Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Digital ohne USA? Wie Europas Unternehmen ihre IT-Strategien überdenken können
16.04.2025 US-Software dominiert Europas digitale Wirtschaft - doch das Vertrauen bröckelt. Geopolitische Spannungen, Datenschutzbedenken und der Ruf nach digitaler Souveränität zwingen Unternehmen zum Umdenken. Ist ein Leben ohne Microsoft, Google & Co realistisch? Der Druck wächst - politisch, wirtschaftlich und technologisch.
"Für größere, komplex organisierte Unternehmen ist ein vollständiger Verzicht auf US-Cloud-Services in der Regel kurzfristig nicht realisierbar. Dies ist auf die hohen Abhängigkeiten und technischen Herausforderungen zurückzuführen. Zudem gibt es Verträge, die eingehalten werden müssen", schränkt Rolf Schumann , Co-CEO von Schwarz Digits , der IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe (Lidl , Kaufland ), ein. Schwarz Digits positioniert sich als europäisches Powerhouse für IT und Digitalisierung. Ein besonderer Fokus liegt auf digitaler Souveränität, also der unabhängigen und selbstbestimmten Kontrolle über Daten. Gemeinsam mit dem Handelsblatt richtet das Unternehmen vom 25. bis 27. Mai 2025 erstmals die Konferenz TECH aus, deren Thema die Stärkung Europas im globalen Technologiesektor ist.
Technisch machbar - organisatorisch anspruchsvoll
Rein technisch betrachtet ist ein Verzicht möglich. Es gibt europäische Alternativen zu nahezu jedem US-Dienst: Die Open Telekom Cloud, OVHcloud, IONOS oder Scaleway bieten Cloud-Infrastrukturen, die DSGVO-konform und vielfach zertifiziert sind. Auch im Softwarebereich existieren leistungsfähige Lösungen: Nextcloud statt Google Drive, OnlyOffice statt Microsoft 365, Matomo statt Google Analytics - um nur einige Beispiele zu nennen.Wer es genau wissen will, findet auf der Website european-alternatives.eu ein umfassende Übersicht von Business-Software, die auf den Bedarf von Freelancern und Agenturen zugeschnitten ist. Von Web-Analytics-Lösungen über Marketing Automation Software bis Team Communication Services finden sich in der von Software-Entwickler Constantin Graf betreuten Sammlung in 56 Kategorien Lösungen für jeden Anwendungsfall.
Gerade in hochregulierten Branchen wie dem Finanz- oder Gesundheitswesen oder im öffentlichen Sektor ist der Umstieg auf europäische Systeme nicht nur machbar, sondern teils sogar strategisch geboten. Aspekte wie Datensouveränität, Kontrollierbarkeit und Sicherheit gewinnen an Bedeutung - auch als Teil eines umfassenderen Risikomanagements.
Die Realität: Hohe Abhängigkeit, tief integrierte Systeme
In der Praxis jedoch ist ein vollständiger Verzicht auf US-Software für die meisten Unternehmen kaum realistisch - zumindest nicht kurzfristig. "Ein realistischer Weg führt über einen hybriden oder schrittweisen Übergang. Der Aufbau eines fundierten Fahrplans beginnt mit einer detaillierten Bestandsaufnahme - vor allem mit Blick auf kritische Abhängigkeiten - einer interdisziplinären Planung, Pilotprojekten und der sukzessiven Skalierung der Migration. Wichtig ist, klare Ziele in Bezug auf Datensouveränität, Sicherheit und Compliance zu formulieren und diese kontinuierlich zu überwachen", erklärt Schumann. Und sein Kollege Christian Müller , ebenfalls Co-CEO bei Schwarz Digits, ergänzt: "Mit einem strukturierten, phasenweisen Ansatz können Unternehmen nach und nach ihre Abhängigkeiten von US-Clouds verringern und so langfristig eine europäische oder hybride Cloud-Strategie etablieren, die sowohl regulatorischen als auch operativen Anforderungen gerecht wird."Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand:
- Marktdominanz und Funktionstiefe: US-Anbieter bieten technisch ausgereifte, umfassend integrierte Komplettlösungen. Allein das Microsoft-Ökosystem deckt mit Teams, SharePoint, Outlook, Azure und Power BI ein breites Spektrum ab - mit hoher Benutzerakzeptanz und funktionierender Interoperabilität.
- Ökonomische Effizienz: Die Lizenzmodelle großer Anbieter sind oft wirtschaftlich attraktiv, Skaleneffekte inklusive. Ein Wechsel auf alternative Lösungen verursacht nicht nur Migrationsaufwand, sondern kann auch zu Produktivitätseinbußen führen.
- Fachkräftemangel: Der Aufbau von internem Know-how für Open-Source-Systeme oder Self-Hosting-Lösungen ist für viele Unternehmen nicht realistisch - zumal der Markt für IT-Fachkräfte ohnehin angespannt ist.
Der Mittelweg: Hybride IT-Strategien mit Exit-Optionen
Die Lösung liegt daher weniger in einem radikalen Bruch, sondern in einer schrittweisen, strategisch durchdachten Neuausrichtung. Realistische Ansätze sind:- Verlagerung sensibler Daten und Workloads in europäische Cloud-Umgebungen, während weniger kritische Anwendungen weiterhin über US-Plattformen laufen.
- Multi-Cloud- und Exit-Strategien: Unternehmen sollten künftig verstärkt auf Interoperabilität, Containerisierung und offene Standards setzen - um im Ernstfall flexibel agieren zu können.
- Förderung europäischer Softwareindustrie: Initiativen wie GAIA-X oder das EU-weite Projekt IPCEI Cloud Infrastructure zielen darauf ab, langfristig tragfähige Alternativen zu schaffen. Noch sind viele dieser Lösungen nicht marktreif - aber strategisch notwendig sind sie allemal.
Digitalsteuer als geopolitisches Steuerungsinstrument
Ein zusätzlicher Hebel für mehr digitale Souveränität könnte eine europäische Steuer auf digitale Dienstleistungen sein. Sie würde große internationale Plattformen und Cloudanbieter, die erhebliche Umsätze in Europa generieren, an der Wertschöpfung beteiligen und so den Wettbewerb fairer gestalten. Die Auswirkungen wären vielfältig:- Stärkung europäischer Anbieter: Sie könnten von einer steuerbedingten Angleichung der Wettbewerbsbedingungen profitieren.
- Risiko von Handelskonflikten: Die USA haben bereits in der Vergangenheit negativ auf nationale Digitalsteuern reagiert. Eine EU-weite Lösung wäre diplomatisch und wirtschaftlich besser absicherbar.
- Signalwirkung: Eine Digitalsteuer wäre Ausdruck europäischer Selbstbestimmung in der Digitalpolitik und könnte die Debatte um digitale Souveränität beschleunigen.
Allerdings stößt eine Digitalsteuer auch in der europäischen Digitalwirtschaft nicht gerade auf Begeisterung. "Eine Digitalsteuer ist insofern problematisch, als dass sie insbesondere auch die deutsche und europäischen Digitalwirtschaft treffen würde. Ich sehe daher die Gefahr, dass die digitale Transformation der Wirtschaft ins Stocken geraten könnte", warnt Oliver Süme , Vorstandsvorsitzender des Digitalverbands eco. "Wir müssen Digitalisierung aber mehr denn je konsequent vorantreiben, um im globalen Technologie- und KI-Wettbewerb aufzuholen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir müssen bei der Diskussion um Gegenzölle unbedingt darauf achten, dass wir uns mit Blick auf Maßnahmen im Bereich der Digitalwirtschaft nicht ins eigene Knie schießen."
Eine Digitalsteuer würde wohl ähnlich wirken, wie Zölle: Letztlich würden die betroffenen US-Unternehmen ihre Kosten dann auf die Preise aufschlagen. "Insbesondere bei einer Digitalsteuer würden die Zeche eines solchen in den digitalen Raum verlagerten Handelskrieges dann die hiesigen Unternehmen, Verwaltungen und Bürgerinnen und Bürger zahlen, die in vielen Bereichen wie Standard-Software und Cloud-Lösungen aktuell noch auf US-Anbieter angewiesen sind", mahnt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst . "Gegenmaßnahmen müssen sorgfältig und klug abgewogen werden."
Die Befürchtung der Verbandschefs: Kosten würden erhöht, wo sie gegenwärtig eigentlich gesenkt werden müssten. Die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung würde gebremst, wo sie doch dringend beschleunigt werden müsste. Derzeit fehlt es in Europa schlicht noch an ausreichenden Alternativen.
Souveränität braucht Strategie, nicht Symbolpolitik
Ein vollständiger Verzicht auf US-Software ist theoretisch möglich - aber praktisch nur für Unternehmen realisierbar, die bereit sind, Zeit, Ressourcen und Know-how zu investieren. Für die Mehrheit bietet sich ein strategischer Mittelweg an: die Entwicklung hybrider IT-Architekturen mit Rückzugsmöglichkeiten, kombiniert mit politischer Unterstützung und wirtschaftlichen Anreizen für europäische Lösungen. Langfristig lässt sich dann mit einer klugen Wirtschaftspolitik die europäische Digitalwirtschaft stärken und wettbewerbsfähig machen. Digitale Souveränität ist keine Frage der Ideologie, sondern der Weitsicht.AIMAX Business Solutions - eine Division der tripuls media innovations gmbh
Die KI-Infrastruktur-Lösung AIMAX® bildet die zentrale Plattform zur KI-Adoption in Unternehmen. Mit AIMAX® steht die Power von Künstlicher Intelligenz sofort allen Mitarbeitern und in Ihren Prozessen zur Verfügung. AIMAX® steht dabei für 100% Datenschutz, Datensicherheit, Effiziente Automatisierung, Enterprise-readyness, Digitale Souveränität und Zukunftssicherheit durch höchste Flexibilität.
Unternehmensprofil ansehen
