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Payment: Warum Paydirekt nicht in die Gänge kommt
16.06.2017 Das Zahlungsverfahren Paydirekt wurde vom Start weg von vielen Marktteilnehmern nicht ganz ernst genommen. Ein Jahr nach dem Launch zeigt sich: Das Angebot droht komplett zu floppen. Die meisten Kunden ignorieren es einfach. iBusiness erklärt, warum sich das nicht ändern wird.
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Der Deutschen liebstes Kind ist mit 30 Prozent der Umsätze die Rechnung (weil oft mehrere Artikel zur Auswahl bestellt werden), hat das EHI-Institut in seiner jüngsten Studie zum Online-Payment ermittelt. Es folgt die Lastschrift mit knapp einem Marktanteil von 20 Prozent (weil Amazon diese Zahlart unterstützt), sowie Paypal mit 18 Prozent (weil diese Bezahlart besonders komfortabel ist), gefolgt von der Kreditkarte, die sich langsam auf 12 Prozent der Umsätze vorgearbeitet hat (weil sie in Deutschland wenig verbreitet ist). Vorkasse, Ratenkauf, Nachnahme, Sofortüberweisung , Giropay und andere exotische Zahlarten teilen sich den Rest.
Diesen Markt aufzumischen hat sich vor rund einem Jahr mit Paydirekt ein Zusammenschluss deutscher Banken zur Aufgabe gemacht. Beteiligt sind unter anderem Commerzbank , Deutsche Bank , Postbank , die Beteiligungsgesellschaft der privaten Banken unter Federführung der Hypovereinsbank sowie - stellvertretend für die Finanzgruppe der Volksbanken und Raiffeisenbanken - die genossenschaftlichen Zentralbanken DZ Bank und WGZ Bank sowie die zuletzt dazugestoßene Sparkassen-Finanzgruppe . Damit sind von den 30 umsatzstärksten Banken Deutschlands mehr als zwanzig im Boot. Durchaus ein Wort.
Groß hat Paydirekt auch bei der Handhabung gedacht. Als Vorbild diente der Branchenprimus Paypal. In der Handhabung unterscheiden sich beide Dienste kaum. Paydirekt kann sogar mit einem besonders einfachen Anmeldeprozess auftrumpfen. Da es sich um eine Zusatzfunktion des Girokontos handelt, lässt es sich einfach im Onlinebanking-Bereich des Finanzinstituts freischalten. Registrierung oder Online-Legitimation entfallen vollständig. Fortan kann der Kunde einfach mit Login und einem Passwort bezahlen. Händler erhalten eine Zahlungsgarantie und können die Ware sofort versenden, da die Bank vor der Freigabe prüft, ob das Konto gedeckt ist.
Ein gutes Jahr nach dem offiziellen Start kann Paydirekt bei wichtigen Kennziffern kräftiges Wachstum vorweisen:
- 1.027 Onlineshops akzeptieren inzwischen nach Angaben des Bezahldienstleisters die neue Zahlart. Ende vergangenen Jahres waren es erst 330 Onlineshops. Ein Wachstum von über 200 Prozent in sechs Monaten.
- Auch bei den Endkunden gibt es auf den ersten Blick positive Nachrichten: "Über eine Million" Konsumenten haben ihr Girokonto inzwischen für die Paydirekt-Nutzung freigeschaltet, gibt das Unternehmen bekannt. Vor einem halben Jahr waren es noch 750.000 - ein Wachstum um mehr als ein Drittel.
Und trotzdem sind die Zahlen alles andere als rosig. Wie es tatsächlich um den Bezahldienst steht, wird erst deutlich, wenn man die Zahlen genau ansieht.
- Bei den angebundenen Händlern handelt es sich vor allem um kleine Shops. Nicht einmal 50 der Top-1.000-Shops waren Ende Mai als Paydirekt-Händler registriert. Folge: Konsumenten kommen mit der Bezahlart kaum in Berührung.
- Rund 50 Millionen Girokonten können theoretisch die Bezahloption Paydirekt freischalten - aber nur rund eine Million haben davon Gebrauch gemacht. Die Quote liegt bei gerade einmal 2 Prozent.
- Sparkassenkunden, von denen sich die Initiative viel versprochen hat, sind offenbar noch zurückhaltender. So berichtet das Handelsblatt jüngst unter Verweis auf einen internen Informationsbrief, dass "sich nur wenige neue Sparkassenkunden bei Paydirekt" registrieren. Branchenkenner wie der Blog Bargeldlos schätzen, dass die Sparkassen mit 450.000 Paydirekt-Freischaltungen weniger als die Hälfte beigesteuert haben.
- Die selbst gesteckten Ziele sind weit verfehlt. Rund sieben Millionen Kunden wollten die Gesellschafter bis Jahresende 2017 gewinnen, 2,9 Millionen sollten allein die Sparkassen beisteuern, hieß es in dem internen Schreiben. Niemand glaubt mehr daran, dass diese Ziele noch erreichbar sind. Zumal die Zahl der monatlichen Registrierungen zwischenzeitlich sogar wieder gesunken ist.
- Der Branchenprimus Paypal, den Paydirekt eigentlich angreifen sollte, bleibt damit unangefochten. In Deutschland kommt Paypal auf 19 Millionen aktive Nutzer und rund 50.000 Akzeptanzstellen - und ist ein international anerkannter Zahlungsdienst, mit dem sich weltweit einkaufen lässt.
Verzweifelte Werbekostenzuschüsse
Händeringend versucht die Paydirekt-Koordinierungsstelle GIZS , die für die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe arbeitet, neue Händler zu gewinnen. In einem Newsletter wurden die Institute jüngst dringend aufgefordert, den eigenen Kundenstamm nach Unternehmen mit Onlineshop zu durchforsten. "Jede weitere Akzeptanzstelle ist für Paydirekt ein wichtiger Schritt zu einer gefestigten Stellung im Markt", heißt es darin schon fast flehentlich.
Die Unternehmen werden anschließend mit Rabatten und Werbekostenzuschüssen geködert. 4.000 Euro erhalten beispielsweise Händler, die das Shopsystem Shopware einsetzen, wenn sie Paydirekt-Transaktionen durchführen. 3.000 Euro davon müssen sie als Rabatt an ihre Kunden weiterreichen. Auf diese Weise sollen Händler und Konsumenten gleichermaßen geködert werden. "Egal ob Bücherregal, Bett oder Schreibtisch. Schöne, massive Möbel gibt es unter http://www.massivmoebel-trends.de ! Bei Bezahlung mit #paydirekt lassen sich auch noch 3 % auf das gesamte Sortiment sparen!", heißt es etwa auf der Facebook-Seite von Paydirekt. Beim Schokoladenhersteller Stork gibt es eine 250g-Tafel "Merci Finest Selection" für jede mit Paydirekt bezahlte Bestellung, bei Thorwa Metalltechnik einen 10-Euro-Gutschein für Feuerschalen, Metallsteelen, Hausnummern, Türschilder und Klingeltaster.
Paydirekt vollzieht damit eine Kehrtwende in seiner Akquise-Strategie. Nachdem die großen Player nicht überzeugt werden konnten, die ursprünglich als Zugpferde dienen sollten, heißt das neue Motto nun: "Jeder Händler zählt - egal ob klein, mittel oder groß". Das Kalkül dahinter: Viele kleine Marketing-Feuerwerke entfachen leichter einen Flächenbrand, als einige zentrale Leuchtfeuer. Vor allem, wenn die nicht richtig lodern wollen.
Marketing-Strohfeuer: Im Wachstum fehlt die Dynamik
Doch wie man es auch dreht und wendet, ob mit Leuchtturm- oder Flächen-Strategie - letztlich handelt es sich um eine Variation des Versuchs, mit teuren Marketingmaßnahmen eine kritische Masse zu erzeugen, die dann ein selbsterhaltendes System in Gang setzen soll. Ein Ansatz der leicht fehlschlagen kann. Der Sinn von mit Werbekostenzuschüssen gekauften Anmeldungen kann ja nur darin bestehen, einen Wachstumsmotor in Gang zu setzen. Der muss aber auch anspringen. Kommt der Motor nicht auf Touren, führt sinnloses Dauerorgeln nur zur leeren Batterie, wie jeder Autofahrer weiß.Insofern haben die Rabatt-Aktionen von Paydirekt gefährliches Strohfeuer-Potenzial. Die Kunden entscheiden sich nicht für den Bezahldienst, sondern für den Rabatt. Die Gefahr ist groß, tausendfach teure Karteileichen zu produzieren. Insofern sind die von der GIZS beklagten Einbrüche in den Zuwachsraten ein Alarmsignal. Nur eine dynamische Entwicklung, bei der jede Anmeldung zu einer messbaren Wachstumsbeschleunigung führt, würde das teure Vorgehen rechtfertigen. Bei Paydirekt scheinen die Marketingmaßnahmen dagegen schnell zu verpuffen.
Paydirekt als Alternative zu strikten amerikanischen Regularien
Die Krux: Viele Händler würden sich eine Alternative zu den vorherrschenden, US-dominierten Zahlungsanbietern durchaus wünschen. Gerade den Unternehmen bietet Paydirekt handfeste Vorteile. Nicht nur die hohen Kosten von Paypal sind ihnen ein Dorn im Auge. Paypal lagert die Gelder auf einem eigenen Konto zunächst zwischen und kann die Auszahlung durchaus lange verzögern, wenn der Kunde sich beschwert. Auch die strikten amerikanischen Regularien sind oft ein Streitpunkt. So fror Paypal schon komplette Kundenkonten ein, weil Lebensmittelanbieter kubanischen Rum oder Zigarren im Angebot hatten. In Deutschland ist das ganz legal, der Paymentdienst wandte aber die amerikanischen Embargo-Regeln an. Wer "Havanna Club" nicht aus dem Sortiment nahm, erhielt von Paypal keinen Cent mehr. Nach solchen Erfahrungen zeigte sich der Handel offen für Alternativen.| Pros aus Händlersicht: |
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Mit diesen Vorteilen kann sich Paydirekt durchaus gewisse Sympathien im Handel sichern. Doch die Entscheidung für oder wider ein Bezahlsystem wird am Ende doch etwas nüchterner getroffen, wie eine iBusiness-Befragung von Ende 2016 zeigt:
- Knapp 60 Prozent der Händler, die Paydirekt nutzen, hoffen mit dem System neue Kundenkreise zu erreichen. Bei der geringen Marktdurchdringung muss diese Erwartung beinahe zwangsläufig enttäuscht werden.
- Spiegelbildlich sehen die meisten Händler, die Paydirekt nicht nutzen, keinen Mehrwert in dem System (43,8 Prozent), sind mit ihrem bisherigen Zahlungsmix zufrieden (45,8 Prozent) und wollen die weitere Entwicklung von Paydirekt erst einmal abwarten (54,2 Prozent).
Nicht aus Kundensicht gedacht
Sympathie hin oder her: Am Ende entscheidet vor allem die Nachfrage der Verbraucher darüber, ob Händler auf den Dienst setzen. Hier leistet sich Paydirekt seine entscheidende Schwäche: In der Praxis bietet der Dienst keine greifbaren Vorteile für Verbraucher. In der Handhabung ist Paydirekt kaum vom Rivalen Paypal zu unterscheiden. Nur dass dieser fast alles besser kann:- Eine enorme Reichweite im Handel bietet,
- international anerkannt ist,
- schon seit Jahren Peer-to-Peer-Zahlungen von Verbraucher- zu Verbraucher-Konto erlaubt,
- jedem deutschen Kunden mit einem Bank- oder Kreditkartenkonto offensteht.
Das Ergebnis ist vorhersehbar: Verbraucher haben kaum einen Anreiz, das System zu verwenden. Aus Ihrer Sicht bietet der Dienst keinerlei attraktive Zusatzfunktionen. Bestenfalls akademische Gründe wie Datensicherheit oder Privatsphäre sprechen für Paydirekt.
Insofern kann die jüngste Marketingschlacht durchaus als Einverständnis des Scheiterns verstanden werden. Solange die Attraktivität für den Kunden so gering ist, dass geldwerte Anreize zur Nutzung notwendig sind, ist schon bei der Konzeption des Services etwas grundlegend falsch gelaufen.
Mehr Konkurrenz am Payment-Markt dürfte im Sinne der Onlinehändler sein
Die Antwort auf die Frage, ob man als Onlinehändler Paydirekt in den nächsten vier bis sechs Monaten implementieren muss, lässt sich leicht beantworten: Solange der organisatorische Aufwand überschaubar bleibt, kann die Zahlart mitgenommen werden. Für Händler ergibt sich immerhin ein gewisser Marketingeffekt und es ist auch strategisch sinnvoll, eine Paypal-Alternative zu unterstützen. Ein bisschen Wettbewerb tut schließlich auch dem Bezahlmarkt gut. Allzu große Hoffnung auf Umsatzsteigerung oder Kundengewinnung sollte man sich aufgrund des schwachen Starts aber nicht machen.
Am: 17.06.2017
Zu: Payment: Warum Paydirekt nicht in die Gänge kommt
Nun kenne ich nicht die aktuellen Konditionen für die Händler, aber wenn ich mich recht entsinne, sollte das doch günstiger werden als Paypal. Demnach scheitert Paydirekt an der Unfähigkeit der Banken, das System dem Handel schmackhaft zu machen. Das Problem ist nicht Overengineering, sondern Marketingversagen: Erst wenn die Zahlungsoption den Konsumenten in vielen Shops begegnet, werden sie sie ernst nehmen und neugierig werden.
Am: 19.06.2017
