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Analyse: Uber, Taxis und die Disruption

13.06.2014 Das hat es bisher noch nie gegeben: Eine europaweite Demonstration der Taxifahrer gegen ein Internet-Start-up. Doch eigentlich richtet sich der Streik der Branche, die man bislang nur für die Einführung der Todesstrafe so massiv auf die Räder brachte, gegen etwas ganz anderes.

Was passiert ist: Zehntausende Taxifahrer in London, tausende in Paris, hunderte in Berlin, Chicago und Sao Paulo: Mit Streiks und Protestfahrten haben Taxifahrer gegen den Vormarsch von Mitfahr-Apps protestiert. Aus ihrer Sicht gibt es einen unfairen Wettbewerb, weil die neuen Onlinerivalen die strikte Regulierung des Taxigewerbes umgehen. Der Hauptgegner ist die US-Firma Uber  , die mittlerweile von Investoren auf 17 Milliarden (!) Dollar bewertet wird.

Was kommt: Die Proteste der Taxifahrer haben etwas gebracht - allerdings vor allem den App-Anbietern: Uber meldete beispielsweise während der Demos sechs- bis elfmal so viele Kunden. Die Demos haben wohl viele Menschen offenbar erst richtig auf die Dienste aufmerksam gemacht. Tatsächlich ist Uber im Kern nichts anderes als das Organisieren von Mitfahrgelegenheiten in Echtzeit. Auch wenn lokale Gewerbeaufsichten damit ihre Probleme haben - langfristig dürfte die Gewerbefreiheit über die Regularien siegen.

Was das bedeutet: Die Münchner Abendzeitung   hat es mit ihrer verunglückten Überschrift ("Aufstand der Taxler: Abrechnung mit der Stadt und Google") auf den Punkt gebracht. Im Kern richtet sich der Protest der Taxler nicht gegen einen Dienst. Sondern gegen die Welt im Allgemeinen, das Internet (aka: "Google") im Speziellen und vor allem: gegen die Disruption, die dem Internet folgt.

Egal, ob Uber und die anderen sich gegen die deutschen Gewerbeaufsichtsämter durchsetzen. Spätestens mit dem nächsten Service, der den Mitfahrerdienst kostenlos anbietet, ist endgültig klar: Der schöne, bequeme (und vor allem: abgeschottete) Taxi-Markt ist perdue. Die Information "Ich kenne jemanden, der in dieselbe Richtung wie Du fährt und Dich mitnehmen kann", ließ sich die Taxifahrerinnung bislang teuer bezahlen. Das Internet macht sie kostenlos und zerstört damit einen Teil der Wertschöpfungskette. Genau wie Mytaxi   zuvor den Teil der Wertschöpfungskette zerstört hat, der mit hohem Personal- und Administrationsaufwand die Kommunikation zwischen Taxi und Taxikunden organisiert hat.

Statt dem Fräulein vom Amt in der Taxizentrale jetzt das Selbstwahlsystem, statt dem Taxifahrer jetzt die Mitfahrerzentrale - Fräuleins vom Amt gibt es schon längst nicht mehr und so mancher Taxifahrer wird sich in Zukunft einen neuen Job suchen müssen.

Die Folge: Der Taxiaufstand zeigt die disruptive Macht, die in den Netzen steckt. Das Netz selbst übernimmt Informations- und Mittlerfunktionen, die sich bislang einzelne Unternehmen haben teuer bezahlen lassen. Es ebnet die Informationshürden ein, von denen einzelne bislang gelebt haben. Dieser Prozess ist unaufhaltsam und wird in den kommenden Jahrzehnten kaum einen Stein auf dem anderen lassen.

Was aber nicht bedeutet, dass eine Ruinenlandschaft zurück bleibt: Die Steine werden nur neu zusammengesetzt, damit anderes entsteht.
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