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Pixelpark gibt Kerngeschäft auf
15.05.2008 Die Gerüchte um die Agentur-Gruppe Pixelpark haben sich bewahrheitet. Der Konzern tritt nach einem Angebot einer bisher nicht genannten "weltweit tätigen Kommunikations-Agentur" in Verhandlungen über die Zukunft des Geschäftsbereiches Kommunikation ein. Dabei ist eines klar: Pixelpark steht unter Zugzwang, denn die wirtschaftliche Situation des Konzerns ist prekär. iBusiness hat analysiert, welche Optionen ein Verkauf mit sich bringt.
Allerdings bleibt die Quartalsmeldung hinsichtlich der Geschäftszahlen mehr als wage. So teilt die Unternehmensspitze um Vorstands-Chef Michael Riese lediglich mit, dass der Umsatz im ersten Quartal 2008 um 45 Prozent auf 11,7 Millionen Euro (7,9 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2007) gesteigert werden konnte. Dies sind aber auch schon die einzigen Angaben zur wirtschaftlichen Situation der Agenturgruppe.
Dies ist insofern sehr bedenklich, da trotz eines veritablen Umsatzanstiegs von fast 40 Prozent im Jahresverlauf 2007, der Konzern zum Jahresende unter dem Strich einen Verlust von über 2,7 Millionen Euro einfuhr. Dies bestätigt auch eine aktuelle iBusiness-Analyse. Es wird deutlich, dass Pixelpark seine Kostenstrukturen und die damit verbundenen Zukäufe schnellstens in den Griff bekommen muss. Sollte nämlich, das erste Quartal 2008 auch nur annähernd so defizitär angelaufen sein, wie das vierte Quartal 2007 aufgehört hat, wird es für den selbsternannten Kronprinzen der Interaktivbranche wirtschaftlich eng und der Konzernvorstand gerät massiv unter Zugzwang.
Hinzu kommt, dass sich fast 82 Prozent der Pixelpark-Aktien im Streubesitz (Freefloat) befinden. Das bedeutet für den Konzern-Vorstand zweierlei: Zum einen muss sich Vorstandsvorsitzender Riese auf jeder Hauptversammlung stets neue Mehrheiten schaffen, um strategische Entscheidungen des Konzerns auf den Weg bringen zu können. Diese 'Stimmen-Unsicherheit' wirkt natürlich auch in das operative Tagesgeschäft hinein und erschwert Riese seine Arbeit. Außerdem muss Pixelpark auf Grund des hohen Freefloat-Anteils und der seit langem niedrigen Aktienkurses immer wieder eine feindliche Übernahme fürchten.
Bereits zu Jahresanfang berichtete iBusiness über eine Übernahme von Pixelpark durch die französische Werbeagenturgruppe Publicis , die schon seit längerem einen Einstieg in den deutschen Multimedia-Markt sucht. Vorstellbar ist, dass zwar die Übernahme von Publicis, das Geschäft aber dann vom US-amerikanischen Internet- und ECommerce-Dienstleister Digitas operativ geführt wird. Sollte dieses Szenario eintreten, ist wahrscheinlich auch langfristig Schluss mit der Marke Pixelpark. Wer im internationalen Geschäft an die großen Etats heran möchte, kann sich kaum eine Mehr-Marken-Strategie leisten.
Somit bliebe dem Agenturkonzern nach einem Verkauf der Kommunikationssparte nur noch der Bereich Systemtechnologie über. Ob ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 14 Millionen Euro an der Börse überlebensfähig sein kann, ist mehr als fraglich. Somit ist ein Delisting des Geschäftsbereiches Systemtechnologie im Falle eines erfolgreichen Verkaufes durchaus realistisch. Wie dieser Neuanfang aussehen könnte bleibt aber unklar. Im Falle eines erfolgreichen Verkaufs der Kommunikationssparte bleiben Pixelpark eigentlich nur zwei Optionen offen:
Sie schütten den Verkaufserlös größtenteils an die Aktionäre aus und überlassen die verbliebene Sparte Systemtechnologie sich selber, ohne weitere nennenswerte Investitionen zu tätigen. Für dieses Szenario spricht die Ankündigung in der Quartalsmeldung, eine Sonderausschüttung an die Aktionäre vornehmen zu wollen. Vorstellbar ist aber auch, dass Pixelpark durch einen Verkauf der Kommunikationssparte sämtliche Verbindlichkeiten ablöst und mit den verbleibenden Unternehmensteilen einen Neuanfang startet. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie die verbleibende Systemstechnologie-Sparte die operativen Verluste der Vergangenheit kompensieren will, wenn die Synergien aus der Sparte Kommunikation wegfallen sollten. Zwar ist nicht ersichtlich, wie viel Umsätze der System-Sparte aus Folgeaufträgen des Kommunikations-Geschäftstes resultieren, aber der Anteil dürfte sicherlich signifikant sein. Nicht umsonst weißt die Konzernspitze im aktuellen Quartalsbericht auf erfolgreich genutzte "Synergie- und Cross-Selling-Potenziale der Unternehmensgruppe" hin.
Die Branche reagiert auf die angekündigten Verkäufe relativ gelassen: "Bedauerlich ist die Tatsache, dass die von Pixelpark betriebene Strategie einer crossmedialen Ausrichtung unter Einbeziehung von technologischer Kompetenz nicht aufzugehen scheint. Ich werte dies jedoch nicht als ein allgemeines Problem sondern ein Pixelpark spezifisches", erklärt Andreas Schwend , Managing Partner dmc digital media center .
