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Be a platform: Wie man ein Ökosystem wird - Video-Podcast
29.01.2021 Wirklich erfolgreich im Internet ist derjenige, der es schafft, eine Plattform aufzubauen: Amazon, Google oder Apple haben keine Kunden - sie haben Abonnenten, Fans oder Jünger. Im Video-Podcast sprechen wir darüber, wie man wie sie wird.
Amazon ist ein Musterbeispiel für einen Kunden-LockIn, vielleicht das beste, das es aktuell gibt. "Die vielen Effekte eines LockIn-Systems wie Amazon sind nicht alle bewusst geplant gewesen, sondern entstehen natürlich - das Unternehmen ist kaum mit dem Vorsatz eines kundenbindenden Ökosytems gestartet", sagt Professor Dr. Ralph Sonntag , Marketing-Experte und Hochschullehrer an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden . "Diese Aspekte entstehen mit der Zeit und kommen verstärkt mit dem Wachsen des Unternehmens auf. Ein LockIn ist zunächst nicht Unternehmensziel, aber er entsteht dann, wenn man als Firma in einer Wachstumsphase ist und sich die Frage stellt: 'Wie kann ich meine Kunden halten?'" Gerade die großen US-Online-Unternehmen haben sich hier mit effektiven Strategien hervorgetan, an denen sich deutsche Firmen nach wie vor schwertun - und das ist kein Zufall.
Im Video-Podcast stellen iBusiness-Analyst Sebastian Halm und Herausgeber Joachim Graf die sieben unterschiedlichen Merkmale eines Plattform-LockIns vor. Sie diskutieren, wie diese auch für kleine Unternehmen umsetzbar sind - und warum sich Deutsche mit dem Plattform-Geschäft oft so schwer tun.
Wem das nicht reicht, der kann noch mit drei Methoden upgraden: Marken können durch spirituelle Symbolik einen fast religiösen Bypass um das rationale Denken herum schaffen - die Bindung des Nutzers erreicht dann quasireligiöse Züge. Fast alle großen Marken benutzen spirituelle oder religiöse Metaphern, sagt Christian Hoffmeister, Dozent und Inhaber des Beratungsinstitutes DCI Institute : "Das Facebook-F ist ein christliches und orthodoxes Kreuz kombiniert, Apple nutzt den angebissenen Apfel, das am stärksten aufgeladene christliche Symbol aller Zeiten, die größte Datenbank der Welt hat den mythologischen Namen Oracle - und dann kommen im Vergleich dazu wir deutschen mit unseren Axel-Springers , SAPs und Volkswagen um die Ecke - das erzeugt keine irrationale Bindung, das ist alles eher grundsolide."
Wenige haben den Luxus - aber wer es kann, dem steht noch ein weiterer mächtiger Weg zum LockIn offen: Das eigene Endgerät. Amazon tut es mit Echo und dem Kindle, Apple mit iPhones und Co., Google hat Android-Telefone. Es ist der Zugang ins Allerheiligste des Kunden - seine Jackentasche und seine Wohnung. Es ist servicierbar und dauerschuldverhältnis-fähig (was genau das bedeutet, hat iBusiness in der Analyse von Smart-Home-Technologien aufgezeigt). Aber auch kleinere Player schaffen es, eine eigene Hardware zu lancieren: Der sprechende Lern- und Quizstift für Kinder Tiptoi etwa. Volkswagen hat zwar auch ein eigenes Endgerät - aber das ist eben nur ein Auto.
Wer es schafft, seine Marke mit einem zeitlich festgesetzten Ritual zu verbinden, baut eine Sperre gegen die Vergleichbarkeit mit der Konkurrenz. Man könnte die beste Fernsehserie der Welt am Sonntagabend um 20.15 Uhr zeigen - halb Deutschland bekäme nichts davon mit, weil es den fest ritualisierten Tatort-Konsum vornimmt. "Ähnlich geht Instagram mit den Stories vor: Die verfallen nach 24 Stunden - ich muss es mir also zum Ritual machen, einmal am Tag nachzusehen, will ich nichts versäumen", erklärt Christian Hoffmeister. Ein ähnliches Beispiel liefert der Saucen-Hersteller Miraculi mit seinem Miracoli-Tag, der bestimmt noch mehr Menschen im Ohr hängen geblieben ist, als sämtliche englischen Marken-Slogans der 20er akkumuliert. Jetzt fehlt nur noch der Community-Aspekt samt Rezept-Community und Challenges - aber obwohl Miracoli-Eigner Mars ein US-Konzern ist, tun die sich mit Ökosystemen offenbar schwer.
