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Smartwatches: Das Wettrennen um das Next Big Thing
23.07.2013 Apple, Samsung und Microsoft entwickeln mit Volldampf am Smartphone für das Handgelenk. Sie alle treibt die Hoffnung auf das nächste große Ding. Welche Geräte uns in den nächsten Monaten und Jahren erwarten und was für eine Zukunft iWatch und Co. wirklich haben.
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Apple treibt dabei vor allem die Hoffnung auf das nächste große Ding an: Seit dem Tode von Apple-Gründer Steve Jobs (und eigentlich auch schon in den letzten Jahren davor) hat der Konzern keinen großen Wurf mehr gebracht, der in der Liga eines Iphones oder Ipads spielt. Doch neu ist die Idee eines smarten Handgelenkcomputers nicht: Sie reicht bis zurück in die frühen 80er Jahre als erste Modelle mit Computer-ähnlichen Fähigkeiten aufkamen. Bereits 2004 stellte Microsoft mit Spot eine Smartwatch vor, deren Vertrieb jedoch 2008 wieder eingestellt wurde.
Nun stehen die Zeichen jedoch offenbar auf Neuanfang und fast alle namhaften Technologiekonzerne haben entsrpechende Pläne in der Tasche, veröffentlicht werden sollen die geplanten Smartwatches zum Teil noch dieses Jahr, andere Modelle - etwa das von Sony - sind bereits erhältlich.
Offenkundig gibt es immerhin einen gewissen Bedarf: Das Mobil- und Technologiemagazin BGR.com rechnet mit fünf Millionen verkauften Smartwatches in 2014, eine 900prozentige Steigerung im Vergleich zur Projektion für das laufende Jahr 2013.
Zum Vergleich: Apple verkaufte 125 Millionen Iphones im Jahr 2012 - und 37 Millionen Stück alleine im zweiten Quartal 2013.
Einen Überblick über den Markt und die Gerüchte um neue Produkte verschafft die iBusiness-Übersicht der wichtigsten Modelle:
| Smartwatch-Modell | Status | Kolportierte Funktionen | Vermarktungsschnittstellen/Ökosystem | Preis |
|---|---|---|---|---|
| iWatch von Apple | Der Patentantrag ist bereits eingereicht. Außerdem heuert Apple fieberhaft Ingenierue für seine iWatch an. Es ist also keine Frage mehr nach dem ob, sondern eher nach dem wann. Gerüchte sprachen zunächst vom zweiten Semester 2013, kryptische Worte von Tim Cook kündigten Großes für Herbst 2014 an (Techradar ). | Sich wiederholende Gerüchte sagen: knapp 4 cm großes, gebogenes Display, biegbares Snap-Armband und biometrische Features wie Leistungstracking beim Sport. Vermutlich kein autonomes Gerät, sondern via Bluetooth andockendes Interface für andere IOS-Geräte. | Zielgruppe sind die Besitzer der mehreren hundert Millionen verkaufter Iphones. Apple kann den Einkauf von speziell auf die Uhr zugeschnittenen Apps im App Store anbieten. Dank dieses und des zweiten großen Ökosystems Itunes sind die Nutzer in festen Händen und werden nicht versucht, fremdzugehen. | unbekannt |
| Samsung Gear von Samsung | unbekannter Verkaufsstart, Entwicklung offiziell bestätigt | Interface für Samsung-Geräte, flexibles OLED-Display, Design von Rolex | Im März waren 750 Millionen Android-Geräte weltweit aktiv (Androidpolice ), Apps und Medien liefert das Ökosystem Googles Playstore | unbekannt |
| Microsofts Smartwatch-Projekt | eine zunächst als Gaming-Zubehör konzipierte Uhr befindet sich seit über einem Jahr in der Entwicklung, Gerüchte nennen Ende 2014 als Veröffentlichungsdatum | Gerüchte sagen, die Uhr bestehe aus (extrem teurem) transparentem Aluminum. Wie die Exemplare der Mitbewerber soll sie als Interface und Bindeglied zu Endgeräten des Herstellers dienen, angeblich aber auch autonom funktionieren und LTE sowie 6 Gigabyte Speicher bieten (vgl Computerbild ). Armbänder in verschiedenen Farben | Rund 31 Millionen Windows-Phones sind im Umlauf, rechnet Telekom-Presse.at vor. Ein weiterer Kundenkreis wären die Besitzer von Microsofts Gaming-Konsole Xbox 360 (bis Anfang des Jahres rund 80 Millionen mal verkauft) | unbekannt |
| Sonys Smartwatch 2 | ab September, Vorgänger schon im Handel | NFC, Interface für ein verbundenes Android-Device,sieben Tage Akkulaufzeit | Googles Playstore auf angeschlossenen Android-Geräten | um 200 Euro |
| Pebble | im Handel | Epaper-Display, beleuchtet, vier analoge Knöpfe, Iphone- und Android-App macht Funktionen des Smartphones verfügbar - etwa Messaging, Sport-Tracking, Musikkonsum, verschiedene individualisierbare Uhren-Oberflächen | unabhängig von bestimmten Herstellern/Smartphones | um 110 Euro |
Die Liste ließe sich noch erweitern, wollte man wirklich jedes Gerücht wiedergeben. So hat auch Google einen Patentantrag für eine Uhr eingereicht (ungeachtet seines Vorstoßes in Richtung Datenbrille, den es mit Glass gemacht hat). Laut Android-Magazin Cultofandroid.com soll das primäre Ziel dieser Uhr der bequeme Zugriff auf Kommunikation sein - also wie auch bei den meisten Mitbewerbern eine Art Second-Screen für alle, die gerade zu faul oder nicht in der Lage sind, zum Handy zu greifen.
Doch welche Marktchancen haben Smartwatches und welche Rolle nehmen sie im Mobilmarkt ein - sind sie Flop, Übergangsphänomen oder nächstes großes Ding? Eine Analyse der Vor- und Nachteile smarter Uhren in Abgrenzung zu anderen Mobilgeräten verschafft Klarheit. Dabei lohnt es sich, zwei Szenarien für die Smartwatches zu entwerfen: Einmal als eigenständige Devices, die das Handy ablösen. Und als Accessoires zu bestehenden Mobilgeräten.
Wo die Stärken und Schwächen smarter Uhren liegen
Smartwatches als autonome EndgeräteDie Potenziale von Smartwatches liegen vor allem in der schnellen und diskreten Bedienbarkeit, sowie im Tragekomfort: Das wird deutlich, stellt man sich einen Radfahrer oder Jogger vor. Der schnelle Blick auf die Jogging-App im Endgerät am Handgelenk zeigt den Strecken-Fortschritt, Kalorienverbrauch und den Restweg zum angestrebten Ziel an, dabei hört man vom gleichen Gerät Musik oder empfängt Anrufe. Kann ein Smartphone auch? Stimmt - allerdings bietet die Uhr am Handgelenk höheren Komfort und bessere Bedienbarkeit. Als Wearable am Körper könnten Smartwatches außerdem den Puls messen und in die Leistungsberechnungen mit einfließen lassen.
Der Knackpunkt dabei: Die Smartwatches bleiben in allen vorliegenden und geplanten Versionen von Apple bis Sony immer nur Appendix des Smartphones. Sie spielen in der gleichen Liga wie Headsets - sind erweiterndes Zubehör, aber kein eigenes Endgerät, sondern vielmehr Interface. Daher stellt sich die Frage, ob sich die klugen Uhren von ihrem Endgerät emanzipieren und autonome Devices werden können? Das ist unwahrscheinlich, weil eine ganze Reihe von Hindernissen dagegen spricht.
- Zwar ist es technisch leistbar, alle Bestandteile eines Smartphones in das kleine Gehäuse einer Uhr zu zwingen - was aber geschieht mit den Ausgabe-Instrumenten Display und Lautsprecher?
- Ein Display benötigt eine gewisse Größe, damit der Nutzer angenehm lesen, Bilder ansehen und Nachrichten tippen kann. Machen Hersteller die Uhren größer, kann sich der Nutzer gleich ein Smartphone ans Handgelenk kleben.
- Audioausgabe und -eingabe müssten zwingend über ein Headset geschehen. Damit kommt zur Uhr das Headset als weiteres Gerät hinzu, dass man mitnehmen muss und liegen lassen kann.
- Siri-artige Sprachinterfaces lösen nur das Eingabeproblem (bleibt der Bedarf nach einem Headset). Hinzu kommt: Nutzer verwenden Spracheingabe nur in vertrauten und intimen Umgebungen, brüllen aber höchstwahrscheinlich nicht in der U-Bahn vertrauliche E-Mails an die Ehefrau in ihr Handgelenk. Damit würde eine Siri für das Handgelenk nicht mal das Eingabe-Problem vollständig lösen
- Für die visuelle Ausgabe sind Uhren-Displays zu mickrig. Da müssten bei einer Smartwatch virtuelle Displays her, die etwa auf das Innere einer Kontaktlinse oder einer Brille projiziert werden und mit virtuellen Tastaturen oder Blicken zu steuern wären. Problem: Es kommen noch mehr Zusatzgeräte hinzu (Watch + Headset + Brille/Linse). Noch ein Problem: Wenn man eine Daten-Brille trägt, wieso kauft man dann Apples iWatch und nicht sofort Googles Glass ? Zumal eine Brille nicht das Eingabeproblem hat (virtuelle oder projizierte Tastatur), nicht das Ausgabeproblem (Display in der Brille), auch nicht das Kopfhörerproblem (Nähe der Bügel zum Ohr erlaubt Integration) und auch das Spracheingabe-Problem ist nicht größer oder kleiner als beim Handy, integriert man das Mikro in die Bügel.
Dass Smartwatches eigenständige Endgeräte werden ist also aus verschiedenen Gründen eher unwahrscheinlich. Wie sieht es dagegen mit Smartwatches als Peripheriegeräte für Smartphones aus?
Hier sind die Hürden geringer - die Uhren müssen nicht alle Funktionen des Handys in sich aufnehmen, sondern sind unterstützende Interfaces für den Alltagsgebrauch, in einer Liga mit dem Zubehörteil Headset angesiedelt.
Die Potenziale von Smartwatches als Zusatzgeräte werden deutlich, ruft man sich nochmal das oben beschriebene Bild vom Jogger ins Gedächtnis. Smartwatches sind
- Musikplayer
- Navigation
- Handyfinder als Pendant zum Schlüsselfinder. Die Uhr zeigt einem an, in welcher Entfernung und in welcher Richtung man mal wieder sein Telefon liegen lassen hat
- diskreter Konsum von Kommunikation (Mails checken, SMS, Facebook etc) - freilich wird es schon dann wieder kompliziert, wenn es um die Eingabe einer Antwort geht
- Biometrie - das Erfassen von Körperfunktionen und -daten in Sport oder für Gesundheitsanwendungen (E-Health)
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- Als Peripheriegeräte
Gestaltet und vermarktet man Smartwatches als Zubehör, haben sie einen Markt und damit Zielgruppe, unzweifelhaft. Vor allem Apple hat hier Chancen mit seinen treuen Jüngern und der hauseigenen Marken-Magie, die so glorreich mangelnden echten Mehrwert in pompöser Produktinszenierung vernebeln kann. Für einen Teil der stetig wachsenden Smartphone-Nutzerschaft werden Smartwatches attraktiv sein - jeder Dritte wünscht sich eine Smartwatch, hat etwa IDC bei einer Umfrage herausgefunden (schreibt Phonearena ). Die Größe des Marktes für eine bestimmte Smartwatch leitet sich dann aus der Verbreitung der jeweiligen Handys ab.
- Als tragbares Smartphone
Gerüchte rund um die Apple-iWatch zeichnen das Bild eines Iphones, das sich wie eine Armbanduhr anlegen lässt. Das Gerät ist im Grunde wenig Uhr und weitgehend Smartphone - nur der Tragekomfort ist dem Design der Armbanduhr entlehnt. Auch dieses Szenario macht die Smartwatch nicht zum Endgerät der nächsten Generation - das bekannte Endgerät gewinnt aber einen Novitätenfaktor und eine Verspieltheit, die wiederum besonders gut zu Apple passt.
- Als Uhren mit smarten Extras
Hier wäre der Kern der Idee, das Pferd andersherum aufzuzäumen: Den Akzent nicht auf "Smart" zu legen, sondern auf "Watch". Also eine hochwertige, ansprechende Uhr zu designen, die in aller erster Linie ist, was Uhren heute nach wie vor sind: Schmuckstücke und Zeitanzeiger. Pebbles macht dies bis zu einem gewissen Grade mit seiner Smartwatch vor, die verschiedene ansprechende Uhrenlayouts bietet und halt eben auch noch Nachrichten vom Smartphone lesbar macht und Apps bietet. Auch Samsungs Idee, seine Smartwatch von Rolex designen zu lassen, ist vor diesem Hintergrund klug - so wird die Smartwatch attraktiv für die Zielgruppe der Uhrenliebhaber.
Vier Szenarien
Smartwatches als neue Smartphones
iWatch und Co sind tatsächlich das nächste große Ding und lösen andere Mobilgeräte ab. Sollte es so kommen, teilen sich vor allem Apple und Samsung den Markt. Knifflig wird es für Advertiser - die kleinen Displays begrenzen die Werbeplätze auf ein Minimum. Werbung muss neue Formen entwickeln und ihre Relevanz dramatisch erhöhen; denn der Nutzer straft Spam besonders hart ab, wenn er ihn auf dem intimen Medium Armbanduhr heimsucht.
Dualer Endgerätemarkt
Smartwatches und Datenbrillen koexistieren - die Android-Fans vertrauen auf Googles Datenbrille, Apple-Jünger nutzen die iWatch (in Form eines zum Armreif rollbaren Handys) als Quasi-Nachfolger des Smartphones. Diese beiden Endgerätetypen domineiren auf lange Sicht den Markt, wer mehr Erfolg hat, wird öfter kopiert. Langfristig deutet in diesem Szenario Vieles auf den Sieg der Datenbrille hin (Nähe zu den Sinnesorganen, diskretere Bedienung).
Next Big Zubehör
Smartwatches werden ein Zubehör zum Smartphone, vor allem bei Heavy-Nutzern erfreuen sich die Gadgets großer Beliebtheit: Endlich keinen Anruf mehr unter der Dusche verpassen, dank wasserfester Smartwtach. Nach und nach gesellen sich mehr und mehr spannende Anwendungen dazu, die die Uhren von der Spielerei zur echten Bereicherung und funktionalen Erweiterung machen - vor allem aus dem Bereich Ehealth und Sport. Dennoch ist die Watch, egal wie smart, nicht nächstes großes Ding, sondern Übergangsappendix bei der Endgeräteevolution zu Datenbrille und Braininterface.
Uhren-Fiasko
Es gibt keine Sonne für Apples iWatch und die anderen Modelle: Der Vollflop Smartwatch liegt wie Blei in den Regalen, kaum hat ihn der erstze Hersteller herausgebracht, panisch ziehen andere Hersteller den Stecker bei ihren Projekten.
