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So viel Agenturumsatz frisst 2026 die KI
04.07.2025 Wer als Agenturvorstand einen Blick in die aktuellen Zahlen des deutschen Marktes wirft, wird erblassen: Denn da zeigt sich, wie groß der Umsatzanteil ist, der von Künstlicher Intelligenz bedroht ist. Mit einem "weiter so, nur mit KI" ist es allerdings nicht getan.
Bedroht: Technische Umsetzung und Development (36 Prozent)
KI-Sprachmodelle wie ChatGPT oder Googles Gemini lassen sich auch für die Programmierung verwenden. Und viele Programmierer nutzen die Systeme bereits: Developerbefragungen wie die von Codesignal oder die aktuelle Stack Overflow Developer Survey kommen zu dem Ergebnis, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Programmierer KI einsetzen - sei es mit ChatGPT, Github Copilot oder Google Gemini. Aufgrund der großen Anzahl der öffentlich verfügbaren Menge an Quellcodes ist es wahrscheinlich, dass einfache Programmieraufgaben künftig weitgehend automatisierbar sind.Bedroht: Content und Social Media (14 Prozent)
Systeme wie ChatGPT sind längst in der Lage, aus einer spezifischen Frage eine detaillierte Gliederung für das Thema einer Website herzustellen. Auch komplette Websites mit KI lassen sich längst entwickeln. Kaum ein SEO- oder Social-Media-Tool verzichtet inzwischen darauf, KI-Services bereitzustellen, die Social-Media-Posts, Blogbeiträge oder SEO-Texte produzieren.Bedroht: Design (17 Prozent)
Vom Design für Musik und Jingles über Videoclip-Produziertools und Designgeneratoren bis hin zu Mockups, Logodesign und Ad-Produktion ist mittlerweile im täglich wachsenden KI-Toolset alles dabei. Indessen vergeht keine Woche, in der Bild- und Videotools mit noch besseren Funktionen auf den Markt kommen. Was für Agenturen allerdings renditetechnisch sehr viel gefährlicher wird, ist die Integration eben dieser oder ähnlicher Algorithmen in Standardanwendungen, so wie es beispielsweise aktuell Microsoft mit seiner KI-Integration in Office plant - oder in der Vergangenheit bei neuen Designfunktionen in die Adobe-Suite, deren Ergebnisse (wie beispielsweise das Freistellen von Produkten oder Personen in Bildern) sich davor als abrechenbare Stunden auf so mancher Agenturrechnung wiederfanden - und die mittlerweile wenig bis nichts mehr wert sind.Adobes Firefly bietet heute schon das Prompting für Bilder, Videos, Vektorzeichnungen und Soundeffekte sowie Videoübersetzung und Bildmixer direkt in Adobe Experience Cloud. Mit Firefly können MarketingexpertInnen direkt markeneigene Werbemittel anwenden, um Inhalte zu erstellen, die den Stil und die Designsprache der Marke widerspiegeln. Ein Händler kann zum Beispiel Bilder aus einem Fotoshooting nehmen und unendlich viele Variationen (verschiedene Farben, Texturen) zur Verwendung im E-Commerce erstellen. In der Medien- und Unterhaltungsbranche sollen Teams mit Firefly automatisch Hunderte von Inhaltsvariationen produzieren können, die für die Vermarktung neuer Filme und Fernsehserien benötigt werden.
Firefly soll zudem die Arbeitsabläufe in der Vorproduktion, der Produktion und der Postproduktion verkürzen, indem es KI-Analysen von Drehbuchtexten nutzt, um automatisch Storyboards und Vorvisualisierungen zu erstellen und B-Roll-Clips für Roh- oder Endschnitte zu empfehlen.
Natürlich werden Menschen auch in Zukunft coolere Storybords, genialere PHP-Skripts und schönere Videomoods produzieren können. Aber nach Gauss'scher Normalverteilung liegen eben immer 50 Prozent von allem unterhalb des Durchschnitts. Aus der Annahme, dass im Durchschnitt die Leistungen, die durchschnittliche Agenturen gegenüber durchschnittlichen Kundenunternehmen abrechnen können, sich durchschnittlich verteilen zwischen "sehr schlecht" und "sehr gut", kann man ableiten: Große Teile des Brot-und-Buttergeschäfts von Agenturen werden mindestens unter heftigen Kostendruck geraten.
Zumindest diejenigen Teile, die nur durchschnittlich kreativ oder unterdurchschnittlich gut/aufwändig/komplex sind. Weil kluge durchschnittliche Einkäuferinnen und Einkäufer Posten für Posten auf Agenturrechnungen danach abfragen, warum so viele Stunden beziehungsweise so hohe Pauschalen auf der Agentur-Abrechnung aufgeführt sind - wo doch die KI-Systeme diese inzwischen auf Knopfdruck...
Bedroht: Strategie und Beratung (13 Prozent)
"Aber die Beratung" ist immer das Argument, wenn man Agenturgeschäftsführer nach der Einschätzung fragt, wie sich KI auf die eigenen Umsätze auswirkt. Doch auch hier greift die Gauss'sche Normalverteilung: Viel von dem, was Unternehmen von ihren beratenden Digitalagenturen erwarten, werden sie in Zukunft direkt aus der Maschine zapfen können. Oder will man das Überleben seiner Agentur darauf verwetten, dass die KI nicht Fragen kompetent beantworten werden kann wie 'Welches ist die beste Shopware für meinen Shop' oder 'Ich brauche einen detaillierten Projektablaufplan für den firmenweiten Rollout der neuen Marketing-Software'?Der Irrglaube der Agentur als die besseren KI-Operatoren
Das Agenturgeschäftsmodell 'Wir beherrschen KI einfach besser' wird genauso erfolgreich sein wie das Agenturgeschäftsmodell 'Wir können das CMS viel besser bedienen' oder das Agenturgeschäftsmodell, 'Wir können viel effektiver Social-Media-Communitymanagement machen': gar nicht erfolgreich eben.Das Geschäft verschwindet vor allem, weil die dafür nötige Intelligenz direkt in die Software wandert. Oder zumindest ein nicht zu unterschätzender Anteil. Ich kalkuliere mal konservativ:
80 Prozent des Agenturumsatzes sind von KI prinzipiell bedroht.
Wie viel davon fällt als Umsatzquelle kurzfristig weg?
Wenn man den Brot-und-Butter-Anteil in den einzelnen Feldern durchschnittlich mit 50 Prozent ansetzt (die Hälfte allen Umsatzes wird mit Dienstleistungen erbracht, die maximal durchschnittlich komplex und maximal durchschnittlich genial sind), dann ist bedroht:
- Technische Umsetzung und Development (36 Prozent gesamt)
Bei reinem Coding wird der Anteil höher sein als bei komplexer Softwareentwicklung. Ich gehe von einem Gefährdungspotenzial von einem Drittel aus.
Akutes Bedrohungspotenzial: 12 Prozent
- Content und Social Media (14 Prozent gesamt)
Hier ist heute schon der KI-Anteil hoch. Management bleibt menschengemacht, Produktion wandert in die Maschine beim Kundenunternehmen. Das Gefährdungspotenzial ist hier bei drei Viertel, weil der Passt-schon-Faktor hoch ist.
Akutes Bedrohungspotenzial: 10,5 Prozent
- Design (17 Prozent gesamt)
Die Hälfte des rechnungsfähigen Designs wird durch Rationalisierung und härtere Preisverhandlungen für Agenturen wegfallen.
Akutes Bedrohungspotenzial: 8,5 Prozent
- Strategie und Beratung (13 Prozent gesamt)
Der Recherche- und Informationsaufbereitungsanteil wird immer stärker KI-gestützt werden und daher schwierig zu verrechnen sein (oder sich kaum noch mit hohen Beraterstunden verrechnen lassen). Ich schätze den bedrohten Anteil auf ein Fünftel.
Akutes Bedrohungspotenzial: 2,6 Prozent
Eine durchschnittliche Agentur hat demnach einen durchschnittlichen Umsatzeinbruch durch KI von 33,6 Prozent. Abhängig von der Geschäftsverteilung kann es mehr oder weniger sein. Je mehr Nasengeschäft eine Agentur hat, je mehr (nicht recherchierbares) Neuland man mit Kunden betritt, um so weniger Umsatz ist bedroht. Aber dass Digitalagenturen ihr Geschäftsmodell überdenken müssen (weg vom Zeitarbeitsmodell, hin zum SaaS-Modell), ist offensichtlich.
Ihr
Joachim Graf
Herausgeber
PS: Das Thema "KI-Zukunft der Digitalagenturen" ist auch Thema unseres Digitalagenturgipfels 2026, den wir am 3. Dezember 2025 veranstalten. Wenn Sie eine Einladung haben wollen, dann schreiben Sie mir.
