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Siri, Alexa, Cortana oder Assistant: Wer das Rennen der Sprachagenten gewinnt
02.03.2017 Sprachassistenten werden die Art und Weise ändern, wie wir mit technischen Geräten interagieren. Vier der großen Internetkonzerne stehen bereits mit ihren Lösungen in den Startlöchern - der Kampf um die Vorherrschaft am Agentenmarkt ist eröffnet. iBusiness hat sich die wichtigsten Lösungen genauer angeschaut und ihre Erfolgswahrscheinlichkeit für die Zukunft analysiert.
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Basis der Sprachsteuerung sind Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge. Beide Bereiche erfahren gerade ebenfalls einen enormen Entwicklungs- und Nutzungsschub. Ohne diese Marktentwicklung wäre das Erfassen und Verarbeiten gesprochener Sprache heute nicht in dem Maße möglich. Schließlich ist die Internetverbindung technische Voraussetzung für alle sprachgesteuerten Geräte und erst lernende Algorithmen ermöglichen, dass die Spracheingabe auch sinnvoll verarbeitet wird.
Wie schnell die Menschen Sprachassistenten adaptieren, zeigt eine Studie des Marketing-Software-Anbieters HubSpot von Anfang 2017: 58 Prozent der weltweit 1.426 Studienteilnehmer sind sehr interessiert oder neugierig, 29 Prozent hätten Interesse, wenn die Qualität stimmt. Nur 14 Prozent der Befragten haben keine Intentionen. Allerdings stehen die Deutschen den KI-basierten Tools skeptischer gegenüber als Verbraucher aus den USA oder Lateinamerika.
74 Prozent der Befragten haben im November 2016 sprachbasierte Suchassistenten verwendet - ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Referenzmonat Mai 2016. Während vor nur sechs Monaten 9 Prozent der Voice-Search-Nutzer mindestens einmal pro Woche Siri & Co. einsetzten, waren es im November 2016 bereits 38 Prozent. Und auch die Zufriedenheit mit den Agenten stieg stark: Während im Mai 2016 die Hälfte der weltweit Befragten die Qualität der Suchergebnisse als "hoch" und "sehr hoch" einschätzte, wuchs diese Zahl bis November auf 81 Prozent an.
Ein neues Schlachtfeld für die großen Internetkonzerne
Mit der intelligenten Sprachsteuerung eröffnet sich ein neues Schlachtfeld für die großen Internetkonzerne. Während Apple schon ein alter Hase in dem Markt ist, schließlich gehört Siri seit 2011 fest zum iPhone, ziehen Amazon , Microsoft und Google jetzt nach. Amazon hatte mit Alexa auf der CES seinen großen Auftritt, weil zahlreiche Hardware-Hersteller die Agentensoftware in ihre Geräte integriert zeigten.Das konnte sich Google scheinbar nicht bieten lassen und kündigte zum Mobile World Congress (MWC) in Barcelona an, dass Google Assistant in Zukunft nicht nur auf dem eigenen Smartphone Pixel, sondern auch auf vielen anderen Android-Handys laufen solle. Apple will zum Release des iPhone 8 angeblich Siri weiterentwickeln und dafür von den Nutzern nun verstärkt Daten sammeln. Und Microsoft will mit einem großen Lautsprecherhersteller einen WLAN-Lautsprecher à la Echo auf Basis von Microsofts Cortana herausbringen.
Das Rennen um die Vorherrschaft am Markt für sprachgesteuerte digitale Agenten ist also eröffnet. Am Start sind aktuell Amazons Alexa, Apples Siri, Googles Assistant und Microsofts Cortana. Für einen Spätstart rüsten sich Samsung , HTC und Huawei , die ebenfalls Sprachassistenten auf den Markt bringen wollen. Für eine Analyse der Nachzügler ist es noch zu früh, daher vergleichen wir hier ausschließlich die vier, die den Marktstart bereits hinter sich haben. iBusiness hat die wichtigsten Eckdaten in einer Tabelle dargestellt. So lassen sich Alexa, Siri, Assistant und Cortana direkt vergleichen:
| Amazon Alexa | Apple Siri | Google Assistant | Microsoft Cortana | |
|---|---|---|---|---|
| Marktstart | Seit 2015 im Echo | Seit 2011 im iPhone | Seit 2016 im Pixel | Seit 2015 in Windows |
| Sprachen | Deutsch und Englisch | Ca. 20 Sprachen, darunter Deutsch | 5 Sprachen, darunter Deutsch; für Android 6.0/7.0 bisher nur Deutsch und Englisch geplant | 8 Sprachen, darunter Deutsch |
| Unterstützte Geräte | Echo, Fire TV Stick, viele IoT-/Smart-Home-Geräte mit Alexa auf der CES vorgestellt, Lenovo-Handys geplant | iPhone, iPad, Apple TV, Mac | Google Pixel, Home, Allo und Android Wear, bald in Android 6.0 und 7.0 | Windows 10, Windows Mobile, Xbox One, App für Android und iOS (nur USA) |
| Entwicklungs-Potenzial | Offene Schnittstellen für Drittentwickler; Skills können wie Apps entwickelt werden. | Apple will für Siri-Weiterentwicklung nun verstärkt Nutzerdaten sammeln (davon wollte sich Apple bisher distanzieren) | Stellt Drittentwicklern die Spracherkennungs-Technologie zur Verfügung, damit sie eigene Dienste damit verbinden können | Ein Teil der KI-Technologie soll Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden, damit diese Apps entwickeln können; Skype soll in Zukunft Bots, Cortana und den Nutzer kommunikativ verknüpfen |
| Zukunftspläne | Soll Sprachsteuerungs-Betriebssystem für Smart Home werden und in Telefone integriert werden; soll bald unterschiedliche Stimmen unterscheiden können | Soll bis zum Start des iPhone 8 weiterentwickelt werden; Smart-Home-Lautsprecher laut Analysten nicht in Planung | Integration in Android 6.0 und 7.0 geplant, Version für TV und Autos angekündigt | Smart-Home-Lautsprecher in Kooperation mit Harman Kardon geplant, Microsoft will sämtliche Unternehmensbereiche mit KI aufrüsten; Ankündigung: Cortana soll auch in andere Geräte kommen, etwa Autos |
| Verfügbarkeit in Deutschland | Ja, im Echo und Fire TV Stick | In vollem Umfang | Ja; Assistant für Android kommt zuerst auf Deutsch, Google Home soll im Frühjahr 2017 kommen | Ja, außer iOS- und Android-App |
Die Entwicklungen und Marktchancen der einzelnen Anbieter im Detail:
| Amazon Alexa |
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Alexa, die Sprachassistentin von Amazon ist noch relativ jung. Erst im November kam sie mit dem Smart-Home-Lautsprecher auf den deutschen Markt. Auf der diesjährigen CES hatte sie bereits ihren ganz großen Auftritt. Es scheint fast, als hätten die Hardware-Hersteller nur auf Alexa gewartet. Seitdem Amazon 2016 die Schnittstellen freigegeben hat, haben sie sich ins Zeug gelegt, um auf der CES erste Anwendungen zu präsentieren: Unter den Autoherstellern wollen nach BMW nun auch Volkswagen und Ford den Dienst nutzen. LG zeigte einige Smart-Home-Geräte wie Staubsauger und Kühlschränke, die sich durch Alexa steuern lassen. Und auch Lenovo präsentierte einen Alexa-basierten Heimassistenten - um nur einige Beispiele zu nennen. Laut Bild war Alexa auf der Messe mit etwa 700 Produkten, Skills und Diensten vertreten. Was die Zahl der Integrationen angeht, scheint Amazon die Agenten-Konkurrenz zurzeit weit hinter sich zu lassen.
Inzwischen ist die Zahl der Skills, so nennt Amazon die Applikationen, die Drittentwickler für Alexa, Echo und andere unterstützte Produkte programmieren können, weiter gewachsen. Allein im deutschen Skills-Shop unter Amazon.de findet man Ende Februar rund 1.000 Skills, auch von bekannten Marken wie Bild, Chefkoch , BMW und vielen Verkehrsverbänden. Besonders viele gibt es in der Kategorie Smart Home. Sowohl die Smart-Home-Steuerung Echo als auch die vielen Alexa-Anbindungen, die auf der CES gezeigt wurden, deuten darauf hin, dass Amazon sich zu einer Art Betriebssystem für das vernetzte Heim entwickeln könnte. Schließlich gibt es dafür bisher noch keine große herstellerübergreifende Plattform. Je mehr Heimgerätehersteller sich der Plattform anschließen, desto mächtiger werden Echo und Alexa in dem Mark.
Aber allein Echo scheint sich schnell zu verbreiten: Laut Amazon selbst wurden 2016 weltweit "Millionen Alexa-Geräte" verkauft. "Echo und Echo Dot waren in diesem Jahr die meistverkauften Produkte auf Amazon", jubelte Jeff Wilke, CEO Worldwide Consumer von Amazon. Wie viele genau, ließ er offen. Marktforschern zufolge dürften es rund 8,6 Millionen verkaufte Geräte gewesen sein. Für Deutschland liegen keine Zahlen vor.
Ebenfalls in Smartphones - nicht in Amazon-eigenen, denn die sind gefloppt - soll Alexa kommen: Die Smartphones der Marke Motorola von Lenovo sollen mit Alexa ausgestattet werden. Das aktuelle Moto Z werde im ersten Schritt ein Ansteck-Modul mit sechs Mikrofonen für die Sprachsoftware erhalten, erklärt Aymar de Lencquesaing, Motorola-Chef bei Lenovo: "Wir brauchen nur drei, vier Monate, um ein solches Modul zu entwickeln, verglichen mit einem Jahr bei einem Telefon." Später soll Alexa zunächst in die High-End-Modelle von Motorola integriert werden. Darüber hinaus kündigte Huawei an, sein Telefon Mate 9 in den USA mit Alexa auszuliefern.
Einschätzung:
Auf Seite der Software wird Amazons Alexa dank immer mehr Drittentwicklern immer besser. Die Verbreitung der unterstützten Hardware ist dagegen für Amazon schwieriger - schließlich ist Alexa bisher nicht wie andere Sprachassistenten auf Smartphones vorinstalliert. Aber immerhin der Echo scheint sich vergleichsweise gut zu verkaufen, was die Verbreitung steigert. Ob Alexa auch auf anderen Smart-Home-Geräten funktioniert und ob die Kunden diese Angebote annehmen, muss sich zeigen. Das wäre ein Muss für den Erfolg von Alexa, schließlich kann erst der Netzwerkeffekt unter den Endkunden, Herstellern und Entwicklern zu einer großen Verbreitung führen.
| Apple Siri |
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Siri ist mit einem riesigen Vorsprung in den Markt der Sprachassistenten gestartet. Spricht man heute über das Thema, steht der Name immer noch stellvertretend für die Technologie allgemein. Einen großen Vorteil hat Apple immer noch, weil der Hersteller die Software in 20 Sprachen anbietet. Aber in Sachen Künstlicher Intelligenz scheint er den Anschluss zu verlieren. Denn während andere Entwickler viele Daten zur Verfügung haben, die ihre Agenten intelligenter machen, wollte Apple bisher auf das Sammeln von Daten und Machine Learning im großen Stil verzichten. Diese Einstellung sahen sie bisher als verkaufsförderndes Alleinstellungsmerkmal an. Aber ohne Daten kein Lernen. Nun scheint ein Umdenken im Konzern stattzufinden. Ab dem neuen Betriebssystems iOS 10.3 will er das Sammeln von Nutzerdaten ausweiten, während die Privatsphäre-Standards weiterhin sehr hoch sein sollen. Bisher muss der Nutzer aktiv zustimmen.
Dass Apple Siri verbessern will, zeigt sich allein daran, dass das Unternehmen in den vergangenen eineinhalb Jahren drei Start-ups gekauft hat, die sich auf Maschinenlernen und Spracherkennung spezialisiert haben. Branchenexperten warten auf die nächste Keynote, die Vorstellung des neuen iPhone beziehungsweise des Betriebssystem-Nachfolgers iOS 11.
Es fällt auf, dass Apple der einzige Anbieter eines Sprachassistenten ist, der nur eine beschränkte Schnittstelle für Drittentwickler anbietet. Apple beschränkt die Programmierschnittstelle SiriKit derzeit auf bestimmte Dienste. Der Konzern wird sich dahingehend sicherlich auch nicht so schnell weiter öffnen, denn er hat sich schon immer gegenüber unnötigen Einfallstoren verschlossen. Mit dieser Strategie beugt er zwar Sicherheitsproblemen vor, hemmt aber auch die großflächige Verbreitung. Außerdem ist bisher abgesehen von Apple-Produkten nicht von weiteren Endgeräten die Rede, in die Siri integriert werden soll.
Einschätzung:
Damit bleibt Siri ein zum Großteil geschlossenes System für das Apple-Universum. Bisher zumindest sieht es nicht danach aus, dass Apple dies ändern will. Interessant ist das für Nutzer, die Respekt vor der Datensammelwut anderer Unternehmen haben - und für Apple-Fans. Aber auch im Apple-Universum zieht Konkurrenz auf. Denn die Sprachsuche zum Beispiel von Google und Microsoft gibt es bereits für das iPhone. Und wenn digitale Assistenten irgendwann zur Killerfunktion für Smartphones werden, könnte Apple ins Hintertreffen geraten. Also muss Apple seiner Siri zu neuem Glanz verhelfen, um mit dem iPhone nicht den Anschluss zu verlieren.
| Google Assistant |
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Bisher ist der Radius von Google Assistant noch überschaubar. Ausschließlich in Googles Pixel Phone und im Smart-Home-Lautsprecher Google Home, den es noch nicht in Deutschland gibt, ist er eingezogen. Doch Google arbeitet an einer deutlich größeren Reichweite: Ende Februar kündigte der Suchmaschinenriese an, dass Google Assistant mit dem neuen Update in wenigen Tagen auf allen Smartphones mit 7.0 Nougat und 6.0 Marshmallow laufen soll. Auf dem MWC wurde das LG G6 als erstes Smartphone mit dem neuen Assistenten vorgestellt. Zuerst kommt er in englischer und deutscher Sprache. Im Laufe des Jahres will Google weitere Sprachen hinzufügen.
Damit kann aber längst nicht jeder Android-Nutzer Google Assistant verwenden: Auch wenn der Marktanteil des Betriebssystems weltweit bei 87,5 Prozent liegt (Deutschland 80 Prozent), liegt die Durchdringung von Marshmallow und Nougat bei zusammen nur 32 Prozent. Hinzu kommt, dass unter anderem der asiatische oder spanischsprachige Raum bisher nicht bedient wird. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch spanisch, chinesisch, japanisch oder indisch zum Portfolio hinzukommen.
Googles Assistent steht in direkter Konkurrenz mit denen der Smartphonehersteller und mit Alexa. Denn zum einen haben Samsung, HTC und Huawei ebenfalls Sprachagenten angekündigt, die auf ihren Geräten vorinstalliert sein werden. Der Nutzer wird also wählen können. Zum anderen arbeitet auch Amazon mit Alexa daran, auf immer mehr Smartphones verfügbar zu sein; Lenovo dürfte da nur der erste Schritt sein. Während zum Beispiel Apple auf den eigenen Geräten nur wenig Sprachassistenz-Konkurrenz fürchten muss - auch weil Apple-Nutzer Apple meist treu sind - wird Assistant immer nur einer von mehreren angebotenen Agenten sein.
Einen enormen Vorteil hat Google aber: uneingeschränkten Zugang zu Daten, um den Assistenten stetig automatisiert weiterzuentwickeln. Außerdem hat der Konzern die Software für Drittentwickler geöffnet, sodass hier weitere Anwendungen, unter anderem für Google Home, zu erwarten sind. Google Assistant dürfte vom Funktionsumfang her schnell mächtiger werden. Schon jetzt soll er im Verstehen und Beantworten von Folgefragen besser als Siri sein, schreibt die Zeit .
Die größere Datenmenge und das komplett vernetzte Ökosystem mit Smartphone, Browser und anderen Endgeräten, die mit Googles Technologie laufen, könnte auch ein Vorteil für Google Home sein. Denn dadurch kann der Agent so persönlich wie möglich mit dem Nutzer interagieren. Inwieweit der Nutzer das will, ist die andere Frage. In Q4 zumindest hätte sich Home sehr gut verkauft, sagte CEO Sundar Pichai. Und auch wenn Amazon in dieser Sparte aktuell weiter sei, stehe der Markt doch noch ganz am Anfang. Man habe aber eine gute Ausgangslage, zitiert Techcrunch . "Spracherkennung ist eines unserer Kerngeschäfte, in das wir seit langer Zeit investieren", erklärte er die Relevanz des Themas für das Unternehmen.
Einschätzung:
Der Assistant wird langfristig davon profitieren, dass Google unter allen vier (und möglichen folgenden) Anbietern mit Abstand die meisten Daten generieren kann, um die Software kontinuierlich zu verbessern. Aufgrund des gesamten Android-Chrome-Ökosystems kann er den Agenten in Smartphone, PC und Home darüber hinaus sehr gut personalisieren - wie es sonst vielleicht noch Apple vermag. Durch die starke Android-Verbreitung wird sich auch Assistant auf Smartphones stark verbreiten. Ob es auch genutzt wird, hängt wiederum von der Qualität ab, denn auf den meisten Android-Handys werden in Zukunft mehrere Assistenten verfügbar sein.
| Microsoft Cortana |
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Im Gegensatz zu Google und Amazon kommuniziert Microsoft eher leise über seinen digitalen Agenten Cortana. Dabei hat die Agentin bei der Anzahl der Sprachen den beiden gegenüber einen klaren Vorteil. Denn neben Deutsch und Englisch ist sie in sechs weiteren Sprachen verfügbar. Dagegen sind die Anwendungsszenarien bisher überschaubar, denn aktuell ist sie nur in Windows 10, Windows Mobile, der Xbox One und einer nur in den USA verfügbaren iOS- und Android-App integriert. Der Marktanteil der verkauften Windows-Mobile-Telefonen lag in Deutschland Ende 2016 bei gerade mal 2,5 Prozent, in den USA sogar nur bei 0,8 Prozent, wie die Zahlen des Kantar World Panel verraten. Trotzdem gibt es laut Microsoft angeblich bereits 145 Millionen Cortana-Nutzer, wie aktiv die Nutzung ist, sagte der Konzern nicht.
In Kombination mit einem Smart-Home-Lautsprecher könnte Cortana wieder interessanter werden. Einen solchen hat Microsoft Ende 2016 in Kooperation mit dem Lautsprecherhersteller Harman Kardon angekündigt. Viel sagte der Konzern nicht zu dem Gerät, aber ein Werbevideo lässt vermuten, dass der Fokus auf dem Abspielen von Musik liegt. Es soll 2017 auf den Markt kommen.
Für die Weiterentwicklung der intelligenten Software hat Microsoft das Cortana Skills Kit und das Cortana Devices SDK angekündigt . Mit dem Skills Kit lassen sich Bots entwickeln, die den Funktionsumfang von Cortana erweitern sollen - wie die Skills von Amazons Alexa. Mithilfe des Devices SDK sollen Hersteller Cortana in ihre Geräte integrieren können, zum Beispiel für das vernetzte Heim. Darüber hinaus hat Microsoft angekündigt, dass Cortana in die IoT Core Edition des Windows 10 Creators Update aufgenommen wird, das IoT-Geräte unterstützt. Auch mit Intel arbeitet das Unternehmen zusammen. Gemeinsam arbeiten sie an einer Spracherkennung über weitere Distanzen und wollen die Sprachaktivierung auf PCs verbessern. "Bald können Sie aus der Ferne mit Ihrem PC sprechen und auf alle Ihre Informationen auf dem Gerät und in der Cloud zugreifen. Mit 'Hey Cortana' können sie ihn, ob offen oder zugeklappt, aus dem Standby hochfahren", kündigt Navin Shenoy, Chef der Client Computing Group von Intel, an.
Einschätzung:
Microsoft arbeitet hart daran, Cortana zu verbessern und die Verbreitung zu steigern. Dank der APIs, SDKs und Kooperationen sind die Voraussetzungen für eine immer leistungsfähigere Sprachassistentin geschaffen. Daten sammeln im großen Stil wie Google kann Microsoft aber nicht. Mit Windows hat Microsoft prinzipiell eine gute Basis für eine weitere Verbreitung unter den Endnutzern. Ob die aber ihren PC per Sprache bedienen wollen, ist noch fraglich. Vielleicht will der Nutzer seinen PC aber liebend gern als Smart-Home-Lautsprecher - und damit als Echo- oder Google-Home-Alternative - verwenden. In dem Fall wäre sogar die Einstiegshürde für die Nutzung eines Sprachassistenten im Wohnzimmer gesenkt, denn die Hardware muss man nicht extra kaufen.
| Samsung, HTC und Huawei |
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Samsung:
Bixby soll der Sprachassistent heißen, den Samsung angekündigt hat. Zum Funktionsumfang gibt es aktuell hauptsächlich unbestätigte Gerüchte. Laut The Verge soll er bis zu acht Sprachen verarbeiten und sogar visuelle Suchen mithilfe der Kamera durchführen können, zum Beispiel durch Texterkennung. Fest steht, dass Samsung vergangenes Jahr das von ehemaligen Siri-Entwicklern gegründete Spracherkennungs-Start-up Viv Labs gekauft hat. Vivs Spracherkennung soll sehr gut funktionieren, deutlich besser als Samsungs gefloppte Sprach-App S Voice. Bixby soll mit dem neuen Smartphone Galaxy S8 veröffentlicht werden, vermutlich noch im Frühjahr 2017.
HTC:
Der Marktstart von HTCs Assistenten Sense Companion ist verschoben worden. Ursprünglich wurde er für die Veröffentlichung der neuen Smartphones U Ultra und U Play angekündigt, die in Deutschland am 20. Februar war. Doch die Software wurde nicht rechtzeitig fertig. Sie soll die Nutzervorlieben lernen, daraufhin agieren und mit der Spracherkennung das Telefon entsperren, Anrufe annehmen oder ablehnen sowie freihändig die Navigation starten, kündigt der Hersteller an. Im Laufe des Jahres will HTC den Sense Companion als App zum Download nachreichen.
Huawei:
Insidern zufolge arbeitet auch Huawei an einem Sprachassistenten. Der solle in der Liga von Siri, Alexa und Google Assistant spielen, zitiert Bloomberg den Informanten. Der Huawei-Assistent soll sich auf den einheimischen chinesischen Markt fokussieren, der vor allem von Google-Diensten und Android dominiert ist. Daher soll er auf Chinesisch kommunizieren. Außerhalb Chinas wolle der weltweit drittgrößte Smartphonehersteller weiterhin mit Google und Amazon zusammenarbeiten. Erst Anfang 2017 hatte Huawei angekündigt, dass das neue Handy Mate 9 in den USA mit Alexa auf den Markt kommen soll.
Zukunftsszenario: Google mit dem größten Marktanteil
Mindestens sieben mächtige High-Tech-Unternehmen arbeiten zurzeit an intelligenten Sprachassistenten oder haben sie bereits auf den Markt gebracht. Da hinter allen von ihnen viel Kapital, Knowhow und Marktmacht stecken, ist niemand grundsätzlich benachteiligt. Google hat den Vorteil, die meisten Daten generieren zu können. Amazon kennt die Einkaufsvorlieben und hat einen schnellen Marktstart vorgelegt, was einen zeitlichen Vorteil bringen kann. Microsoft hat dank Windows potenziell eine riesige Nutzerbasis, während Apple den mit Abstand größten zeitlichen Vorsprung hat, und darüber hinaus ein geschlossenes Nutzer- und Geräte-Ökosystem. Die drei Smartphonehersteller Samsung, HTC und Huawei können ihre Assistenten auf ihren Geräten vorinstalliert zu sehr vielen Nutzern bringen. Darüber hinaus sitzen sie in Asien und könnten sich damit in Märkte ausbreiten, die die anderen vier Konzerne eventuell nicht oder später angehen.Das wahrscheinlichste Zukunftsszenario ist, dass sich Google dank der Macht durch Android und die Suchmaschine weltweit den größten Marktanteil erkämpfen wird. Amazon wird versuchen, Google die Nutzer streitig zu machen und ist Googles größter Konkurrent. Aber nicht der einzige: Denn Google könnte langfristig auf jedem Smartphone Konkurrenz von mindestens einem anderen Sprachassistenten bekommen - schließlich stehen Hardwarehersteller wie Samsung oder HTC bereits in den Startlöchern.
Apple dagegen bedient eine andere, kleinere Zielgruppe und wird daher einen wesentlich kleineren Marktanteil haben. Wenn der iPhone-Hersteller das Thema Privatsphäre weiterhin groß schreibt, werden Nutzer, die bezüglich ihrer Daten und Cybersicherheit Sorgen haben, eher Siri nutzen.
Zukunft der Sprachagenten: Granularisierung in zwei Dimension
Langfristig dürfte die Welt der Sprachassistenten fragmentiert sein. Sollte Apple in den USA das beste System sein, könnte Samsung in Korea das Produkt der Wahl sein. Die geografische Ausrichtung ist bei den KI-Assistenten ein kritischer Faktor, weil die Sprache die Basis der Technologie ist. Aus geografischer Sicht werden sich die Anbieter die Welt zumindest im Ansatz aufteilen - kein Agent wird überall gleich stark sein.Eine Granularisierung wird es auch bezüglich der Anwendungen geben. Denkbar ist, dass Google und Amazon sich im Smart Home duellieren, während Microsoft im Bereich Gaming und Autmobilität Vorreiter ist. Voraussetzung ist immer, dass die Spracherkennung und je nach Anwendung das Machine Learning gut funktionieren. Dann aber haben alle genannten Unternehmen Chancen am Markt - unter Umständen, indem sie sich die richtige Nische suchen. Denn langfristig wird der Markt mit intelligenten Sprachagenten riesig sein.


