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Welchen Einfluss Blogs auf das Kaufverhalten haben
11.06.2008 Welchen Einfluss hat das Web 2.0 wirklich auf die Konsumgewohnheiten der Internetnutzer? Wie wirken sich Produktbewertungen und Blog-Kommentare überhaupt auf die Kaufentscheidung der Online-Shopper aus? Dieser Frage haben sich zwei Studien angenommen. Analysiert man beide, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis.
Immerhin 30 Prozent der deutschen Internetnutzer haben ein Produkt nicht gekauft oder eine Dienstleistung nicht in Anspruch genommen, nachdem sie im Internet negative Kommentare oder Kritiken privater Nutzer gelesen hatten. Im europäischen Durchschnitt umfasst diese Gruppe sogar 34 Prozent.
Besonders ausschlaggebend für die Studienteilnehmer war dabei das Vertrauen der zur Rate gezogenen Informationsquelle. Fast ein Viertel (23 Prozent) der deutschen Teilnehmer bezeichneten Blogs als vertrauenswürdige Informationsquelle, private Kommentare auf Verbrauchertest- und Preisvergleichsportalen schneiden mit 28 Prozent sogar noch besser ab. Damit rangieren private Kommentare im Internet nur knapp hinter Zeitungsartikeln, denen in Deutschland 34 Prozent der Befragten vertrauen. Klassische Fernsehwerbung mit 15 Prozent und E-Mail-Marketing mit 14 Prozent liegen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.
Das Internet dient im europäischen Durchschnitt bereits 37 Prozent der Befragten entweder als Informationsquelle vor dem Kauf im Ladengeschäft oder als direkte Shoppingplattform. In Deutschland geben bereits 48 Prozent der befragten Nutzer mit Hilfe des Internets Geld aus. Bei Internetnutzern, die monatlich mehr als 145 € auf diesem Wege ausgeben, ist das Vertrauen in Blogs besonders ausgeprägt. Im Europa-Schnitt sehen 30 Prozent von ihnen Blogs als vertrauenswürdige Informationsquelle an.
Shaun Dix , Department Manager bei Ipsos, hat mit diesen Ergebnissen gerechnet. "Wir vertrauen im echten Leben den Ratschlägen und Meinungen unserer Bekannten und Freunde. Diese persönlichen Verbindungen bestehen, wie unsere Umfrage zeigt, auch online und sie haben einen großen Einfluss auf Kaufentscheidungen. Mundpropaganda funktioniert nicht mehr nur im engsten Umfeld, sie kann sich inzwischen weltweit verbreiten."
Um so erstaunlicher, dass nur die wenigsten Unternehmen das Web 2.0 überhaupt als Informationsquelle nutzen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer europaweiten Online-Umfrage des Software-Herstellers SPSS . Gerade einmal zehn Prozent der befragten Unternehmen gewinnen Informationen über ihre Kunden aus dem Web 2.0. Besonders prekär: Trotzdem geben 82 Prozent der Befragten an, soziale Netzwerke seien eine sinnvolle Informationsquelle.
Genauso negativ ist das Ergebnis im Bereich Blog-Analyse: Obwohl immer mehr Anwender Blogs und Kommentare nutzen, um der Internet-Gemeinde ihre Erfahrungen und auch Produkt-Frustrationen mitzuteilen, kommt diese Kritik jedoch selten bei den Verantwortlichen an. Denn Unternehmen verwenden Blogs offensichtlich kaum für die Analyse von Konsumentenbedürfnissen.
Statt dessen setzten viele Firmen lieber auf das gute alte Telefoninterview. Erhebungen per Telefon sind für 47 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer die bevorzugte Marktforschungs-Methode. "In Social Networks geben Kunden häufig ein ehrlicheres Feedback ab als bei klassischen Umfragen", sagt Michael Mors , Country Manager der SPSS. "Was Kunden wirklich wollen, liegt als wertvoller Schatz in den Foren, Blogs und Kommentaren verborgen. Wer die Daten aggregiert, sinnvoll auswertet und das dabei gewonnene Wissen umsetzt, hat gewonnen."
