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Diskriminierungsstudie 2021: Frauen in Deutschlands Digitalagenturen
01.07.2021 "Männer sind Schweine". Oder liegt es an etwas anderes, dass Frauen in Internet-Agenturen nur selten als GeschäftsführerInnen arbeiten. Die iBusiness-Analyse von mehreren tausend Agenturen zeigt, wo die digitale Glasdecke zu finden ist - und wann sie bricht. Vielleicht.
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Nicht zu vergessen unsere Analysen von 2014 und 2013. Wenn man noch weiter zurückgehen will: Männerwelt Multimedia-Industrie: "Kann ich mal den Chef sprechen?" hieß unsere erste Analyse aus dem Jahr 1997: "Bei Multimedia-Agenturen, die sich in der Regel durch flache Hierarchien und junge Geschäftsführerriegen auszeichnen, haben Frauen gute Chancen", so das Selbstbild der Branche. Pustekuchen. Unsere Analyse belegt: "In kaum einer deutschen Branche gibt es so wenig führende Frauen wie in der Multimedia-Industrie", haben wir im November 1997 geschrieben.
So zeigt die aktuelle Erhebung zum Internet-Agenturranking, dass auch im Jahr 2021 das mit der Gleichberechtigung irgendwie - ausbaufähig ist. Zwischen 20 und 65 Prozent beträgt der Frauenanteil in den einzelnen Abteilungen der größten deutschen Internet-Fullservice-Agenturen. Der Blick in die Verteilungen zeigt, wie sehr sich das traditionelle Frauenbild bei Deutschlands größten 159 Agenturen in der Mitarbeiterverteilung widerspiegelt: So arbeiten am meisten Frauen in traditionellen Frauenberufen. Exakt zwei Drittel (66 Prozent) aller Verwaltungsstellen sind bei Agenturen mit Frauen besetzt. Ebenfalls Frauendomänen bei Digitalagenturen sind mit jeweils 60 Prozent die zwei "Du als Frau bist doch gut in Kommunikation"-Ressorts: Social Media und PR/Content-Development.
Basierend auf den von den Agenturen genannten Frauen-Prozentangaben im Fragebogen zum Internetagentur-Ranking hatten wir pro Agentur die Zahl der Frauen, die in den jeweiligen Positionen arbeiten, errechnet und addiert. Die Zahlen haben wir jeweils mit der Branchen-Gesamtmitarbeiterzahl pro Abteilung verglichen. Die Zahlen in nebenstehendem Chart sind also Gesamtbranchen-Zahlen, nicht Mittelwerte. Ergebnis: Deutlich unterdurchschnittlich weiblich besetzt sind die Kernkompetenzen der Agenturen: Neben der Qualitätssicherung sind das Strategie, Beratung und - ganz schwach - Programmierung.
Stellen werden in Agenturen geschlechtsspezifisch besetzt
Rund 40 Prozent der Agenturbeschäftigten sind traditionell weiblich. Das hat sich laut unseren Zählungen in den vergangenen Jahren kaum geändert. Dass die Positionen geschlechtsspezifisch besetzt werden, allerdings auch nicht. Wir haben die Auswertungen der Internetagentur-Rankings der vergangenen Jahren für die vier Berufsfelder Administration, Content, Beratung und Backend/IT zusammengestellt und in ein historisches Diagramm gepackt:
Auch wenn in den einzelnen Rankings immer wieder andere Agenturen gelistet werden: Die hier abgebildeten Werte repräsentieren einen repräsentativen Querschnitt durch die deutsche Digitalagenturlandschaft. Dieser zeigt, dass sich in Sachen "Frauenberufe in Agenturen" die Lage nicht wirklich gebessert hat. Im Gegenteil: Der Frauenanteil in der Administration ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auch der Content-Bereich ist seit 2018 kontinuierlich in weiblicher Hand.
Will man böse sein, kann man sagen: Seit Beratung durch die Digitale Transformation zum Agentur-Kerngeschäft geworden ist, sinkt der Frauenanteil seit 2018 kontinuierlich und hat sich nur im vergangenen Coronajahr wieder leicht stabilisiert. Im selben Maße hat auch der Nerdette-Anteil in der Coronazeit leicht gelitten, liegt aber immer noch oberhalb der Zwanzig-Prozent-Marke.
Daniel schlägt Andrea um Längen
Wir haben die Daten von mehreren tausend Digital- und Interaktiv-Agenturen ausgewertet, um herauszufinden: Wie viele Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer gibt es - und wie heißen sie? Jürgen, Jörg und Daniel schlagen dabei Andrea, Sabine und Susanne um Längen| Männernamen und Frauennamen bei den GeschäftsführerInnen deutschsprachiger Digital- und Interaktiv-Agenturen |
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Aktuell liegt der Geschäftsführerinnen-Anteil bei Deutschlands Agenturen bei knapp einem Fünftel. Bei den Top-Agenturen des Internetagentur-Rankings liegt er mit 25,7 Prozent sogar nochmals leicht darüber (n=5882 und n=976).
Gleichberechtigung schon im Jahr 2075
Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen deutscher Digital- und Interaktiv-Agenturen ist sogar leicht gestiegen, vergleicht man ihn mit der ersten Erhebung, die wir im Jahr 2014 durchgeführt haben. Damals kamen auf eine Agentur-Geschäftsführerin rechnerisch drei Agentur-Geschäftsführer. Wenn man diese enorm positive Entwicklung weiterrechnet, dann ist abzusehen (dieselbe Steigerung des Frauenanteils vorausgesetzt), dass wir schon im Jahr 2075 personelle Gleichstellung bei Digitaldienstleistern haben werden:
Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft ist knapp jede dritte Führungskraft (29,4 %) weiblich (womit 2019 Deutschland auf dem fast-führenden 20. Platz im 28 Staaten umfassenden europäischen Länderranking landet). Dieser Anteil hat sich seit 2012 nur wenig geändert (+0,8 Prozentpunkte), sagt das Statistische Bundesamt . Das bedeutet, dass es 180 Jahre dauert, bis in der Gesamtwirtschaft Gleichberechtigung herrschen wird - Digitalagenturen können also noch in die Pole-Position gehen.
Frauenquote bei Startup-Vorständen: 5,4 Prozent
Zumindest gegenüber den Start-ups liegen Deutschlands Agenturen vorne, wenn man die Start-ups betrachtet, die in die DAX-Indizes eingezogen sind (iBusiness: "Start-ups sind Sexisten"). Denn diese Börsenneulinge ziehen in jedem Jahr zuverlässig den Frauenanteil in den Vorständen der 160 Börsenunternehmen nach unten.
Im April 2021 lag der Frauenteil in den Vorständen der in den vergangenen fünf Jahren neu in die Indizes aufgenommenen Unternehmen bei 10,2 Prozent. Das geht aus einer Untersuchung der Allbright Stiftung hervor. Bei denjenigen Börsenneulingen, die erst in den letzten 15 Jahren gegründet wurden - also Start-ups wie Delivery Hero , HelloFresh , Home24 oder Westwing - liegt der Frauenanteil in den Vorständen sogar nur bei 5,4 Prozent.
Im Vergleich dazu wird die Zeit für Frauen in Digital- und Interaktivagenturen bis zum Jahr 2075 wie im Flug vergehen.
