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Crossmedia-Marketing für alle (I): Prozesse, Budget, Kanalauswahl
18.05.2017 Trotz scheinbar unüberschaubarer Kanalvielfalt ist Crossmedia-Marketing machbar - und wird täglich sinnvoller, etwa als SEA-Kostenbremse. Das Geheimnis liegt in Fokussierung - und Fehlervermeidung. So geht Crossmedia-Kampagnen-Setup.
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Darüber hinaus ist Crossmedia auch die Flucht aus immer engeren Marketingkanälen in die Breite der Kanalvielfalt - etwa aus dem Dampfkochtopf des Suchmaschinenmarketings: "Früher kam man als kleiner Shop gut mit SEA zurecht, heute ist es dort deutlich enger geworden", sagt Ron Warncke, Experte für Customer-Journey-Strategien und Crossmedia-Marketing bei der Agentur Explido . "Marken setzen auf SEA, Hersteller machen Adwords, kleinere Shops besetzen mehr und mehr Nischen. Man muss immer mehr investieren - oder aber über die Suche hinausgehen."
Crossmedia-Marketing ist so zum einen eine komplexere Form des Marketings, die große Player bis ins Unendliche verfeinern können - mit Marktforschung, Customer-Journey-Analyse, Echtzeit-Analytics und automatisierten Feedbackschleifen. Für kleine Shops ist crossmediales Marketing eine Chance auf weniger hart umkämpften Kanälen Marketing zu betreiben, das - richtig gemacht - viel bewirkt und moderat kostet.
So geht's: Wie Shops und Marken Anfängerfehler vermeiden
Eine Grundsatzentscheidung bei der Auswahl der Kanäle im Crossmedia lautet: Will man eine gezielte Aktion setzen oder kontinuierliche Werbewirkung entfalten? Besonders im zweiten Fall darf ein Advertiser die Kosten nicht unterschätzen, die für einen spürbaren Effekt notwendig sind.So lässt sich inzwischen auf dem Kanal TV mit weniger Geld als früher etwas erreichen - etwa indem man auf Direct Response Spots auf kleineren Sendern setzt: Man kann bereits für etwa 500.000 Euro effektiv Abverkaufs-Werbung auf kleineren Kanälen schalten - Spots, die den Zuschauer mit einem Call-to-action ansprechen. Eine großangelegte Kampagne dagegen ist kaum unter vier bis fünf Millionen Euro zu haben. Und grundsätzlich schließt jede Form von spezialisierten Produkten im Grunde schon Mainstream-Medien - wie vor allem das Fernsehen - aus. Es ist manchmal schlicht das falsche Werkzeug, selbst wenn das Geld da ist.
Grundsätzlich sind weit gestreute Maßnahmen im Rahmen von Crosschannel schwierig - wer mit der Schrotflinte auf ganz Deutschland zielt, erwischt halt überall ein paar potenzielle Kunden, aber nirgendwo richtig viele auf einmal. Zudem passen weite Streuungen nur zu wenigen Produkten - bei einem Telko-Vertrag ergibt es Sinn, überall in der Republik nach wechselwilligen Menschen zu suchen. Doch schon der Verkauf eines an sich massenkompatiblen Produktes wie eines Autos erfordert schon präzisere Zielgruppen und Targetings, soll die Investition etwas bringen.
Es gibt noch einen Weg, Budgets für eine nur geringe Werbewirkung zu verpulvern: Indem man das Geld auf zu viele, halbherzig bespielte Kanäle verteilt. Es empfiehlt sich, lieber eines richtig, statt vieles halbgar zu machen: "Je kleiner ein Shop ist, desto wichtiger ist hier Fokussierung. Plakat zum Beispiel kann dann empfehlenswert sein, sobald sich die Marke unterstützt durch andere Maßnahmen etabliert hat", sagt Warncke. "Die Priorisierung ist hier eine der vorrangigsten Aufgaben der Agentur."
Vorfeld-Planung: Prozesse aufsetzen, Daten packen, Ziele setzen
Marken und Shops holen zur Planung idealerweise alle auch nur am Rande involvierten Mitarbeiter an einen Tisch. Der agile Ansatz der flachen Hierarchien und durchbrochenen Abteilungswände hat sich hier bewährt: Wieso nicht die Buchhaltung zur Konzeption der Crossmedia-Strategie dazu holen? Vielleicht weiß da einer etwas über die Kunden, was alle anderen nicht auf dem Schirm haben?Vor allem aber ist die Crossmedia-Strategie Chefsache. Den Hut muss jemand von möglichst weit oben aufhaben. Crossmedia ist mindestens CMO-Angelegenheit, sonst ist eine Zerfaserung der integrativen Strategie programmiert - die SEO-Abteilung versucht dann, den Löwenanteil der Budgets in die Suche umzuleiten, die Webdesign-Agentur möchte das Budget für Webdesign abgreifen, das Social-Team für den Facebook-Auftritt, während die Display-Verantwortlichen und Affiliates das Geld schwerpunktmäßig in Banner- beziehungsweise Affiliatekampagnen investieren möchten: Die klare Linie verliert sich schnell im Pluralismus und Gegeneinander der beteiligten Instanzen.
Gemeinsam muss man dann zuerst die Basisfrage beantworten: Wer sind die Kunden/die Zielgruppe und wo findet man sie? "Die Auseinandersetzung mit dem Thema Analytics ist nervig, aber am Anfang ist sie der wichtigste Schritt", sagt René Körting, Geschäftsführender Gesellschafter des Crossmedia-Beratungsghauses Exelution GmbH . "Man schaut sich die Topprodukte an, und wer die Käufer sind. Man untersucht, welche Themen die Kundschaft ansprechen. Und dann versucht man zu bündeln, Gruppen zu bilden." Wichtig ist es, Daten zu haben, lesen und deuten zu können und das Daten-Material gegebenenfalls um zusätzliche Informationen zu erweitern.
| Datenquellen für die Crossmedia-Kampagnen-Planung |
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| Vorsicht Fallstrick: Diese Fehler bei der Zielgruppen-Definition sind vermeidbar |
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Ein Ziel haben - und zwar ein erfüllbares
Ein Ziel zu haben, ist gut im Crossmedia-Marketing - im Grunde ist es die entscheidende Voraussetzung jeder Strategie. Noch besser ist es aber, sich ein Ziel zu setzen, das auch erfüllbar ist - das sich mit den vorhandenen Kapazitäten auch erreichen lässt. Wer 1000 Leads generiert, sollte die Kapazität haben, diese binnen einer kurzen Frist auch ansprechen zu können, bevor sie kalt werden. Klaus Kuenen, Consultant und Experte für digitale Strategien erinnert sich an einen Kunden, der bisher ausschließlich Offline agierte und sein Marketing nun Online bewegen wollte: "Wir haben ein umfangreiches Instrumentarium an Social Media vorgeschlagen,
bis klar wurde, dass der Kunde nicht den Willen und auch nicht die Kapazität hatte, das alles zu bespielen." Man kann dann alles von der Agentur machen lassen (was unfassbar teuer ist) - oder den Rahmen und die Ziele neu aufstellen.
- Wer kein Budget für große Sprünge hat, kann sich nach wie vor auf den reinen Abverkauf konzentrieren - und ohne wenn und aber alle Produkte ins SEA heben. Wenn die Preise wegen des Wettbewerbs zu hoch sind - iBusiness hat eine Analyse über Alternativen vorgenommen, die sogar mit dem Szenario eines kompletten Adwords-Exodus spielt.
- Es hilft, zu wissen, wer man ist - denn es entscheidet darüber, welche Aussicht man wirklich hat, Kanäle erfolgreich zu bedienen: "Die DNA des Versandhändlers ist etwa eine andere als die des Herstellers, der sich schnell einen Shop hinstellt", sagt Körting: "Die Hersteller können produktzentrische Aktionen besser und sollten die Kanäle entsprechend auswählen, während die Händler 1:1-Marketing meist besser beherrschen und entsprechend auf dialogische Kanäle setzen sollten."
Lifetime Value statt Marge: Warum nicht über die Konversion hinausrechnen?
Denn bei Crossmedia liegt - mehr als bei anderen Marketingstrategien - der eigentliche Erfolg im Followup. Das sollte bei der Aufsetzung der KPIs und der Erfolgskriterien berücksichtigt werden.
Und wer am Ende weder Zeit noch Mannschaft noch Geld hat, um sorgfältig über alle relevanten Kanäle hinweg orchestriertes Crossmedia aufzusetzen, der kann auch einen Tipp von René Körting anwenden: "Man nimmt sein Marketing-Budget, um die zehn größten Schwachstellen auf der Website auszubessern. Durch Tools wie Google Analytics sieht man die vorhandenen Pferdefüße an denen das Marketing krankt. Der ROI wird auf jeden Fall positiv ausfallen und die Ausgaben beispielsweise von besseren Konversionen aufgefangen werden." Shops können also endlich mal Transaktionsmailings aufsetzen - einen der meist vernachlässigten Touchpoints im E-Commerce. Und eventuell einen Berater die dummen KPIs, mit denen sie messen, smart machen lassen. Und vielleicht steckt man obendrauf das Display-Geld lieber in Lead Nurturing. Dann hat man auch etwas über alle Kanäle hinweg getan und sich dabei nicht übernommen.
| Die große Cross-Media-Analyse bei iBusiness.de |
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In diesem ersten Teil 1 einer dreiteiligen Crossmedia-Analyse geht es um das Set-up einer crossmedialen ECommerce-Kampagne und Fragen nach Budget und Kanalauswahl. Crossmedia-Marketing (II): So baut man Kampagnen den Konversionsturbo ein beleuchtet Steuerung, Optimierung und die Konzeption einer Kontaktstrecke der Crossmedia-Kampagne - widmet sich also dem Operativen. Crossmedia-Marketing (III): KPIs und Tracking - Wie man Erfolg wirklich misst wird sich dem Tracking und der Analyse der Kampagnen-Erfolge widmen. |
