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Pixelpark: Stillhaltegeschäfte oder strategische Investition?

12.08.2008 Schwappt das Conti-Übernahmemodell von Schaeffler in den Agenturbereich? Nach dem vorerst geplatzten Einstieg von Publicis bei Pixelpark, muss die Berliner Interaktiv-Agentur mit einem Investor klarkommen, den keiner kennt und dessen Absichten keiner ahnt. 22,22 Prozent an Pixelpark hält seit kurzem ein Geflecht von mehr als 50 Firmen, vertreten durch einen Vermögensverwalter. Einem Deal mit einer großen Agentur wäre er keineswegs abgeneigt. Kommt Publicis durch die Hintertür herein?

Nun ist es auch amtlich: Nach einer akribischen Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin   sind die genauen Anteile der von Reinhold Rombach vertretenen Beteilungsfirmen bekannt geworden.

Aktuell segneten die Finanzaufseher der Bafin ab, dass die von Rombach vertretenen über 50 Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) 22,22 Prozent an Pixelpark    halten. Ein Aufwand, der wohl damit zusammenhängt, dass die verschiedenen Gesellschaften jeweils sehr kleine Anteile am Aktienvermögen erwarben, um Pixelpark und die Öffentlichkeit erst spät über die wahre Dimension der Beteiligung unterrichten zu müssen. Unklar ist, ob die mehr als sieben Prozent weiteren Stimmanteile beim von Rombach herausgegebenen RR Analysis Top Select Universal liegen, der bereits im Frühjahr vier Prozent an dem Agentur- und IT-Unternehmen hielt. Einerseits kauft der von Rombach über den großen Fondienstleister Universal Investment   edierte Fonds unterbewertete Aktien, um sie länger in seinem Portfolio zu halten. Andererseits outet sich Rombach selbst gerne als Fan von sogenannten Stillhaltegeschäften. Bei denen hat er die Option, die Aktien zu halten, oder sie nach einer vordefinierten Frist - etwa drei Monate - zu einem Preis mit Aufschlag weiterzuverkaufen. Da könnte auch wieder Publicis   beziehungsweise die Digitaltochter Digitas   ins Spiel kommen, die als Partner eines solchen Stillhaltegeschäftes über eine ausgeübte Kaufoption doch noch an die Pixelpark-Anteile gelangen könnte.

Der Kölner Vermögensverwalter hatte auf der Hauptversammlung am 24. Juli den ebenfalls in der Domstadt residierenden Geschäftsführer der Werbeagnetur smartin-ftp.de  , Martin J. Lindenthal , als Aufsichtsrat installiert. Aufgrund der von Rombach beziehungsweise seinen Partnern gehaltenen Anteile wurde Lindenthal in das Aufsichtsgremium gewählt - damals vertrat Rombach Stimmanteile von 30 Prozent.

Auch nachdem die Offerte des offiziell immer nur als anonymer 'Global Player' titulierte Agenturgruppe Publicis von Pixelpark ausgeschlagen wurde, könnten sich die Franzosen mittels eines Geschäfts mit Rombach und den vielen GbRs doch noch einkaufen - ohne Verhandlung. Ein Modell, das dem verdeckten Kauf kleinerer Anteile an der Continental AG   durch die nicht publizitätspflichtigen Unternehmen der Schaeffler-Gruppe   ähnelt.

Der Status Quo der Eignerverhältnisse bei Pixelpark ist derzeit relativ unklar. Neben dem immer noch zahlreich vorhandenen Streubesitz an Aktien weiß man selbst in der Berliner Unternehmenszentrale nicht so recht, wer genau hinter den GbRs steckt, die alle unter 'Erster Privater Investmentclub Börsebius' firmieren, jeweils mit regionalen Zusätzen wie 'Neckar', 'Weser' oder 'Schwabenland'. Ob hier also nur ein paar gutbetuchte Mediziner ihr Geld anlegen - Rombach gibt häufig Finanztipps über das Deutsche Ärzteblatt   - oder doch auch Branchenvertreter investiert sind, ist ebenso wie die Option Stillhaltegeschäft mit einer Großagentur schwer abschätzbar. Bei Pixelpark kann man - da man auch inhaltlich nicht dafür verantwortlich ist - nichts mehr zu der Adhoc-Meldung mitteilen, die die 'Privaten Investmentclubs' nach fast einmonatiger Bafin-Prüfung veröffentlichten. Ablesbar ist allerdings, dass die von Rombach angeführte Käufergruppe früh investierte und kurz vor der Hauptversammlung kräftig zulangte.

Rombach jedenfalls möchte das Management der derzeit mal wieder als integrierter Konzern für Systemintegration und Kommunikation aufgestellten Pixelpark mittels Ohrfeigen 'fulminant nach oben bringen'. Der von ihm vorgeschlagene und gewählte neue dritte Aufsichtsrat Lindenthal, soll als Kontrolleur helfen. Sein Büro teilte iBusiness mit, eine Presseanfrage zu der Beteiligung der ihn stützenden Aktionärsgruppe 'per Post' entgegennehmen zu wollen.

Thema: Pixelpark: Stillhaltegeschäfte oder strategische Investition?

Kommentar von Thomas Kletschke

Bitte kein Placebo mehr

Bei Pixelpark weiß man nicht genau, was man halten soll von einem Investor, dessen verschachtelte Einkaufstour auch bei der Finanzaufsicht erst einmal eingehend geprüft wurde. Wetten, dass sich am Ende doch eher ein Agenturkonzern einkauft, statt einer von Kleinanlegern gegründeten Gesellschaft?

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