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Wie Internet und TV zusammenwachsen und wer von Smart-TV profitiert
26.01.2012 Internet meets TV. Dass Online und Fernsehen künftig verschmelzen, darüber sind sich Branchenexperten einig. Handicap dieser Medien-Konvergenz war aber bis zuletzt die dumme Hardware. Verglichen mit der rapiden Intelligenzsteigerung elektronischer Alltagsgeräte wie PC und Smartphone hatten sich die Fähigkeiten eines Fernsehgeräts in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Nun ziehen Endgerätehersteller im Eiltempo nach. Das TV von Morgen braucht eine Neudefinition.
Suchmaschinenprimus Google startet in diesem Bereich einen neuen Versuch und will als Vorreiter den Smart-TV-Markt kräftig vorantreiben. Bestrebungen des Unternehmens in der Vergangenheit sind bisher im Nirwana gemündet. So zog sich der Zubehörhersteller Logitech vergangenen Herbst aus Googles TV-Bestrebungen zurück. Als Begründung wurden die mageren Verkäufe der Android-TV-Box und die unausgereifte Software genannt. Das ändert sich offensichtlich. Immerhin konnte Google in Las Vegas mit neuen Allianzen aufwarten. Kooperationen mit namhaften Endgeräteherstellern haben auf der diesjährigen CES gezeigt, wohin die Reise gehen wird.
Googles TV-Großangriff
So zeigten unter anderem Sony , Samsung und LG Hardware, mit der sich Googles Plattform nutzen lässt. Außerdem verdichten sich die Hinweise, dass Google in Kooperation mit LG ein eigenes Referenzgerät für den TV-Markt plant. Weitere Google-Partner sind die Chiphersteller Marvell und MediaTek .
LG zeigte beispielsweise, dass die Cinema 3D Smart-TVs, Monitore und Projektoren mit neuen und überarbeiteten Techniken und Features optimiert wurden - dazu zählt unter anderem das Smart-TV-Angebot von LG mit seinen mehr als 1.200 Android-Apps. Allerdings gilt die Google-Unterstützung bisher nur für den US-amerikanischen Markt. In Europa kommen zwar dieselben Modelle in die Läden, aber hierzulande werden die Google-Icons im Hauptmenü fehlen. Ob und wann Europäer die Google-TV-Funktionen nutzen können, steht bis jetzt noch in den Sternen.
Ebenfalls auf der CES vorgestellt wurden ein Blu-ray-Player und eine Set-Top-Box mit Google TV von Sony . Sie sollen im Sommer nach Deutschland kommen. Wer im Suchfenster der Google-TV-Produkte einen Begriff eingibt, erhält Links zu passenden Online-Angeboten und Sendungen aus dem TV-Programm. Auf dem Fernsehschirm lassen sich in einem Fenster Webseiten oder Apps anzeigen, während das TV-Programm im großen Fenster weiterläuft. Auch Flash-Anwendungen würden dargestellt, so Sony. Zur Ausstattung der beiden Geräte gehört ein Controller als Fernbedienung. Auf der einen Seite befindet sich ein Touchpad, mit dem sich der Mauszeiger steuern lässt. Die andere Seite ist eine hintergrundbeleuchtete Tastatur zur Eingabe von Suchbegriffen. Dazu kommen ein Mikrofon zur Sprachsteuerung und der "3 Axis Motion Sensor".
Auch Samsung hat eine interessante Variante des TVs der Zukunft vorgestellt. Bei den Südkoreanern setzt man auf Gesten- und Sprachsteuerung beim Smart TV. "Fernseher anschalten": Eine solche Formulierung reicht in Zukunft aus, um das TV-Gerät einzuschalten. Zuschauer können den Samsung Smart TV ES8090 mit Sprachbefehlen und natürlichen Handbewegungen steuern und so zum Beispiel zwischen Kanälen wechseln, die Lautstärke verändern oder bequem durch Menüs navigieren. Auch die smarten Anwendungen des Fernsehers wie TV-Apps oder der Webbrowser lassen sich auf diese Art bedienen. Ganz ohne Fernbedienung steuert der Zuschauer den Fernseher. Die integrierte TV-Kamera erkennt jedoch nicht nur Handbewegungen, sondern auch die Gesichter der Zuschauer: Jedes Familienmitglied kann sich mit nur einem Blick auf den Fernseher in seinem Benutzerkonto anmelden und zum Beispiel mit seinen Freunden auf Skype in Bild und Ton kommunizieren.
Auch beim Austausch mit anderen mobilen Geräten will man mit dem Fernseher neue Maßstäbe setzen: Mit dem neuen AllShare Play lassen sich zum Beispiel unterwegs geschossene Fotos vom Smartphone direkt auf dem TV-Bildschirm zuhause anschauen.
Wie ernst es Google mit dem TV-Großangriff meint, zeigt außerdem eine 100-Millionen-Dollar-Investition in das Videoportal Youtube . Das soll nämlich durch exklusive professionelle Inhalte TV-konkurrenzfähig werden. Google will das Geld allerdings nicht dazu verwenden, um Inhalte selbst zu schaffen. So soll Geld an etablierte Produzenten, aber auch an Start-ups fließen. Bereits in der Vergangenheit hat sich Google die Rechte an Kinofilmen gesichert, die bisher kostenlos auf dem Portal angesehen werden können. Später sollen auch Bezahlinhalte hinzukommen.
Google ist überzeugt vom Triumph des Internets über das klassische Fernsehen. "Wir glauben, dass mit dem Aufstieg des Internets bis 2020 etwa 75 Prozent aller Video-Inhalte über das Internet übertragen und angesehen werden", sagte der für Inhalte zuständige Youtube-Manager Robert Kyncl auf der CES. Befeuern werden die Google-Pläne die Entwicklung bei den TV-Geräten, von denen immer mehr internettauglich werden.
Die Google-Konkurrenz zieht nach
Auf der diesjährigen CES wurde neben Google TV auch Ubuntu TV (Linux) veröffentlicht. Ebenso will der Browser-Anbieter Opera im Fernsehmarkt mitmischen. Opera ist auf Android mit Opera Mini und Opera Mobile zu finden. Pünktlich zur CES hat Opera seinen TV Store für HTML5- und CE-HTML-Apps veröffentlicht.
Eigene TV-Betriebssysteme werden für 2012 auch von Microsoft und Apple erwartet. So berichtete das Wall Street Journal bereits Ende Dezember 2011, dass Apple mit dem Einsatz von AirPlay einem personalisierten und einfach zu bedienenden Fernseher näher kommen wolle. Mit Hilfe der Software ließe sich das TV-Gerät via iPhone beziehungsweise iPad steuern. Auch würden sich Inhalte drahtlos von iOS-Produkten streamen lassen. Die Produktion eines vollwertigen Apple-TVs soll bereits angelaufen sein. Asiatische Zulieferer haben demnach mit der Herstellung von Fernsehbauteilen für Apple begonnen.
Dem Wall Street Journal zufolge werden die Inhalte über die iCloud bezogen beziehungsweise gelagert und synchronisieren sich automatisch mit anderen iOS-Geräten. Zudem stehe Apple mit TV-Sendern in ersten Gesprächen, um das Angebot mit Inhalten lizenzieren zu lassen. Denkbar wären ABO-Dienste. Um sich von anderen Endgeräte-Herstellern abzuheben setzt Apple auf ein neues Bedienungskonzept. Wichtiger Aspekt dabei sei die Integration der Spracherkennungssoftware Siri, die das Gerät per Stimme steuern soll.
Die Anschaffung dieser TV-Geräte ist selbstverständlich mit hohen Investitionen verbunden. Abhilfe will der deutsche Hersteller FANTEC schaffen. Er hat jüngst zwei Produkte vorgestellt, die jedes TV-Gerät Smart-TV-fähig macht - egal ob Röhrenfernseher oder Flachbild-TV. Mit den neuen FANTEC-Produkten "Smart TV Hub Box" und "Smart TV Disk Box" kann jeder beliebige Fernseher internetfähig gemacht werden. Im Gegensatz zu den Angeboten der TV-Hersteller richtet sich FANTEC mit seinem Angebot besonders an deutsche Kunden und will mit einer riesigen Auswahl an deutschsprachigen Internetdiensten, zum Beispiel den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, überzeugen.
Alle Inhalte sind durch das vorkonfigurierte und für die Darstellung auf dem Fernseher optimierte Portal ohne Installation sofort verfügbar. Ebenfalls ein Highlight sind die verschiedenen Musikportale, über diese können beispielsweise Videomitschnitte von Konzerten angesehen werden, sowie interaktive Musikvideo-Portale genutzt werden. Hier kann der Benutzer sein Wunschprogramm nach eigenen Musikvorlieben selbst zusammenstellen.
Außerdem stehen verschiedene Portale für die verschiedensten Interessengebiete zur Verfügung; auch interaktive Spiele lassen sich direkt auf dem TV spielen. Sollte unter den verfügbaren Apps, nicht das Richtige dabei sein lässt sich auf einen freien Internetbrowser zurückgreifen. Des Weiteren stehen viele Apps für internationale Inhalte aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Türkei, Polen, Österreich, Schweiz, Portugal, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen zur Verfügung.
Wie das Internet das TV verändert
Damit wird klar, dass künftig über das Internet bereitgestellte Dienste auch auf dem TV-Gerät selbstverständlich sein werden. Analysten rechnen damit, dass bis 2015 weltweit 500 Millionen Fernseher internetfähig sind, entweder von Haus aus oder mit Hilfe einer Set-Top-Box (In-Stat 2011 ).
Diese unterscheiden sich grundsätzlich in zweierlei Hinsicht vom herkömmlichen Fernsehen: Filme und Livestreams sind je nach Gusto abrufbar; und eine Vielzahl neuer Dienste, Funktionen und Apps stehen zur Verfügung. Die Konvergenz von Fernsehen und Internet ist vollendet, wo das Web nahtlos in das TV-Erlebnis integriert ist. Mit einem einzigen Klick sind vertiefende Informationen, Chats, Experten-Hotline, Adressen und Feedback-Kanal zu einer Sendung zu erreichen. Connected TV bedeutet, dass Zapp-Logik des TVs und Klick-Logik des Webs verschmelzen: die Abfrage von Aktienkursen oder vertiefenden Film-Infos ist möglich, ohne dass der Nutzer dazu auf ein anderes Gerät wechseln müsste. Connected TV macht die Welt der Apps auf dem Großbildschirm im Wohnzimmer verfügbar - vom Wetterbericht über Börsennachrichten bis zu lokalen Sonderangeboten.
Die Plattform Yahoo Connected TV umfasst heute bereits Angebote der Videoplattform Vimeo , des Foto-Sharings Joomeo , aus dem Sportbereich und dem Home Shopping Network (HSN) .
Videoplattformen im Netz konkurrieren mit klassischen Inhalteanbietern um das Medienbudget der Konsumenten. YouTube , das größte Videoportal der Welt, hat das Verhältnis von Konsument und bewegtem Bild nachhaltig verändert. Nutzer rufen dort täglich drei Milliarden Videos ab, ein wachsender Anteil davon wird mit Werbung ausgeliefert; für das kommende Jahr erwartet Youtube erstmals über eine Milliarde US-Dollar Umsatz. Connected TV ermöglicht es, noch besser die Verteilstrukturen des Internets mit neuen Geschäftsmodellen zu nutzen. Neue Anbieter drängen mit Video-on-Demand auf den Markt, abgerechnet wird auf der Basis einzelner Transaktionen (T-VOD) oder nach dem Subskriptionsmodell (S-VOD).
Fünf Gruppen, die vom Fernsehen der Zukunft profitieren
Auf beiden Seiten, sowohl im TV-Sektor als auch im Internet, haben etablierte wie auch neue Player die Chance, von der Wanderung des bewegten Bildes ins Netz zu profitieren.
- Multimedial arbeitende Contentbüros
Künftig wird es das Contentbüro als Service-Anbieter geben: Zusammenschlüsse von Experten unterschiedlicher Färbung, die als gemeinsames Ziel die Produktion von Inhalten haben: Entertainment, Wissen, Quiz - die komplette Palette des Bewegtbildes ist denkbar. In Contentbüros tun sich Experten für Entertainment aus verschiedenen Bereichen zusammen: Drehbuchautoren, Game-Designer, Social-Media-Marketing-Experten und IT-Fachleute. Gemeinsam entwickeln sie Stoffe von Anfang an als für alle Plattformen ausspielbare Konzepte: Die Bewegtbildserie, die von Anfang an gleichzeitig als TV-Format, als Online-Angebot, als Videospiel und Fanseite im sozialen Netzwerk vermarktet wird. Den Contentbüros steht dabei die Entscheidung offen, ob sie ihre Inhalte selbst online distribuieren oder aber die Kooperation mit bestehenden Fernsehsendern suchen: "Früher musste ich zehn Millionen Euro in die Hand nehmen, um ein Fernsehformat zu produzieren", sagt Thomas Lückerath , Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de . "Dank des Webs haben kleinere Internetproduktionsfirmen einen gleichberechtigten Zugang zum Nutzer." - Payment-Dienstleister
Mediatheken und Video-on-Demand-Plattformen brauchen Payment-Dienstleister, um ihren Bezahlcontent abzurechnen. Nicht alles wird über Werbung laufen: Hochwertige Produktionen wandern als Leih- oder Kaufprodukte ins Netz - der Apple-iTunes-Store oder private Mediatheken, wie die Online-Videothek Maxdome und RTL Now haben den Anfang gemacht, viele weitere werden folgen. - Shops und starke Marken
Alle größeren Shops werden bald schon neben physischen Datenträgern auch downloadbares Bewegtbild anbieten, das sie zum Teil auch selber generieren (lassen). Amazon hat gemeinsam mit dem Filmstudio Warner Bros. vergangenen Monat ein Online-Filmstudio erworben. Nach dem Crowdsourcing-Prinzip können hier Autoren und Produzenten eigenproduzierte Spielfilme hochladen und von den Nutzern bewerten lassen. Amazon und Warner schreiben Wettbewerbe aus, die Geldpreise für besonders gut bewertete Werke in Aussicht stellen. Die Gewinnerfilme sollen dann zeitnah ins virtuelle Regal des Shops wandern.
Ein Shop wie Amazon wird dabei besonders von seinem guten Namen profitieren, der Produzenten gleichermaßen wie Kunden anlockt: Hier kann sich der Nutzer nicht bloß sicher sein, Qualität zu finden - er hat auch eine Garantie, dass ihm das Bewegtbild, das er konsumiert, legal zur Verfügung gestellt wird. Denn häufig haftet dem Video-Inhalt im Internet der Beigeschmack der Piraterie an. Beides - illegale Anmutung und mangelhafte Qualität - schrecken noch immer manche Nutzer vom Onlinebewegtbild ab. Renommierte Onlinemarken können ihren guten Namen anbieten, um diese Vorbehalte auszuräumen. Das können einerseits große Hausnummern des Netzes sein, wie Amazon oder die Telekom . Zum anderen haben auch neue, kleinere Plattformen wie etwa Zattoo eine Chance, sich am Markt aufzustellen. Zattoo macht seit 2006 eine Reihe von TV-Angeboten namhafter privater und öffentlich-rechtlicher Sender online verfügbar, wofür Zattoo die Rechte einholt. Geld macht Zattoo mit Werbung. - Verticals: Gebündelte Nischen-Webseiten
Verticals haben viel Potenzial für die Zukunft - im Netz muss auf den Zuschauer noch viel aktiver und kleinteiliger Jagd gemacht werden als vor dem Fernsehschirm. Die Bündelung von speziellen Onlinepublikationen ist ein Modell mit Zukunft. Denn es macht klar definierte Zielgruppen über die gebündelten Verticals für Bewegtbildinhalte erreichbar. Damit werden die Verticals für Contentproduzenten attraktiv, aber auch für Werbetreibende, die hier einfach getargete Werbung auf vertikalen Bewegtbild-Plattformen abwerfen können. - Und der ganze Rest...
... wird folgen: Onlinevermarkter, Onlinemarketing-Agenturen, Web-Analysten und Provider werden aus einem enormen Volumen schöpfen können, wenn die Verlagerung des bewegten Bildes ins TV beginnt.
