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Exklusivstudie KI-Influencer

Was die Deutschen von virtuellen Influencern halten

18.06.2025 Statt auf richtige (und teure) Menschen setzen immer mehr Unternehmen auf KI-InfluencerInnen und Maschinen-Creators. Wir haben in einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung herausgefunden, was die potenzielle Zielgruppe von ihnen wirklich hält.

 (Bild: Bing Image Creator)
Bild: Bing Image Creator
Dafür, dass keine der Protagonistinnen in der Geschichte der KI-Influencer echt ist, geht es dort erschreckend menschlich zu - praktisch ausschließlich weiblich konzipiert, leben die virtuellen Meinungsbildnerinnen im Spannungsfeld zwischen Übersexualisierung, Belästigung und ungelenk konstruierter Männerfantasie.

Die erste, nennenswerte KI-Influencerin dürfte Lu do Magalu   sein. Erstellt 2009 von der brasilianischen Einzelhandelsmarke Magalu, ist sie eine der ältesten KI-Influencerinnen. Sie macht Unboxing-Videos, testet Produkte und gibt Software-Tipps. Mit einem angegebenen Alter von 22 Jahren macht sie ihre virtuelle Biografie sechs Jahre älter, als es Lu de facto ist - aber immerhin dürfte sie für immer 22 bleiben. 2018 machte sie mit der Veröffentlichung der digitalen Belästigungen Aufsehen - das Magazin Exame   berichtete über obszöne Kommentare und Nachrichten , die das digitale Model erhalten hatte. In einem Interview zeigte sich die KI-Influencerin solidarisch mit echten Frauen im Web: "Ich kann mir kaum vorstellen, was echte Frauen jeden Tag durchmachen müssen!"
Dann wäre da Shudu  , die sich in ihrer Bio als 'World's First Digital Supermodel' bezeichnet. Die Virtuelle Influencerin nennt sich also selbst das weltweit erste KI-Supermodel und wurde im April 2017 erschaffen. Ihr Vater ist der Modefotograf Cameron-James Wilson. Nachempfunden ist sie einer Barbie-Puppe mit dem Titel "Princess of South Africa". Dass ein weißer Mann hier eine schwarze Influencerin erschuf, zog Kritik auf sich. So bezeichnete The New Yorker Shudu als die digitale Projektion eines weißen Mannes, der sich schwarze Weiblichkeit vorstellt, um auf den Trend schwarzer Models in der Modebranche aufzuspringen. Historiker und Psychologen merkten außerdem an, dass Shudu eine aus der Kolonial-Ära stammende Faszination weißer Männer für schwarze Frauen bediene - dabei erlaube es Shudus Virtualität, dass ihre "Verehrer" niemals mit einer echten Schwarzen interagieren müssten.

Supermodel küsst KI-Creator

Kooperationen mit echten Marken kommen bei virtuellen Influencerinnen schon mal vor - allerdings hält nicht alles einer Überprüfung stand, was im Internet behauptet wird: Vieles, was als Marken-Partnerschaft zwischen berühmten Brands und KI-Influencern im Web aufgelistet wird, war ebenso fiktional wie die Avatare selbst. Shudu etwa hat diverse Markennamen in seinem Instagram-Stream fallen lassen und auch entsprechendes KI-Bildmaterial dazu geliefert, liest man aber genauer nach, liest man immer wieder, wie sehr sich die virtuelle Persönlichkeit "wünscht", mal mit dieser Brand zusammenzuarbeiten oder auf jener Fashion Show mitzulaufen.

@lilmiquela   etwa hat tatsächlich schon mal mit namhaften Marken kooperiert. Miquela wurde 2016 von einem US-amerikanischen Startup mit Sitz in Los Angeles geschaffen. Wie Shudu ist auch sie keine Weiße wie ihre Schöpfer, sondern wird als Halb-Brasilianerin ausgewiesen. Bis heute hat sich Miquela 2,4 Millionen Follower erarbeitet und 2017 einen Song namens Not MIne veröffentlicht. Die KI-Schöpfung ist eine der bekanntesten virtuellen Influencerinnen und hat eine ganze Reihe von Interviews gegeben, darunter mit dem Magazin Vogue  . Schlagzeilenträchtig war, wie Super-Model Bela Hadid mit der KI-Kreation in einem Video für Calvin Klein   einen Kuss austauschte.

Eine der bekannteren deutschen virtuellen Influencerinnen ist Noonoouri   , eine Schöpfung des Agentur-Leiters Jörg Zuber. Mit Kulleraugen und Comic-Anmutung klar als artifiziell erkennbar, promotet die laut KI-Bio gebürtige Münchnerin Werte wie vegane Ernährung, Verzicht auf Pelz-Kleidung und nachhaltige Mode gegenüber ihrer halben Million Followern.

Beachtliche Followerzahlen - doch der Bot ist stark in ihnen

Die Followerzahlen der Top-KI-Meinungsführer lassen sich auf dem Papier absolut sehen: In der Top-Ten erreichen viele hohe Hunderttausender-Werte und die Top-Stars können sogar Millionen-Werte vorweisen, etwa Miquela mit 2,4 und Lu do Magalu mit 7,9 Millionen Followern. Wer glaubt, dass die alle echt sind, begibt sich indes auf den virtuellen Holzweg: Laut dem Testing-Tool modash.io  , das Fake-Follower identifizieren hilft, besitzt etwa Shudu 54 Prozent Fake-Follower (also andere virtuelle Gestalten, Bots und Massenfollower). Ebenfalls nicht echt sind laut Fake-Follower-Check mehr als die Hälfte der Follower von Lil Miquela und Lu do Magalu (je 51 Prozent Fake), Spitzenreiter in unserer Betrachtung ist die Münchnerin Noonoouri, bei dem Modash.io fast jeden siebten Follower als falsch identifiziert (68 Prozent).

Solche Zahlen können durchaus auch bei menschlichen Influencern vorkommen: Die deutsche Fitness-Instragrammerin Pamela Reif   hat laut Analyse ebenfalls ein Verhältnis von 50/50 zwischen echten und falschen Followern. Bei den meisten echten Influencern dominieren jedoch analog die echten NutzerInnen: So hat die deutsche Gamerin Jasmin Gnu nur 26 Prozent Fake-Follower, der zu den berühmtesten deutschen Influencern zählende Rezo bloß 20 und selbst beim meistgefolgten Star auf Instagram, dem Fußballer Cristiano Ronaldo  . Nichtsdestotrotz ist es ein Mainstream-Phänomen, Virtuellen Followern zu folgen: In den USA tun dies laut Statista   54 Prozent der Nutzerinnen.

An virtuellen Influencern scheiden sich die Geschlechter

Wenn virtuelle Influencer aber immer beliebter werden - auch weil sie billiger sind als solche aus Fleisch und Blut - dann stellt sich die Frage, was die potenzielle Zielgruppe davon hält.

Zum zweiten Mal nach 2024 haben wir das Hamburger Marktforschungsinstitut Splendid Research   die Deutschen danach fragen lassen, was sie von Virtuellen InfluencerInnen beziehungsweise KI-InfluencerInnen halten. Dabei wollten wir auf einer Skala von plus zwei ("KI-Influencer finde ich viel spannender als normale menschliche Influencer") bis minus zwei ("Geht gar nicht. Mich interessieren nur echte Menschen, weil sie authentischere Erfahrungen teilen können.") wissen, was die Menschen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren von ihnen halten. Eine neutrale Position haben wir mit der Antwortmöglichkeit abgefragt: "Es macht für mich keinen Unterschied, ob der Account von einem Menschen oder einer KI-Persönlichkeit stammt".

Wie auch im Vorjahr lehnt die Mehrheit der von uns Befragten virtuelle und KI-InfluencerInnen eher ab (-0,4 auf einer Skala von +2 bis -2). Dieser Trend hat sich allerdings gegenüber dem Vorjahr verstärkt. Im Jahr 2024 hatte der Index noch bei 0,2 gelegen.

Dabei zeigt sich erneut, dass Männer KI-InfluencerInnen deutlich positiver sehen (-0,3) als Frauen (-0,6). Vor allem bei der männlichen Bevölkerung hat sich die Meinung über virtuelle InfluencerInnen deutlich verschlechtert. 2024 war die männliche Ansicht noch mit +0,2 Punkten leicht positiv. Die negative Meinung der Frauen zu ihnen hat sich nicht geändert.

	Was die Deutschen von virtuellen Influencern halten
Was die Deutschen von virtuellen Influencern halten (Grafik: Splendid Research, iBusiness; Grafik: Hightext Verlag)


Während aktuell knapp ein Drittel der Männer virtuelle Influencer für innovativ bzw. sogar spannender als Menschen findet, waren im Vorjahr zwei Fünftel der männlichen Befragten dieser Meinung. Dagegen halten von den Frauen 53 Prozent maschinelle InfluencerInnen für uninteressant - oder lehnen sie komplett ab.

Mehr Frauen als im Vorjahr sehen KI-InfluencerInnen neutral, aber starke Zustimmung zu ihnen findet sich weniger häufig als im Vorjahr.

Bei den Deutschen scheint wohl bei beiden Geschlechtern ein Großteil des Reizes der Maschinenmenschen verflogen zu sein, während die kritischen bis ablehnenden Stimmen mehr werden. In der demographischen Detailauswertung zeigt sich zudem, dass die Ablehnung durchgehend ist - unabhängig vom Alter, vom Einkommen, dem Bildungsstand oder der sozialen Situation.

Unternehmen, die auf Influencer-Marketing setzen, müssen wohl in den sauren Apfel beißen und richtige Menschen bezahlen. Denn die Halbwertzeit für ihre maschinellen Pendants scheint relativ kurz zu sein.

Eine Übersicht über den deutschen Influencer-Markt finden Sie im Ranking der größten Influencer-Agenturen, im Ranking der Influencer-Portale. Aktuell läuft die Erhebung für das Ranking 2025, das Anfang Juli 2025 von uns publiziert werden wird.

Thema: Was die Deutschen von virtuellen Influencern halten

Kommentar von Joachim Graf

Nur ein Gimmick

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Bild: Midjourney/jg
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