Jetzt zum Webinar anmelden
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Exklusivstudie deutsche Plattformökonomie: Wo das Geld verdient wird
17.03.2022 Zukunft 'Gig-Economy', 'Post Paycheck Economy'? Doch wie viele Deutsche verdienen ihr Geld auf digitalen Plattformen von Amazon bis Uber wirklich? Bislang gingen die Schätzungen weit auseinander. Unsere bevölkerungsrepräsentative Studie bringt erstmals Licht ins Dunkel der Plattformarbeit und liefert Handlungsempfehlungen für Digitalverantwortliche und die Politik.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
Auch für EndverbraucherInnen existieren mittlerweile Plattformen ohne Zahl: Man kann auf ihnen sein Liebesglück finden, mit dem getinderten Partner eine Ferienwohnung mieten - oder gleich ein Haus kaufen. Per Plattform kann man sich das romantische Dinner zu zweit online liefern lassen und danach beim Zusammenziehen den überflüssigen doppelten Hausrat online verkaufen.
Die Plattformökonomie dringt so längst in alle Aspekte des eigenen Lebens vor. So ist es kein Wunder, dass auch immer mehr Menschen ihr Geld auf solchen Plattformen verdienen: Als Pizzaboten und Onlineshopbetreiber, als InfluencerInnen und MicrojobberInnen, als IT-Projektabwickler, Handwerker oder Urlaubswohnungsvermieter.
In der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Diskussion werden aktuell sehr unterschiedliche Zahlen genannt über Crowdworking beziehungsweise Plattformarbeit in Deutschland. Deswegen haben wir zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Splendid Research eine bevölkerungsrepräsentative Studie durchgeführt, die ermitteln sollte, wie viele Menschen ihr Einkommen ganz oder teilweise über (Online-)Plattformen bestreiten.
Knapp die Hälfte davon - 2,93 Millionen Menschen - bietet Dienstleistungen an, beispielsweise über Projektportale die Programmierung einer Website oder den Entwurf eines Logos oder fahren für Uber & Co., liefern Essen und Waren des täglichen Bedarfs oder lassen sich über Handwerkerportale engagieren. 2,5 Millionen sind im weitesten Teil im E-Commerce unterwegs, mehr als eine Million verdienen ihr Geld als InfluencerInnen oder BloggerInnen mit Affiliate- beziehungsweise Google-Adsense-Programm .
Mit einem Anteil von 19 Prozent sind mit Offline-Microtasks - also Pizzalieferung und online vermittelte Services - die meisten Crowdworker beschäftigt. Die anderen von uns abgefragten Plattformtätigkeiten sind gleichermaßen beliebt.
Lediglich die Nur-Online-Jobs - wie der Verkauf von nicht-materiellen Waren und Online-Microjobs - werden von weniger Plattformarbeitenden durchgeführt. Offensichtlich gibt es weniger GoldfarmerInnen, NFT-Verkaufende und Mechanische TürkInnen .
Die Mehrheit der von uns Befragten verdient ihr Geld dabei nach eigenen Angaben über mehr als eine Art von Plattformarbeit. Aber immerhin 1,3 Millionen erwirtschaften ihr gesamtes Einkommen über die Plattformökonomie - das ist jede beziehungsweise jeder Fünfte.
Männer verdienen nicht nur häufiger in der Plattformökonomie ihr Geld (19 Prozent der Männer, aber nur 13 Prozent der Frauen sind Crowdworker) - Männer verdienen auch im Schnitt deutlich mehr Geld auf Plattformen als Frauen. Während Plattform-aktive Frauen auf Plattformen ein Viertel ihres Einkommens generieren, sind es bei Männern über 40 Prozent.
Von den vom Statistischen Bundesamt gezählten 1,6 Millionen EinzelunternehmerInnen verdient rund ein Drittel sein/ihr Geld ganz oder teilweise in der Plattformökonomie. Von den 1,4 Millionen UnternehmerInnen sind es sogar zwei von fünf. Deutlich weniger in der Plattformökonomie tätig sind die abhängig Beschäftigten. Von ihnen ist es nur einer von sieben.
Sofern sie auf Plattformen überhaupt unterwegs sind, machen (Einzel-)unternehmerInnen und Freiberufler rund die Hälfte ihres Umsatzes dort. Interessant: Auch Festangestellte erwirtschaften vergleichsweise viel - durchschnittlich ein Drittel - ihres Einkommens über Onlineplattformen.
Die Mehrheit ist mit ihrer Plattformtätigkeit zufrieden
Auf ihre bezahlte Arbeit auf Plattformen und Marktplätzen hat offensichtlich die Mehrheit der Plattformarbeitenden eine positive Sicht. Das zumindest lässt sich aus den Antworten auf unsere Fragen herauslesen. Wir wollten wissen, welchen Aussagen die Befragten am ehesten zustimmen: "Ich will den Anteil der Plattformarbeit an meinem Einkommen in Zukunft" - erhöhen, senken oder auf dem jetzigen Niveau lassen? Wir haben den Graden der Zustimmung Werte zwischen 0 und 5 zugewiesen und den Durchschnitt ermittelt:
Ergebnis: Mehrheitlich wollen die Crowdworker den Plattformanteil eher erhöhen (durchschnittlicher Zustimmungswert 2,9 von 5) als senken (1,8) oder auf gleichem Niveau belassen (2,2). Selbstständige planen am ehesten eine Erhöhung des Plattformanteils, UnternehmerInnen sind mit dem Status quo am meisten zufrieden.
Für sehr viele ist Plattformarbeit eine Methode, um selbstbestimmt zu arbeiten. Als Methode, an neue KundInnen zu kommen, oder als Testmarkt sehen vor allem Freelancer und Unternehmer ihr Engagement auf Plattformen.
Der Aussage "Plattformarbeit ist für mich eine Methode, Geld zu verdienen, so lange ich nichts besseres finde" wird ebenfalls vor allem von Freiberuflern überdurchschnittlich oft zugestimmt. Diese wollen aber nicht fest angestellt sein. Hier scheint eher der Wunsch nach freiberuflichen Projekten außerhalb der Plattformen der Grund zu sein. Angestellte, die sich nebenbei auf Plattformen etwas dazu verdienen, sehen das übrigens nur zum Teil als Ersatz für Festanstellung oder anderen Job - sie sind überdurchschnittlich mit ihrer Aufteilung zwischen Job und Plattformarbeit zufrieden und wollen nach wie vor fest angestellt sein.
Was genau machen Plattformarbeitende eigentlich für ihren Broterwerb. Wir haben den Befragten eine Liste von möglichen Dienstleistungen vorgelegt:
- Microtasks (kleine Tätigkeiten, üblicherweise im Centbereich, z.B. für die Bewertung einer Bildbeschreibung)
- Online-Makrotasks (ein online abgewickeltes Projekt, zum Beispiel die Programmierung einer Website oder der Entwurf eines Logos)
- Offline-Makrotasks (ein online vermitteltes Projekt, das aber offline abgewickelt wird, beispielsweise die Lieferung einer Pizza oder die Renovierung einer Wohnung)
- Auftritt auf virtuellen Plattformen, für die man indirekt entlohnt wird (z.B. Werbeeinnahmen auf Youtube)
Ebenso wie eine Liste von ECommerce-Aktivitäten:
- Verkauf physischer Waren, die man selber hergestellt hat (z.B. Kunsthandwerk)
- Verkauf physischer Waren, die man nicht selber hergestellt hat (z.B. Importwaren)
- Verkauf nicht materieller Waren, die man selber hergestellt hat (z.B. Seminare, Software, Kunst)
Bei den Dienstleistungen zeigt sich, dass Freiberufler und (Einzel-)unternehmerInnen überdurchschnittlich oft Erträge über Präsenzen auf virtuellen Plattformen erzielen - ebenso wie die nicht Berufstätigen. Diese verdienen häufiger Geld mit Online-Gigs auf Plattformen. Offline-Arbeiten wiederum ist etwas, was vor allem Festangestellte überdurchschnittlich oft als Einkommensquelle nutzen - ein Zeichen für plattformgetriebene Wochenendarbeit neben dem eigentlichen Job.
Virtuelle Produkte sind nur für eine Minderheit der Befragten ein nennenswerter Teil des Einkommens. Klassische Handelstätigkeit auf Amazon, Ebay oder anderen Marktplätzen ist eher eine Angelegenheit von (weiblichen) EinzelunternehmerInnen und nicht Berufstätigen. Demgegenüber sind als Hersteller auf Plattformen eher (männliche) Unternehmer aktiv.
Der Markt für Plattformarbeit wächst. Nach EU-Einschätzung arbeiten über 28 Millionen Menschen in der EU über digitale Arbeitsplattformen. Im Jahr 2025 wird mit 43 Millionen Beschäftigten gerechnet. Zwischen 2016 und 2020 verfünffachten sich die Einnahmen in der Plattformwirtschaft annähernd, von schätzungsweise drei auf rund 14 Mrd. Euro.
Die überwiegende Mehrheit dieser Menschen ist tatsächlich selbstständig. Allerdings gehen Forschende davon aus, dass 5,5 Millionen fälschlicherweise als Selbstständige eingestuft werden. Bisher waren zum Beispiel die FahrerInnen von Uber, Lieferdiensten oder andere Plattform-ArbeiterInnen scheinselbstständig und damit weitgehend rechtlos. Nun hat die EU-Kommission einen Entwurf vorgelegt , der die Scheinselbständigkeit stoppen soll (iBusiness: EU will Auslieferer aus Scheinselbständigkeit holen). Mit der vorgeschlagenen Richtlinie soll sichergestellt werden, dass Personen, die über digitale Arbeitsplattformen arbeiten, den rechtmäßigen Beschäftigungsstatus erhalten, der ihren tatsächlichen Arbeitsregelungen entspricht. Sie enthält eine Liste von Kontrollkriterien, mit deren Hilfe festgestellt werden kann, ob es sich bei der Plattform um einen 'Arbeitgeber' handelt.
Zumindest für den Teil der Befragten, die laut eigener Angabe lieber festangestellt wären, ist das ein Ausweg.
