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Quadratur des Kreises: Was Chatbots in der Praxis taugen
16.10.2017 Kundensupport ist im Onlinehandel Differenzierungsmerkmal und Kostenfaktor zugleich. Bots, Künstliche Intelligenz und Machine Learning versprechen Einsparungen bei höherem Servicelevel. iBusiness klärt, ob sich diese Quadratur des Kreises in der Praxis tatsächlich realisieren lässt.
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Einen ersten Ansatz bietet dabei ein regelmäßiges Reporting. Wenn im Zuge dessen auffällt, dass immer wiederkehrende und gleich zu beantwortende Fragen oder auch lange Wartezeiten durch Überlastung der Supportmitarbeiter auftreten, kann der Einsatz eines automatisierten Antwortsystems eine Überlegung wert sein. Das gilt für den E-Mail-Kanal genauso wie für das Telefon oder Chat. Das zugrundeliegende Prinzip dahinter ist im Service längst bekannt. So setzt die EMail-Kommunikation beispielsweise längst auf vorgefertigte Antworten oder Textbausteine. Meist arbeiten diese dem Agenten jedoch nur zu.
Checkbox Bot-Implementierung |
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Technische Voraussetzungen |
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Entscheidungsbeteiligte |
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Wer leitet die Implementierung? |
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Benötigte Ressourcen / Materialien |
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Benötigte Zeit für eine Implementierung |
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Benötigtes Budget |
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Welchen Kanal bedient der Bot? |
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Zu beachtende Stolpersteine |
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Verglichen damit ist ein Bot - die Implementierungskosten einmal außer Acht gelassen - die wesentlich kostengünstigere Variante. Die automatische Antwortinstanz kann häufig wiederkehrende, einfache Fragen, beispielsweise zu Produktverfügbarkeit oder Lieferzeit, erfassen und per Zugriff auf eine zentrale Wissensdatenbank dem Kunden schnell und zuverlässig hilfreiche Antworten liefern.
Dazu muss er allerdings zunächst einmal in der Lage sein, die Sprache und Vorgänge zu verstehen, die er bedienen soll. Dem Bot müssen hierfür - genau wie dem echten Mitarbeiter - die gesammelten Daten aus allen Kanälen des Kundenservice, aus dem Kundenmanagementsystem und aus der Warenwirtschaft zur Verfügung stehen, damit er die passende Antwort zur Frage liefern kann. Im Ergebnis steht dann ein sogenannter "Answer Bot", also ein automatisiertes Antwortsystem, das dem Kunden Antworten zur gestellten Frage, ausgewählt nach Relevanz, anbietet.
Findet der Kunde die richtige Antwort, kann er sich damit selbst weiterhelfen und die Anfrage erscheint erst gar nicht bei einem menschlichen Supportmitarbeiter. Ein Bot braucht für seine bestmögliche Auswahl der Antworten eine entsprechend vorbereitete und strukturierte Wissensdatenbank. Liegen die Daten passend strukturiert vor, ist der Answer Bot in kürzester Zeit voll einsatzbereit.
Mensch oder Maschine?
Bei einer Supportanfrage hasst der Kunde nichts mehr als lange Warteschleifen und wiederholtes Angeben der Kundennummer oder seines Anliegens. Kundenservice per Telefonhotline funktionierte bis dato so, dass die Agenten, wo immer möglich, durch festgelegte und vorformulierte Antwortpfade geleitet wurden. Beim Kundenservice, der per Answer Bot unterstützt wird, reagiert dieser auf Standardfragen mit als hilfreich eingestuften Antworten, aus denen der Kunde selbst die für ihn am besten geeignete auswählt. Der Kunde erhält so nahezu in Echtzeit die gewünschte Antwort. Ist dem Kunden zufriedenstellend geholfen, erscheint die Anfrage gar nicht in den Tickets der "echten" Supportmitarbeiter, diese bleiben für komplexere Anliegen frei und treten vor allem als Experten auf.Wird der Answer Bot für ständig wiederkehrende, vordefinierte Anfragen mit Standardantworten eingesetzt, wird er zur sinnvollen Unterstützung für die echten Servicemitarbeiter. Kundenanfragen werden schneller und effizienter gelöst. Die positive Ticketanzahl kann erhöht werden, wenn Mensch und Bot parallel arbeiten. Der Answer Bot greift die einfachen Fragen ab, der Mensch tritt als Experte für die komplexen Anliegen auf und hat für diese mehr Zeit zur Verfügung. Ziel eines Bots ist es nicht, den Mitarbeiter zu ersetzen, sondern zu unterstützen.
Der Answer Bot schlägt relevante Artikel als Antwort auf die Anfrage vor. Stuft der Kunde die Antwort als hilfreich ein, gilt die Anfrage als gelöst. Der Bot lernt aus den Reaktionen und Bewertungen der Anwender. Zudem können Agenten die Datenqualität in jeder Anfrage separat bewerten. Auf diese Weise wird Answer Bot selbstlernend immer präziser.
Checkbox Bot-Einsatz |
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Reagiert Mensch oder Maschine? |
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Was, wenn der Bot falsch reagiert? |
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Symbiose statt reiner Automatisierung
Nur - wie reagieren die Kunden auf einen Bot? Akzeptieren sie, dass ihre Anfrage nicht von einem Menschen beantwortet wird? Oder riskiert der Händler diejenigen Kunden zu verprellen, die bisher eine persönliche Betreuung gewohnt waren? Der Answer Bot steigt bei Standardanfragen nahezu in Echtzeit ein, bevor ein menschlicher Supportmitarbeiter die Anfrage zu Gesicht bekommt. Dem Kunden wird quasi sofort Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, in Form von Antwortartikeln, die bislang auf diese Frage als hilfreich wahrgenommen wurden. Findet der Kunde aber keine passende Antwort für sich oder möchte doch die menschliche Unterstützung bekommen, so kann er dies über den Bot kundtun und wird sofort zum echten Serviceagenten weitergeleitet. Eine ausschließliche Supportbetreuung über den Answer Bot ist demnach nicht sinnvoll, eine Hybridkombination aus Bot mit menschlichem Rückhalt für komplexe Anfragen und Kunden mit persönlichem Kontaktwunsch macht Sinn.Sucht ein Kunde zum Beispiel im Onlineshop für Smartphones nach Displayschutzfolie, so kann der Answer Bot auf die Frage, welche die richtige Größe für das gesuchte Modell ist, den passenden Artikel zuverlässig angeben. Fragt der Kunde aber, ob eine Reparatur seines gesprungenen Smartphone-Displays möglich und rentabel ist, so ist die Beantwortung möglicherweise zu komplex - der Bot findet keinen passenden Artikel und der echte Mitarbeiter übernimmt die Anfrage.
Ohne Daten geht nichts
Grundvoraussetzung für einen gut funktionierenden Bot ist der Zugriff auf die bereits genannte zentrale Wissensdatenbank für Wissensmanagement, Kundendaten und Produktinformationen. Der Answer Bot analysiert die Anfragen und bezieht seine Antwortvorschläge aus den Artikeln in der Datenbank. Jede Kundeninteraktion mit Bot und Supportmitarbeiter liefert neue Informationen, welche dem dahinter liegenden System die Möglichkeit geben zu lernen (Machine Learning). Die Maschine lernt beispielsweise, dass Antworten, die ausgespielt werden und direkt positives Feedback bekommen, eine größere Relevanz haben als andere Antwortvorschläge. So verstärkt das System durch jede Interaktion die Relevanzgewichtung des ausgespielten Wissens und wird so zu einem selbstlernenden Mechanismus, der dem Kunden schnell Hilfe bietet.In der Praxis - kann jeder Bot?
Bevor sich ein Onlinehändler für oder gegen den Einsatz eines Bots im Kundensupport entscheidet, gilt es folgende Fragen zu klären:- Existiert eine gut strukturierte und aktuelle Wissensdatenbank?
- Sind mehr als die Hälfte der Supportanfragen wiederkehrend und einfach zu beantworten?
- Auf welchen Kanälen findet der Kundensupport statt?
- Wie ticken meine Kunden? Legen sie Wert auf persönliche Betreuung oder sind sie aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien?
Checkbox Bot-Implementierung |
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Wie lernt der Bot? |
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Wieviel Zeit kostet die Pflege? |
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Erkennt der Bot Gefühle? |
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Folgende Beispielrechnung verdeutlicht den Nutzen: Von 100 Anfragen werden sechs vom Answer Bot gelöst. Das führt bei einer mittleren Lösungszeit eines Tickets von gut 22 Stunden zu einer Zeitersparnis von mehr als 130 Stunden, die die Servicemitarbeiter in komplexe Betreuung investieren können.
Stufenweise Einführung
Es kann auch sinnvoll sein, Bots zunächst erst in Pilotprojekten bei einem Teil der Kunden einzusetzen, um die Resonanz und die Zufriedenheit der Kunden auszuwerten. Das Unternehmen sollte sich langsam vortasten, selbst Schritt für Schritt dazulernen und den Einsatz bei Erfolg erweitern.Die Rolle der echten Servicemitarbeiter wird sich schrittweise verändern. Sie treten neben dem Bot als Experten bei komplexen Anfragen und bei schwierigen Situationen auf. Ihre Art der Kommunikation verändert sich damit mit. Das Serviceteam sollte allerdings vorbereitet und geschult werden, damit die Arbeitsabläufe intern wie auch im Kundenkontakt trainiert sind. Im Hybrideinsatz mit dem Bot müssen Servicemitarbeiter im richtigen Moment einspringen, um die Kundenzufriedenheit nicht zu gefährden.
iBusiness-Autor Björn Bauer ist Senior Solutions Consultant EMEA bei Zendesk .
