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Zehn neue Geschäftsmodelle für Versicherungen
17.09.2015 Die Marktbedingungen für Versicherungsunternehmen befinden sich nicht zuletzt durch die digitale Transformation in einem fundamentalen Wandel. Eine aktuelle Studie identifiziert zehn neue Geschäftsmodelle, mit denen sich Versicherer zukunftsfähig am Markt positionieren können.
Vor diesem Hintergrund zeigt die vom IT-Dienstleister Adesso AG beauftragte und von den Versicherungsforen Leipzig durchgeführte Studie 'Geschäftsmodelle 4.0 - Was die Assekuranz von anderen Branchen lernen kann' neue Geschäftsmodelle für Versicherer auf. Dazu analysierten die Studienautoren zunächst branchenübergreifende Entwicklungen und leiteten daraus dann neue Möglichkeiten ab, mit denen Versicherer aktiv die Zukunft ihrer Branche gestalten können. In einem abschließenden Schritt wurden die Ergebnisse mit Vorständen von Versicherungen diskutiert und bewertet.
Folgende Geschäftsmodelle für die Bereiche Produkte, Vertrieb und Beratung, Preisfindung und Underwriting sowie Schaden und Leistung hat die Studie identifiziert:
Produkte
1. Der Versicherer als "Allround-Kümmerer"
Durch die Bündelung themennaher Dienstleistungen und Produkte haben Versicherer die Chance, "Alles-aus-einer-Hand-Leistungen" anzubieten. Der Kunde kann einfach und bequem Leistungen von nur einer Anlaufstelle beziehen.2. Der Versicherer als reiner Risikoträger
Der Anteil versicherungsfremder Konkurrenz wie Autohäuser oder Internetgrößen nimmt immer weiter zu. In Kooperation mit ihnen könnten Versicherer als reiner Servicedienstleister für sie fungieren, ohne eigenen Kundenkontakt und Marktpräsenz aufrechtzuerhalten.3. "Situative Life" - Absicherung und Kapitalbindung für kurvenreiche Lebensläufe
Lebensläufe werden unsicherer und die Bereitschaft, die eigene Freiheit langfristig einzuschränken, stößt an Grenzen. Passend zur wechselnden Versorgungs- und Verpflichtungssituation kann eine adaptive Kombination von Versicherungen greifen.Vertrieb und Beratung
4. Verzahnung aller Vertriebskanäle
Kunden nutzen zunehmend sowohl die Online- als auch die Offlinekanäle für Konsumzwecke. Kundenservices der Zukunft müssen deshalb durch eine medienbruchfreie Gestaltung wesentlich vereinfacht und beschleunigt werden.5. Predictive Marketing - zielpersonengenaue Ansprache
Kunden möchten heute möglichst individuell angesprochen werden. Eine Auswertung ihrer Daten kann bestehende Verhaltensmuster sichtbar machen und ermöglicht dem Versicherer ein profilbezogenes und emotionales Marketing sowie eine personengenaue Produktplatzierung.6. Customer Centric Service Management - die "beraterlose Beratung"
Kunden erwarten einen Dialog auf Augenhöhe und sind bereit, eigenständig Prozesse und Aufgaben zu übernehmen. Per Webservice oder mobile App werden Funktionen wie Vertragsänderung oder Schadenmeldung an die Kunden ausgelagert.Preisfindung und Underwriting
7. Elastische Preisfindung - sinnvolle Segmentierung statt blindem Preiskampf
Preise und Ausstattungsmerkmale werden künftig datengestützt vorgeschlagen - individuell oder für stark ausdifferenzierte Kundensegmente. Datenanalysen und komplexe Segmentierung werden das "Bauchgefühl" mittelfristig übertreffen.8. "Pay-as-you-live-Tarife" - Risikobewertung in Echtzeit
Menschen erheben immer mehr Daten über sich und ihre Umwelt. Das ermöglicht Tarife, bei denen der Kunde nur für das Risiko zahlt, dem er wirklich ausgesetzt ist. Die größten Herausforderungen für solche "Pay-as-you-live-Tarife" sind Datenschutz, Kundenakzeptanz sowie Datenanalyse.9. Tariflose Produkte - individuelle Preisschilder für Produktpakete
Mathematische Modelle für tariflose Produkte existieren bereits seit den 1990er Jahren. Die technischen Möglichkeiten machen sie heute aber erst wirtschaftlich umsetzbar. Sie bieten dem Kunden maximale Flexibilität und senken den Verwaltungsaufwand des Versicherers.Schaden und Leistung
10. Predictive Prevention
Der beste Schaden ist der, der nicht eintritt. Fortschrittliche Prognosemodelle erlauben eine Weiterentwicklung des Versicherungskonzepts weg von der Schadenbeseitigung und hin zur Schadenverhinderung. Viele Akteure stehen in den Startlöchern und haben großes Interesse an den künftig durch Smart Devices erfassten Daten.Angesichts der fundamentalen Marktveränderungen genüge es nicht mehr, wenn Versicherer nur an einzelnen Stellschrauben drehen, so die Studienautoren. Um die Vormacht über das eigene Geschäft nicht zu verlieren, müssten sie stattdessen ihre Geschäftsmodelle selbst hinterfragen. Die Digitalisierung stellt dabei nicht nur eine Bedrohung dar, sondern ist auch eine einmalige Chance, neue Produkt-, Vertriebs- und Serviceansätze auf den Weg zu bringen.
Digitalisierung, Vernetzung und Mobilisierung haben bereits viele Bereiche des Lebens der Kunden entscheidend verändert. Darauf müssten sich auch Versicherungsunternehmen in Zukunft einstellen. Innovationen und neue Geschäftsmodelle seien für die Assekuranz daher nicht länger nur eine Option, sondern Notwendigkeit, um langfristig das Geschäft zu sichern.
