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Im Trend: Kleinanzeigen-Portale in Deutschland legen kräftig zu

25.02.2008 Die traditionellen Kleinanzeigenmärkte erleben im Internet derzeit eine Renaissance. Anbieter wie Quoka, Markt.de oder 'Der heiße Draht' spüren einen enormen Anstieg der Nutzeraktivität auf ihren Plattformen. Sie sehen sich als Gewinner der Ebay-Schwäche und führen ihren Nutzerboom zurück auf die neue Gebührenordnung und den daraus folgenden Powerseller-Streikes bei Ebay. Doch wie iBusiness-Recherchen belegen, liegen die Gründe woanders.

 (Bild: DHD24.com)
Bild: DHD24.com
Die privaten Kleinanzeigenportale sehen sich als die Gewinner der Ebay-Schwäche: "Die neue Gebührenstruktur von eBay hat zwei Seiten", argumentiert Patrick Günter , Geschäftsführer des Kleinanzeigen-Portals Quoka.de  , "einerseits kosten Auktionen ab einem Euro keine Gebühren mehr fürs Einstellen. Auf der anderen Seite steigen die Gesamtprovisionen drastisch". Damit würden die Auktionen für Privatpersonen immer unattraktiver, da gerade die Auktionen, die mit einem Euro als Startgebot beginnen, oft höchste Endpreise erzielen. Aber ab sofort müssen acht Prozent des Endbetrages an eBay als Provision gezahlt werden - bisher nur fünf Prozent.

"Wir spüren das Ergebnis jetzt schon", freut sich Günter. Das Online-Kleinanzeigen verzeichnet zunehmende Aktivitäten im Bereich der privaten Kleinanzeigen. "Gerade bei den Menschen, die im Rahmen des Frühjahrsputzes den Keller entrümpeln und den Überhang verkaufen wollen, fällt ein Euro mehr oder weniger Provision ins Gewicht", kommentiert Patrick Günter den spürbaren Nutzeranstieg auf dem Quoka-Portal. Er führt seinen Erfolg auf die Ebay-Schwäche zurück, denn das Einstellen von Angeboten ist bei ihm ebenso kostenlos wie die Kontaktaufnahme mit den Verkäufern. "Letztendlich findet der Handel wieder so statt, wie es am meisten Spaß macht: Persönlich und auf privater Ebene."
In das gleiche Horn bläst auch Joachim Lampe . Der Leiter Internet Services bei dhd24.com   konstatiert einen Anstieg der Aktivitäten auf seinem Portal: "Das liegt zum einen an unseren neuen Produkten und zum anderen trägt auch die Ebay-Problematik ihren Teil dazu bei." Lampe zufolge merkt der Kunde, dass auf anderen Kleinanzeigenportalen seine Artikel auch ohne Versteigerungen sehr einfach zu verkaufen kann.

Auch Sang-Woo Pai , Geschäftsführer des Anzeigennetzwerk Markt.de  , hat in den vergangenen Wochen einen starken Zuwachs auf seinem Portal verbuchen können. "Unsere Nutzerzahlen sind noch einmal um knapp die Hälfte auf zehn Millionen Nutzer gestiegen. Auch unser Anzeigenmarkt verzeichnet eine Zunahme von 40 Prozent gegenüber den Vormonaten."

Dass jedoch die Kunden von Ebay   auf Kleinanzeigenmärkte abwandern, dementiert das Auktionshaus heftig. Nicht zu unrecht, wie Zahlen belegen. Analysiert man die Statistiken, die das Portal Auktionssuche.de   regelmäßig über die laufenden Aktionen der deutschen Onlineautktionsportale veröffentlicht, so sieht man, dass von einem Rückgang bei Ebay gar keine Rede sein kann. Im Gegenteil: Die Zahl der gleichzeitig ablaufenden Auktionen ist bei Ebay so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Mit 12,5 Millionen Auktionen im Dezember 2007 verzeichnete Ebay ein riesiges Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit acht Millionen Auktionen. Im Februar 2008 liegt die Zahl der Auktionen mit 8,1 Millionen sogar über dem Weihnachtsgeschäft des Jahres 2006.

Offensichtlich hat das Wachstum bei den Kleinanzeigenportalen andere Ursachen als die Ebay-Schwäche. Eine wachsende ECommerce- und Internet-Affinität bei einer immer größeren Zahl von Normalverbrauchern könnte ebenfalls diese Flut von Kelleraufräum-Aktivitäten ausgelöst haben - von denen dann eben neben Ebay auch die anderen Portale profitiert haben.

Während wieder mehr Auktionen bei Ebay laufen, sinkt die Zahl der - für Ebay lukrativeren - Powerseller offenbar weiter. Studien sprechen von einem Rückgang von bis zu 20 Prozent. Die am 20.Februar in Kraft getretenen Provisions- und Gebührenstruktur sorgt bei den gewerblichen Anbietern für weitere Kritik. Für den Zeitraum zwischen dem 18. und 25. Februar haben Powerseller in den USA schon zu einem Streik aufgerufen und ein riesiges Medienecho ausgelöst. Sie wollen durch eine rückgängige Zahl von Angeboten Ebay zum Einlenken bewegen. Doch der Ebay-Analyst Wortfilter   bezweifelt für den deutschen Markt die Effektivität des Streiks. Sie sehen Probleme wo anders: "Deutsche eBay-Verkäufer sind vor allem über die für Juni geplante Änderung bei den Bewertungen verärgert: Ab dann soll es nicht mehr möglich sein, Käufer neutral oder negativ zu bewerten. Gerade kleine und mittlere Händler bringt diese Änderung auf die Palme, bei den ganz großen Anbietern sieht man das eher gelassen".
Allerdings zieht die Kritik der gewerblichen eBay-Anbieter und das Auf-der-Stelle-treten beim Unternehmenswachstum nun personelle Konsequenzen in der Chefetagen des Auktionshauses in Deutschland nach sich: Der Auktionschef Patrick Boos und Marketing-Chef Harald Eisenächer werden entmachtet. Eisenächer, der seit 2006 für Ebay arbeitet, soll im Sommer das Haus verlassen. Eisennächer "wird bis dahin als Geschäftsführer den Umbau der Organisation begleiten und Herrn Dr. Groß-Selbeck bei strategischen Marketingprojekten unterstützen", so Ebay zu der Personalie.

Patrick Boos, seit über drei Jahren Leiter des Bereiches Auktion, wird durch Frerk-Malte Feller ersetzt. Bisher leitet Feller die deutschen Geschäfte von Paypal  . Das plötzliche Ausscheiden von Boos aus der Geschäftsführung begründet Ebay-Sprecher Nerses Chopurian damit, dass "in Zukunft der Bereich Auktion, der im wesentlichen die Weiterentwicklung des eBay-Marktplatzes umfasst, eine noch zentralere Rolle einnehmen" soll. Härter kann man den Satz "er hat seinen Job nicht richtig getan" wohl nicht in PR-Wortgeklingel übersetzen.

Thema: Im Trend: Kleinanzeigen-Portale in Deutschland legen kräftig zu

Kommentar von Susan Rönisch

Private ECommerce-Aktivitäten beliebt wie nie zuvor

Sowohl auf Kleinanzeigenmärkten als auch auf Ebay brummt derzeit das Geschäft. Denn immer stärker wandert der Markt für Kleinanzeigen aus dem traditionellen Print-Bereichg ins Internet.

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 (Hightext)
Bild: Hightext
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