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Für wen sich Shopping-Plattformen wie Tradoria lohnen
28.04.2008 Ein Portal, ein Warenkorb, viele Händler. Das ist Tradoria. Eine Finanzspritze hilft dem Shopping-Portal weiter zu wachsen. Aber je mehr die Tradoria-Händler mitwachsen, umso weniger attraktiv wird die Plattform für die Händler, monieren Betroffene. iBusiness hat Pro und Contra des Shop-Aggregators einmal gegenüber gestellt.
Damit ist DuMont-Ventures nach den Ebay-Deutschland-Gründern Marc Samwer und Oliver Samwer der zweite große Geldgeber, der bei Tradoria einsteigt. Zur Entwicklung von Tradoria sagte Beate Rank Mitte März gegenüber dem Blog Deutsche Startups : "Im Februar hatten wir circa 200.000 Unique Visits und eine Million Page Impressions, Tendenz stark steigend. Unser Bestellvolumen steigern wir monatlich um 40 Prozent."
Tradoria ist einer der wenigen Shop-Aggregatoren, auf denen der Nutzer händlerübergreifend einkaufen kann, ohne mehrfach Versand- und Lieferkosten zahlen müssen. Nach Einschätzung von ECommerce-Experte Jochen Krisch "muss man sich auch um die Zukunft von Tradoria wenig Sorgen machen." Das zeige deutlich die Umsatzentwicklung der nordamerikanischen Shoppingplattform Shopify , die ein vergleichbares Konzept aufgesetzt haben. Sie stünden denen der Social-Shopping-Plattform Etsy "in nichts nach", beurteilt Krisch das Geschäftsmodell. Allerdings bräuchten Konzepte dieser Art "ihre Zeit, um richtig in Fahrt zu kommen", dämpft er allzu schnelle Wachstumshoffnungen.
Tradoria richtet sich bewusst an kleinere Online-Händler. Aber genau hier liegt auch die Crux. Ab einem bestimmten Umsatzvolumen lohnt sich für die meisten Shopbetreiber eine eigene Shoplösung, die individuell an das Geschäftsmodell angepasst ist. Vor allem das Provisionssystem schlägt bei steigenden Umsätzen eines Shops immer mehr ins Kontor des Händlers. Tradoria berechnet dem Händler bei jeder Einzelbestellung unter 300 Euro 8,5 Prozent Transaktionsgebühr. Die ist nach Ansicht von Styleon-Geschäftsführer Tobias Spill "einfach viel zu hoch." Hinzu kommen noch einmal 200 Euro Servicepauschale im Jahr.
Spill hat folgende Beispielrechnung zu dem Thema aufgestellt:
Ein Tradoria-Shop macht im Monat 1.000 Euro Umsatz, mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 40 Euro. Dies entspricht 25 Bestellungen im Monat. An Transaktionsgebühr müsste der Händler 85 Euro an Tradoria abführen. Hinzu kommen dann noch Versandkosten für 25 Bestellungen in höhe von rund 90 Euro. Der Rahmenvertrag mit dem Logistik-Dienstleister DHL sieht Kosten von etwa drei bis 3,10 Euro netto vor.
"Das heißt also das von den 1.000 Euro Umsatz direkt mal 175 Euro also 17,5 Prozent weg sind, nur weil das Tradoriasystem verwendet wird", rechnet Spill vor. Wahrscheinlich liege der durchschnittliche Bestellwert auf Grund des shopübergreifenden Warenkorbs bei manchen Händlern "sogar noch niedriger", vermutet er. Dann steigt auch der Prozentsatz am Umsatz, der an Tradoria abzuführen ist. Ein weiteres Problem sieht Spill in den vom Händler "subventionierten" Bestellungen. Da der Händler bei Tradoria keine Versandkosten verlangen "darf", "bleibt vom Gewinn am Ende nicht mehr viel übrig", kritisiert Spill.
Daher fordert Spill Tradoria sollte "das Gebührenmodell noch ein wenig verändern", um erfolgreiche Shops weiterhin im Portal zu halten. Spill sieht Parallelen zu Ebay, wo die "die zu hohen Gebühren" verantwortlich für die Unzufriedenheit vieler Powerseller seien.
Unter dem Strich stimmt ECommerce-Experte Peter Höschl von Shopanbieter.de Tobias Spill zu, sieht das Gebührenproblem aber "etwas differenzierter". Die Versandkosten sollte jeder Tradoria-Händler bereits in die Preiskalkulation miteinbeziehen, rät er. Ein weiterer Punkt, der die Tradoria-Gebühren mindere, seien die anfallenden Kosten für die Payment-Abwicklung in einem eigenen Online-Shop. Teuer werde es vor allem dann, wenn der Händler seinen Kunden Kreditkartenzahlung anbieten würde, argumentiert Höschl. Auch hat der Händler "keine Zahlungsausfälle und muss sich um rechtliche Dinge nicht kümmern", urteilt er. Denn Tradoria garantiert dem Händler die Zahlung und einen rechtssicheren Onlineshop.
Die jährliche Servicegebühr, empfiehlt Höschl, einmal mit den Kosten für eine Mietshoplösung oder der Finanzierung einer Kauflösung gegenzurechnen. Hinzu kämen auch noch Providerkosten für das Hosting, die bei Tradoria nicht anfallen.
Trotzdem sei Tradoria für "Händler mit starkem Umsatz beziehungsweise vielen Bestellabwicklungen nur als zusätzliche Vertriebsplattform" sinnvoll, skizziert Höschl die Grenzen. Tradoria eigne sich vor allem für Produkte mit gesunden Margen aus dem "Long Tail". Für IT-Produkte mit niedrigen Margen sei Tradoria nicht unbedingt geeignet, analysiert er.
