli. Danach soll die Nutzeranzahl von Mobile Payment noch in diesem Jahr um 38,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr ansteigen.

Damit prognostiziert Gartner bei seinem Blick auf die weltweiten Trends für 2011 einen weltweiten Umsatz für Mobile Payment von 86,1 Milliarden US-Dollar - das entspricht einem Umsatzwachstum von 75,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist viel. Aber angesichts der weltweit über den Globus schwappenden Bargeldströme Peanuts (um im Branchenslang zu bleiben).

1. Die Zahl der Mobil-Payment-Verweigerer sinkt


Immerhin sinkt die Zahl der Mobile-Payment-Verweigerer: Derzeit können sich 45 Prozent der Deutschen nicht vorstellen, ihr Handy als mobilen Geldbeutel zu nutzen - 15 Prozentpunkte weniger als noch im März, so die aktuellen Zahlen von Faktenkontor zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser . Hauptablehnungsgrund ist der fehlende Vorteil gegenüber gängigen Zahlungsmitteln. Bei 47 Prozent der Verweigerer mobiler Bezahldienste stehen Bargeld oder EC-Karten höher in der Gunst - sie sind bequemer.

Laut einer internationalen Studie von GfK Custom Research zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser findet hierzulande die Hälfte der Verbraucher mobile Zahlungslösungen reizvoll (56 Prozent), wobei Männer ein größeres Interesse an Mobile Payment haben als Frauen. Zu beobachten ist, dass etwa in China (82 Prozent) und in Brasilien (73 Prozent) die Begeisterung für das mobile Bezahlen weitaus größer ist als hierzulande. Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Dort ist ein flächendeckendes Zahlungssystem mit Kredit- und Bankkarten deutlich weniger etabliert.

Nun sorgt der Zusammenschluss der drei großen Mobilfunk-Giganten - Vodafone zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser , O2 zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser und der Telekom zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser Dienstleister-Dossier einsehen - mit der Gründung von mpass zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser für Aufregung. Mpass soll ein mobiles Bezahlsystem für Handys und Smartphones betreuen, welches Bargeld und Kreditkarten bei Einkäufen ersetzen soll. Zugleich soll ein einheitlicher Standard für mobiles Bezahlen in Deutschland etabliert werden - auf der Basis von NFC. So weit die Ankündigung der Mobilfunk-Dickschiffe.

"Das einzige, was neu angekündigt wurde, ist die Gründung eines Unternehmens, das Mpass heißt" sagt hingegen Prof. Dr. Ralph Sonntag ‘Ralph Sonntag’ in Expertenprofilen nachschlagen von der Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser . Und die angekündigten NFC-Sticker, die auf das Handy gesteckt oder geklebt werden sollen, gebe es bereits in Japan. "Die verkündeten Maßnahmen passen nicht zur Bedeutung des Themas", bewertet Sonntag die aktuellen Maßnahmen der Initiative kritisch.


Interessant wäre etwa gewesen, wenn die Telekommunikationsanbieter den Handel wie Anfang des Jahres auf dem M-Payment-Kongreß MCTA zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser verkündet mit ins Boot genommen hätten, so Sonntag. Immerhin geht es vor allem um die drei Akteure Konsumenten, Handel und Zahlungssystemanbieter. Ein Mobilfunk-Provider sei nicht in erster Linie notwendig, "denn ich zahle ja nicht aktuell mit meiner Handyrechnung", spitzt der Wissenschaftler zu. Für ihn wird der Mehrwert durch die Gründung von Mpass nicht deutlich. Er vermisst ein reales Zeichen für die Umsetzung von Mobile Payment. In den eigenen Geschäftsstellen, also dem stationären Handel, der Mobilfunkanbieter mit NFC bezahlen zu können, wäre so ein Beispiel nach Sonntags Geschmack. "Dann wird es glaubwürdig, wenn ich schon damit werbe."
Und gerne etwas verspreche. Denn die Mobilfunkanbieter versichern bei dieser Bezahlmethode einen hohen Grad an Sicherheit, auch weil die Bankdaten nicht an den Händler übermittelt werden und eine Zahlung nur vom Kundenhandy aus autorisiert werden kann. Natürlich bringt das auch gleich die Datenschützer auf den Plan, die befürchten, dass sich durch die drahtlose Übermittlung via NFC neue Möglichkeiten des Betrug eröffnen.

2. Die entscheidenden Mehrwerte liegen im Sticker begründet


"Vielleicht", so spekuliert Ralph Sonntag, sei die nicht neue Idee des Stickers ja eine Maßnahme, "um den Geräteherstellern zuvorzukommen und hier einen Impuls zu schaffen damit sämtliche existierenden Handys NFC-fähig werden". Dann hätten sie damit das Henne-Ei-Problem gelöst.

Doch auf der Suche nach dem eigenen Mehrwert sieht Sonntag die Mobilfunkanbieter derzeit nicht in der Wertschöpfungskette. Es sei der Sticker dient als Schnittstelle zur Handyrechnung. "Dann würde das ganze einen deutlichen Mehrwert haben", so Sonntag. Denn dann treten sie als Konkurrent zu den Zahlungssystemanbietern auf. Und in diesem Fall müssten sie günstiger sein als bisherige Zahlungssystemanbieter. "Das Leistungsangebot und das Preismodell sind dann für den Handel entscheidend", argumentiert der Dresdner Professor. Immerhin: Aus reiner Werbesicht könne man den Telkos eine Art "Themensponsoring" zugute halten, meint Sonntag.

Achim Himmelreich ‘Achim Himmelreich’ in Expertenprofilen nachschlagen von Berater Mücke Sturm & Company zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser hält das Vorgehen der Telekommunikationsanbieter für stimmig. "Jetzt ein kleines Schnellboot auf das Wasser lassen, dann wird sich zeigen, wie schnell es sein wird", so das Bild des Fachmanns. Die Telkos seien getrieben von den anderen Playern, dies habe das ganze Vorgehen beschleunigt, denn sie hätten ein "vitales eigenes Interesse daran, wegen der Bitpipe-Diskussion, Mehrwertdienste ihrer Leitungen zu entwickeln", sagt Himmelreich. Somit sei die Mobile-Payment-Initiative ein Asset für das Kundennetzwerk.

Für wenig sinnvoll hält er es auf den "großen Rutsch" zu warten, "weil die Leute sukzessive ihre Handys austauschen und nicht alle auf einen Schlag". Wie ernsthaft die Mpass-Initiative tatsächlich ist, werde sich daran ermessen lassen, wieviel Budget Mpass haben wird. "Wenn es nur eine Auslagerung ist, ist es zu wenig, es braucht eine große Vertriebsmannschaft", legt sich Achim Himmelreich fest.

 (Bild: Frictionless: How NFC is going to change the world (NFC Infographic))
Bild: Frictionless: How NFC is going to change the world (NFC Infographic)



3. Das Handy kann an manchen Stellen das Kleingeld ersetzen


"Zukünftig wird das kontaktlose Bezahlen im Handel mit Mpass durch den Einsatz der Nahfunktechnologie NFC möglich sein," , sagt Thorsten Georg Höpken ‘Thorsten Georg Höpken’ in Expertenprofilen nachschlagen von Vodafone Deutschland zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser vollmundig. Das Handy könnte somit an einigen Stellen das Kleingeld ersetzen, eignet sich grundsätzlich aber auch für größere Beträge, so seine Vorstellung. Startschuss für das ehrgeizige Projekt soll bereits im ersten Quartal 2012 sein.

Das mobile Bezahlen von digitalen Gütern über das Handy sei schon lange über die Handyrechnung möglich, meint Ralf Opalka ‘Ralf Opalka’ in Expertenprofilen nachschlagen von Telefónica Germany GmbH & Co. OHG zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser In einem weiteren Schritt werde durch die erfolgreiche Einführung des Bezahlsystems Mpass auch das Bezahlen von physischen Gütern im Internet zur Realität. "Abgerechnet wird über das Lastschriftverfahren, das via SMS authorisiert wird", so Opalka. Anfang 2012 folge in einem nächsten Schritt die Einführung des mobilen Bezahlens im stationären Handel. Kunden werden dann in ganz normalen Geschäften mit ihrem Handy bezahlen können, skizziert der O2-Mann die Zukunftsaussichten der neuen Allianz.

Auch Dirk Wende ‘Dirk Wende’ in Expertenprofilen nachschlagen von der Telekom zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser Dienstleister-Dossier einsehen bestätigt, dass mit Mpass das Bezahlen mit dem Handy im E-Commerce heute bereits funktioniert. "Richtig spannend", so Wende, werde es, wenn der Einsatz im klassischen Handel näher rückt. Entsprechend sehe ein erster Schritt so aus, dass mit Mpass über ein Guthabenkonto das mobile Bezahlen von Kleinstbeträgen am Point of Sale möglich wird.

Es folge mittelfristig auch das Bezahlen von höheren Geldbeträgen mittels Lastschrift und das Handy werde zu einem vollwertigen Ersatz für EC- oder Kreditkarten, so seine Vision. Dem widerspricht das Ergebnis der jüngsten Umfrage von Faktenkontor zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser : Für knapp jeden vierten Deutschen (23 Prozent) kommen nur Beträge von höchstens zehn Euro infrage. Lediglich 19 Prozent können sich vorstellen, mehr als 100 Euro mit Hilfe ihres Mobiltelefons zu bezahlen.

Insgesamt mutet das Szenario der Anwendungen, die von den Telkos skizziert werden, deutlich zu einfach an, um wirklich realistisch sein zu können. Steckt hinter dem neuen Konsortium doch nur ein gelungener Marketing-Coup? Fest steht, bis die Zeit des mobilen Bezahlens kommt, muss noch einiges passieren und die Zeit ist knapp.

Wie aus der Welt des real Machbaren klingen die Worte von Ulrich Binnebößel ‘Ulrich Binnebößel’ in Expertenprofilen nachschlagen vom Handelsverband Deutschland zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser : "Bei Kleinbetragszahlungen muss gelten, dass die Abwicklung schnell und einfach funktioniert - die Eingabe einer PIN kann bereits ein Hindernis sein. Grundsätzlich gilt Schnelligkeit als ein wesentliches Kriterium." Kartenzahlungsanbieter haben ebenfalls mit der NFC-Technik begonnen, so Binnebößel. Hier setze sich allmählich die Erkenntnis fest, "dass es sich um eine Übergangstechnologie zum mobilen Bezahlen handelt."

4. Der Handel lässt sich gut einbinden und profitiert


Noch wichtiger als die Schnelligkeit ist für den Mann vom Einzelhandelsverband das Kostenargument. Barzahlung sei zweifellos das günstigste Zahlungsmittel für den Handel, so Binnebößel, der davon ausgeht, dass der Handel dann um Alternativen werben wird, wenn sich hieran etwas ändert. Entwickler seien daher aufgefordert, "kostengünstige Zahlungssysteme zu starten." Dies steht zugegebenermaßen dem Businesscase (Ertragsoptimierung) der Anbieter entgegen, wie Binnebößel anmerkt.

Dennoch seien einige Händler bereit, auf NFC zu setzen. Dazu ist bekannt, "dass eine 'Anschubfinanzierung' der Betreiber erfolgt, sodass der Händler Kostenvorteile hat." Zudem könne er sich als "First Mover" oder zumindest "Early Adopter" profilieren. "Allerdings", schränkt Binnebößel ein, bedeute dies noch nicht, "dass der Handel insgesamt auf NFC setzt."

 (Bild: Handelsverband)
Bild: Handelsverband



Der Handel werde vom Markt für das mobile und kontaktlose Bezahlen profitieren, meint der Telekom-Vertreter. Der Wettbewerb, der sich derzeit um das mobile Zahlen entspinnt, unterstreiche das mit Nachdruck, sagt Dirk Wende. Die Gespräche mit dem Handel und anderen Beteiligten wie Endgeräteherstellern, Banken oder Payment-Service-Providern zeigen, "dass der Markt innovativen Lösungen aufgeschlossen gegenüber steht." Augenblicklich spreche man mit Schwergewichten aus der Branche und sei guter Dinge, dort auch zum Abschluss zu kommen, gibt sich Wende zuversichtlich.

Von einer Reihe von Anreizen, die eine Systemeinführung attraktiv machen, spricht gar Ralf Opalka von O2. Zahlprozesse würden vereinfacht, beschleunigt und optimiert. Durch das mobile Bezahlen werde auch ein Teil des Bargelds substituiert,"wodurch die Kosten des Bargeld-Handlings für den Händler reduziert werden", sagt Opalka. Mehrwertdienste wie Couponing, Loyalty oder Ticketing machten diese Zahlmethode zusätzlich attraktiv.

 (Bild: O2 Telefonica)
Bild: O2 Telefonica



Der dritte im Bunde - Thorsten Georg Höpken - ist sich gar sicher, dass durch die mit dem Schulterschluss der drei Riesen einhergehende Reichweite auch ein bestehender Standard für mobiles Bezahlen mit dem Handy gesetzt werde. "Auf ein solches Signal hat der stationäre Handel bis heute gewartet", sagt Höpken, der damit die größtmögliche Akzeptanz auf Händlerseite sichergestellt sieht. Die potenzielle Zielgruppe zum Start des Dienstes im stationären Handel sei durch den Einsatz von NFC-Stickern enorm gestiegen. Denn so ließen sich auch Handys, die nicht NFC-fähig sind, zum mobilen Bezahlen per NFC nutzen. Höpken: "Mpass via NFC ist sicher und einfach - eine Grundvoraussetzung für eine breite Akzeptanz."
Der Handel wartet darauf, dass es eine Menge Nutzer gibt und dass Bezahlprozesse beschleunigt und bequemer werden, so die Sichtweise von Expertin Heike Scholz ‘Heike Scholz’ in Expertenprofilen nachschlagen von Mobile Zeitgeist zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser . Der Handel sei grundsätzlich aufgeschlossen, scheue aber wegen des Hardware-Problems zurück. Denn es gebe Platzprobleme in den Handelshäusern, wenn verschiedene Bezahlsysteme parallel gefahren werden müssten. Die anderen Systeme können nicht sofort abgelöst werden - das braucht Zeit. Und die Frage nach der Zeitspanne wird hier zur Gretchenfrage. Selbst wenn die kommende Generation keine EC-Karten mehr haben wird, mutmaßt Scholz, so würden aber kurz- bis mittelfristig die verschiedenen Bezahl-Systeme nebeneinanderher laufen und das koste zusätzlich Personal-, Logisitik- und Verwaltungsaufwand.

 (Bild: KPMG)
Bild: KPMG



5. NFC-Sticker sind der Impulsgeber zur Lösung des Henne/Ei-Problems

Die Mobilfunkanbieter müssten die Nutzer zunächst "vom geplanten NFC-Sticker überzeugen, selbst wenn er kostenfrei ist", meint Heike Scholz. Es habe schon einige Varianten mit zusätzlicher Hardware für Smartphones auf dem Markt gegeben, bisher habe das jedoch nicht flächendeckend funktioniert.

Wenn die Mobilfunkanbieter einen relevanten Nutzeranteil mit den Stickern erreichen können, "kann dies zu einem Druck auf die Hersteller führen", sagt Scholz. So hätte man endlich einen "Proof of Concept", und wisse, dass die Nutzer es wirklich haben wollen - anders als bei Studien, die lediglich einen theoretischen Beleg darstellen. Somit sei der Beweis erbracht, dass der Konsument mobil bezahlen will und auch an den weiteren Mehrwertdiensten wie etwa Couponing interessiert ist, glaubt Heike Scholz.

Der Vodafone-Mann Höpken sieht die NFC-Sticker nicht in der impulsgebenden Funktion. Mpass werde neben anderen (Payment-)Diensten einen Platz in der mWallet finden, beschreibt er den Kern des Ansatzes. "Der Einsatz von NFC-Stickern erhöht zusätzlich die Reichweite deutlich und macht es auch Kunden möglich das Bezahlsystem zu nutzen, auch wenn Sie noch nicht über ein NFC-fähiges Endgerät verfügen", argumentiert Höpken.

NFC-fähige Endgeräte sind heute noch Exoten im Markt, ist Dirk Wende von der Telekom überzeugt. Bis eine entsprechende Marktdurchdringung erreicht ist, werde noch einige Zeit verstreichen, ist Wende sicher. "Mit einem Sticker, der problemlos beispielsweise auf der Innenseite einer Handyschale befestigt werden kann, sind wir in der Lage, auch Kunden anzusprechen, die ein älteres Mobiltelefon besitzen", bestätigt Wende die Sichtweise seiner beiden Allianz-Partner und sieht einen großen Vorteil darin, dass "wir schon heute den Markt fürs kontaktlose Bezahlen beackern können und nicht warten müssen, bis die Kunden auf NFC-fähige Mobiltelefone umgestiegen sind." Alleine die Telekom hat mehr als 35 Millionen Mobilfunkkunden, "ein enormes Potenzial, das es zu nutzen gilt, bevor es andere tun", bekräftigt Dirk Wende.

 (Bild: Telekom)
Bild: Telekom



"Mit den Sticker soll das Henne-Ei-Problem angegangen werden", sagt Ulrich Binnebößel klipp und klar. "Sollten entsprechend viele 'NFC-Besitzer' mit dem Chip zahlen wollen, wird der Handel nachziehen und eine entsprechende Akzeptanz anbieten müssen", skizziert Binnebößel die voraussichtliche Denkweise der Mobilfunkanbieter und macht zugleich noch einmal deutlich, dass zunächst die Anforderungen des Handels - schnell, einfach und kostengünstig - erfüllt sein müssen.

Das Henne-Ei-Problem ist erst dann gelöst, so Heike Scholz, "wenn der Roll out nicht wieder einschläft." In diesem Fall wäre es sicher ein "Meilenstein für Europa", unterstreicht die Frau von Mobile Zeitgeist. Und ein wichtiges Signal, denn im Boot sitzen die drei Mobilfunkanbieter, eine Bank ist nicht dabei. Beachtenswert sei auch, so Scholz, dass die Telekommunikations-Unternehmen somit den Platz der Netzbetreiber wie Telecash zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser oder Easycash zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser einnehmen würden, die die Zahlungs-Transaktionen bisher abwickeln. Das bisherige System würde dann leer ausgehen, mutmaßt Scholz. "Wenn sie die NFC-Sticker und -Chips kontrollieren, können sie die Hand aufhalten", sagt Scholz über die Aussichten der Mobilfunkriesen. Denn Sticker oder Chip können nicht nur eine Funktion aufnehmen, auch andere Transaktionen werden darüber getätigt, so etwa Ticketeinkaufe über die Bahn und vieles mehr. "Andere Systeme werden daher Federn lassen, und sie wissen jetzt noch nicht, wie sie darauf reagieren werden", sagt die Mobile-Expertin voraus. Bisher hätten in Sachen NFC entweder die Banken oder die Netzbetreiber blockiert, "nun hätten die Telkos die Chance, das aufzubrechen", glaubt Heike Scholz, die sich eine Übergangslösung dergestalt, dass den Netzbetreibern ein bestimmtes Handling überlassen wird, nicht vorstellen kann: "Es gibt zu viele Überschneidungen, als dass man harmonisch miteinander arbeitet."

 (Bild: KPMG)
Bild: KPMG



6. Die Allianz schafft eine Lösung aus einer Hand


"Unsere Partner im Handel verlangen nach einer barrierefreien und interoperablen Lösung", sagt Thorsten Georg Höpken. Die Allianz sei eine Grundvoraussetzung für die Gründung einer Mpass-Gesellschaft, die zukünftig Kernaktivitäten bündelt. Sie schaffe ein Angebot aus einer Hand über alle Netzbetreiber hinweg, so Höpken, der darin schließlich drei entscheidende Vorteile sieht: "Reichweite aufzubauen, Relevanz beim Handel zu erzeugen und Komplexität zu reduzieren."
Der Telekom-Vertreter und der O2-Mann sind überzeugt, dass "durch die neue Unternehmung flexibler und effizienter auf sich ändernde Marktbedingungen reagiert werden kann." Die strategische Allianz bringe Synergie-Effekte für alle Partner mit sich. Indem gemeinsam Vertrieb, Vermarktung und Produktentwicklung vorangetrieben werde, stärke man weiter die Marktposition, sind Wende und Opalka sicher.

Aus Sicht von Heike Scholz ist das "Konsortium durchaus in der Lage den Druck auf andere Akteure zu erhöhen." Zugleich ist sie sich sicher: "Die Einsatzgebiete von NFC sind sehr vielschichtig, und es gibt nach wie vor ein Standardisierungsproblem." Sie glaubt, dass noch ein langer Weg bevorsteht, und rät, die Industrie müsse sich mit an den Tisch setzen.

Der Handel bleibt weiter skeptisch. Zwar freut man sich über Wettbewerb bei Zahlungssystemen, sieht aber die Anforderungen des Handels für einen Erfolg derzeit noch nicht erfüllt. "Generell", so macht Binnebößel deutlich, "ist Bargeld der Benchmark: bei angenommenen Kosten von ein bis zwei Cent je Transaktion muss sich jedes andere Zahlungssystem sehr anstrengen, um erfolgreich zu sein."
Die Netzbetreiber Telecash und Easycash halten sich derweil mit einer Beurteilung von Mpass zurück. Auf entsprechende Anfrage blieb eine Antwort aus. Der Bundesverband der deutschen Banken zur Homepage dieses Unternehmens Relation Browser , der sich nicht zu "Mitbewerbern im Bereich des Mobile Payments äußern" möchte, wies zugleich darauf hin, dass die "Deutsche Kreditwirtschaft derzeit im Großraum Hannover ein Pilotprojekt für das kontaktlose Bezahlen vorbereitet, das im Frühjahr 2012 starten wird." Offenbar zeigt die Allianz der Telkos doch eine stärkere Wirkung und verleitet den einen zu vorübergehender Schweigsamkeit und den anderen zu Alleingängen.

7. NFC ist einfacher als frühere Versuche

"Wir werden im Rahmen unserer Kommunikation darauf abzielen, die noch vorhandenen Barrieren beim Kunden zu senken und Mobile Payment als selbstverständliche Bezahlmethode zu etablieren", sagt Thorsten Georg Höpken, für den fest steht, dass NFC nicht mehr aufzuhalten ist. Viele Hersteller werden noch in diesem Jahr Handy-Modelle mit eingebauter NFC-Technologie anbieten, so seine Sicht. Es gelte zudem weniger den Endverbraucher von der Technologie zu überzeugen, sondern ihm zu zeigen, wie einfach das Handy zum Bezahlen eingesetzt werden kann.

Während Ralf Opalka ein Bild des Lebens mit Mobile Payment in all seinen Facetten vom bargeldlosen und kartenfreien Einkaufen bis hin zu Couponing und Ticketing zeichnet, weist der Telekom-Mann Wende darauf hin, dass es noch zu früh ist, um über konkrete Marketing- und Vertriebsmaßnahmen zu reden. Er stellt die Vorteile des mobilen Bezahlens in den Fokus und zielt vor allem auf den so wichtigen Aspekt der Sicherheit ab. Immerhin rangiert die Sorge vor Datenmissbrauch oder fehlerhaften Abbuchungen an zweiter Stelle bei den Verweigerern von Mobile Payment. Für vier von zehn Deutschen (42 Prozent), so die Umfrage von Faktenkontor ist dies ein Grund für die Ablehnung.

Mpass schaffe Vertrauen und sei so sicher, "weil keine persönlicher Konto- Kredit- oder EC-Karten-Daten jemals an Dritte oder gar den Shop-Betreiber weitergegeben werden", versichert Wende. Die Telekom setze bei den NFC-Services auf internationale Sicherheitsstandards für Zahlungsdienste, "die vom Gerät über die SIM-Karte bis zur mobilen Übertragungstechnologie aufeinander abgestimmt und geschützt sind." Daneben, so Wende, würden zusätzliche Sicherheitsfunktionen eingebaut, wie beispielsweise das Sperren von Applikationen und Daten im Fall des Handydiebstahls oder -verlusts.

 (Bild: SXC.hu/Steve Woods)
Bild: SXC.hu/Steve Woods

Tatsächlich hat jeder Handybesitzer gelernt: Netzbetreiber können Mikrobeträge verarbeiten. Und tritt ein Fehler auf, dann ist dieser korrigierbar. Hier unterscheidet sich ein NFC-Chip von dem Chip einer Geldkarte. Gehen sie verloren, dann ist das Geld auf der Geldkarte weg - beim NFC-Chip kann ich lediglich nicht mehr berührungslos bezahlen. Und noch bei einem weiteren Argument ist die NFC-Lösung zukunftssicherer als die Geldkarte: Hardware und Software können, müssen aber nicht aus einer Hand kommen. Statt einem Wallet-System ist das NFC-basierte Mobile-Payment ein Überweisungssystem - unanfälliger gegenüber Manipulation und Verlust, aber auch einfacher in ein wirtschaftliches Biotop zu verwandeln, in dem mehrere Anbieter (und damit auch System-Verfechter) ihr Auskommen haben können. Statt einer oder mehrerer Banken (wie bei der Geldkarte) funktioniert NFC-Payment eher wie Internet-Bezahlsysteme: Auch hier existiert eine Arbeitsteilung zwischen reinen Paymentdienstleistern und beispielsweise den Systemintegratoren auf Seiten der ECommerce-Software.

Dass aber in punkto Sicherheitsbedenken in jedem Fall noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten ist, weiß auch Heike Scholz, die davon ausgeht, dass die Telekommunikationsanbieter nun die Werbetrommel rühren werden und verstärkt NFC-Sticker unter die Leute bringen. Parallel dazu müssten reichlich Services eingerichtet werden, so dass der Sticker auch weit verbreitet werden kann. Was Scholz allerdings nicht glaubt, ist, dass direkt zwei Millionen Bürger mit einem Sticker ausgestattet werden. Für die Telkos sei es eine "große Herausforderung, daher ist ein flächendeckender Roll out notwendig." Denkbar sind etwa regionale Starts im Verbund mit Banken, meint Scholz. Eine Hürde besteht in Scholz Augen nicht nur darin, den Konsumenten zu überzeugen, der Roll out müsse im Handel genauso passieren. Und betreffe nicht allein die Infrastruktur sondern auch das Personal - "ein Wahnsinnsaufriss", bringt es Heike Scholz auf den Punkt.

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