Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Interaktiv-Trends 2019/2020 (10): GAFA-Regulierung - Die Kolonialisierung des Neulandes
27.12.2018 Die großen Internetkonzerne von Google über Amazon und Facebook bis zu Apple werden 2019 und die Folgejahre wie nie zuvor mit ansehen müssen, wie ihre Allmacht bröckelt. Einer der Konzerne hat dies bereits erkannt und nutzt es clever für sein Marketing.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
- Facebook geriet mit einem Datenskandal, der seinesgleichen suchte, in den Fokus von US-Behörden: Im Mittelpunkt stand die inzwischen vaporisierte Firma Cambridge Analytica, die Wahlbeeinflussung-as-a-Service anbot und im großen Stil Daten aus Facebook verwendet hatte, um für Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf zu werben.
- Google kassierte eine Strafe von 4,3 Milliarden Dollar, weil es Partner bei der Nutzung des Betriebssystems Android am Gängelband herumführte - selbst für einen vor Geld platzenden Konzern (Jahresgewinn der Mutterfirma Alphabet 2017: 12,7 Milliarden Dollar) ein spürbarer Betrag.
- Das Bundeskartellamt kündigte unterdessen im ausklingenden Jahr 2018 eine umfassende Prüfung von Amazons Geschäftsgebahren gegenüber Marktplatzhändlern an.
- Und schließlich hält dann noch kein Geringerer als Apples Boss Tim Cook eine Regulierung von Social-Media-Giganten für 'unvermeidlich'. Das in einem Interview abgegebene Statement soll zweifelsohne auch auf Apples laufende Neuerfindung als datenschutzaffiner Konzern einzahlen - doch es kommt nicht von ungefähr, dass die Erfinderfirma des iPhones auf so deutliche Distanz zum Geschäftsmodell der Datenausbeute geht.
Damit sind die Zeichen der Zeit aktuell deutlicher auf Regulierung großer Konzerne gesetzt als je zuvor. Strafverschärfend kommt hinzu, dass die Konzerne sich nur stark eingeschränkt lernbereit zeigen, wie das Beispiel Facebooks illustriert: Zuckerbergs zwischen roboterhafter und herablassender Attitüde oszillierender Auftritt vor dem Kongress tat nichts, um den im Raum stehenden Verdacht auf Regulierungsbedarf zu entkräften und erst kürzlich beförderte das Netzwerk rechte Fake-News-Portale mittels Algorithmus-Update zu neuen Sichtbarkeitshochs, während die seriösen Medien abgestraft wurden.
Auch kleinere Interaktiv-Unternehmen (und kleiner sind im Vergleich zu den GAFAs nahezu alle) stellen immer wieder aus, wie sehr sie sich von den Spielregeln der Gesellschaft entkoppelt wähnen: Ein Airbnb züchtet eine Schatten-Hotellandschaft heran, bei der Gewerbetreibende scheinbare Privatwohnungen vermieten, mutmaßlich ohne dafür Steuern zu entrichten, wie Recherchen der Uni Potsdam 2015 nahelegten. Uber ignorierte lange Zeit viele sonst für Personenbeförderung geltende Standards, die natürlich schlussendlich dazu führen, dass die Taxi-Konkurrenz zwangsläufig mehr kostet als ein Uber. In beiden Fällen waren es schließlich die betroffenen Gemeinden von Berlin bis New York, die den auf Externalisierung von Kosten und Risiko angelegten Geschäftsmodellen Wachstumsschranken auferlegten.
Diese Limitierung von Interaktiv-Konzern-Macht wird in den kommenden Jahren von unten nach oben fortgesetzt werden. Die Datenschutzgrundverordnung hat gezeigt, dass die Beschränkung digitaler Geschäftsmodelle in einem Rahmen möglich ist, der es seriösen Unternehmen ermöglicht, dennoch weiterzuexistieren (die iBusiness-Analyse zu 13 Tagen DSGVO zeigte erstaunlich viele positive Reaktionen Betroffener zur DSGVO). Mit der ePrivacy-Verordnung wird eine weitere Regelung folgen, die die einstmals ungebremste Advertising- und Datensammel-Wut der Interaktiven in ihre Schranken verweist. Und selbst sie wird nur eines von vielen Feldern sein, auf dem der bislang unbegrenzte Spielraum der Interaktiven massiv schrumpfen wird: Mit dem wachsenden Verständnis für digitale Prozesse wird analog auf staatlicher Seite die Erkenntnis steigen, dass die gewaltigen Machtfaktoren dahinter striktere Regeln benötigen, will man ihnen nicht Macht, Steuereinnahmen und Diskurshoheit schenken.
