Unsichtbare Marktpotenziale mit Kaufkraftdaten erschließen Jetzt zum Webinar anmelden
Eigene Daten zeigen oft nur einen Teil des Bildes. Erfahren Sie, wie Kaufkraft-, Markt- und Regionaldaten zusätzliche Perspektiven auf Kunden, Regionen und Standorte eröffnen. Anhand konkreter Praxisbeispiele lernen Sie, wie sich bislang verborgene Marktpotenziale erkennen und gezielter nutzen lassen.
Jetzt zum Webinar anmelden
Expert-Talk: GEO-PR: "Es geht um Relevanz in KI-Systemen" Video-Podcast ansehen
Wer in ChatGPT, Gemini oder Perplexity sichtbar sein will, darf sich nicht auf die eigene Website verlassen. Denn KI-Systeme prüfen, was andere über eine Marke sagen - auf Fachportalen, Bewertungsplattformen, Vergleichsseiten, Reddit oder YouTube. Hier setzt GEO-PR an. Video-Podcast ansehen

November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk

35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.

Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.

Alle Inhalte im November kostenlos
Heute frei lesen. Morgen nichts verpassen.

Registrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.

Das Newsletter-Abo erhalten Sie im Rahmen der kostenlosen Registrierung.

Abruf exklusiv für Premium-Mitglieder

Online-Werbung: Wieso sich Marken zerstören, wenn sie Adblocker umgehen

21.11.2018 Halb Deutschland blockt Onlinewerbung? Statt zu überlegen wieso, bieten Vermarkter lieber 'Adblocker-Nutzer' als Premium-Traffic an. Wieso das gefährlich ist und was Marken stattdessen tun sollten.

Hereinspaziert, hereinspaziert - hier wartet eine attraktive Zielgruppe (Bild: MIH83 / Pixabay)
Bild: MIH83 / Pixabay
Hereinspaziert, hereinspaziert - hier wartet eine attraktive Zielgruppe

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
Strategisch
Visionär
Technik
Medien
Wirtschaft
 
heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Adblocker-Traffic mag ein spannender Kanal sein, das Risiko einer Marken-Erosion steht indes in keinem Verhältnis zum Gewinn.
Jahrelang haben Vermarkter-Zusammenschlüsse hartnäckig behauptet, die Adblocker-Rate in Deutschland oszilliere um einen Wert von etwa 18/19 Prozent herum. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. So richtig wahrscheinlich schien das noch nie, hatten doch unabhängige Studien aus dem Ausland längst 25 Prozent plus für den Deutschlandmarkt ergeben. Schließlich errechnete iBusiness einen Wert von 40-50 Prozent als wahrscheinlich und wurde schließlich von einer repräsentativen Studie ins Recht gesetzt (iBusiness berichtete). Offenbar hatte diese Berichterstattung zumindest einen Erfolg: Vermarkter versuchen nicht mehr nur die Adblocker-Rate künstlich klein zu rechnen - nun machen sie sich daran, ahnungslosen Werbetreibenden einzureden, Adblocker-Nutzer seien eine besonders attraktive Zielgruppe und wünschten sich Werbung.

"Adblocker-Traffic ist wertvoll und zählt in vielen Kampagnen inzwischen zum leistungsfähigsten Audience-Segment" konstatierte vor kurzem eine Pressemitteilung der Virtual-Minds-Gruppe  , die ein Gemeinschaftsprodukt von Supply-Side-Plattform Yieldlab   , Anti-Adblocking-Lösung Tisoomi   und der Demand-Side-Plattform   bewirbt.

Mittels ein wenig Mathematik lässt sich aus frei verfügbaren Zahlen errechnen, dass die bummeligen 20 Prozent Adblocker-Rate, die Verbände kolportieren unrealistisch sind.
Mittels ein wenig Mathematik lässt sich aus frei verfügbaren Zahlen errechnen, dass die bummeligen 20 Prozent Adblocker-Rate, die Verbände kolportieren unrealistisch sind. (Grafik: Hightext Verlag)
Mit an Bord, um Werbefläche bereitzustellen, auf der dann adblockende Nutzer mit blocker-resistenter Verbraucherinformation adressiert werden, sind unter anderem Computerbild   und Kicker  . Gemeinsam will dieser Zusammenschluss erstmal Adblocker-Traffic programmatisch adressierbar machen, so das Versprechen.

Tatsächlich stimmt voll und ganz, was die Presseauslassung über den Wert des adblockenden Nutzers konstatiert: Er ist wertvoll. "Die Adblocker sind die wohl attraktivste Zielgruppe schlechthin", sagt der deutsche Media-Guru und Mitbegründer der Media-Agentur TKD  , Thomas Koch: "(Sie sind) jung, männlich, (besitzen) hohe Bildung und Einkommen - und sind schwer zu erreichen." Und nicht ohne Ironie liefert Thomas Koch auch die Begründung dafür: "weil sie so schlau sind, Werbung online zu blocken. Aber gleichzeitig (sind sie) stark überproportionale Online-Nutzer." Eine Zielgruppe also, nach der sich Advertiser die Finger lecken sollten. Wäre da nicht der immanente Nachteil, dass sie nun einmal Werbung verabscheuen.
Traffic von adblockenden Nutzern ist nicht identisch mit Traffic aus der Zielgruppe. Die Schnittmenge zwischen beiden kann sehr klein oder groß sein, in jedem Fall sollte man sie nicht über Banner ansprechen, denn alles, was man tut ist die Werbeverweigerer aus der eigenen Zielgruppe zu nerven.
Traffic von adblockenden Nutzern ist nicht identisch mit Traffic aus der Zielgruppe. Die Schnittmenge zwischen beiden kann sehr klein oder groß sein, in jedem Fall sollte man sie nicht über Banner ansprechen, denn alles, was man tut ist die Werbeverweigerer aus der eigenen Zielgruppe zu nerven. (Grafik: HighText Verlag)

Genau das bestreitet jedoch der Advertising-Zusammenschluss, der seinen Kunden blockende Nutzer programmatisch verkaufen möchte: "Nutzer mit aktiviertem Adblocker (verfügen) über dieselbe Werbeakzeptanz wie Nutzer, die keinen installiert haben, wie eine unabhängige Studie der Hamburg Media School und der University of Florida belegt." Leider hat iBusiness zu Redaktionsschluss keine Antwort von Virtual Minds erhalten, als wir darum baten, diese Studie und weitere Stellungnahmen zum Thema verfügbar zu machen. Wer indes nach gemeinsamen Projekten der Hamburg Media School   und der University of Florida   googelt, findet vor allem den Adblocking Summit 2018  , organisiert von Tisoomi, jenem Anti-Adblocking-Lösungshersteller, der mit seinen Partnern Werbeverweigerer programmtisch buchbar machen möchte.

Wenn Menschen keine Werbung wollen, muss man das respektieren
(Thomas Koch, Media-Guru, Vermarkter, TKD Media)
Thomas Koch, Media-Guru, Vermarkter, TKD Media (Bild: Clap/Jens Bruchhaus & Michael Ingenweyen)
Bild: Clap/Jens Bruchhaus & Michael Ingenweyen

Anti-Adblocking: Drei Dimensionen der Marketing-Beschädigung

Für den nie um klare Worte verlegenen Thomas Koch indes ist das Ansinnen "eine mittlere Kommunikations-Katastrophe! Wenn Menschen keine Werbung wollen, muss man das respektieren." In der Tat hat die gezielte Adressierung von Adblockenden drei Risiko-Dimensionen für die eigene Marke:
  1. Kurzfristige Dimension: Budgets werden für Nutzer verschwendet, die überhaupt kein Interesse an Werbung haben.
  2. Mittelfristige Dimension: Wird dauerhaft Budget für die programmatisch anzusprechenden Adblocker-Nutzer eingeplant, adressiert eine Marke dauerhaft die falschen Nutzer und verliert Umsatz.
  3. Langfristige Dimension: Markenbeschädigung/negatives Branding. Irgendwann stößt es den Nutzern sauer auf, dass dort jemand meint, so relevant zu sein, mittels Umgehungssoftware dennoch Ads am Adblocker vorbeischmuggeln zu dürfen. Die beworbenen Marken erhalten so langfristig eine negative Konnotation.

Eine Handvoll Strategien: Worin Marken anstelle von Adblocker-Traffic investieren sollten

Die Adtech-Unternehmen zitieren Studien, nach denen adblockende Nutzer keine reduzierte Werbeakzeptanz hätten. Dumm, dass die Nutzer das offenbar nicht wissen: Drei Viertel der Adblocker-Nutzer sind laut repräsentativer iBusiness-Studie explizit gegen Werbung.
Die Adtech-Unternehmen zitieren Studien, nach denen adblockende Nutzer keine reduzierte Werbeakzeptanz hätten. Dumm, dass die Nutzer das offenbar nicht wissen: Drei Viertel der Adblocker-Nutzer sind laut repräsentativer iBusiness-Studie explizit gegen Werbung. (Grafik: Hightext Verlag/Splendid Research)
Doch das Problem mit dem Adblocker-Traffic muss man gar nicht zur Katastrophe erklären, um ihm mit gehöriger Skepsis zu begegnen. Es hat auch den immanenten Fehler, dass man geneigt ist relevante Nutzer und adblockende Nutzer gleichzusetzen - was sie nicht sind. Relevant ist die Zielgruppe. Und es gibt die Zielgruppe auf der einen Seite, und die adblockenden Nutzer auf der anderen Seite. Interessant ist für eine Marke jedoch nur die Schnittmenge der beiden: Welche Nutzer sind meine Zielgruppe, lassen sich aber via Display nicht erreichen, weil sie blocken - so lautet die Frage. Doch wie lautet die Antwort?

Die Antwort darauf, wie man die adblockende Zielgruppe erreichen kann, ist deutlich komplizierter als pauschal adblockenden Traffic einzukaufen, weil man ihm pauschal das Premium-Etikett aufklebt. Eine Alternative dazu wäre, Nutzerpersonas zu erstellen: Wie stellt man sich den eigenen adblockenden Lead vor? Von dort ausgehend lassen sich - je nachdem ob dieser prototypische Adblocker-Lead nun Bestands- oder Neukunde ist, verschiedene Strategien entwickeln.
  • Datenanalyse: Für das Budget, das man beim Verzicht auf eine programmatische Adblocking-Nutzer-Kampagne spart, untersucht und putzt man die eigenen Daten auf der Suche nach neuen Erkenntnisse zu Bestandskunden, Leads oder der eigenen Performance im Web.
  • Bestandskunden-Bindung: Man reaktiviert schlafende Leads oder versucht, den Warenkorbwert bestehender Kunden zu erhöhen. Oder man steckt Geld in die Verbesserung der Service-Qualität, auch das ist Marketing.
  • Content-Marketing: Man erstellt relevante Inhalte rund um die eigenen Markenthemen, steckt mehr Geld beispielsweise in den Blog/Podcast oder zieht, wenn man als Marke noch gar keinen hat, überhaupt erst einen auf.
  • Kontextuelle Werbung: Man wirbt in Umfeldern, in denen sich die eigenen Kundenpersonas mit hoher Wahrscheinlichkeit tummeln dürften. Ansonsten verzichtet man auf Targeting. P.S.: Niemand redet hier von ausschließlich digitaler Werbung. Man darf auch in Kategorien wie Print und Plakat denken.
Das ist nur eine Handvoll möglicher Alternativen- Es gibt noch einen deutlich größeren Katalog alternativer, substanzieller Strategien, die deutlich weniger Risiko einer Marken-Beschädigung besitzen, wie es der Kanal 'programmatischer Adblocker-Traffic' tut.
Thema: Online-Werbung: Wieso sich Marken zerstören, wenn sie Adblocker umgehen

Kommentar von Sebastian Halm

Ein Sack voll Kunden

Eines haben neue, vielversprechende Marketing-Tools ganz oft gemeinsam.

Weiterlesen
iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
Neuer Kommentar  Kommentare:
Schreiben Sie Ihre Meinung, Erfahrungen, Anregungen mit oder zu diesem Thema. Ihr Beitrag erscheint an dieser Stelle.
alle Veranstaltungen Webcasts zu diesem Thema:
Dienstleister-Verzeichnis Agenturen/Dienstleister zu diesem Thema:
Experten-Profile Genannte Personen: